Dardai: Hertha seit Wochen im «Champions-League-Modus»

Dardai: Hertha seit Wochen im «Champions-League-Modus»

Sprach Pal Dardai nach dem achten sieglosen Spiel von Hertha BSC in Serie tatsächlich von der Königsklasse? Er tat es und war dennoch weit entfernt von allen Big-City-Allüren. «Es ist beschwerlich. Diese Wochen haben wir den Champions-League-Modus», sagte der Chefcoach des taumelnden Berliner Fußball-Bundesligisten. Dardai meinte damit keineswegs einen vermessenen Angriff auf weit entfernte Tabellenregionen. Die Realität bleibt nach dem 0:3 gegen Bayern-Jäger RB Leipzig auf Tabellenplatz 15 hauchdünn vor den Abstiegsrängen ziemlich trist.

Pal Dardai gestikuliert an der Seitenlinie.

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Hertha BSC Trainer Pal Dardai gestikuliert an der Seitenlinie.

«Das bedeutet: Diese Woche haben wir gespielt gegen Frankfurt, die stehen oben, Bayern steht da oben, Leipzig, nächste Woche gegen Wolfsburg. Wir müssen einfach genau so weiter arbeiten», forderte Dardai. Soll heißen: Die wirklich wichtigen Spiele gegen Gegner diesseits der eigenen Augenhöhe kommen für die Berliner noch.
Noch wartet Club-Idol Dardai nach seiner Trainer-Rückkehr auf den ersten Sieg. Nach vier erfolglosen Versuchen hat sich der 44-Jährige nun auf den Beschwichtigungsmodus verlegt. Er kann auch gar nicht anders. «Das Ergebnis ist traurig. Wir sind immer wieder marschiert und haben es versucht», sagte er nach dem glücklosen Leipzig-Duell. «Wir müssen einfach ruhig bleiben, keine Panik», forderte der Ungar.
Dardai muss auffallen, dass die Kaderplanung von Ex-Manager Michael Preetz und dessen zum Sportdirektor beförderten Adjutanten Arne Friedrich eine ziemliche Fehlleistung war. Das spiegelte sich auch gegen Leipzig wider. «Ich habe von Anfang an gesagt, Leute, wenn jemand den Spielplan gesehen hat, wenn jemand sieht, dass die Spieler für andere Träume ausgesucht sind, dann hat man gewusst, das wird schwieriger», sagte Dardai - ohne Namen zu nennen.
Die auf über 100 Millionen Euro summierten Transferausgaben des letzten Jahres haben Hertha nur in die Sackgasse geführt. Matheus Cunha und Krzysztof Piatek vergaben ihre Torchancen. Lucas Tousart und Matteó Guendouzi verursachten die drei Gegentore. Alexander Schwolow und Omar Alderete saßen nur auf der Bank, Deyovaisio Zeefuik war nicht einmal mehr im Kader. Jhon Cordoba ist seit Wochen verletzt. Nur Sami Khedira genießt als Ex-Weltmeister mit Fitness-Rückstand noch eine Art Schutz-Bonus.
Dardai hofft auf einen Knotenlöser oder eben auf jene Spiele, wenn es ab Mitte April nicht mehr permanent gegen Top-Clubs geht. Diese Denkweise wurde schon seinem Vorgänger Bruno Labbadia zum Verhängnis. In den letzten sechs Spielen der Hinrunde wollte er fette Punktebeute machen. Es gab nur einen Sieg gegen das abgeschlagene Schlusslicht Schalke - bis heute der letzte für Hertha BSC.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 22. Februar 2021 05:29 Uhr

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