Provenienzforschung

Als bisher einziges Bundesland fördert Berlin seit 2010 die systematische Prüfung der Provenienz von Einzelobjekten und Sammlungen in Museen, Bibliotheken und Archiven. Hierfür stehen im Haushalt jährlich Projektmittel in Höhe von 300.000 Euro zur Verfügung. Das Land kommt damit einer historischen Verantwortung nach, in den öffentlichen Kultureinrichtungen auf Grundlage der Washingtoner Prinzipien 1998 und entsprechend der Gemeinsamen Erklärung vom Dezember 1999) NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut zu identifizieren, zu dokumentieren und an die Berechtigten zurückzugeben.

Provenienzforschung gehört zu den Grundsatzaufgaben der Museen, Bibliotheken und Archive des Landes Berlin. Sie gewinnt seit Jahren an Bedeutung. Die Einrichtungen erforschen im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit und der Erarbeitung von Ausstellungen und Katalogen kontinuierlich die Provenienz ihrer Sammlungen und Bestände. Hinzu treten zeitlich begrenzte Projekte, die sich mit den Provenienzen einzelner Objekte oder Bestandsgruppen befassen. Schließlich nimmt auch die Zahl an Auskunfts- und Rückgabeersuchen stetig zu.
Die Klärung von Eigentumsfragen ist ein zentrales Anliegen der Provenienzforschung. Diese betreffen nicht nur die Zeit des Nationalsozialismus, sondern auch die Zeit nach 1945 in der sowjetischen Besatzungszone und in der DDR. Provenienzforschung dient ebenfalls dazu, Fremdbesitz zu identifizieren und das Eigentum an Werken nachzuweisen, die als kriegsbedingte Verluste der Einrichtungen gelten und in Einzelfällen aktuell auf dem Kunstmarkt erscheinen.
Seit der „Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz“, vom Dezember 1999 sind die Anforderungen an eine systematische Prüfung der Bestände im Hinblick auf NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut komplexer und umfangreicher geworden. Seit 2010 fördert das Land Berlin deshalb die Provenienzforschung in seinen Einrichtungen mit jährlich 300.000 €. Damit werden zeitlich befristete Forschungsprojekte mit zusätzlichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für die dringend erforderliche systematische Überprüfung der Erwerbungen und Zugänge zwischen 1933 und 1945 ermöglicht. Die Ergebnisse der Provenienzforschung werden u.a. in Publikationen, Bestandskatalogen und online-Datenbanken dokumentiert.

Homepage des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste

Homepage der Forschungsstelle Enartete Kunst

Berichte „Künftiger Umgang mit NS-Raubkunst

Bericht „Künftiger Umgang mit NS-Raubkunst" 2012

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Bericht „Künftiger Umgang mit NS-Raubkunst" 2010

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Bericht „Künftiger Umgang mit NS-Raubkunst" 2008

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