Vorfreude statt Angst bei Hertha

Vorfreude statt Angst bei Hertha

Nein, Angst habe er nicht ausgemacht bei den Profis von Hertha BSC. Zwar wirkt das Skandal-Video von Salomon Kalou bei Hertha BSC weiter nach und die Öffentlichkeit diskutiert heftig über die Fortsetzung der Bundesliga-Saison in Zeiten von Corona. Doch für Michael Preetz ist es «das Wichtigste, dass der Ball wieder rollt», betonte der Manager des Berliner Fußball-Bundesligisten. «Wir sind alle sehr dankbar. Es ist nicht selbstverständlich in dieser Zeit, dass wir unseren Job ausführen dürfen. Es ist ein großes Privileg», erklärte Flügelspieler Maximilian Mittelstädt am Freitag.

Bruno Labbadia gibt Anweisungen auf dem Trainingsplatz

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Bruno Labbadia, der neue Trainer von Hertha BSC, gibt Anweisungen zum Trainingsplatz.

«Ich habe keine einzigen Spieler ausmachen können, der ängstlicht mit der Situation umgeht. Im Gegenteil: Was ich spüre, ist Vorfreude, dass es wieder los geht.» Für den neuen Berliner Trainer Bruno Labbadia ist das alles eine spezielle Situation: «Corona ist keine Normalität aber auch der ganze Ablauf hat keine Normalität», sagte der 54-Jährige, betonte aber: «Wir werden keine Ausrede suchen. Wir werden das so annehmen müssen und das wird spannend sein.»
Vor dem Wiederstart am 16. Mai bei 1899 Hoffenheim kämpft Hertha darum, das ohnehin in dieser Saison arg ramponierte Image nicht noch weiter zu verschlechtern. Eine Woche später steigt des hochemotionale Derby gegen den 1. FC Union - natürlich auch ohne Zuschauer. Der genaue Termin ist noch offen. «Wir lassen auch nichts aus», dachte der geschockte Preetz sofort, als er von der Live-Reportage des erfahrenden Stürmers Kalou erfuhr, in der nicht nur das mehrmalige Missachten der Corona-Regeln durch den Ivorer selbst deutlich wurde.
Preetz ermahnte nochmals alle Profis: «In diesem Video sind einige Fehlverhalten zu sehen.» Es habe weitere Schulungen gegeben. «Klar wissen wir, dass wir die ganzen Maßnahmen auch einhalten müssen. Weil die Situation immer noch ernst ist. Wenn sich alle daran halten, ist es ein sehr gutes Konzept», sagte Mittelstädt.
Am Freitag durfte Hertha nach dem Grünen Licht des Berliner Senats erstmals wieder ein Teamtraining absolvieren. «Nach neun Wochen war es extrem ungewohnt», erklärte Chefcoach Labbadia: «Es sind noch einige Hürden zu nehmen, plus die ganzen Auflagen.»
Wenn das Team - wie im Krisen-Konzept der Deutschen Fußball-Liga festgelegt - am Sonntag in Vorbereitung auf den Neustart in Quarantäne geht, sollen über 30 Spieler dabei sein. Dafür wurden in einem Berliner Hotel die entsprechenden Voraussetzungen geschaffen. «Wir sind jeden Tag mehrere Stunden am Gange, wie wir die Organisation hinbekommen. Es ist sehr kompliziert. Aber es sind Dinge, die man nicht ändern kann», bemerkte Labbadia.
Kalou wird die Ausnahmesituation nicht miterleben. «Er hat einen schweren Fehler gemacht», unterstrich der einstige Stürmer. Kalou sei über sechs Jahre aber auch ein «tadelloser Sportsmann» gewesen und ihm «an Herz gewachsen». Bei seinen Mitspielern hat sich der einstige Champions-League-Sieger entschuldigt. «Wir hatten keine Wahl, als ihn zu suspendieren. Wir werden ihn aber nicht verdammen», sagte Preetz.
Sportlich wird der Neustart für Hertha quasi zum Blindflug. «Wir müssen sehr schlau sein in den nächsten Wochen, weil wir nicht wissen, auf welchem Stand sind wir. Auch das hat mit einer normalen Vorbereitung nichts zu tun», sage Labbadia: «Die Spieler haben ein bisschen Fitness gemacht und jetzt gehen wir nach einer Woche in die Spiele rein. Das hat noch keiner durchgemacht.» Mehrere Liga-Konkurrenten befinden sich schon länger wieder im Mannschaftstraining, für den Trainer ein «kleiner Nachteil».
«Wir können in der Tat überhaupt nicht einschätzen, auf welchem Leistungsstand wir sind», sagte Preetz. Das würde aber auf alle 36 Clubs der 1. und 2. Liga zutreffen. «Wir sind alle gespannt, was uns erwartet, wie die Spiele ablaufen werden.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 8. Mai 2020 15:58 Uhr

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