Jetset, Wetter & Rassismus: Kruses krasse Europa-Emotionen

Jetset, Wetter & Rassismus: Kruses krasse Europa-Emotionen

Zuerst redete Max Kruse nur über das Wetter. Gar nicht so warm sei es in Monte Carlo, berichtete Union Berlins Europa-Garant von seinem Ausflug per Privatjet zur Formel 1 ins Fürstentum. Den gar nicht banalen Schandfleck an einem auch für Kruses Verhältnisse ziemlich emotionalen Wochenende wollte der Offensivstar der Eisernen aber auch nicht verschweigen.

Max Kruse

© dpa

Unions Max Kruse.

Bei der für Corona-Verhältnisse monströsen Jubel-Party für den sensationellen Einzug in die Conference League war seine Freundin auf dem Parkplatz des Stadions An der Alten Försterei von einem Union-Fan rassistisch beleidigt und mit Bier beworfen worden.
«Aber, ja ich weiß, dass wir als Union keine Rassisten sind, trotzdem schade, dass ich diesen Kerl nicht gefunden habe, weil Rassismus ist fehl am Platz und das fucked mich ehrlich gesagt auch richtig ab», sagte Kruse bei seiner schon obligatorischen Instagram-Erzählstunde. Erst vor kurzem hatte sich der 33-Jährige gegen soziale Anfeindungen im Internet gegen seine Freundin gewehrt. Diese liebe ihn nur, weil er Geld habe, pöbelte ein User - und nun auch noch Rassismus. Das passt so gar nicht in das Selbstbild des 1. FC Union.
Die Köpenicker gingen am Montag so vehement wie möglich vor. «Von diesen Idioten gibt es leider noch zu viele: Bleibt einfach weg und lasst uns in Ruhe!», schrieb der Fußball-Bundesligist bei Twitter. Die Fans wurden aufgefordert, aktiv gegen solche Verfehlungen vorzugehen und im speziellen Fall bei der schwierigen Suche nach dem Täter zu helfen. «Eisern dagegenhalten und falls jemand das beobachtet hat, meldet Euch bitte bei uns!», hieß es.
Eigentlich haben sie in Berlin-Köpenick jetzt ganz andere Themen zu erledigen - erfreuliche. Während Kruse Richtung Jetset-Location am Mittelmeer abdüste, nahm die Führungstroika der Eisernen in einer Lounge im Stadion platz und erzählte, wie es mit dem Sensationsteam der Fußball-Bundesliga weitergeht. Ein bisschen bieder im Vergleich zum glamourösen Star mit Selbstdarstellungsdrang wirkte das dann schon, was Präsdent Dirk Zingler, Geschäftsführer Oliver Ruhnert und Erfolgscoach Urs Fischer erzählten.
Durchdrehen wollen sie bei Union wegen der Playoffs im kleinsten der drei Europacups nicht. «Wir starten wieder mit dem Ziel in die neue Saison, das angemessen ist, angemessen wird der Klassenerhalt bleiben», sagte Club-Boss Zingler. An Ruhnert geht also erneut der Auftrag, eine neue Mannschaft zu bauen, mit der Fischer seine unaufgeregte Arbeit fortführen kann.
Union arbeitet viel mit Leihgeschäften. Das Team wird sein Gesicht verändern. Nico Schlotterbeck, Christian Gentner, Loris Karius, Taiwo Awoniyi, Joel Pohjanpalo, Christopher Lenz, Benjamin Hübner - die Liste der fixen oder möglichen Abgänge ist lang. Rani Khedira und Levin Öztunali sind zwei der ersten Neuzugänge.
Europa sei nur ein Entwicklungsschritt, meinte Zingler. Viele Millionen zu verdienen gibt es in der Conference League eh nicht. Bestehen könne Union nur, wenn man auch bei Transfers weniger Fehler mache als die Konkurrenz. Oder eben solche Glückstreffer landet wie mit Kruse. Union und Kruse, Kruse und Union. Das schien vor einem Jahr noch ein gewagtes Experiment in beide Richtungen, wenn nicht gar ein Ding der Unmöglichkeit. Da der von Tradition und Ideologie getriebene Prinzipien-Club aus Ost-Berlin, dort Freigeist und schlampiges Genie mit Hang zu klarer Meinungsäußerung in der Social-Media-Blase.
Doch es funktionierte. Dass Kruse nebenbei wie nun in Monaco feierte oder über Radarfallen im Stadtverkehr oder ihm zu unfreundliche Luxus-Autohändler öffentlich moserte? Geschenkt. Kruse bekam die lange Berliner Leine und lieferte. Elf Tore, fünf Assists, wurde trotz anfänglichen Fitness-Problemen und langer Verletzungspause im Winter Top-Scorer und unermüdlicher Antreiber. Das 2:1-Siegtor gegen RB Leipzig in der Nachspielzeit rundete das Gesamtbild perfekt ab.
Platz sieben weit vor dem Lokalrivalen Hertha BSC, 16 Heimspiele in Serie ungeschlagen, weniger Gegentore als der FC Bayern, weniger Niederlagen als Borussia Dortmund, lauten nur einige der erstaunlichen Eckdaten einer famosen Spielzeit. «Es ist Weltklasse, dass wir uns so belohnen für eine herausragende Saison», sagte Kruse.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 24. Mai 2021 12:26 Uhr

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