Stolpersteine Mommsenstr. 4

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Hauseingang Mommsenstr. 4, Foto: H-J. Hupka, 2014
Bild: H.-J. Hupka

Die Stolpersteine wurden am 29.10.2013 verlegt.

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Stolperstein Elisabeth Herbst, Foto:H.-J. Hupka, 2013
Bild: H.-J. Hupka

HIER WOHNTE
ELISABETH HERBST
GEB. SCHREIBER
JG. 1880
DEPORTIERT 12.1.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

In der Mommsenstr. 4 lebte Elisabeth Herbst bis zu ihrer Deportation zur Untermiete bei Alice Wallach, die einen Monat vor ihr nach Auschwitz deportiert wurde.

Elisabeth Herbst , geborene Schreiber, wurde am 16.9.1880 als zweitälteste Tochter von sechs Kindern des Kaufmannes Benjamin und Emma Schreiber in Königsberg i. Pr. geboren. Hier verbrachte sie ihre Kindheit und Jugendzeit, bevor sie im Jahre 1904 mit 24 Jahren den 38 -jährigen Bruno Herbst heiratete und nach Charlottenburg zog, und zwar ab 1904 Goethestr. 80, ab 1907 Mommsenstr. 17 und spätestens ab 1917 Fasanenstr. 67. Ihr Mann Bruno Herbst war 1884 im Alter von 18 Jahren in die Berliner Handels Gesellschaft eingetreten und erreichte 1913 nach allmählichem Aufstieg in der Industriebank den Rang eines Geschäftsteilhabers. Bis zu seinem Tod im Juni 1918 mit 51 Jahren stand Herbst Carl Fürstenberg in den schweren Kriegsjahren zur Seite.

Als Witwe blieb Elisabeth Herbst von 1918 bis 1931 in der Fasanenstr. 67 wohnhaft, zog dann aber 1932 in die Knesebeckstr. 6-7 und später in die Wielandstr. 27, um ihre im Mai 1936 verstorbene Mutter Emma Schreiber, geborene Eichelbaum, zu versorgen. Nach dem Tode der Mutter zog sie zu ihrer jüngeren Schwester in die Wielandstraße 25-26, anschließend lebte sie mit Schwester und Schwager in der Bregenzer Str. 4 in Wilmersdorf.

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Ausschnitt aus einem Familienfoto von 1890, Königsberg: Elisabeth (links), Frida (rechts). Foto: Privatfoto mit Genehmigung der Schreiber und Eichelbaum Nachfahren
Bild: Schreiber und Eichelbaum Nachfahren

Als ihr einziger Bruder Walter Schreiber am 10. November im KZ Sachsenhausen interniert wurde, setzte sich Elisabeth Herbst am 17.11.1938 bei einem Angehörigen in Neuseeland für ihn ein: „Wir glauben, durch beschleunigte Einreiseerlaubnis in ein anderes Land, ihm helfen zu können. Wir haben in der ganzen Welt niemand. (…) Ich weiß an wen ich mich wende; ich würde es nicht tun, wenn ich mich nicht für würdig fühlen würde, an Dich mit unserer allergrößten Sorge und flehentlichen Bitte heranzutreten.“

Als die jüngere Schwester zur Jahreswende 1938/39 Berlin verließ, versorgte Elisabeth Herbst ihren Schwager, bis dieser am 18. Juli 1939 Berlin entfliehen konnte. Informationen zur Zwangsarbeit konnten bisher nicht ermittelt werden. In dieser Wohngemeinschaft in der Mommsenstraße 4 lebte kurze Zeit auch Johanna Schlochauer (deportiert am 29.01.43 nach Theresienstadt, ermordet am 28.10.43, Stolperstein verlegt am Bundesplatz 17).

Elisabeth Herbst wurde vom Sammellager in der Großen Hamburger Straße 26 mit dem 26. Transport vom 12.1.1943 von Berlin/Moabit nach Auschwitz deportiert und vermutlich am 13.1.1943 im Alter von 62 Jahren ermordet.

Drei Kinder von Benjamin und Emma Schreibers insgesamt sechs Kindern wurden ermordet. An dieser Stelle sollen an Elisabeth Herbsts ermordete Geschwister erinnert werden:
Frida Schreiber , 2.2.1883 in Königsberg – 7.11.1944 im KZ Theresienstadt und
ihr Ehemann Dr. med. Kurt Schreiber (20.2.1872 Danzig – 13.11.1942 KZ Theresienstadt)
Walter Schreiber , geboren am 16.11.1884 in Königsberg, deportiert am 2.3.1943 in das Vernichtungslager Auschwitz, siehe Stolperstein Sybelstr. 45 und Anna Schreiber , geb. Springer, zweite Ehefrau Walter Schreibers, 1.3. 1900 Stettin – deportiert am 1.3.1943 KZ Auschwitz, siehe Stolperstein Sybelstr. 45 .

Recherche und Text: Nachfahren der Familien Schreiber und Eichelbaum
Mit großem Dank an Sigrun Marks von der Stolpersteininitiave Stierstraße, Berlin-Friedenau

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Stolperstein Alice Wallach, Foto:H.-J. Hupka, 2013
Bild: H.-J. Hupka

HIER WOHNTE
ALICE WALLACH
GEB. JOACHIMSOHN
JG. 1879
DEPORTIERT 14.12.1942
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Alice Wallach wurde am 4. Juli 1879 in Breslau (Schlesien) unter dem Namen Joachimsohn geboren. Nach Berlin kam sie vermutlich Anfang der 1900er Jahre, als sie Max Wallach, geboren am 11. Juni 1880 in Berlin, heiratete, der 1924 in Moabit in der Müllerstraße 137 einen Getreide- und Kolonialwarenhandel besaß. Das genaue Datum der Eheschließung ist nicht mehr herauszufinden. 1900 war Max Wallach jedenfalls bei der Volkszählung in Mecklenburg-Schwerin als lediger Kaufmann in Wendisch Priborn im Distrikt Ritteramt Lübz gemeldet. Er starb am 30. Mai 1926 in der Schönfließer Straße 17 und wurde am 3. Juni 1926 auf dem jüdischen Friedhof Weißensee beigesetzt. Die Ehe von Max und Alice Wallach war kinderlos geblieben.

Bis 1931 war Alice Wallach in den Berliner Adressbüchern als Witwe in der Müllerstraße 137 verzeichnet. Von 1932 bis 1934 stand sie nicht in den Adressbüchern, erst 1935 wieder: Alice Wallach, Witwe, Charlottenburg, Mommsenstraße 4. Dort lebte sie, bis sie am 14. Dezember 1942 mit dem von den Nazi-Behörden so genannten 25. Osttransport nach Auschwitz deportiert wurde. Sie war 63 Jahre alt.

Es gibt über sie keinerlei schriftliche Zeugnisse mehr. Moritz Joachimsohn, geboren am 25. Juli 1870 in Breslau, vermutlich ihr älterer Bruder, lebte ebenfalls in Berlin. Er wurde im Alter von 72 Jahren zusammen mit seiner Frau Agnes zwei Tage später, am 16. Dezember 1942, nach Theresienstadt deportiert, wo er noch eineinhalb Jahre den furchtbaren Bedingungen der drangvollen Enge, des Hungers und der Seuchen widerstand, bis er am 16. Mai 1944 starb. Seine Frau wurde nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.
Für Moritz und Agnes Joachimsohn wurden am 30. September 2010 Stolpersteine in der Fredericiastraße 2 in Charlottenburg verlegt.

Text: Sigrun Marks