Thema des Monats Dezember 2011

Entwicklungschancen für den Güterbahnhof Grunewald

Die Bezirksverordnetenversammlung diskutiert

Link zu: Die Cordesstraße auf dem Güterbahnhofsgelände
Die Cordesstraße auf dem Güterbahnhofsgelände Bild: Achtung - Copyrighthinweis muss ergänzt werden!

Das Gelände des früheren Güterbahnhofs Grunewald an der Cordesstraße zwischen der Avus, der Halenseestraße und den Bahngleisen gehört dem Unternehmer Kurt Krieger. Er will dort ein großes Möbelhaus errichten. Eine Bürgerinitiative von Anwohnern in Eichkamp ist wegen der zu erwartenden hohen Verkehrsbelastung gegen das Projekt. Auch die BVV hat sich in einem Beschluss am 17. November gegen die Pläne gewandt.

SPD-Fraktion

Der SPD-Fraktion ist bewusst, dass ein zu entwickelndes Areal von der Größe von 14,5 ha (ca. 20 Fußballfelder) eine Chance zur Gestaltung ist, trotz der Lage zwischen Bahn und Autobahn. Wir wollen, dass das Gebiet eine Entwicklung erfährt, die für die Anwohnerinnen und Anwohner der Umgebung, für die vorhandene Natur und auch für die denkmalgeschützten Gebäude auf dem Gelände verträglich ist. Gleichzeitig sehen wir die Notwendigkeit, eine solche Entwicklung auch zu finanzieren. Die SPD-Fraktion kann sich eine vielseitige Nutzung – auch für Wohnzwecke – vorstellen. Eine hochwertige Stadtentwicklung kann nicht durch eine reine Nutzung durch ein Möbelhaus erreicht werden. Wir erwarten vom Investor, dass er sich anderen Nutzungskonzepten öffnet und produktiv daran mitwirkt. Bei der Entwicklung von Ideen und der Umsetzung müssen die Menschen vor Ort frühzeitig miteinbezogen werden. Wir sind überzeugt, dass hier noch ein langer Weg zu gehen ist, an dessen Ende eine qualitative und standortgerechte Entwicklung stehen wird.
Heike Schmitt-Schmelz

CDU-Fraktion

Um das Entscheidende vorweg zu nehmen: Die CDU steht auch nach der Wahl zu dem, was sie vor der Wahl gesagt hat! Wir begrüßen grundsätzlich die Entwicklung des Geländes des ehemaligen Güterbahnhofes Grunewald. Dabei ist allerdings der Umgebung, der Geschichte des Areals und dem vorhandenen Denkmalschutz in vielerlei Hinsicht Rechnung zu tragen. Außerdem ist in hohem Maße auf die Interessen der Bürger zu achten, insbesondere der Anwohner der Siedlung Eichkamp und der Villenkolonie Grunewald, wobei dies nicht nur die unmittelbare verkehrliche Anbindung und daraus entstehende Immissionen betrifft, sondern auch eventuelle Umfahrungsrouten der AVUS durch den Grunewald (Königsweg/Eichkampstraße). Die CDU Charlottenburg-Wilmersdorf fordert daher, die Anwohner in die weiteren Planungen mit einzubinden. Sollten all diese Belange Berücksichtigung finden, wäre grundsätzlich auch eine gewerbliche Nutzung vorstellbar.
Stefan Häntsch

Fraktion Bündnis 90/Die Grünen

Auf dem ehemaligen Güterbahnhof Grunewald, der wie eine Insel zwischen der Siedlung Eichkamp und einem Grunewalder Villenviertel liegt, herrscht erstaunliche Ruhe. Mit seinem Ensemble aus charakteristischen, unter Denkmalschutz stehenden Eisenbahnerwohnungen und Werkstattgebäuden vom Ende des 19. Jahrhunderts und einer wertvollen Vegetation wartet er auf eine Nutzung für die Allgemeinheit. Während die früheren Bahnflächen entlang des Berliner S-Bahnrings mit Lager- und Gewerbebauten planlos bebaut werden, kann über dieses Gelände noch nachgedacht werden: Könnte das Ensemble aus idyllischen Bahnerwohnungen und Werkstattgebäuden nicht den Anfang für experimentellen Wohnungsbau, gemischt mit Jugendwerkstätten, Kunsträumen und mittelständischem Gewerbe bilden?
Übrigens: In der BI „Zwischen den Gleisen“ machen sich Anwohner bereits Gedanken über die Zukunft des Geländes. Sie sind erreichbar unter: info@bi-zwischen-den-gleisen.de
Dr. Volker Heise

Fraktion Die Linke

Hier muss die BVV in dieser Wahlperiode eine Lösung finden, die der Lage des Geländes und den Bedürfnissen im Bezirk gleichermaßen gerecht wird. Aus unserer Sicht passt in diese Überlegungen der Bau eines Möbelhauses nicht. Der Bezirk hat ganz andere Probleme. So sollte überlegt werden, wie man das Gelände so erschließen kann, dass über einen Bebauungsplan eine Wohnbebauung nach neuesten Umweltmaßstäben und einer für junge Familien bezahlbaren Miete entstehen kann. Möglichst mit einer Infrastruktur, von der auch die Einwohner der anliegenden Gebiete ihren Nutzen haben. Eine andere Möglichkeit ist die Ausweisung als Sportgelände, um zum Beispiel die Sportplätze des BSC aus einem Wohngebiet in dieses Gelände zu verlagern. Damit wäre das ewige Streiten wegen der angeblichen Lärmbelästigung zu Ende. Man könnte dann auf diesem Gelände eine sozial- und umweltverträgliche Wohnbebauung durchführen. Alle hätten gewonnen.
Wolfgang Tillinger