Dardai und die Hoffnung auf ein neues Stadion

Dardai und die Hoffnung auf ein neues Stadion

Eine neue Arena für Hertha BSC hätte aus Sicht von Pal Dardai auch einen sportlichen Effekt für die Berliner. In der Stadiondebatte spricht sich der Coach mit einem vehementen Appell für eine Lösung aus. Berlins Sportsenator übt Kritik am Club.

Blick auf das Olympiastadion

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Blick auf das Olympiastadion. Foto: Paul Zinken

Berlin (dpa/bb) - Die Debatte um ein neues Stadion für Hertha BSC erinnert Pal Dardai an seine Zeit als ungarischer Nationalcoach. Wenn es einmal bei Heimspielen nicht so lief, hätten die Zuschauer skandiert: «Ébresztö». Das heiße so viel wie «Wacht auf!», berichtete der 43-Jährige am Donnerstag. Diese negative Einstellung habe er damals nicht mehr akzeptieren wollen. Seitdem Ungarn in einer neuen Arena in Budapest spiele, habe sich dies gewandelt - erst zuletzt gab es einen 2:1-Heimerfolg gegen Vize-Weltmeister Kroatien.
Einen solchen sportlichen Effekt erhofft sich Dardai mittelfristig auch für seinen Herzensclub. «Wenn die Menschen konsequent für die Mannschaft mitmachen, dann sind es plus zehn Punkte in einer Saison. Wenn das Olympiastadion immer voll wäre, dann hättest du diesen Effekt», sagte Dardai mit einem vehementen Appell vor der Partie gegen Fortuna Düsseldorf am Samstag (15.30 Uhr/Sky). Für ein echtes «Wir-Gefühl» brauche es ein volles Stadion. «Wenn du eine andere Atmosphäre hast, sieht auch ein Scheiss-Spiel besser aus.»
Sportlich muss Hertha dieses Wochenende nach zuletzt drei Niederlagen in Serie den Stimmungsumschwung schaffen, auch wenn die Europapokalplätze inzwischen in weite Ferne gerückt sind. Er wolle eine «Antwort» seines Teams auf dem Platz sehen, forderte Dardai nach dem jüngsten 0:5 bei RB Leipzig.
Perspektivisch will der Club eigentlich 2025 in eine neue Arena für 55 000 Zuschauer direkt neben dem Olympiastadion umziehen.
In diesem Vorhaben gab es jedoch zuletzt einen harten Rückschlag. Das Projekt steht auf der Kippe, weil auf dem Areal sechs Häuser mit 24 Wohnungen liegen, die für die neue Arena abgerissen werden müssten. Die Genossenschaft, der die Wohnungen gehören, hatte diese Woche mitgeteilt, dass sie nicht mehr über einen Verkauf an Hertha verhandeln wolle. Aus ihrer Sicht hat der Verein keine adäquaten Alternativen angeboten. Hertha-Geschäftsführer Michael Preetz hatte hingegen betont, dass der Club aus seiner Sicht alle Fragen beantwortet habe.
Berlins Sportsenator Andreas Geisel unterstrich derweil das Interesse des Senats, gemeinsam mit dem Club eine Lösung in der offenen Stadionfrage zu finden. «Wir wollen Hertha in der Stadt halten», sagte der SPD-Politiker im Abgeordnetenhaus. «Die Hertha gehört zur Stadt.» Er plädiere dafür, deshalb «mit der Hertha zu reden, statt über die Hertha», so Geisel. Er gehe davon aus, dass sich der Verein in den nächsten Tagen Gedanken mache. «Und dann reden wir in Ruhe. Wir brauche eine Lösung, die Hertha nutzt und die auch Berlin nutzt - und daran arbeiten wir weiter.»
Der bisher vom Verein ins Auge gefasste Standort liege zu drei Vierteln nicht im Olympiapark, sagte Geisel. «Dieses Baufeld steht nun nicht zur Verfügung.» Ein anderer Standort auf dem weitläufigen Olympiagelände mache «die Debatte nicht leichter», fügte er mit Blick auf entsprechende Überlegungen des Vereins hinzu. Gleichzeitig kritisierte Geisel den Bundesligisten, der in der eineinhalb Jahre andauernden Debatte viele Fragen nicht beantwortet habe. Dazu zähle neben den Wohnungen etwa der Lärmschutz. Die Strategie des Vereins, «öffentlich Druck aufzubauen», habe nicht zum Erfolg geführt.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 4. April 2019 15:10 Uhr

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