Queere Menschen können heute in Berlin aus einer Vielfalt an Angeboten, Räumen und Strukturen wählen: Vereine und Initiativen, politische Gruppen, Beratungsstellen, selbstorganisierte Fürsorge- und Unterstützungsnetzwerke, Kulturorte, Partys, Cafés und mehr. Dabei lohnt es sich, genauer hinzusehen: Wer hat diese Räume geschaffen? Wer wurde gehört, wer blieb unsichtbar? Wer konnte politische Arbeit leisten, weil andere die notwendige Sorgearbeit übernahmen? Welche Perspektiven wurden in Bewegungen marginalisiert – und welche Geschichten drohen bis heute verloren zu gehen? Und was braucht es, damit diese Räume auch in Zukunft bestehen können?
Im Osten Berlins vor 1990 war die Situation eine andere als in West-Berlin: Queere Personen in der DDR mussten ohne Schutz von Bürgerrechten, ohne Repräsentanz in der Öffentlichkeit und ohne öffentliche Treffpunkte auskommen. Die homosexuelle Szene in Berlin bzw. in der DDR war wie eine geheime Parallelwelt, zu der erst ein Einstieg gefunden werden musste.
Wir möchten den Menschen zuhören, die queere Räume und politische Bewegungen mit aufgebaut, geprägt und verändert haben, und mit ihnen darüber sprechen, was wir aus diesen Erfahrungen lernen können. Die Veranstaltung versteht sich als Einladung, queere Geschichte nicht nur als Vergangenheit zu betrachten, sondern als Teil einer Gegenwart, die wir gemeinsam gestalten – und als Verantwortung dafür, welche Räume und Möglichkeiten zukünftigen Generationen zur Verfügung stehen. Die Veranstaltung moderiert Barbara Wallbraun.
Gäste:
Samirah Kenawi, Tischlerin und Diplom-Ingenieurin, Aktivistin in der unabhängigen Frauen- und Lesbenbewegung in der DDR, Gründerin der GrauZone (Archiv der DDR Frauen- und Lesbenbewegung) und ehemalige Leiterin des Berliner Büros des Unabhängigen Frauenverbandes (UFV).
Peter Rausch, Diplom Ingenieur und Hochschuldozent, Gründer der Homosexuellen Interessensgemeinschaft Ost-Berlin (HIB), aktives Mitglied im Sonntagsclub.
Nadja Schallenberg, Trans*Menschenrechtlerin & politische Aktivistin, Gründerin der ersten & einzigen Interessengemeinschaft für Transvestiten & Transsexuelle in der DDR, Ehrenmitglied im Sonntagsclub, mehrfach für transpolitische Arbeit ausgezeichnet.
13. November 2026 // 18–19:30 Uhr
- WerkRaum der Bezirkszentralbibliothek Pablo Neruda
- Eintritt frei
- Voranmeldung unter diesem Link
Diese Veranstaltung ist eine Kooperation zwischen der Stadtbibliothek Friedrichshain-Kreuzberg, der Berliner Landeszentrale für politische Bildung und der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld .