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Bibliothek & Architektur

Das Prinzip des ungewissen Ausgangs

Bildvergrößerung: Mittelpunktbibliothek Adalbertstraße 2010
Bild: Stefan Altekamp

Die Sanierung der Wilhelm-Liebknecht Bibliothek begann mit dem Vorhaben einer energetischen Fassadensanierung im Rahmen des durch die Bundesregierung initiierten Konjunkturpakets II. Das in den sechziger Jahren errichtete Gebäude sollte an die aktuellen Energiestandards angepasst werden. Zusätzlich wurden Mittel im Förderprogramm BIST (Bibliothek im Stadtteil) beantragt. Mit dem positiven Bescheid entstand die Chance, das Haus grundlegend umzubauen, und für die neuen Aufgaben der Bibliothek zukunftsfähig zu machen.

Bildvergrößerung: Mittelpunktbibliothek Adalbertstrasse Veranstaltungsraum Kinder
Bild: Gudrun Arndt

Mit dem Förderantrag wurde die Programmatik der Bibliothek mit den Akteur*innen grundlegend diskutiert, da sich das klassische Aufgabenfeld der Bibliothek in den letzten Jahren verschoben hat: Neben den Aufgaben einer klassischen Leihbibliothek spielen Angebote im Bereich der Fort- und Weiterbildung und der Kultur eine wesentliche Rolle im Alltag der Bibliothek. Aufgrund der Struktur des Hauses mussten viele dieser Angebote in enger Nachbarschaft erfolgen, ohne die Möglichkeit, akustisch separierte Bereiche nutzen zu können. Durch transluzente Profilglaswände wurden in den verschiedenen Etagen neue Raumsequenzen geschaffen, ohne die Großzügigkeit der Räume spürbar einzuschränken.

Die maßgebliche Umgestaltung wurde im Foyerbereich realisiert. Durch eine Schließung der Hofdurchfahrt wurde die Fläche des Foyers erheblich erweitert, in der heute die Selbstverbuchergeräte stehen. Zusätzlich entstand im Eingangsbereich der Zeitschriftenbereich mit einer Kaffeetheke. Dieser Bereich liegt an der Straßenseite und ist durch eine transparente, großformatige Glasfassade das Schaufenster der Bibliothek zum Stadtraum.

Im Zuge der Fassadensanierung erhielt das Gebäude auf der repräsentativen Straßenseite eine Glashaut aus Profilglas. Diese vorgestellte Glashaut übersetzt die Proportionen der ursprünglichen Bandfassade in unterschiedliche Glasqualitäten: Dort, wo Fenster angeordnet waren, wird die Glasfassade zweischalig ausgeführt, der Zwischenraum der Profilglaselemente wird mit transparenter Wärmedämmung ausgefüllt. Auf diese Weise können lichtdurchlässige – und gedämmte – Fassadenflächen erzeugt werden. Mit dieser gläsernen Haut erhält das Haus ein neues, an diesem Standort signifikantes Erscheinungsbild.

Ralf Fleckenstein (gekürzt)
www.ff-architekten.de

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Ermöglicht wurde dieses Bauprojekt durch Bundes- und Landesmittel aus dem Konjunkturpaket II, Mittel der Europäischen Union, EFRE-Fonds (Programm Bibliothek im Stadtteil/BIST) und bezirkliche Mittel.

Impressionen

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Namensgeber Wilhelm Liebknecht

Wilhelm Liebknecht

Wilhelm Liebknecht (1826-1900), Politiker, geboren am 29.März 1826 in Gießen, Vater von Karl Liebknecht. Liebknecht studierte in Marburg Philologie und Philosophie und absolvierte daneben eine Tischlerlehre. 1848/49 nahm er an der Revolution in Baden teil, floh in die Schweiz, wurde 1850 ausgewiesen und ging nach London. Dort lernte er Karl Marx kennen, dessen Schüler und Freund er wurde. Nach einer Amnestie kehrte Liebknecht 1862 nach Deutschland zurück und arbeitete als Journalist. 1869 gründete er zusammen mit August Bebel in Eisenach die Sozialdemokratische Arbeiterpartei, und 1875 war er maßgeblich an dem Zusammenschluss seiner Partei mit dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV) zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP) beteiligt. Liebknecht gab verschiedene Zeitungen heraus, u.a. auch den sozialdemokratischen „Vorwärts”, und von 1867 bis 1870 und ab 1874 gehörte er dem Reichstag an. Wilhelm Liebknecht war einer der einflussreichsten Führer nicht nur der deutschen, sondern auch der internationalen Sozialdemokratie. Er starb am 7.August 1900 in Berlin-Charlottenburg.

Verfasst von:IIsa Schikorsky
“Liebknecht, Wilhelm”, Microsoft® Encarta® 99 Enzyklopädie. © 1993-1998 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.

Namensgeber Namik Kemal

Namik Kemal

Mehmed Namik Kemal ( geb.21.12. 1840 in Tekirdag; gest. 2.12.1888 auf Chios) gilt als maßgeblicher Mitbegründer der neueren türkischen Prosaliteratur (nach 1870) sowie in politischer Hinsicht als früher Wegbereiter der “jungtürkischen Bewegung”.
Der engagierte Dichter und Journalist trat in Gedichten, Dramen, Romanen und Essays für vaterländische und freiheitliche Ideale ein. Wegen seiner Mitgliedschaft in der verbotenen Organisation “Yeni Osmanlilar” politisch verfolgt, verbrachte er ab 1876 Jahre des Exils in London und Paris sowie in der Verbannung,
1872 nahm er als Leitartikler für die Zeitung “Ibret” seine journalistische Tätigkeit wieder auf. Doch führte sein 1873 in Istanbul uraufgeführtes Drama Vatan Yahut Silistre (dt.: Heimat oder Silistria) zu erneuter Verfolgung und Gefängnishaft.
Die am 1. März 1974 im Haus Bethanien (Mariannenplatz; Berlin-Kreuzberg) eröffnete Bücherei mit überwiegend türkischen Medienbeständen erhielt am 28. 10. 1974 den Namen dieses bedeutenden Schriftstellers. Seit dem 1. März 2001 hat die Bibliothek, die wohl nach wie vor zu den größten türkischsprachigen Büchersammlungen ausserhalb der Türkei zählt, ihr neues Domizil am Kottbusser Tor.

Quellen:
www.mesken.de (2002); Brockhaus Enzyklopädie (19. Aufl. 1991); Türkische Literatur in deutscher Sprache (Wuppertal, 1995)