Gericht: Bordelle in Berlin bleiben vorerst weiter dicht

Gericht: Bordelle in Berlin bleiben vorerst weiter dicht

Bordelle in Berlin müssen nach einem Beschluss des Verwaltungsgerichts wegen Corona vorerst weiter geschlossen bleiben. Das Betriebsverbot gelte nach der aktuellen Eindämmungsverordnung des Senats bis zumindest 4. Juli 2020, teilte das Gericht am Mittwoch mit.

  • Frau trägt High Heels© dpa
    Eine Prostituierte wartet in einem Bordell auf Kundschaft. Foto: Andreas Arnold/Archiv
  • Justitia© dpa
    Eine Statue der Justitia mit einer Waage in ihrer Hand.
Damit scheiterte der Eilantrag einer Klägerin aus Schöneberg. Sie kann noch Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht einlegen. Das Gericht räumte aber ein, dass das Verbot ein schwerwiegender Eingriff in die Berufsfreiheit sei. Dies sei aber bei summarischer Prüfung gegenwärtig noch gerechtfertigt, entschied die 14. Kammer. Mit dem Verbot solle Neuinfektionen mit dem Coronavirus soweit wie möglich vorgebeugt und die Ausbreitung der übertragbaren Krankheit Covid-19 in der Bevölkerung verringert werden.

Erhöhtes Infektionsrisiko bei sexuellen Dienstleistungen in geschlossenen Räumen

Bei sexuellen Dienstleistungen in geschlossenen Räumen gebe es ein deutlich erhöhtes Infektionsrisiko, so das Gericht. Die Rahmenbedingungen in «Prostitutionsstätten» seien gekennzeichnet durch intensiven Körperkontakt, ständig wechselnde Beteiligte, erhöhte Atemfrequenz und -tiefe infolge körperlicher Anstrengung und sexueller Erregung, einen erhöhten Ausstoß von Tröpfchen und Aerosolen in der Atemluft sowie von der Arbeit in kleinen, schlecht belüfteten Räumen, begründeten die Verwaltungsrichter.

Infizierte Prostituierte könnte an einem Arbeitstag viele Kunden anstecken

Zudem besteht laut Gerichtsbeschluss die Gefahr, dass eine unbemerkt infizierte Prostituierte im Laufe eines einzigen Arbeitstages viele Kunden anstecken könnte, die das Virus dann in ihr familiäres und soziales Umfeld weitertragen könnten. «Bei lebensnaher Betrachtung» wäre es auch wahrscheinlich, dass Kunden auf den Verzicht einer Mund-Nasen-Bedeckung drängen würden und Prostituierte dem wegen eines finanziellen Anreizes nachkämen. Eine Kontrolle sei nicht möglich, weil die sexuellen Dienstleistungen naturgemäß hinter «verschlossenen Türen» erbracht würden.
Corona-Studie
© Max-Planck-Gesellschaft

Große Berliner Corona-Studie

Wie erging es Ihnen vor, während und nach dem Lockdown? Ihre Erfahrungen sind wichtig - damit wir derartige Herausforderungen zukünftig besser bewältigen können. mehr

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 24. Juni 2020 16:13 Uhr

Weitere Meldungen