BFC-Meistertrainer Bogs: «Zu halten war sowieso keiner»

BFC-Meistertrainer Bogs: «Zu halten war sowieso keiner»

Das Ende des DDR-Fußballs war schon lange vor der deutschen Wiedervereinigung besiegelt. Das sagte der einstige Trainer von DDR-Rekordmeister BFC Dynamo kurz vor dem 30. Jahrestag der Einheit am Samstag.

«Zu halten war sowieso keiner. Die wollten alle gleich die D-Mark haben», erinnerte sich der heute 73 Jahre alte Bogs in der «Märkischen Oderzeitung» (Donnerstag). Gleich nach der Maueröffnung am 9. November 1989 habe die Abwanderung der besten DDR-Fußballer in die Bundesliga begonnen. «Die Spielervermittler gaben sich quasi die Klinke in die Hand», bemerkte Bogs.
Der Ausverkauf machte auch vor dem BFC Dynamo nicht halt, der mit vom Ministerium für Staatssicherheit gelenkt wurde. Als erster Spieler der DDR-Oberliga wechselte BFC-Stürmer Andreas Thom zu Bayer Leverkusen. «Das ging nicht von Dynamo aus», erklärte Bogs. «Der DDR-Verband wollte ausloten, was ein Nationalspieler wert ist und bereitete den Transfer mit Vermittlern aus West-Berlin vor. Wir wurden erst einbezogen, als alles so gut wie sicher war.»
Serienmeister BFC Dynamo, bei einem Großteil der Fans wegen seiner Stasi-Nähe unbeliebt, musste selbst für die Abwanderung seiner besten Akteure eine hohen sportlichen Preis bezahlen. Nach der letzten Saison 1990/91, die als Qualifikation für die Bundesliga ausgetragen wurde, musste der Club als FC Berlin den Weg in die Amateur-Oberliga antreten.
«Dass wir so abgestürzt sind, ist auch der Tatsache zuzuschreiben, dass wir auf die Schnelle keine schlagkräftige Mannschaft mehr stellen konnten», erzählte Bogs: Das Geld sei durchaus da gewesen: «Aber man wusste nicht, wie es mit Dynamo weitergeht.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 1. Oktober 2020 14:08 Uhr

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