Fischer will nicht «auf Tisch hauen»: Parallelen zu Schalke

Fischer will nicht «auf Tisch hauen»: Parallelen zu Schalke

Auf Rechenspiele und Krisengerede hat Urs Fischer keine Lust. Vor dem Duell gegen den FC Schalke 04, den einzigen noch schlechter aus der Corona-Zwangspause gestarteten Bundesliga-Club, will sich der Trainer des 1. FC Union Berlin den Blick für die Realität bewahren. «Für mich ist das 10. gegen 14. und nicht 17. gegen 18. Ich schaue mir die ganze Spielzeit an und nicht den Moment», sagte der Schweizer vor der Partie der Eisernen am Sonntag (15.30 Uhr/Sky) im Stadion An der Alten Försterei.

Christopher Lenz

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Christopher Lenz von Union Berlin.

Schalke hat null Punkte seit dem Wiederbeginn, Union nur einen. «Man sieht gewisse Parallelen, aber ich beschäftige mich nur mit meiner Mannschaft», sagte Fischer über die Negativserien beider Vereine. Zumal der Trend bei beiden Teams schon vor der Unterbrechung der Fußball-Bundesliga einsetzte. Union ist seit sechs, Schalke sogar schon seit elf Spielen sieglos.
«Konsequenz» und «Selbstvertrauen» waren die von Fischer am häufigsten gewählten Worte bei einer virtuellen Pressekonferenz am Freitag. Beides erwartet er von den Köpenickern am Sonntag. Das eine werde durch das andere zudem gefördert. «Wir werden eine wirklich gute Leistung abrufen müssen», sagte der 54-Jährige. Es gehe darum, den Schalkern jede Lust an einer möglichen Trendwende zu nehmen. Gegen Schalke kommt es für Fischer darauf an, die Mischung aus robuster Defensive und mehr Offensivgeist wohl zu dosieren. Nur «nach vorne zu rennen», werde auch nicht funktionieren.
Verzichten wird Fischer wohl wieder auf Christopher Lenz müssen. Der linke Verteidiger konnte am Freitag erneut nicht trainieren. Über die Art der Verletzung machte Union keine Angaben. Da auch der erste Ersatzmann für die defensive Außenbahn, Julian Ryerson, passen muss, ist Fischer zu Umbauarbeiten gezwungen. Ken Reichel konnte auf der Position im Derby gegen Hertha BSC (0:4) nicht überzeugen.
Ins Team zurück kommt nach seiner Gelb-Rot-Sperre gegen Borussia Mönchengladbach (1:4) Robert Andrich. Der Mittelfeldantreiber musste sich von Fischer allerdings öffentlich sagen lassen, künftig «cleverer» zu agieren - bei einer weiteren Gelben Karte, der dann zehnten der Saison, droht schon wieder eine Sperre.
Dieser leichte verbale Rüffel war für Fischer schon untypisch. «Auf den Tisch hauen ist nicht mein Ansatz», sagte der Schweizer zu seiner internen Krisenpolitik. «Ich spreche die Dinge an, wenn ich das Gefühl habe, ich muss sie ansprechen», sagte der Chefcoach. Auf den Tisch hauen könne man auch, wenn es gut läuft.
Generell findet der Union-Trainer, dass durch den Abwärtstrend seit März die Wahrnehmung ein wenig verrutscht sei. Mehr als der Klassenerhalt sei für Union nie Thema gewesen - und dieser ist bei vier Punkten Vorsprung auf den Relegationsrang noch gut möglich. «Wir können die Sensation schaffen, in dem wir die Liga halten. Das haben wir von Beginn an gesagt. Alle Jungs haben das im Kopf, die Sensation zu schaffen», sagte Fischer.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 5. Juni 2020 14:43 Uhr

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