Stolpersteine Bregenzer Straße 9

Bildvergrößerung: Hausansicht Bregenzer Str. 9
Hausansicht Bregenzer Str. 9
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

Diese Stolpersteine wurden von Dr. Friedhelm Krey (Berlin) gespendet und am 16.6.2016 mit zahlreichen Anwohner/innen verlegt. Dr. Krey hatte 2015 bei einem Besuch in Auschwitz-Birkenau in der Dauerausstellung der Gedenkstätte unter zahllosen Koffern auch einen mit dem Namen Clara Nadelmann und der Berliner Adresse Xantener Straße 2 (s. Foto) entdeckt. Daraufhin beschloss er, am letzten selbst gewählten Wohnort des Ehepaars Nadelmann an der Bregenzer Straße 9 zwei Stolpersteine zu ihrem Gedenken zu setzen. Nachkommen der Nadelmanns sind die Enkelin Sue und der Urenkel Joshua Raymond in Großbritannien. Es gelang, mit ihnen Kontakt aufzunehmen. Sie nahmen an der Stolpersteine-Verlegung teil. Joshua Raymond hielt eine Gedenkansprache.

Koffer Clara Nadelmann
Koffer Clara Nadelmann
Bild: Besitz Ruth Nadelman Lynn
Bildvergrößerung: Stolperstein Moritz Nadelmann
Stolperstein Moritz Nadelmann
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
MORITZ NADELMANN
JG. 1867
DEPORTIERT 29.1.1943
THERESIENSTADT
ERMORDET 5.3.1943

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Stolperstein Clara Nadelmann
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
CLARA NADELMANN
GEB. BUTTERMILCH
JG. 1880
DEPORTIERT 29.1.1943
THERESIENSTADT
1944 AUSCHWITZ
ERMORDET

Moritz Nadelmann
Moritz Nadelmann
Bild: Familienarchiv

Moritz Nadelmann wurde am 17. April 1867 in Schwarzenau in der Region Posen (Poznan) geboren. Seine Eltern hießen Abraham und Jeannette geb. Hirschfeld. Clara Nadelmann geb. Buttermilch wurde am 10. August 1880 in Benneckenstein im Harz in der Nähe des Brocken geboren. Ihre Eltern waren Rudolf und Margarete Buttermilch, geb. Joel.
Sie kamen in den 1930er Jahren aus Stettin (Szczecin) nach Berlin, wohnten in der Bregenzer Straße 9 und hatten eine Adoptivtochter Irmgard (Irm), die schon in den 1920er Jahren nach England emigrierte und mehrmals verheiratet war. Sie starb 1999. Moritz Nadelmann war Rechtsanwalt und stand 1939 im Berliner Adressbuch als „Justizrat“. Nadelmanns hatten ein Vermögen, das nach ihren eigenen Angaben 26 696 Reichsmark betrug und Hypotheken auf zwei Grundstücke in Ahlbeck auf Usedom und in Müncheberg in Brandenburg.

Clara Nadelmann
Clara Nadelmann
Bild: Familienarchiv

Weil sie Juden waren, mussten sie zuerst in die Xantener Straße 2 ausweichen. Dorthin konnten sie einige Möbel und Hausrat aus der Bregenzer Straße, wo sie bis 1942 als Mieter registriert waren, mitnehmen, wie aus einer selbst angefertigten Auflistung hervorgeht. Für einen ihnen versprochenen ruhigen Lebensabend in Theresienstadt (Terezín) in Böhmen wurde ihnen jedoch das Gesamtvermögen als „Heimkaufbetrag“ abgenommen. Außerdem musste Moritz Nadelmann seine Sterbegeldversicherung von 542,11 RM bei der Deutschen Anwalt- und Notarversicherung kündigen.

Am 29. Januar 1943 wurden beide in einem verschlossenen Personenwagen des fahrplanmäßigen Zugs in Richtung Dresden-Prag mit 100 Menschen vom Anhalter Bahnhof in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort wurde Moritz Nadelmann am 5. März 1943 ums Leben gebracht. Als Todesursache wurde im Totenschein ein ‘Herzschlag’ angegeben.
Clara Nadelmann wurde am 9. Oktober 1944 in einem Güterzug mit 1600 Menschen aus dem Ghetto Theresienstadt nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet.

Unterdessen war die Wohnung in der Bregenzer Str. 9 mitsamt ihrer Einrichtung, deren Wert immerhin auf 1139 RM amtlich geschätzt wurde, dem Gesandten der irakischen Botschaft, Kamil el Gailani, „bevorzugt zugewiesen“.

Eine andere Verwandte lebt in den USA, mit der Friedhelm Krey ebenfalls Kontakt aufnehmen konnte: Ruth Nadelman Lynn, verheiratet mit Bruce Lynn in Lexington (Massachusetts). Sie hat für Clara und Moritz Nadelmann in der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem 1995 Gedenkblätter hinterlegt und Stolpersteine zum Gedenken an ihre Großeltern mütterlicherseits, Paula und Martin Wolff, an der Sybelstraße 27 verlegen lassen.

Ruth Nadelman Lynn ist die Großnichte von Clara und Moritz Nadelmann. Ihr Großvater, der Apotheker Dr. Hugo Nadelmann aus Stettin, Erbe der (ehemals Königl. Hof- und Garnisons-) Apotheke seines Vaters Abraham Nadelmann, war der Bruder des Juristen Dr. Moritz Nadelmann.

Text: Dr. Friedhelm Krey, ergänzt von der Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf.
Quellen: Bundesarchiv, Adressbuch, Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Archiv Theresienstadt, Yad Vashem.