Ausbildung braucht Zukunft! Ausbildungsplatzumlage für echte Perspektiven

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Ausbildungsplatzumlage: Warum Berlin ein neues Instrument braucht

Der Berliner Ausbildungsmarkt steht seit Jahren vor erheblichen strukturellen Herausforderungen. Trotz steigender Nachfrage nach Ausbildungsplätzen gelingt es nicht, ausreichend betriebliche Ausbildungsstellen bereitzustellen. Die Folgen sind unversorgte Bewerber*innen, hohe Vertragslösungsquoten und ein sich weiter verschärfender Fachkräftemangel. Vor diesem Hintergrund ist die Einführung einer Ausbildungsplatzumlage ein zentrales Instrument, um Ausbildung im Land Berlin nachhaltig zu sichern und zu stärken.

Die Haupt-Jugend- und Auszubildendenvertretung (Haupt-JAV) für die Behörden, Gerichte und nichtrechtsfähigen Anstalten des Landes Berlin unterstützt die Einführung einer solidarisch finanzierten Ausbildungsplatzumlage ausdrücklich.

Ein Ausbildungsmarkt mit strukturellem Ungleichgewicht

Die aktuellen Ausbildungsmarktdaten zeigen deutlich:
In Berlin übersteigt die Zahl der Bewerberinnen seit Jahren das Angebot an betrieblichen Ausbildungsplätzen. Im Ausbildungsjahr 2024/25 standen rund 23.200 Bewerber*innen lediglich ca. 13.940 betriebliche Ausbildungsstellen gegenüber. Damit kommt rechnerisch auf 100 Bewerber*innen nur ein deutlich geringeres Angebot an Ausbildungsplätzen. Berlin weist bundesweit die niedrigste Angebots-Nachfrage-Relation auf.

Gleichzeitig bleibt ein erheblicher Teil der Ausbildungsplätze unbesetzt, während viele Jugendliche keinen Ausbildungsplatz finden. Dieses Nebeneinander verweist auf ein strukturelles Problem: Das Angebot an betrieblichen Ausbildungsplätzen ist insgesamt nicht ausreichend, um die Nachfrage zu decken.

Hinzu kommt, dass die Ausbildungsbetriebsquote in Berlin seit Jahren besonders niedrig ist. Nur ein kleiner Teil der Betriebe bildet tatsächlich aus. Die Verantwortung für Ausbildung wird damit von wenigen Schultern getragen, während andere Betriebe dauerhaft von ausgebildeten Fachkräften profitieren, ohne selbst zur Ausbildung beizutragen.

Warum eine Ausbildungsplatzumlage notwendig ist

Die Ausbildungsplatzumlage setzt genau an diesem Punkt an. Ziel ist es, die Kosten der Ausbildung solidarisch auf alle Arbeitgeber*innen zu verteilen und Ausbildungsbetriebe gezielt zu entlasten. Betriebe, die ausbilden, sollen durch einen Ausbildungskostenausgleich unterstützt werden – insbesondere bei der Ausbildungsvergütung.

Die Umlage verfolgt damit mehrere Ziele:

  • Erhöhung des Angebots an betrieblichen Ausbildungsplätzen
  • Stärkung der dualen Ausbildung
  • Entlastung ausbildender Betriebe
  • gerechtere Verteilung der Ausbildungskosten
  • langfristige Sicherung von Fachkräften

Erfahrungen aus anderen Bundesländern, etwa Bremen, zeigen, dass Umlagesysteme ein wirksames Instrument sein können, um Ausbildungsbereitschaft zu erhöhen und Ausbildung zu stabilisieren.

Die besondere Rolle des öffentlichen Dienstes

Aus Sicht der Haupt-JAV kommt dem öffentlichen Dienst des Landes Berlin eine besondere Verantwortung zu. Als größter öffentlicher Arbeitgeber und Ausbildungsbetrieb in der Stadt prägt er maßgeblich die Qualität, Attraktivität und Verlässlichkeit der dualen Ausbildung.

Der Landesdienst bildet nicht nur in erheblichem Umfang aus, sondern bietet jungen Menschen auch sichere Arbeitsbedingungen, tarifliche Vergütung und reale Übernahmechancen. Die Haupt-JAV betont daher, dass der öffentliche Dienst bei der Umsetzung der Ausbildungsplatzumlage nicht nur beitragspflichtig sein darf, sondern eine aktive Vorbild- und Gestaltungsrolle einnehmen muss.

Bereits in der Vergangenheit existierte im Landesdienst mit dem solidarischen Finanzausgleich ein erfolgreiches Instrument, das nicht ausgeschöpfte Ausbildungsmittel einzelner Dienststellen nutzte, um zusätzliche Ausbildungsplätze in anderen Bereichen zu finanzieren. Der Wegfall dieses Instruments hat spürbare Lücken hinterlassen. Die Ausbildungsplatzumlage bietet die Chance, dieses solidarische Prinzip auf eine neue, dauerhafte Grundlage zu stellen.

Position der Haupt-JAV

Haupt-JAV im Ausschuss für Arbeit und Soziales

Sasha König, Vorsitzender der Haupt-JAV, im 59. Ausschuss für Arbeit- und Soziales des Abgeordnetenhauses von Berlin

Die Haupt-JAV hat sich intensiv mit dem Gesetzentwurf zur Errichtung eines Ausbildungsförderungsfonds im Land Berlin befasst und hierzu einen eigenen Beschluss gefasst. Darin begrüßt sie die Einführung der Ausbildungsplatzumlage ausdrücklich.

Aus Sicht der Haupt-JAV ist dabei insbesondere wichtig:

  • Die Umlage muss ausschließlich der Förderung der beruflichen Ausbildung im Sinne des Berufsbildungsgesetzes und der Handwerksordnung dienen.
  • Die Mittel dürfen nicht zur Haushaltskonsolidierung oder zur Finanzierung fachfremder Maßnahmen verwendet werden.
  • Der öffentliche Dienst darf durch die Umlage nicht schlechtergestellt, sondern muss in seiner Ausbildungsleistung gestärkt werden.
  • Für die Umsetzung der Umlage, insbesondere durch die Berliner Ausbildungskasse, sind ausreichende personelle Ressourcen bereitzustellen und vorrangig eigene Ausbildungsabsolvierende zu nutzen.
  • Dual Studierende dürfen nicht in die Umlage einbezogen werden; ihre Situation erfordert eigenständige tarifliche und strukturelle Lösungen. Dies gilt ebenfalls für Anwärter*innen der gehobenen Funktionsebene.
  • Die Regelungen des § 7 Landesgleichstellungsgesetzes (LGG) dürfen für öffentliche Institutionen nicht ausgehebelt werden.

Die Haupt-JAV hat diese Position auch im Rahmen der Anhörung in der 59. Sitzung des Ausschusses für Arbeit und Soziales des Abgeordnetenhauses von Berlin vertreten und die Perspektive der Nachwuchskräfte eingebracht.

Fazit

Die Ausbildungsplatzumlage ist kein Selbstzweck und kein Allheilmittel. Sie ist jedoch ein notwendiges und wirksames Instrument, um ein seit Jahren bestehendes strukturelles Ungleichgewicht auf dem Berliner Ausbildungsmarkt zu korrigieren. Ausbildung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und darf nicht länger von wenigen engagierten Betrieben allein getragen werden.

Für die Haupt-JAV steht fest:
Eine solidarische Ausbildungsplatzumlage kann einen entscheidenden Beitrag leisten, um Ausbildung im Land Berlin zukunftsfest, gerecht und verlässlich zu gestalten – für junge Menschen ebenso wie für ausbildende Betriebe/Dienststellen.

Die Ausbildungsplatzumlage ist ein notwendiger Schritt, um Verantwortung gerecht zu verteilen und Ausbildung in Berlin endlich strukturell zu stärken
Sasha König / Vorsitzender der Haupt-JAV des Landes Berlin

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