Nach Dardai ist vor Covic: Hertha braucht mehr Konstanz

Nach Dardai ist vor Covic: Hertha braucht mehr Konstanz

Platz elf ist es am Ende für Hertha BSC. Zwar sei es eine «Topleistung», trotz vieler Verletzungssorgen wieder weit weg von der Abstiegszone zu landen, meint der scheidende Coach Dardai. Doch die Club-Bosse wollen mehr Konstanz, um raus aus dem Mittelmaß zu kommen.

Cheftrainer Pál Dárdai von Hertha BSC

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Cheftrainer Pál Dárdai von Hertha BSC zeigt nach Spielende beide Daumen nach oben in Richtung Fans. Foto: Andreas Gora

Berlin (dpa) - Mit seiner Familie und Freunden aus Ungarn ließ Pal Dardai seinen vorerst letzten Fußballtag ausklingen - es war ein sehr emotionaler. «Viereinhalb Jahre sind nicht wenig», sagte der scheidende Chefcoach von Herta BSC, nachdem ihn die Fans trotz einer 1:5-Packung gegen Bayer Leverkusen minutenlang bejubelt hatten. Dardai dankte vor allem den «Menschen in der Stadt, die mich immer geliebt haben. Das ist immer noch so.» Der 43-jährige Fußball-Kämpfer und Vereins-Rekordspieler ist eine Hertha-Legende - jetzt erst recht.
«Über das Ergebnis sind wir nicht glücklich. Für unseren Trainer und Lusti, die so eine wichtige Rolle für den Vereins gespielt haben, war es dennoch ein schöner Abschied. Das macht den Tag besser», kommentierte Verteidiger Karim Rekik das Saisonfinale, das wie schon in den zwei Jahren zuvor mit einer kräftigen Abreibung endete. Fabian Lustenberger, der nach zwölf Jahren in Berlin zurück in seine Schweizer Heimat zu Young Boys Bern geht, bemerkte: «Egal ist das Ergebnis nicht, aber ich sehe es etwas nüchterner.»
Kai Havertz (28. Minute), dreimal Lucas Alario (38., 72., 88.) und Julian Brandt (54.) trafen vor 59 287 Zuschauern für Bayer. Valentino Lazaro (34.) glich zwischenzeitlich aus. Am Ende bleibt für den Hauptstadtclub Platz elf und ein Stück Unzufriedenheit. Für die Vereins-Boss um Präsident Werner Gegenbauer war «mehr möglich». Das Potenzial des Teams führte letztlich zu selten zu solch Glanzmomenten wie dem 2:0-Heimsieg gegen den alten und neuen Meister FC Bayern.
Das Hauptproblem: Hertha fehlte die Konstanz. Immer, wenn die Chance zu einem neuen Qualitätssprung da war, kam der nächste Rückschlag. Das kostete schließlich Dardai den Job. «Das Spiel hat ein bisschen die ganze Saison widergespiegelt», sagte dann Dardai auch nach der Niederlage gegen Bayer 04. «Ohne die Verletzungen haben wir sehr organisiert, sehr gut gespielt. Nach den zwei Wechseln hat das ganze Anlauf-Verhalten, die ganze taktische Disziplin nicht so ausgesehen, wie man sich das wünscht», ergänzte der scheidende Coach.
Ein Schuss Naivität, Inkonstanz, die fehlende letzte Konsequenz - diese Defizite soll nun Ante Covic als neuer Chefcoach beseitigen. Dardai hat dafür gesorgt, dass Hertha seit seinen Arbeitsbeginn im Februar 2015 erst einem weiteren Absturz entging und dann mit dem Abstieg nicht mehr zu tun hatte. Mit den vielen Verletzungen in der laufenden Spielzeit sei das «eine Topleistung», meinte Dardai.
Der nächste Schritt wird für den bisherigen Berliner Jugendcoach Covic nicht leicht. Sein Vorgänger aber sieht «eine funktionierende Mannschaft», die er übergibt. «Das Leben geht hier weiter», sagte der 43-Jährige: «Im Fußball zählt immer der nächste Pass.»
Für Liverpool-Leihgabe Marko Grujic war es «toll zu sehen», wie die Fans die Hertha-Lieblinge Dardai und Lustenberger verabschiedeten. Manager Michael Preetz würde gern den jungen Serben ein weiteres Jahr ausleihen. «Wir sind im Austausch», berichtete Grujic. Er könne nach Gesprächen mit dem FC Liverpool aber zu seiner Zukunft noch nichts sagen. Am Sonntag wird auf der Mitgliederversammlung des Vereins nochmals zurück und nach vorn geblickt. Vielleicht gibt es dann schon die ersten personellen Entscheidungen für die neue Saison.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Sonntag, 19. Mai 2019 10:30 Uhr

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