WM-Songs von 1966 bis 2018

WM-Songs von 1966 bis 2018

Früher sangen die Spieler noch selbst, seit den 1990er Jahren trällern Popsternchen das jeweilige WM-Lied - allerdings nicht immer besser.

  • Jason Derulo© dpa
    Der Sänger Jason Derulo (M) singt den offiziellen Titelsong zur Fußball-WM 2018 in Russland: "Colors".
  • Albumcover "We Are One (Ole Ola)"© Sony Music
    Cover des offiziellen Songs zur FIFA Fußballweltmeisterschaft 2014 in Brasilien "We Are One (Ole Ola)" von Pitbull feat. Jennifer Lopez & Claudia Leitte
  • Shakira WM Lied 2010© dpa
    Shakira lässt in Johannesburg die Hüften kreisen.

WM-Songs können einem noch Jahre lang im Ohr bleiben- oder gar nicht erst ihren Weg dahin finden. In den ersten Jahren trällerten die Fußballer noch selbst, heutzutage ist allein die Vermarktung eben jenes offiziellen WM-Songs so einträglich, dass sowohl FIFA als auch die nationalen Fußballverbände der Auswahl und Promotion des jeweiligen Liedes größte Aufmerksamkeit widmen. Tatsächlich sind es aber meist ganz andere Interpreten, die mit ihrer passend zum Ereignis produzierten Fußball-Hymne die Ohren und Herzen der Fans erreichen.

WM-Songs 1966, 1974, 1978

Deutsche WM-Fußballer sangen früher noch selbst, wie sich ältere Fans erinnern können. 1974 griffen sie das erste Mal zum Mikrofon. Ermutigt von Franz Beckenbauers herrlich schrägem Sprechgesang «Gute Freunde kann niemand trennen», der erst lange nach seiner Veröffentlichung 1966 Kult-Status in Fan-Kurven erlangte, trat die WM-Elf von 1974 erstmals als Kicker-Chor in Erscheinung. «Fußball ist unser Leben» hieß das schmissige Lied, passend zum folgenden WM-Sieg. Vier Jahre später, 1978, trällerten die Fußballer mit Udo Jürgens «Buenos dias Argentina». Das Lied verkaufte sich besser als die DFB-Elf in Südamerika.

WM-Song 1982: Michael Schanze sang "Olé"

1982 hieß der Vorsänger Michael Schanze - bei «Olé España» konnte der Background-Chor heterogener kaum sein. Bundestrainer und rheinische Frohnatur Jupp Derwall schmetterte fast vehementer als Torwart Toni Schumacher - andere bewegten nur ein bisschen die Lippen und schienen wenig textsicher.

WM-Songs 1986 und 1990

«Mexico mi amor» sang Peter Alexander 1986. Pierre Littbarski, Lothar Matthäus und Co sangen in Poncho und Sombrero leise mit. 1990 durfte erneut Udo Jürgens ran. «Wir sind schon auf dem Brenner, wir brennen schon darauf» klang angesichts vieler Italien-Legionäre etwas merkwürdig. Doch der Erfolg gab ihnen recht: Es reichte zum WM-Titel.

WM-Songs 1990, 1994, 1998 und 2002

Bei der WM 1990 in Italien sangen noch Einheimische den offiziellen Song: Gianna Nannini schmetterte damals «Un estate italiana» (Ein italienischer Sommer). 1994 in den USA hieß das FIFA-Lied «Gloryland» und kam von Daryl Hall und Sounds of Blackness. Für die WM 1998 in Frankreich sang der Latino-Popsänger Ricky Martin sein «La Copa de la Vida». 2002 durfte dann in Japan und Südkorea die Soulsängerin Anastacia («Boom») ran.

WM-Song 1994: Village People besangen die USA

1994 betrat der damals doch recht konservative DFB musikalisches Neuland. Passend zu den USA sangen die Village People auf Englisch «Far Away in America». Umringt von der Schwulen-Band aus der Disco-Zeit der 1970er, in Indianer- und Polizisten-Kostüm, sahen beispielsweise Mario Basler und Berti Vogts etwas deplatziert aus. Seit den 1990ern gab es keinen selbstgesungenen WM-Song der deutschen Kicker mehr.

WM-Songs 2006: Alle sangen mit Grönemeyer

Für Deutschlands «Sommermärchen»-WM 2006 hatte die FIFA «The Time of Our Lives» vom Klassik-Pop-Quartett Il Divo ausgesucht. Kaum jemand aber dürfte sich noch an dieses Werk erinnern. Viele Menschen haben eher die ebenfalls von der FIFA in Auftrag gegebene WM-Hymne «Zeit, dass sich was dreht» von Herbert Grönemeyer im Ohr oder aber das Pfeif-Lied «Love Generation» von Bob Sinclair. Mitgröl-Renner war aber vor allem «'54, '74, '90, 2006» von der deutschen Indie-Rock-Band Sportfreunde Stiller. Die Nationalmannschaft hörte zu ihrer Erbauung vor jedem Spiel «Dieser Weg» von Xavier Naidoo.

WM-Song 2010: "Waka Waka" von Shakira

Den offiziellem WM-Song 2010 sang die Kolumbianerin Shakira. «Waka Waka (This Time for Africa)» nahm sie zusammen mit der südafrikanischen Band Freshlyground auf. Shakira präsentierte den Song auch bei der Abschlussfeier am 11. Juli 2010, in den deutschen Charts stand der Hit wochenlang in den Top 10. «Eine simple Mitsing-Melodie, dazu Bum-Bum-Gestampfe und ein paar Ethno-Elemente, die entfernt an den Austragungsort des Turniers erinnern», kommentierte die «Süddeutsche Zeitung» und fragte: «Wieso ist Shakira, eine Pop-Multimillionärin mit Wohnsitz auf den Bahamas, Tochter eines libanesisch-amerikanischen Vaters und einer spanisch-kolumbianischen Mutter, eigentlich Afrika?»

WM-Song 2014: "We Are One (Ole Ola)"

Der offizielle Song zur Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien war der Titel "We Are One (Ole Ola)", den US-Musiker Pitbull zusammen mit Jennifer Lopez und der brasilianischen Sängerin Claudia Leitte aufgenommen hat. Zusammen haben die drei den Song bei der Eröffnungsveranstaltung am 12. Juni 2014 in der Arena de Sao Paulo präsentiert.

WM-Song 2018: "Colors" von Jason Derulo

Die offizielle WM-Hymne für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland ist "Colors" von Jason Derulo. Der Song des US-amerikanischen Sängers kommt einigermaßen hopsig und halbwegs tanzbar daher und klingt wie so viele Tracks heutzutage: Ein bisschen Pop, ein bisschen R&B, Beats und Klänge aus dem Computer - zum Ohrwurm taugt das eher nicht. Derulo hat sich für den Song nach eigener Aussage von der Schönheit und Vielfalt der Welt inspirieren lassen. Das ist schön und sehr aktuell. Nach Fußball klingt es aber nicht unbedingt.

Website versammelt Fußball-Songs

Alle möglichen und unmöglichen Fußball-Songs findet man auf der Website www.fc45.de. Von der billig hingeschluderten Vereinshymne über Sangesversuche schlecht beratener Kicker bis zum WM-Song- die Website-Betreiber Michael Schäumer und Trevor Wilson, Ex-Radiomoderator, tragen alle deutschsprachigen Fußball-Songs zusammen, die sie in Finger kriegen. Da sie ihre Seite als Archiv verstehen, sind darunter auch politisch inakzeptable Machwerke, die als WM-Songs daherkommen - von denen sich die beiden aber deutlich distanzieren.

Fotostrecke:

  • Der offizielle Ball für die Fußball-WM in Brasilien© Adidas/dpa
    Die Geschichte des WM-Balls
Fußball WM 2018 Pokal russland
© dpa

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Quelle: kra/BO/dpa

| Aktualisierung: 25. April 2018