Wilmersdorfer Tennishalle

Die 4000 qm große Wilmersdorfer Tennishalle stand in der Brandenburgischen Straße 84, Ecke Konstanzer Strasse. Sie wurde 1930 in nur 3 Monaten erbaut und am 19.12.30 eingeweiht. Die Tribünen fassten 2000 Zuschauer.
Im II. Weltkrieg diente sie als Munitionslager.

Nach dem II. WK. haben die Briten die Tennishalle als Busbahnhof für Ihren Omnibusbetrieb (eigene Omnibusse,Personalstellung durch die BVG) genutzt.
Ab Mitte der 1950er Jahre, cach Freigabe durch die Besatzungsmacht, hat die BVG die Halle für ihre Zwecke umgebaut, es entstanden ein Betriebshof und ein Busbahnhof. Zunächst wurde die Wagenhalle von der BVG als Zweigstelle des Betriebshofes Helmholtzstraße und später als solche des Betriebshofes Cicerostraße verwendet.

Aus einem BVV-Protokoll von 1957 geht hervor, dass auch Anträge gestellt wurden, dass die Tennishalle auch weiter für Sportveranstaltungen genutzt werden sollte. Darus wurde aber nichts, da die BVG schon viel Geld in Neuanschaffungen für den Umbau gesteckt hatte.

Gegenwärtig dient die Halle der BEHALA als Lager.

Der Berliner Westen, Ausgabe vom 21.12.1930, 1. Beilage zu Nr. 350

Hallentennis-Premiere in Wilmersdorf
Berlins erstes Hallentennis-Turnier

Die erste Berliner Hallen-Tennis-Saison ist eröffnet: Gestern nachmittag fanden in der neuen Tennishalle in der Brandenburgischen Straße die ersten Spiele statt. In Anbetracht der Sonnabend-Abendspiele und des sehr umfangreichen Sonntag-Programms durfte man sich nicht wundern, wenn die riesige Halle nicht ganz gefüllt war. Immerhin bekam man ein sehr schönes Bild zu sehen, und es ist leicht, sich auszumalen, wie künftige große Turniere aussehen werden.
Imposant wirken die riesigen, zweitausend Zuschauer, fassenden Tribünen, unter denen sich die großen Wandelgänge befinden, die in den Pausen Gelegenheit geben, auch den notwendigen gesellschaftlichen Teil eines Tennis-Turniers, die entsprechende Folie zu verleihen. Alles ist in diesen Gängen vereint: die Turnierleitung, die Pressestelle, die Kabinen für die Spieler u. a. m; die Außenwände sind mit den Vitrinen bekannter Sport- und Luxusartikelgeschäfte bestanden, deren Licht den festlichen Glanz noch erhöht, der alles überstrahlt. Man muss sich immer wieder wundern, wie schnell dieses Werk geworden ist, in welch kurzer Zeit sich die mächtigen Träger aneinanderfügten, um die viertausend Quadratmeter große Fläche der Halle zu überdecken. Wenn dennoch fast alles anheimelnd und intim wirkt, dann ist das ein weiteres Verdienst der vortrefflichen konstruktiven und architektonischen Arbeit, die hier geleistet wurde. Die Halle ist in Europa eben einzig bestehend, und es ist schwer, irgendwelche Vergleiche zu ziehen. Die Raumwirkung zieht jeden Zuschauer in ihre Bann. Die Besetzung der Eröffnungsveranstaltung ließ nichts zu wünschen übrig: den besten einheimischen Spielern und Spielerinnen Prenn, Kleinschroth, Frenz, Frau von Reznicek, Fräulein Krahwinkel ufm. traten so prominente ausländische Gäste wie Italiens Champion de Morpurgo, Ungarns Meister Bela von Kehrling sowie die österreichischen Davispokalspieler Artens und Matejka entgegen. Die Serie der Wettkämpfe eröffneten von Kehrling und Frenz, die sich besondern im zweiten Satz einen sehr interessanten Kampf lieferten, wobei bald der eine, bald der andere im Vorteil war. Im dritten Satz ließ dann der Norddeutsche stark nach, so dass von Kehrling das Treffen mit 6:3, 6:8, 6:0 gewann. Scharf umstritten war auch der erste Satz des Herrendoppelspiels zwischen Prenn-Dr. H. Kleinschroth und Artens-Matejka. Die beiden Wiener leisteten heftigen Widerstand, mussten sich schließlich aber mit 8:6, 6:1 geschlagen bekennen. Frau von Reznicek ging gegen Fräulein Krahwinkel zunächst mit 3:1 in Führung, doch hatte die Westdeutsche bald ihre Sicherheit wiedergefunden und mit fünf hintereinander gewonnenen Spielen buchte sie den ersten Satz mit 6:3 für sich. Der zweite Satz bot fast das gleiche Bild. Trotz ihres taktisch klugen Spiels scheiterte Frau von Reznicek an der größeren Sicherheit von Frau Krahwinkel, die das Match mit 6:3, 6:2 zu ihren Gunsten entschied. Im abschließenden Doppelspiel waren de Morpurgo-von Kehrling den Berlinern Hartz-Schwenker natürlich haushoch überlegen, das italienisch-ungarische Paar siegte mit 6:2, 6:1.