Azubiwerk Berlin: Ein wichtiger Schritt für bessere Ausbildungsbedingungen

Azubiwerk_Layer

Die Haupt-JAV unterstützt den Aufbau eines Azubiwerks aktiv und mit Nachdruck

Die Wohn- und Lebenssituation von Auszubildenden und Anwärter*innen in Berlin ist seit Jahren angespannt. Hohe Mieten, ein nahezu leergefegter Wohnungsmarkt und steigende Lebenshaltungskosten stellen insbesondere Nachwuchskräfte vor große Herausforderungen. Für viele junge Menschen entscheidet die Frage des Wohnens inzwischen darüber, ob eine Ausbildung in Berlin überhaupt aufgenommen oder erfolgreich beendet werden kann.

Mit der Eröffnung des ersten Berliner Azubiwohnheims ist nun ein bedeutender Meilenstein erreicht. Nachdem zunächst die Machbarkeit eines Berliner Azubiwerks wissenschaftlich untersucht wurde und anschließend das Bewerbungsverfahren für die ersten Wohnplätze startete, stehen nun die ersten bezahlbaren Wohnangebote für Auszubildende zur Verfügung.

Die Haupt-Jugend- und Auszubildendenvertretung (Haupt-JAV) für die Behörden, Gerichte und nichtrechtsfähigen Anstalten des Landes Berlin unterstützt dieses Vorhaben ausdrücklich und hat sich frühzeitig und kontinuierlich in den politischen Prozess eingebracht.

Aktive Unterstützung durch die Haupt-JAV

Sasha König, HJAV Vorsitz, im Abgeordnetenhaus von Berlin

Sasha König, Vorsitzender der Haupt-JAV, im 50. Ausschuss für Arbeit- und Soziales des Abgeordnetenhauses von Berlin

Als gesetzliche Interessenvertretung der Nachwuchskräfte des Landes Berlin ist es Aufgabe der Haupt-JAV, strukturelle Probleme zu benennen und an nachhaltigen Lösungen mitzuwirken. Das geplante Azubiwerk ist aus Sicht der Haupt-JAV ein zentraler Baustein, um Ausbildung im Land Berlin langfristig attraktiver, sozial gerechter und erfolgreicher zu gestalten.

Konkret hat die Haupt-JAV das Projekt Azubiwerk in vielfältiger Weise unterstützt:

  • Weiterverbreitung der berlinweiten Umfrage zur Lebens- und Wohnsituation von Auszubildenden und Anwärter*innen
  • Aktive Bewerbung des Projekts innerhalb der Dienststellen und gegenüber den örtlichen (Gesamt-)Jugend- und Auszubildendenvertretungen
  • Aufbau und Pflege von Netzwerken mit politischen Akteur*innen, Gewerkschaften, Nachwuchskräften und weiteren Interessenvertretungen
  • Interne Sensibilisierung und Information der Nachwuchskräfte über Ziele und Chancen eines Azubiwerks
  • Mitwirkung an politischen Prozessen, unter anderem durch die Teilnahme als Sachverständige an der Anhörung im Ausschuss für Arbeit und Soziales des Abgeordnetenhauses von Berlin

Gerade die Einbindung der Betroffenenperspektive ist für die Haupt-JAV von zentraler Bedeutung. Die Bedürfnisse von Auszubildenden sowie Anwärter*innen müssen Ausgangspunkt jeder tragfähigen Lösung sein.

Die Machbarkeitsstudie: Klare Befunde, klarer Handlungsbedarf

Mit der von der Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung (SenASGIVA) beauftragten Machbarkeitsstudie zum Azubiwohnen in Berlin liegt erstmals eine umfassende, empirisch fundierte Analyse zur Wohnrealität von Auszubildenden und Anwärter*innen im Land Berlin vor.

Die Ergebnisse zeichnen ein deutliches Bild:

  • Berlin weist bundesweit eines der größten Versorgungsprobleme im Ausbildungsmarkt auf: Auf eine*n Bewerber*in kommen lediglich rund 0,7 Ausbildungsplätze.
  • Gleichzeitig ist der Berliner Wohnungsmarkt extrem angespannt, mit einer Leerstandsquote von nur 0,3 %.
  • Die Mietpreise haben sich in den letzten zehn Jahren nahezu verdoppelt.
  • Bei einem medianen Brutto-Ausbildungsentgelt von rund 1.135 Euro ist bezahlbarer Wohnraum für Auszubildende auf dem freien Markt kaum verfügbar.
  • 60 % der Befragten geben mehr als ein Drittel ihrer Ausbildungsvergütung für Wohnkosten aus.
  • Viele Auszubildende und Anwärter*innen berichten, dass ihre Wohnsituation ihre Ausbildung *direkt beeinträchtig*t, etwa durch lange Pendelzeiten, finanzielle Belastungen oder fehlende Lern- und Rückzugsräume.

Auf Basis von knapp 3.000 ausgewerteten Befragungen, Interviews und Fokusgruppen kommt die Studie zu einem klaren Ergebnis:
Der Aufbau eines Azubiwerks nach dem Vorbild der Studierendenwerke ist ein geeignetes und notwendiges Instrument, um Ausbildung und Wohnen systematisch miteinander zu verbinden und Ausbildungsabbrüche zu reduzieren

Von der Studie zur Umsetzung

Mit der Veröffentlichung der Machbarkeitsstudie wurde deutlich, dass ein Berliner Azubiwerk nicht nur sinnvoll, sondern dringend erforderlich ist. Inzwischen wurden bereits die ersten Empfehlungen umgesetzt.

Zum Ausbildungsjahr 2026 stehen im ersten Berliner Azubiwohnheim rund 150 bezahlbare Wohnplätze für Auszubildende zur Verfügung. Die modern ausgestatteten Wohnungen in der Storkower Straße werden zu einer monatlichen Warmmiete von 340 Euro inklusive Nebenkosten angeboten und richten sich an Auszubildende unterschiedlichster Ausbildungsberufe. Damit setzt das Land Berlin erstmals ein wohnungspolitisches Angebot speziell für Auszubildende um und schafft eine wichtige Grundlage für mehr Chancengerechtigkeit im Ausbildungsbereich.

Für die Haupt-JAV ist dies ein wichtiges Signal. Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum ist ein wichtiger Baustein zur Fachkräftesicherung und trägt dazu bei, Ausbildung im öffentlichen Dienst und in Berlin insgesamt attraktiver zu gestalten.

  • Machbarkeitsstudie zum Azubiwohnen in Berlin

    Die vollumfängliche Studie hier zum Download.

    PDF-Dokument (14.0 MB)
    Dokument: Emilia Fabiańczyk, Anne von Oswald / Minor mbH

Mehr als Wohnen: Das Azubiwerk als zentrale Anlaufstelle

Die Studie macht deutlich, dass ein Azubiwerk weit mehr leisten sollte als die Bereitstellung von Wohnraum. Vorgesehen sind unter anderem:

  • eine zentrale Koordinierungsstelle und Wohnraumbörse für Auszubildende
  • bezahlbare Wohnformen wie Mikroapartments, Wohngemeinschaften oder umgenutzte Bestandsgebäude
  • Sozial- und Rechtsberatung, insbesondere bei Konflikten in Ausbildung und Wohnen
  • sozialpädagogische Begleitung während der Ausbildung
  • Angebote zur finanziellen und psychischen Stabilisierung
  • Unterstützung beim Übergang von der Ausbildung in den regulären Wohnungsmarkt

Damit würde das Azubiwerk nicht nur Wohnraum schaffen, sondern aktiv zu stabilen Ausbildungsverläufen und zur Fachkräftesicherung im Land Berlin beitragen.

Haupt-JAV bei der Eröffnung vertreten

Eröffnung des Azubi-Wohnheims in Berlin Lichtenberg

Der Vorsitzende der Haupt-JAV mit Vertrer*innen der Gewerkschaften und der Senatorin für Arbeit, Soziales Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung bei der Eröffnung des Azubi-Wohnheims im Juli 2026.

Die Haupt-JAV nahm an der offiziellen Eröffnung des ersten Berliner Azubiwohnheims teil und begrüßte den erreichten Fortschritt ausdrücklich. Nach intensiven politischen Diskussionen, der Durchführung der Machbarkeitsstudie und dem Beginn des Bewerbungsverfahrens wurde mit der Eröffnung ein weiterer wichtiger Schritt hin zu besseren Ausbildungsbedingungen in Berlin vollzogen.

Für die Haupt-JAV endet das Engagement mit der Eröffnung jedoch nicht. Vielmehr wird sie den weiteren Aufbau des Berliner Azubiwerks konstruktiv begleiten und sich weiterhin dafür einsetzen, dass die Interessen der Berliner Nachwuchskräfte bei allen weiteren Ausbauschritten berücksichtigt werden.

  • Mitteilung Nr. 003/2026: Erstes Berliner Azubiwohnheim eröffnet – Haupt-JAV begrüßt wichtigen Meilenstein

    Die Haupt-JAV begrüßt die Eröffnung des ersten Berliner Azubiwohnheims. Die hohe Nachfrage zeigt: Bezahlbarer Wohnraum bleibt ein Schlüssel für attraktive Ausbildungsbedingungen.

    PDF-Dokument (45.4 kB) - Stand: 07.07.2026

Klare Haltung der Haupt-JAV

Die Eröffnung des ersten Berliner Azubiwohnheims ist ein wichtiger Erfolg – sie kann jedoch nur der Anfang sein. Rund 150 Wohnplätze sind ein bedeutender Schritt, werden den tatsächlichen Bedarf der vielen tausend Auszubildenden und Anwärter*innen in Berlin jedoch nicht dauerhaft decken können.

Die Haupt-JAV setzt sich deshalb weiterhin für den konsequenten Ausbau des Berliner Azubiwerks ein. Dazu gehören zusätzliche Wohnheime und Wohnformen, eine zentrale Beratungs- und Koordinierungsstelle, sozialpädagogische Unterstützungsangebote sowie eine langfristige institutionelle Verstetigung des Azubiwerks nach dem Vorbild der Studierendenwerke.

Die Haupt-JAV wird diesen Prozess weiterhin konstruktiv und kritisch begleiten. Ausbildung darf nicht an fehlendem bezahlbarem Wohnraum scheitern. Wer junge Menschen dauerhaft für den öffentlichen Dienst und den Ausbildungsstandort Berlin gewinnen möchte, muss attraktive Ausbildungsbedingungen schaffen – und dazu gehört bezahlbares Wohnen untrennbar dazu.

Bezahlbarer Wohnraum ist eine Voraussetzung für gute Ausbildung. Das erste Azubiwohnheim muss der Beginn einer größeren Entwicklung sein.
Sasha König / Vorsitzender der Haupt-JAV des Landes Berlin

Kontakt zur Haupt-JAV

Geschäftsstelle