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Beispielbild für volle Klassen - querformat

Überfüllte Klassen, wachsende Belastung: Berliner Lehrkräfte brauchen Entlastung

12. Juni 2026, 11:16 Uhr

Überfüllte Klassen gehören an vielen Berliner Schulen längst zum Alltag. Wo eigentlich konzentriertes Lernen, individuelle Förderung und ein ruhiges Miteinander stattfinden sollten, erleben Lehrkräfte häufig das Gegenteil: Zu wenig Platz, zu viele Aufgaben, zu große Lerngruppen und zu wenig Zeit für die einzelnen Schüler*innen.

Die Folgen sind im Schulalltag deutlich spürbar. Wenn Klassen dauerhaft zu groß sind, steigt nicht nur der Lärmpegel. Auch die pädagogische Arbeit wird schwieriger. Lehrkräfte müssen gleichzeitig unterrichten, fördern, bewerten und organisieren, Konflikte klären, Lernstände im Blick behalten, Kinder individuell unterstützen, Elterngespräche vorbereiten und dokumentieren. Je größer die Lerngruppe, desto weniger Zeit bleibt für jedes einzelne Kind.

Besonders belastend ist dabei, dass die Anforderungen an Schule in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen sind. Heterogene Lerngruppen, Sprachförderung, Inklusion, sozial-emotionale Herausforderungen und zunehmende Verwaltungsaufgaben prägen den Alltag. Viele Lehrkräfte leisten weit mehr, als im Stundenplan sichtbar wird. Vorbereitung, Nachbereitung, Korrekturen, Förderplanung, Gespräche und Krisenmanagement finden häufig zusätzlich statt – oft am Nachmittag, abends oder am Wochenende.

An Berliner Schulen verschärft sich diese Situation durch den anhaltenden Personalmangel. Fehlende Kolleg*innen bedeuten Vertretungsunterricht, Mehrarbeit und weniger Möglichkeiten zur Entlastung. Wenn Stunden vertreten, Klassen zusammengelegt oder zusätzliche Aufgaben verteilt werden müssen, trifft das ein Kollegium, das vielerorts bereits am Limit arbeitet. Die Belastung wird dadurch nicht nur kurzfristig größer, sondern dauerhaft.

Der Personalrat nimmt diese Entwicklung sehr ernst. Er setzt sich dafür ein, dass die Rechte der Beschäftigten gewahrt bleiben und Belastungen nicht einfach als unvermeidbarer Normalzustand hingenommen werden. Dazu gehört, auf die Einhaltung arbeitsrechtlicher Vorgaben zu achten, Überlastung sichtbar zu machen und gegenüber der Dienststelle auf wirksame Entlastungsmaßnahmen zu drängen.

Lehrkräfte haben Anspruch auf gesunde Arbeitsbedingungen. Dazu gehören realistische Arbeitsumfänge, verlässliche Pausen, transparente Regelungen bei Mehrarbeit, faire Vertretungskonzepte und Schutz vor dauerhafter Überlastung. Der Personalrat ist Ansprechpartner, wenn Kolleg*innen den Eindruck haben, dass Belastungsgrenzen überschritten werden oder dienstliche Anforderungen nicht mehr leistbar sind.x

Überbelegte Klassen sind nicht nur ein organisatorisches Problem. Sie betreffen die Qualität von Bildung, die Gesundheit der Beschäftigten und die Zukunftsfähigkeit der Berliner Schule insgesamt. Wer gute Schule will, muss auch gute Arbeitsbedingungen schaffen. Dafür braucht es kleinere Lerngruppen, mehr Personal, verlässliche Unterstützungssysteme und eine klare politische Prioritätensetzung.

Der Personalrat wird sich weiterhin dafür einsetzen, dass die Belastungen der Beschäftigten ernst genommen werden. Denn engagierte Lehrkräfte sind die Grundlage guter Bildung – aber Engagement darf nicht zur dauerhaften Überforderung führen.

Arne Schaller

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