«Schullehrer» Fischer und sein Stürmer: Ujah muss umlernen

«Schullehrer» Fischer und sein Stürmer: Ujah muss umlernen

Ein bisschen fühlt sich Anthony Ujah zurückversetzt in seine Schulzeit: Lehrer Fischer bringt dem Stürmer das Fußball-ABC teilweise neu bei. Lohn soll sein erster Bundesliga-Treffer für den 1. FC Union sein - gegen seinen ehemaligen Club Werder Bremen.

Anthony Ujah

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Anthony Ujah spielt den Ball. Foto: Andreas Gora/Archivbild

Berlin (dpa) - Zu einem extravaganten Torjubel wie schon so oft in der Vergangenheit würde sich Anthony Ujah dieses Mal nicht hinreißen lassen. «Ich habe immer Respekt vor meinen ehemaligen Vereinen. Aber ich will unbedingt mein erstes Bundesliga-Tor für Union», sagte der Stürmer vor dem Heimspiel der Eisernen am Samstag (15.30 Uhr) gegen den SV Werder.
14 Pflichtspieltreffer hatte der Nigerianer Ujah in der Saison 2015/16 für den Kontrahenten aus Bremen erzielt, für seinen neuen Arbeitgeber traf er bisher nur im DFB-Pokal.
Mit seiner Rolle und dem Saisonstart mit Aufsteiger 1. FC Union ist Ujah dennoch «sehr zufrieden». Vier Punkte nach drei Spielen und vor allem das jüngste 3:1 gegen Meisterschafts-Mitbewerber Borussia Dortmund hatten viele Experten nach dem Fehlstart gegen Leipzig den Berlinern nicht zugetraut. «Aber wir wollen mehr», betonte der Zwei-Millionen-Euro-Einkauf des Bundesliga-Neulings. «Wir werden auch gegen Werder alles geben, um die Punkte zu behalten», sagte Ujah.
Vor der Kamera des regionalen TV-Senders rbb gab sich der 28-Jährige vor dem Bremen-Spiel wie von gewohnt launig und schlagfertig: «Spaß gehört dazu.». Dabei räumte sein Trainer Urs Fischer ein, dass Ujahs Umstellung in neuer Umgebung noch gar nicht abgeschlossen ist. «Das ist nicht ganz so einfach, das ist wieder ein neuer Verein für ihn. Da gilt es, gewisse Dinge anders zu lösen, weil die Vorgaben andere sind», erklärte der Schweizer. Mainz 05, 1. FC Köln, wieder Mainz und ab diesem Sommer Berlin heißen die bisherigen Profi-Stationen des Afrikaners in Deutschland. Zuvor war er im norwegischen Lilleström, zwischendurch in China gewesen.
«Unter der Woche ist er immer sehr engagiert», berichtete Fischer über seinen Stürmer: «Er zeigt jeden Tag, dass er dazulernen will, dass er Dinge verändern will, die er in der vergangenen Saison noch anders machen musste.» Ujah sieht in dem Union-Coach einen Trainer vom Typ eines «Schullehrers», will das aber keinesfalls negativ werten. «Einfache Dinge sind sehr wichtig. Wir erarbeiten uns viele Dinge immer wieder neu», erklärte der Angreifer, der seit dem Sommer in Berlin-Köpenick ist.
Ujah weiß, dass er sich unter Fischer im großen 33-köpfigen Kader der Unioner immer wieder beweisen muss. «Jeder muss bereit sein», beschrieb er das System des Trainers. «Und die Mannschaft kommt als Erstes. Du musst extra arbeiten, um deine Chance zu bekommen.» Fischer sieht die Entwicklung mit Ujah «auf einem sehr guten Weg».
Gegen Bremen dürfte der Ex-Werderaner wieder in der Startelf stehen, denn die Gewinnerelf aus dem Spiel gegen den BVB hat bei Fischer zumindest einen Bonus. «Never change a winning team. Natürlich, das ist eine Möglichkeit», sagte der 53 Jahre alte Trainer zur Variante, sein siegreiches Team am Samstag nicht zu verändern.
Dass er in Florian Kohfeldt den Assistenztrainer aus seiner Bremer Zeit nun als Chefcoach trifft, verwundert Ujah nicht. «Man konnte damals schon sehen, dass er gute Ideen hat. Ich bin nicht überrascht», sagte der Stürmer. «Werder ist eine starke Mannschaft, sie ist schon lange zusammen.» Union ist bei einem Dutzend Neuzugängen noch immer in der Integrationsphase. «Es braucht einige Zeit», sagte Ujah.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 13. September 2019 12:20 Uhr

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