Stolperstein Ludwigkirchstraße 2

Link zu: Hauseingang Ludwigkirchstr. 2, Foto: Stolperstein-Initiative CW
Hauseingang Ludwigkirchstr. 2
Bild: Stolperstein-Initiative CW

Der Stolperstein wurde am 21.9.2013 verlegt.

Link zu: Stolperstein Werner Fürst, Foto: Stolperstein-Initiative CW
Stolperstein Werner Fürst
Bild: Stolperstein-Initiative CW

HIER WOHNTE
WERNER FÜRST
JG. 1902
DEPORTIERT 18.10.1941
ERMORDET IN
LODZ / LITZMANNSTADT

Werner Jakob Fürst war das jüngste von 6 Kindern des Ehepaares Salomon und Martha Minna Fürst geb. Simonsohn. Er wurde am 28. November 1902 in Berlin geboren. Seine Geschwister waren Erna Charlotte *9. Juli 1892, Ilse Esther *11.September 1894, Susanna Sarah *11. Oktober 1896, Erwin Marcus *7. Oktober 1897 und Thea Florentine *8. April 1899.

Die Familie wohnte in der Zeit von Werners Geburt in der Leibnizstraße 72, später wohnten die Fürsts in der Innsbrucker Straße 6. Salomon Fürst war gelernter Kaufmann und als Prokurist angestellt. Er starb am 31. Mai 1927 in Schöneberg und wurde auf dem Jüdischen Friedhof Weissensee beerdigt.

Nur von den Mädchen der Familie Fürst ist belegt, dass sie verheiratet waren.
Von Werner und seinem Bruder Erwin sind keine Eheschließungen bekannt.
Da über die Familie Fürst außer Geburts- und Heiratsanzeigen keinerlei Dokumente verfügbar sind, bezieht sich die einzige Berufsangabe für Werner Fürst auf den Eintrag in der Namensliste des Getto Litzmannstadt. Demnach war er Bauarbeiter. Es ist aber auch denkbar, dass er als solcher im Getto Arbeit leisten musste.
Bis 1931 war Werner Fürst noch unter der Adresse seines Elternhauses Innsbrucker Straße 6 eingetragen. Danach ist in den historischen Adressbüchern keine eindeutige Zuweisung zu seinem Namen mehr möglich.

Seine Mutter Martha lebte seit 1937 in der Ludwigkirchstraße 2. Möglicherweise hat Werner immer mit ihr zusammengewohnt. Nachdem 1939 das Gesetz über die Mietverhältnisse mit Juden in Kraft getreten war, durch welches den Juden der Mieterschutz weitgehend genommen wurde, gab Martha nicht nur Werner, sondern auch seinem Bruder Erwin und seiner Schwester Erna Grün, die bislang nicht weit entfernt in der Pariser Straße 9 gewohnt hatte, ein vorläufiges Zuhause. Diese hatten ebenfalls ihre Wohnungen räumen müssen. Erwin hatte bis dahin in der Uhlandstraße 53 gewohnt. Bis 1941 lebten die Geschwister mit ihrer Mutter in der Ludwigkirchstraße zusammen. Am 1. Juni 1941 starb Martha Fürst an einer Lungenentzündung. Ihr Grab befindet sich ebenfalls auf dem Jüdischen Friedhof Weissensee.

Werner, Erwin und Erna verbrachten noch knapp vier Monate in der gemeinsamen Wohnung, bis sie am 18. Oktober 1941 von der Gestapo abgeholt und mit dem Transport 1 nach Lodz, damals Litzmannstadt, deportiert wurden. Durch die im Oktober 1941 durchgeführten Transporte in das Getto Lodz sollten bevorzugt große „Judenwohnungen“ freigemacht werden, um Wohnraum für Funktionäre des NS – Regimes und für Bombengeschädigte zu schaffen. Die Geschwister Fürst, bzw. Grün wurden in dem bereits damals schon überfüllten Getto in derselben Behausung untergebracht. Es war die Hohensteiner Straße 37, Wohnung 3. Sie blieben dort nicht lange zusammen. Werner wurde schon nach knapp einem Monat, am 12. November 1941, in das ca. 260 km entfernte Zwangsarbeiterlager für Juden, Rawitsch im Südwesten Posens, deportiert. Der Zeitpunkt seines Todes ist nicht bekannt.

Erwin wurde am 6.Mai 1942 im Getto Litzmannstadt ums Leben gebracht.

Erna lernte im Getto Walter Cohn kennen. Der Chemiearbeiter, am 28.Mai 1900 in Emden geboren, hatte in Wilmersdorf in der Achenbachstraße 8 gewohnt und war am 29.Oktober nach Litzmannstadt deportiert worden. Walter Cohn war im Getto in derselben Wohnung wie Erna, Werner und Erwin untergebracht. Möglicherweise hatten sich Erna und Walter auch schon in Berlin gekannt. Sie heirateten im Getto unter erbärmlichen Umständen am 17. Dezember 1941.

Am 6. Mai wurde Erna und am 8. Mai 1942 Walter Cohn in das Vernichtungslager Kulmhof (Chelmno) deportiert, in einem der dort stehenden Lastwagen vergast und anschließend in einem Massengrab verscharrt.

Für Werner Fürsts Schwester Erna Grün wurde am 22. Juni 2014 ein Stolperstein vor dem Haus Pariser Straße 9 verlegt.

Die Schwester Thea Florentine Papstein geb. Fürst wurde am 29. Januar 1943 nach Auschwitz deportiert, wo sie drei Tage später ermordet wurde.
Susanna Sarah Pollak geb. Fürst emigrierte in die USA.
Ilse Ester Rawak geb. Fürst verließ am 15. April 1939 zusammen mit ihrer 18jährigen Tochter Hedwig auf der „Queen Mary“ Deutschland Richtung New York. Ihr Ehemann Hans lebte zu diesem Zeitpunkt schon in San Francisco.

Recherche und Text: Karin Sievert

Quellen:

  • Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945,
  • Berliner Adressbücher – Zentral- und Landesbibliothek Berlin,
  • Archiv Centrum Judaicum,
  • Deportationslisten,
  • Landesarchiv Berlin,
  • Gottwald/Schulle „Die Judendeportationen aus dem Deutschen Reich 1941 – 1945“,
  • Loose: „Berliner Juden im Getto Litzmannstadt 1941 – 1944,
  • Passenger and Crew Lists of Vessels Arriving at New York, New York, 1897-1957.