Gierisch jubelt über Dreisprung-Silber: «Keine Worte»

Gierisch jubelt über Dreisprung-Silber: «Keine Worte»

Kristin Gierisch ist in dieser Saison die Beständigkeit in Person. Belohnt wird dies mit der ersten internationalen Freiluft-Medaille für die Dreispringerin bei der Heim-EM in Berlin.

Kristin Gierisch

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Die Silbermedaillengewinnerin im Dreisprung Kristin Gierisch jubelt. Foto: Kay Nietfeld

Berlin (dpa) - Kristin Gierisch stand noch lange nach ihrem Silber-Coup fassungslos vor Kameras und Mikrofonen. «Es ist noch nicht angekommen, ich habe noch keine Worte dafür», sagte die Dreispringerin. Unter dem Hallendach ist sie schon längst eine Größe und eigentlich an Erfolge gewöhnt. Bei der Leichtathletik-EM am Freitag in Berlin landete die 27-Jährige aus Chemnitz nun auch unter freiem Himmel ihren ersten Medaillen-Coup. Mit 14,45 Metern im ersten Versuch landete die Polizeimeisterin im Olympiastadion auf dem zweiten Platz - sie flog genau einen Zentimeter weiter als die Spanierin Ana Peleteiro im letzten Durchgang.
Gierisch musste sich nur der Griechin Paraskeví Papachristou (14,60) geschlagen geben. In der Halle gewann «Kiri» bei der Europameisterschaft 2017 den Titel, ein Jahr zuvor wurde sie Vizeweltmeisterin. Nachdem Gierisch angeschlagen durch eine Knochenhautentzündung bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro nur Elfte wurde, schaffte sie bei der WM 2017 in London als Fünfte mit 14,33 Metern den internationalen Durchbruch im Freien.
Vor der Heim-EM an der Spree hatte Gierisch eine konstant gute Form gezeigt und mit den 14,42 Metern Ende Juni beim Diamond-League-Meeting in Paris Medaillen-Hoffnungen geweckt. Dabei hatte sie in der Hallen-Saison noch «super, super Probleme», wie sie sich am späten Abend erinnerte.
Hopp, Step, Jump und Silber hieß es nun für Gierisch bei der Freiluft-EM. Bereits nach dem ersten Sprung landete sie bei 14,45 Metern. «Im ersten Versuch - das ist untypisch für mich, aber einer reicht!», meinte sie später kopfschüttelnd.
Sie sprang so weit wie noch nie in ihrem Sportlerleben, das mit dem deutschen Meistertitel der U18 im Jahr 2007 begonnen hatte. Seitdem ist für die in Zwickau geborene Blondine der Dreisprung die «schönste Disziplin der Leichtathletik, meine große Liebe» - und Harry Marusch ihr Trainer.
«Ich verdanke dem Mann einfach alles. Der hat meine Pubertät mit mir durchgemacht, die wahrscheinlich nicht immer ganz einfach war», sagte Gierisch. Coach Marusch trainiert auch Europameister Max Heß, der ihr am Sonntag im Finale nacheifern und seinen Titel verteidigen will.
Auch der deutsche Rekord von 14,57 Metern von Katja Demut (2011) rückt damit für Gierisch immer mehr in Reichweite. Was für eine starke Persönlichkeit die Weitenjägerin ist, zeigte sich bei ihrem EM-Triumph im März 2017 in Belgrad. Etwa einen Monat vorher war ihr älterer Bruder zwei Tage lang vermisst, konnte aber nach zwei Tagen in einem Wald von einem Suchtrupp lebend gefunden werden. Dennoch war es ein Schock für die ganze Familie. «Dieses Erlebnis wünsche ich keinem. Und doch hat es mir gezeigt, dass es um andere Sachen geht im Leben», sagte die Sächsin, die sich danach dennoch nicht vom Weg zum Hallen-EM-Titel abbringen ließ.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: 10. August 2018