Union und der Aufstiegsdruck: «Sind alle klar im Kopf»

Union und der Aufstiegsdruck: «Sind alle klar im Kopf»

Wie geht der 1. FC Union mit der Anspannung im Aufstiegsrennen um? Coach Fischer thematisiert nach dem schmeichelhaften 2:0 über Ingolstadt die besondere Situation. Am nächsten Spieltag können die Berliner ihre Konkurrenz erneut vorerst unter Druck setzen.

Urs Fischer

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Berlins Trainer Urs Fischer lächelt im Interview vor Spielbeginn. Foto: Andreas Gora/Archiv

Berlin (dpa/bb) - Für den 1. FC Union wird jedes der letzten neun Saisonspiele zur großen Nervenprobe. Nach dem glücklichen 2:0-Erfolg über den starken FC Ingolstadt und Ex-Coach Jens Keller erkennt Berlins Trainer Urs Fischer eine besondere Anspannung seines Teams im Endspurt um den Bundesliga-Aufstieg. «Wenn du ein Wörtchen mitredest in der Rangliste, wird es immer schwieriger. Jedes Spiel kann entscheidend sein», erläuterte Fischer das Phänomen, warum seine Mannschaft zuletzt vor heimischer Kulisse nervöser als sonst wirkte. «Wir wollen bis zuoberst versuchen, ein Wörtchen mitzureden, deshalb wird der Druck nicht kleiner. Das ist ein Thema, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen.»
47 Punkte, mittendrin im Feld der Anwärter auf den Sprung ins Fußball-Oberhaus. Nur einmal in ihrer Zweitliga-Geschichte standen die Köpenicker nach 25 Spieltagen noch besser da: Vor zwei Jahren war Union mit 50 Zählern sogar Tabellenführer. Anschließend gelangen jedoch nur noch drei Siege und ein Unentschieden, es folgte der Absturz auf Rang vier. Wie geht Union nun mit dem Aufstiegsdruck um?
«Druck kann man nur verspüren, wenn man nicht die Dinge erreicht, die man sich vorgenommen hat», sagte Oliver Ruhnert, Geschäftsführer Profifußball, am Wochenende fast schon philosophisch. Als offizielles Saisonziel hatten die Verantwortlichen ausgegeben, die Platzierung nach Rang acht aus der schwachen Vorsaison zu verbessern.
Die Punkteausbeute hat Union bereits egalisiert, die Verfolger hinter dem FC St. Pauli auf Platz vier sind mit dem sechsten Sieg in den vergangenen sieben Heimspielen erst einmal deutlich distanziert. Der kommende Gegner 1. FC Heidenheim als Sechster liegt bereits acht Zähler zurück.
Mit dem dritten Auswärtserfolg nacheinander wollen die Unioner nun erneut die härteste Aufstiegskonkurrenz vom 1. FC Köln und Hamburger SV unter Druck setzen. «Wir lassen uns auch nicht aus der Ruhe bringen», betonte Grischa Prömel. «Wir sind alle klar im Kopf. Das ist Zweitligafußball, da geht nichts über Mentalität und Einsatz.»
Auf diese Tugenden seines defensiven Mittelfeldspielers muss Union in Heidenheim jedoch verzichten. Ebenso wie Positionskollege Nicolai Rapp fällt Prömel gelb-gesperrt aus. Winter-Neuzugang Carlos Mané ist zudem an der Schulter angeschlagen. «Unser Kader ist groß genug, dass wir zwei Spieler, die gesperrt sind, ersetzen können», sagte Fischer. «Es ist vielleicht gut für die letzten acht Spiele, dass sie dann nicht mehr vorbelastet sind.» Es droht auf der Position im defensiven Mittelfeld schon der nächste Ausfall: Manuel Schmiedebach wurde gegen Ingolstadt zum neunten Mal verwarnt.
Abseits des Sportlichen sorgte weiter der üble, antisemitische Hass-Tweet eines Nutzers gegen Ingolstadts israelischen Kapitän Almog Cohen für Entsetzen. Union informierte die Polizei, verurteilte den Beitrag im Internet und bat seine Fans zudem um Unterstützung im Kampf gegen Diskriminierung. Es habe immer wieder Berichte über Fälle von rassistischen Übergriffen auf der Tribüne im Stadion «An der Alten Försterei» gegeben, teilte der Club mit. Diese seien jedoch nur selten beim Ordnungsdienst gemeldet und angezeigt worden.
«Ich schäme mich für solche Unioner. Wir werden alles daransetzen, sie zu isolieren und strafrechtlich verfolgen zu lassen», sagte Club-Präsident Dirk Zingler. «Union steht für humanistische und demokratische Werte. Wer diese nicht teilt, hat in unserem Verein und in unserem Stadion nichts verloren.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Sonntag, 10. März 2019 13:00 Uhr

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