Hertha arbeitet an neuem Gesamtkonstrukt

Hertha arbeitet an neuem Gesamtkonstrukt

Sechs Profis sind weg, mit zwei wird noch gepokert, Qualitäts-Verbesserung soll folgen: Einen Tag nach Abschluss einer sehr speziellen Saison hat Hertha BSC schon in den Neuaufbau-Modus geschaltet.

Bruno Labbadia

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Bruno Labbadia, der Trainer von Hertha.

«Es ist ein Gesamtkonstrukt, was wir im Moment überlegen», sagte Trainer Bruna Labbadia, der als Baumeister das Fundament für die nächste Spielzeit gelegt hat. Ein schwieriges Unterfangen, denn noch ist in der Zeit der Corona-Pandemie nicht einmal klar, wann und in welcher Form die Bundesliga wieder startet.

Arne Friedrich neuer Sportdirektor

Einen ersten Schritt in Richtung Zukunft ging der Club am Sonntag (28. Juni 20209 mit der Verpflichtung von Arne Friedrich als neuem Sportdirektor. Der 41-Jährige, seit November 2019 als Performance Manager bereits im Umfeld der Mannschaft dabei, soll das Bindeglied zwischen Team und Vereinsführung werden. «Vor allem in der aktuellen Konstellation macht die Zusammenarbeit unheimlich viel Spaß und ich habe das Gefühl, dass wir gemeinsam einiges voranbringen können», sagte der ehemalige Nationalspieler und Hertha-Kapitän.

Ernüchterung nach chaotischen Monaten

«Wir werden viele Erkenntnisse mitnehmen», sagte Manager Michael Preetz mit Blick auf die kommende Spielzeit. Bei aller Erleichterung nach teilweise chaotischen Monaten, als Zehnter 2019/20 noch halbwegs passabel abgeschlossen zu haben, bleibt die Ernüchterung: Hertha ist sportlich nicht vorangekommen und steht in der Abschlusstabelle nur dank des besseren Torverhältnisses vor Aufsteiger und Stadtrivale 1. FC Union.
Fußball-Europa bleibt weit entfernt. 41 Punkte - weniger hatte der Berliner Club zuletzt auf dem Konto, als Pal Dardai als Neu-Coach 2015 gerade noch den Abstieg verhindern konnte. Danach wurden unter der Leitung des Ungarn stets mehr Zähler eingefahren: 50, 49, 43, 43. Die Chefetage hatte dies zuletzt jedoch eher als Stagnation gewertet und sich gegen Dardai entschieden.

Vier Coaches innerhalb einer Saison

Das Ergebnis ist bekannt. Ante Covic bekam als unerfahrener Cheftrainer das Team nicht in die Spur. Jürgen Klinsmann überforderte die Alte Dame mit seinen Visionen vom «Big City Club», stoppte den Abwärtstrend, aber schockte den Verein mit seinem Blitz-Abgang. Und Alexander Nouri kam über die Rolle als Schattentrainer nie hinaus. Erst mit der Installation von Labbadia als viertem Coach mitten in der Corona-Pause gelang zumindest die Stabilisierung.

Hohe Erwartungen an den Hauptstadtclub

Auch angesichts der bisherigen 224 Millionen von Investor Lars Windhorst sind die Ansprüche innerhalb und außerhalb des Hauptstadtclubs allerdings andere. Im Winter gab Hertha bereits knapp 80 Millionen Euro für Neuzugänge aus und hat damit einen eigenen Transferrekord aufgestellt. Jetzt hat Windhorsts Firma Tennor eine weitere Zahlung von 150 Millionen in Aussicht gestellt. «Mögliches weiteres Eigenkapital würde unsere Situation natürlich verbessern», sagte Preetz: «Es wird wahnsinnig spannend diesen Sommer. Niemand ist in der Lage, in die Kugel zu schauen.»
Mit dem neuen Kader will Hertha auf jeden Fall mehr Qualität auf den Platz bringen. Der Franzose Lucas Tousart von Olympique Lyon als bereits feststehender Neuer passt zu diesem Anspruch. Allerdings verlassen in Marko Grujic und Per Skjelbred auch zwei Spieler den Club, die unter Labbadia mit den erfolgreichen Endspurt garantiert haben. Auch Torhüter Thomas Kraft, Salomon Kalou, Alexander Esswein und Marius Wolf sind keine Herthaner mehr. Die Zukunft von Kapitän Vedad Ibisevic und von Routinier Peter Pekarik ist offen.

Zukunft von Ibisevic bei Hertha noch unklar

Eine Hauptfrage dreht sich derzeit darum, ob Stürmer Ibisevic nochmals einen neuen Kontrakt erhält oder ob sein finales 1:2 zum Saisonabschluss in Mönchengladbach sein letztes Tor für Hertha war. «Ob ich in Berlin bleibe, weiß ich nicht. Ich kann meinen Vertrag ja nicht selbst verlängern. Wir haben aber schon geredet, und die Leute kennen meine Meinung», sagte der 35 Jahre alte Ibisevic.

Labbadia: «Die andere Frage ist: Wo wollen wir hin?»

Sein Treffer in Gladbach, mit dem er die Niederlage aber nicht mehr verhindern konnte, war sein Bundesliga-Tor Nummer 127. «Er hat bei mir in Stuttgart schon viele Tore gemacht, jetzt wieder», bemerkte Trainer Labbadia. «Die andere Frage ist: Wo wollen wir hin? Und wie gehen wir den Weg? Das sind einfach Dinge, die wir ganz offen mit ihm diskutieren. Und dann werden wir sehen, was wir machen.» Mit dem im Winter geholten Polen Krzysztof Piatek hat Hertha schon einen hochkarätigen Mittelstürmer unter Vertrag.
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Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 29. Juni 2020 08:36 Uhr

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