St. Ludwig Kirche (katholisch)

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St. Ludwig, 6.7.2011 Bild: Bezirksamt, KHMM

Die katholische Kirche St. Ludwig wurde 1891 konzipiert als Ludwig-Windhorst-Gedächtniskirche. Sie wurde 1895-79 von August Menken als neugotische dreischiffige, kreuzförmige Basilika mit roter Ziegelverblendung auf dem Ludwigkirchplatz im Zentrum des Hopfenbruches errichtet und am 29.6.1897 eingeweiht. Der Kirchbau ist lebhaft gegliedert durch zahlreiche Anbauten und Türmchen.
Die Kirche der katholischen Gemeinde wurde im gleichen Jahr eingeweiht wie die evangelische Mutterkirche Wilmersdorfs, die Auenkirche an der Wilhelmsaue. St. Ludwig erhielt ihren Namen im Gedenken an den Zentrumspolitiker und Reichstagsabgeordneten Ludwig Windthorst, der den Bau der Kirche initiierte und gegen viele Widerstände durchsetzte. Damals galt in Preußen die Regel der Kaiserin Auguste-Viktoria (“Kirchen-Juste”), dass katholische Kirchen nicht frei stehen, sondern in die Häuserfront eingebaut werden sollten (z.B. Heilig Kreuz in der Hildegardstraße), um gegenüber der evangelischen “Staatskirche” entsprechend zurückgesetzt zu sein.

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St. Ludwig Skulptur Bild: Raimund Müller

Der Name der Kirche bezieht sich aber auch auf den Namenspatron Windthorsts, Ludwig IX, den Heiligen, König von Frankreich 1214-1270. Er wurde 1297 heilig gesprochen. Nach einer Legende soll ein Ritter von Willmerstorff ihm während eines seiner beiden Kreuzzüge das Leben gerettet haben und als Dank dafür mit dem Wappen der Bourbonen mit den drei Lilien ausgezeichnet worden sein. Deshalb findet sich das Liliensymbol in der Kirche an vielen Stellen wieder: in den Mosaiken des Altarraums, an den Leuchterbänken, an der Monstranz und auf einigen Messgewändern. Es wurde von der Großstadt Wilmersdorf, später vom Bezirk Wilmersdorf und jetzt auch von dem neuen Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf in das Wappen übernommen.

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Ludwigkirchplatz, 6.7.2011 Bild: Bezirksamt, KHMM

Der Hopfenbruch war ein sumpfiges Gebiet zwischen Charlottenburg und Wilmersdorf. Der Kurfürstendamm durchzog dieses Gebiet als befestigter Knüppeldamm für die kurfürstlichen Reiter, die vom Berliner Stadtschloss zum Jagdschloss Grunewald gelangen wollten. Die Kirche erhebt sich über dem ehemaligen Hauptgraben, der auch “Schwarzer Graben” genannt wurde. Er durchzog das Gebiet in Ost-West-Richtung, etwa in der Achse der heutigen Pariser Straße. Vor allem in seiner Spätphase roch dieser Graben äußerst unangenehm. Er wurde im Zuge des Ausbaus des Kurfürstendammes zum Boulevard kanalisiert. Das gesamte Gebiet rund um den Ludwigkirchplatz wurde noch vor dem Ersten Weltkrieg bis etwa 1912 vollständig bebaut.
Die Kirche wurde 1943 beschädigt, 1955 und 1961 wiederhergestellt.