Neuigkeiten aus der Stadtbibliothek Marzahn-Hellersdorf

blaue Gummiestiefel im Herbstlaub

Liebe Leserinnen und Leser,

der Herbst bringt nicht nur kürzere Tage mit sich, sondern auch eine Fülle an kulturellen Impulsen in unseren Bibliotheken und Preisverleihungen in der Buchbranche. In dieser Ausgabe informieren wir Sie über Märchenhaftes, ein neues Buchprojekt, anstehende Veränderungen, Buchpreise und besondere Aktionen, die den Herbst bereichern, wie z.B.
  • eine Abendveranstaltung im Rahmen der Berliner Märchentage mit musikalischer Begleitung
  • die letzte Ausgabe unserer langjährigen Musikreihe „Musik Querbeet“
  • aktuelle Literaturpreise und ihre ausgezeichneten Werke
  • die Wunschbaum-Aktion für Kinder in Marzahn-Hellersdorf
  • ein außergewöhnliches Buchprojekt mit Jugendlichen und Autor Jochen Schmidt

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre!

Tag der Bibliotheken Logo

Tag der Bibliotheken

Am 24. Oktober war der Tag der Bibliotheken – und wir haben in Marzahn-Hellersdorf nicht nur an einem Tag gefeiert, sondern gleich eine ganze Woche lang! In unseren Bibliotheken drehte sich alles rund ums Buch, und die Begeisterung war deutlich zu spüren. Es wurden Lieblingsbücher geteilt, Book Blind Dates (also neutral verpackte Bücher mit kleinen Hinweisen zum Inhalt) mitgenommen und Bingos gespielt.

Das viele positive Feedback hat uns sehr gefreut – und natürlich motiviert, im nächsten Jahr wieder eine Aktionswoche zu gestalten. Merken Sie sich also schon einmal den 24. Oktober 2026 vor – oder besser gleich die ganze Woche – für mindestens einen Besuch in Ihrer Bibliothek.

Wenn Sie neugierig sind, wie die Aktionswoche aussah: Auf unseren Social-Media-Kanälen finden Sie Fotos und Videos mit vielen schönen Eindrücken.

Der gestiefelte Kater sitzt auf einem Schwan

Berliner Märchentage 2025: Die Schwanenfrau und die Kraft des Andersseins

Vom 6. bis 23. November verwandelt sich Berlin wieder in ein Reich der Fantasie: Die 36. Berliner Märchentage stehen unter dem Motto „Die Schwanenfrau: Märchen und Geschichten über Hindernisse und wahre Stärke“ – und laden Groß und Klein zu einer inspirierenden Reise durch Erzähltraditionen aus aller Welt ein.

Vielfalt feiern, Stärke neu denken
Märchen sind mehr als nur Geschichten mit Happy End. Sie erzählen von Außenseitern, von Heldinnen und Helden, die sich gegen Vorurteile behaupten, über sich hinauswachsen und durch Mitgefühl, Klugheit oder magische Begegnungen das Unmögliche möglich machen. Ob das Mädchen ohne Hände, der Däumling oder das Aschenputtel – gerade die vermeintlich Schwachen zeigen oft die größte innere Stärke.
Die diesjährigen Märchentage stellen die Frage: Was bedeutet wahre Stärke in einer Welt voller Herausforderungen? Die Antwort liegt in der Akzeptanz des Andersseins, im Glauben an sich selbst und in der Kraft der Gemeinschaft.

Veranstaltungen in ganz Berlin
Mit hunderten Lesungen, Theaterstücken, Workshops und Mitmachaktionen in Schulen, Bibliotheken und Kulturhäusern bietet das Festival ein buntes Programm für alle Altersgruppen. Auch die Stadtbibliotheken Marzahn-Hellersdorf sind wieder mit dabei – mit liebevoll kuratierten Veranstaltungen, die zum Zuhören, Mitmachen und Weitererzählen einladen.

Märchentage in der Mark-Twain-Bibliothek
Am Mittwoch, den 12. November 2025 um 19:00 Uhr laden wir zur märchenhaften Abendveranstaltung „Die Schwanenfrau – Ich bin eine Prinzessin“ ein.
Erzählt werden verschiedene Märchen für Erwachsene von Inés Bartel, Bettina Pfründer, Martina Sieder und Claudi Feldhaus, musikalisch begleitet von Sonny Thet am Cello. Ein Abend voller Fantasie, Freundschaft und Erzählkunst – wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Ort: Artothek der Mark-Twain-Bibliothek
Eintritt frei – Spenden willkommen
Anmeldung unter: 030-54704145 oder per Mail an Inés Bartel

Mehr erfahren & mitmachen
Das vollständige Programm, Grußworte und Materialien zum Festival finden sich auf der offiziellen Website der Berliner Märchentage.

Weihnachtsbaum mit Wunschsternen

Wünsche erfüllen

Erfüllen Sie einem Kind in Marzahn-Hellersdorf einen Weihnachtswunsch!

Gemeinsam mit dem berlinweit aktiven „Schenk doch mal ein Lächeln“ e.V. hat die FreiwilligenAgentur Marzahn-Hellersdorf die Aktion in den Bezirk Marzahn-Hellersdorf geholt und setzt diese seit 2021 in Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt um. Unterstützt wird die Aktion vom Netzwerk Alleinerziehende, welches die Kontakte zu den sozialen Einrichtungen für Ein-Eltern-Familien vermittelt.

Die Wunschbaum-Aktion geht auch 2025 an den Start. Die offizielle Eröffnung durch Bürgermeisterin Nadja Zivkovic findet am 25. November um 15.30 Uhr in der Mark-Twain-Bibliothek statt. Danach können die Wunschsterne am Weihnachtsbaum gepflückt und die Geschenke bis zum 04.12. in der Bibliothek abgegeben werden.
Bitte beachten: Nach unserer Erfahrung sind die Wunschsterne innerhalb kurzer Zeit vergriffen. Wer also unbedingt einen Wunsch erfüllen möchte, sollte lieber nicht zu lange warten mit dem Sternepflücken!

Cover des Buches "Plankton fischen in Marzahn"

Das Banale im Großen - ein Buchprojekt

Am Ende eines jeden Jahres veröffentlicht die Schreibwerkstatt für Jugendliche ein neues Buch, das in Kooperation mit einem Autor entstanden ist. 2025 war das Jochen Schmidt, der mit einer völlig neuen Idee den Startschuss für ein einzigartiges Projekt ins Spiel brachte. Dieses Mal sollte es nicht wie bisher beim Storytausch darum gehen, gemeinsam eine fiktionale Geschichte zu erschaffen, sondern Mosaiksteine für ein Bild des Lebens zusammenzutragen, auszuschwärmen und Menschen zum Erinnern einzuladen. Die Herausforderung lag darin, das Bedeutsame im Detail zu entdecken und das Banale im Großen, wie Jochen Schmidt es formulierte.
Dafür gab er ihnen 80 Fragen als Anregungen für Gespräche mit auf den Weg. Außerdem sollten auch Augen und Ohren offengehalten werden für Graffiti, Wahlslogans, T-Shirt-Sprüche, Aufkleber und interessante Zettel z.B. an Ampelmasten, mitgehörte Gesprächsfetzen und Witze. Eine Fülle an Interviews und Fotos kam dadurch zusammen. Nach anfänglichem Fremdeln mit dieser Aufgabe merkten einige der 27 Teilnehmer recht schnell, dass die Befragungen im Familien- und Freundeskreis viele kleine Geschichten zutage förderten, die ihnen die vertrauten Menschen noch ein Stück näherbrachten. Sie lernten Details aus deren Leben kennen, die sie sonst nie erfahren hätten. Viele betrachteten fortan ihre Umgebung mit wachen, aufmerksamen Augen und entdeckten und fotografierten so viele außergewöhnliche Details, dass am Ende 84 Interviews, 127 Fotos und 13 abgelauschte Gesprächsfetzen zur Auswahl standen und 18 eigene Geschichten vorlagen.
Nun war Jochen Schmidt am Zug. Er hatte bis Ende September die Mammutaufgabe zu bewältigen, alles zu sichten, auszuwählen, zu mischen, ein Vorwort zu schreiben und den Titel festzulegen. Dann wurde der Ball der Grafikerin Antje Püpke zugespielt, die diese Materialsammlung in Buchform brachte und das Cover gestaltete.
Jetzt liegt das Ergebnis in Buchform vor mit dem Titel “Plankton fischen in Marzahn” und alle haben zu Recht das Gefühl, an etwas ganz Großem mitgewirkt zu haben. Beim Lesen spielt es irgendwann gar keine Rolle mehr, wie alt die Befragten sind – man wird von einer Antwort zur nächsten getragen, gezogen, gelockt und fühlt deutlich wie nie: Das ist das ganz normale, menschliche Leben in all seiner Größe, Abgründigkeit, Schönheit und Banalität, egal, ob wir das Jahr 1950 oder 2025 schreiben.

Wir laden alle herzlich ein zur feierlichen Buchpräsentation am Samstag, 29. November 2025 um 17 Uhr in der Bezirkszentralbibliothek „Mark Twain“. Es wird ein Buffet geben und ein abwechslungsreiches Programm.

CD´s verschiedener Musikstile und Noten

Ein letztes Mal Musik Querbeet

Seit nunmehr zehn Jahren lädt die Musikbibliothek Marzahn zur beliebten Veranstaltungsreihe „Musik Querbeet“ ein. In entspannter Atmosphäre stellen Mitarbeitende der Bibliothek Musik vor, die sie persönlich bewegt – die sie neu entdeckt, wiedergefunden oder einfach schon lange geliebt haben. Ob Jazz, Indie, Klassik oder Klangexperimente: Hier ging es nie um Genregrenzen, sondern um Hörfreude und Austausch.

Nun heißt es Abschied nehmen: Am 10. Dezember 2025 findet die letzte Ausgabe von „Musik Querbeet“ statt. Danach macht die Reihe Platz für ein neues Format – über das noch nichts verraten wird, das aber neugierig machen darf.
Wer also noch einmal dabei sein möchte, sollte sich diesen Termin unbedingt vormerken und anmelden. Es wird auf jeden Fall weihnachtlich werden und vielleicht gibt es auch einen kleinen Ausblick auf das, was kommt.

Ort: Mark-Twain-Bibliothek, Artothek
Beginn: 18:00 Uhr
Anmeldung erbeten unter (030) 54704142 oder per Mail an Christoph Kaltenborn

Wir freuen uns auf einen letzten Abend voller Lieblingsklänge, Erinnerungen und Begegnungen – ganz querbeet eben.

Mein Job Bibliothek

Mein Job Bibliothek

Bibliotheken verbinden Menschen, Medien und Ideen – sie sind lebendige Zentren für Wissen, Kultur und Innovation. Hier stehen Informationsfreiheit, Teilhabe und ein respektvolles Miteinander im Mittelpunkt. Bibliotheken gestalten aktiv die Gesellschaft von morgen und bieten dynamische, zukunftssichere Tätigkeitsfelder für jede Karrierephase: Ausbildung, Studium, Quereinstieg oder Fachexpertise.

Der Imagefilm MEIN JOB BIBLIOTHEK zeigt die Vielfalt dieses Berufsfeldes:
  • Ausbildung & Studium: Starte in einem Beruf mit Sinn, Perspektive und Zukunft.
  • Quereinstieg: Nutze Deine Fähigkeiten in einem neuen, inspirierenden Umfeld.
  • Fachexpertise: Gestalte die Bibliothek der Zukunft aktiv mit und bring Dein Wissen ein.
  • Bibliothekspersonal: Erlebe teamorientierte Organisationskulturen an einem werteorientierten, wertschätzenden Arbeitsplatz.

Bibliotheken sind Orte, an denen Menschen und Medien im Mittelpunkt stehen. Mit Deinem Engagement kannst Du Veränderung anstoßen, Teilhabe ermöglichen und die Informationswelt von morgen gestalten. Freue Dich auf ein internationales Netzwerk.

Gedreht wurde an inspirierenden Orten:
  • Staatsbibliothek Unter den Linden (Berlin)
  • Bibliothek im Museum für Naturkunde (Berlin)
  • Philologische Bibliothek der FU Berlin
  • Stadt- und Landesbibliothek Potsdam
  • Stadtteilbibliothek Buch (Berlin)
  • Bibliothek am Luisenbad (Berlin)
  • Stadtteilbibliothek Lichtenrade Edith-Stein-Bibliothek (Berlin)

Mehr Informationen auf meinjob-bibliothek.de

Und HIER gehts zum Imagevideo.

viele brennende Windlichte

Zentrale Trauerfeier für einsam Verstorbene

Jedes Jahr werden in Berlin rund 2.700 Menschen durch die Bezirksämter bestattet. Diese ordnungsbehördlichen Bestattungen erfolgen, wenn keine Angehörigen der/des Verstorbenen vorhanden oder zu ermitteln sind. Um dieser Menschen würdevoll zu gedenken, lädt das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf alle Bürgerinnen und Bürger zur Trauerfeier ein.
Die nächste zentrale Trauerfeier für einsam Verstorbene im Bezirk Marzahn-Hellersdorf findet am Montag, den 24. November 2025, von 17:00 bis 19:00 Uhr in der Studiobühne im Freizeitforum Marzahn, Marzahner Promenade 55 statt. Die Veranstaltung beinhaltet eine offizielle Begrüßung, Musik der Musikschule, die Verlesung der Namen und einen Gedichtvortrag einer Teilnehmerin unserer Schreibwerkstatt.
Um Anmeldung bis zum 17. November 2025 wird gebeten, per E-Mail an antonia.paskalski@ba-mh.berlin.de oder valerie.pflaumer@ba-mh.berlin.de.

ZLB

ZLB in die Galeria Kaufhof? Das Echo in der Presse

Die Idee, die Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) in die leerstehenden Räume der Galeria Kaufhof am Alexanderplatz zu verlegen, hat ein bemerkenswertes Medienecho ausgelöst. Seit der Berliner Senat erste Signale für diesen möglichen Kulturstandort gesetzt hat, diskutieren Zeitungen, Radiosender und Online-Magazine über Chancen, Herausforderungen und Visionen dieses Projekts.
Hier eine Zusammenfassung:

Berliner Morgenpost, 15.10.
Galeria am Alexanderplatz: Berliner Senat setzt ein Zeichen

RBB Inforadio, 15.10.
Kultur – ZLB an den Alexanderplatz? | rbb24 Inforadio

Radio3 RBB, 15.10.
Bibliothek im Kaufhaus? – So war der Talk “ZLB – ein neues Zuhause am Alex?” | radio3

Radio3 RBB, 15.10.
Bibliothek im Kaufhaus? – Kulturstandort Alexanderplatz | radio3

TAZ, 15.10.
Zentral- und Landesbibliothek: 600 Millionen für einen schönen Schlafplatz | taz.de

TAZ, 18.10.
Debatte über Berliner Zentralbibliothek: Schön – aber guten Gewissens nicht bezahlbar | taz.de

Berliner Kurier, 15.10.
Zukunft am Alex: Das sind die ersten Blicke in die neue Kaufhaus-Bibliothek

Wort "Open" zusammengesetzt aus Bleilettern, mit vielen weiteren Buchstaben im Hintergrund

Sonntagsöffnung

Immer wieder kommt das Thema “Sonntagsöffnung der Bibliotheken” ins Gespräch. Jetzt hat der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) ein Positionspapier zur Rolle der Kommunen in der Kulturpolitik veröffentlicht. In dem Papier stellt der DStGB die zentrale Bedeutung von Bibliotheken als öffentlich zugängliche Lern- und Begegnungsorte heraus. Aufgrund ihrer vielfältigen Aufgaben betont der DStGB, dass Öffentliche Bibliotheken die Möglichkeit erhalten sollten, sonntags zu öffnen und somit das Verbot der Sonntagsöffnung aufgehoben werden sollte. Zudem sollte die systematische Vernetzung von Bibliotheken mit Schulen und Kitas vorangetrieben werden, um die Lesekompetenz von Kindern und Jugendlichen zu stärken.
(Quelle: dbv)

HIER gehts zum Positionspapier.

Laszlo Krasznahorkai

Literaturnobelpreis

Der Nobelpreis für Literatur 2025 geht an den ungarischen Autoren László Krasznahorkai.
László Krasznahorkai wird “für sein fesselndes und visionäres Werk, das inmitten apokalyptischen Schreckens die Kraft der Kunst bekräftigt” ausgezeichnet. Er sei ein großer epischer Schriftsteller in der mitteleuropäischen Tradition, die sich von Kafka bis Thomas Bernhard erstreckt und durch Absurdismus und groteske Übertreibungen gekennzeichnet ist. Aber er habe noch mehr zu bieten und blicke auch nach Osten, indem er einen kontemplativeren, fein abgestimmten Ton anschlägt, heißt es in der Begründung.

Krasznahorkai wurde 1954 in Gyula (Ungarn) geboren, studierte zunächst Jura in Szeged und dann Ungarisch und Literatur in Budapest. Er begann in den späten Jahren der ungarischen Volksrepublik zu publizieren. Sein früher Ruhm im In- und Ausland ist eng verknüpft mit der filmischen Zusammenarbeit mit Béla Tarr (u. a. “Sátántangó” und “Die Werckmeister Harmonien” nach “Az ellenállás melankóliája”/“Die Melancholie des Widerstands”).
Die Werke des Nobelpreisträgers László Krasznahorkai sind auf Deutsch bei S. Fischer erschienen.

Das Preisgeld beträgt seit 2023 11 Millionen Schwedische Kronen (umgerechnet rund 1 Million Euro), eine Million mehr als in den Jahren davor. Die Auszeichnung wird am Nobelpreistag, den 10. Dezember, von Schwedens König Carl XVI. Gustaf in der Stockholmer Konzerthalle überreicht.

Dorothee Elmoger

Deutscher Buchpreis 2025

Die Jury hat eine Entscheidung getroffen: Der Deutschen Buchpreis 2025 wird Dorothee Elmiger verliehen für ihren Roman “Die Holländerinnen”. Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter Theatermacher, der sie für sein neuestes Vorhaben zu gewinnen versucht – ein in den Tropen angesiedeltes Stück, die Rekonstruktion eines Falls. Wenige Wochen später bricht sie auf, um sich der Theatergruppe auf ihrem Gang ins tiefe Innere des Urwalds anzuschließen. Dorothee Elmiger erzählt eine beunruhigende Geschichte von Menschen und Monstren, von Furcht und Gewalt, von der Verlorenheit im Universum und vom Versagen der Erzählungen.

Begründung der Jury:
Dieser Roman ist ein Ereignis. Eine Schriftstellerin berichtet von ihrer Reise in den südamerikanischen Urwald mit einer Theatergruppe auf den Spuren zweier Holländerinnen, die vor Jahren dort verschwunden sind. Auf dieser Wanderung erzählt sich die Gruppe verstörende Geschichten. Je tiefer sie sich im Dickicht und Morast verläuft, desto mehr reißt Elmiger die Leser*innen in einen Sog der Angst. Ihr Roman erzählt von Menschen, die in ihr ‚dunkelstes Gegenteil‘ verfallen. Indirekt ist dabei nicht nur Elmigers Sprache, sondern auch ihr Verweis auf unsere Gegenwart, die Schritt für Schritt in Selbstüberhebung versinkt. Elmigers Stil ist gleichzeitig distanziert und doch fesselnd. Die Holländerinnen – Ein faszinierender Trip ins Herz der Finsternis.

Flyer zum Jugendliteraturpreis

Deutscher Jugendliteraturpreis 2025

Eine Preisverleihung jagt die andere: Am 17. Oktober hat Bundesjugendministerin Karin Prien auf der Frankfurter Buchmesse den Deutschen Jugendliteraturpreis verliehen. Vor einem Publikum von 1.600 Gästen verkündete sie die Preisträger in sieben Kategorien. Die Kritikerjury prämierte vier herausragende Bücher in den Sparten Bilder-, Kinder-, Jugend- und Sachbuch.
  • Als bestes Bilderbuch setzte sich Regentag (Peter Hammer) von Jens Rassmus durch. Es lädt dazu ein, zwei Kinder auf ihrer imaginären Reise zu begleiten. Während es draußen in Strömen regnet, entwickeln die Geschwister im Kinderzimmer einen bunten Reigen an Spielideen: Sie bezwingen Berge, werden zu Zwergen oder zu Riesen und steigen in tiefe Brunnen hinab. Ganz ohne Worte setzt der Illustrator dieses Gedankenspiel um und tauscht die schwarz-weiß-gezeichnete Realität im Kinderzimmer gegen kräftige Acrylfarben, die die Weite der Phantasie auffächern.
  • Sieger im Kinderbuch ist Himmelwärts (Hanser). Feinfühlig verwebt Karen Köhler eine innige Freundinnengeschichte mit einer herausragenden Trauererzählung. In einer lauen Zeltnacht sind die zehnjährige Toni-Peperoni und ihre Freundin YumYum auf bedeutender Mission: Mithilfe eines selbstgebauten kosmischen Radios versuchen sie, Kontakt zu Tonis verstorbener Mutter aufzunehmen. Dialogstark, mit originellen Wortneuschöpfungen und Lautmalereien erzählt Köhler von tiefer Traurigkeit, aber auch von kindlicher Lebensfreude. Die dezenten, sanft zwischen Blau- und Rottönen changierenden Illustrationen von Bea Davies laden zum weiterführenden Philosophieren ein.
  • Im Jugendbuch überzeugte der Chat-Roman Und die Welt, sie fliegt hoch (Rotfuchs). In elf Kapiteln, die sich je einem der verbleibenden Tage der Sommerferien widmen, entfaltet sich der erzählstarke Chat zwischen Ava und Juri. Die beiden 14-Jährigen sitzen in ihren Zimmern fest, die eine aufgrund von Hausarrest, der andere wegen seiner Panikattacken. In ihren Nachrichten tasten sich die zwei Wort für Wort aneinander heran und aus der Enge ihrer Zimmer heraus. Einem dynamischen Pingpong-Spiel gleich entwickelt Sarah Jäger einen stilistisch feinen und auch humorvollen Dialog, der im Zusammenspiel mit den Illustrationen von Sarah Maus ein bewegendes Annäherungsporträt zeichnet.
  • Das Preisbuch in der Sparte Sachbuch wagt einen ungewöhnlichen Perspektivwechsel: Als Survival-Ratgeber wendet sich Läuse. Handbuch zum Überleben auf Menschen (Helvetiq) direkt an die gefürchteten Parasiten. Nicht nur mit diesem originellen Twist, sondern auch bild- und sprachästhetisch ist der spanischen Künstlerin Berta Páramo ein herausragendes Werk gelungen. Das handliche Sachbuch besticht mit seinen Piktogrammen in leuchtendem Neon-Orange und der experimentellen Erzählweise. Die Übersetzerin Stefanie Kuballa-Cottone transportiert den augenzwinkernden Erzählton und hält dabei dennoch die Balance zur Sachebene.

Die Jugendjury hat sich mit No Alternative (Gerstenberg) von Dirk Reinhardt für ein Werk entschieden, das das brisante Thema Klimaaktivismus behandelt. Im Mittelpunkt steht die
17-jährige Protagonistin Emma Larsen, die fest entschlossen ist, mit allem, was sie hat, für die Zukunft des Planeten zu kämpfen. Der Autor kreiert intensive Charaktere, die viele Facetten des Klimaaktivismus aufzeigen. Ein bewegender Roman, der zur Diskussion und zum politischen Denken anregt!

  • Der Deutsche Jugendliteraturpreis wird seit 1956 für herausragende Kinder- und Jugendbücher vergeben. Er ist mit insgesamt 72.000 Euro dotiert. Bis auf den Sonderpreis Gesamtwerk sind alle weiteren Auszeichnungen mit einem Preisgeld von je 10.000 Euro verbunden. Zudem erhalten alle Preisträger:innen eine Skulptur, die bronzene Momo. Stifter der Auszeichnung ist das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Ausrichter ist der Arbeitskreis für Jugendliteratur.

Ausführliche Informationen zu den Preisbüchern finden Sie HIER.

Ausblick

Mit dieser Ausgabe verabschieden wir uns aus dem November und blicken bereits auf den kommenden Monat: Der Dezember-Newsletter wird nicht nur über die letzten Neuigkeiten des Jahres berichten, sondern auch einen besonderen Moment markieren – er wird zum letzten Mal von Renate Zimmermann verfasst, die über acht Jahre hinweg unseren Newsletter gestaltet hat. Wir freuen uns auf ein letztes gemeinsames Kapitel!

Bis bald im Dezember!

Ihr Team der Stadtbibliothek Marzahn-Hellersdorf