Hertha und Klinsmann suchen den «Boom»-Effekt

Hertha und Klinsmann suchen den «Boom»-Effekt

Jürgen Klinsmann unternahm einen kleinen Exkurs in die Gefühlswelt eines Stürmers. Aus Sicht eines früheren Weltklasseangreifers beschrieb der Hertha-Coach die Gemütslage von Davie Selke & Co. - und einen möglichen Weg aus der Offensivflaute der Berliner. «Wir Stürmer haben das gelebt vor 20 Jahren», sagte Klinsmann am Freitag mit einem Seitenblick auf den Ex-Nationalstürmer und heutigen Manager Michael Preetz. «Da bist du stinkig auf dich selbst, gehst vom Platz und bist erstmal nicht ansprechbar. Manchmal kommt diese Wut, die in dir hochkommt, in die richtigen Kanäle und dann Boom: Auf einmal klappt's und er ist drin, dann kann es sein, dass du einen Lauf bekommst.»

Niklas Stark und Jürgen Klinsmann

© dpa

Herthas Niklas Stark springt zum Ball, im Hintergrund steht Trainer Jürgen Klinsmann.

Auf diesen Lauf wartet der Tabellen-14. der Fußball-Bundesliga vor der Partie beim VfL Wolfsburg am Samstag (15.30 Uhr/Sky) sehnsüchtig. In den Partien unter ihrem neuen Coach Klinsmann hatte Hertha vor dem 0:4 gegen den FC Bayern zwar die defensive Stabilität zurückgewonnen, im Angriff fehlt jedoch weiter der Schwung. In den sechs Partien mit Klinsmann erzielte Hertha fünf Treffer.
Vor allem Stoßstürmer Davie Selke agierte - auch aufgrund mangelnder Unterstützung durch seine Teamkollegen - unglücklich und kommt diese Saison bei 18 Ligaeinsätzen nur auf einen einzigen Treffer. «Wenn du dich in Davies Situation reinversetzt, dann bist du unzufrieden, angefressen, du willst Tore zeigen», sagte Klinsmann. «Du zeigst dir diese Bilanz jeden Tag.» Ob er Selke zur Aufbesserung dieser noch eine weitere Bewährungschance von Beginn an gibt, ließ der 55-Jährige offen. Möglich ist, dass Dodi Lukebakio von der rechten Außenbahn in die Zentrale rückt.
Mit mageren vier Liga-Treffern ist der Neuzugang diese Saison bislang der beste Hertha-Schütze, dahinter kommen mit drei Toren unter anderem der kaum noch berücksichtigte Kapitän Vedad Ibisevic und Außenstürmer Javairo Dilrosun. «Wenn ich abends im Bett liege, denke ich lange über die Spiele nach - darüber, was ich hätte besser machen können», gestand der Niederländer in der «Berliner Morgenpost» aufgrund seiner persönlichen Tor-Flaute von mehr als drei Monaten.
Wie die Offensive wird in der Partie bei den Niedersachsen auch die zentrale Verteidigung im Fokus stehen. Durch die Gelbsperre von Abwehrchef Dedryck Boyata darf Nationalspieler Niklas Stark auf seine Rückkehr in die Startelf hoffen. «Es ist die logische Schlussfolgerung, es schaut gut aus», sagte Klinsmann. Stark war zum Ende der Hinrunde dreimal nicht eingesetzt worden, beim 0:4 gegen den FC Bayern fehlte der 24-Jährige wegen einer fiebrigen Erkältung. «Er ist voll hergestellt», sagte Klinsmann am Freitag. Der gegen Bayern mit Muskelproblemen fehlende zentrale Abwehrspieler Karim Rekik meldete sich ebenfalls fit zurück.
Geschäftsführer Michael Preetz bestätigte einen Medienbericht nicht, dass der Berater Starks sich über die Möglichkeit eines Wechsels im Winter erkundigt habe. «Ich bin im regelmäßigen Austausch mit Beratern aller Spielern», sagte der Manager. Wenn Stark bei Hertha gute Leistungen zeige, sei die Tür zur Nationalmannschaft aus seiner Sicht auch wieder offen. «Es gibt im Fußball immer den Tag, wo es die Chance gibt - und dann muss man da sein und sie nutzen und wieder an die Leistungen anknüpfen, die man in der Vergangenheit gezeigt hat», betonte Preetz.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 24. Januar 2020 14:02 Uhr

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