Stolpersteine Kuno-Fischer-Straße 16

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Verlegeort Kuno-Fischer-Str. 16
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

Diese Stolpersteine wurden von Jens-Peter Behrend und Christiane von Alten (beide Berlin) gespendet und am 24.7.2012 verlegt.

Link zu: Stolperstein Dr. Eberhard Margulies
Stolperstein Dr. Eberhard Margulies
Bild: H.-J. Hupka

HIER WOHNTE
DR. EBERHARD
MARGULIES
JG. 1874
DEPORTIERT 10.7.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 10.9.1942

Eberhard Margulies wurde am 31. Dezember 1874 in Gut Kolinkantza in der Ukraine geboren. Seine Eltern waren Benjamin und Fanny Margulies.
Eberhard Margulies studierte Medizin und wurde Arzt. Er begann 1901 als Assistent bei Dr. Felix Behrend, dem Leiter des Heilbads Siloah in Kolberg.

Er heiratete in Kolberg am 26.12.1901 Martha Margulies geb. Behrend, die Tochter seines Chefs. 1906 erwarb er in Kolberg ein Haus in der Brunnenstraße und eröffnete ein eigenes balneologisches Institut (Solebad), das Luisenbad.

1914 wurde Tochter Eva Margulies geboren. Als 1918 Dr. Felix Behrend, Martha Margulies’ Vater, starb, wurde Eberhard Margulies Chefarzt des Heilbads Siloah. 1920 verließ er Kolberg.

Eberhard und Martha Margulies zogen nach Berlin und hatten ihre Wohnung sowie – damals üblich – wohl auch die ärztliche Praxis in der Kuno-Fischer Straße 16 am Lietzensee in Charlottenburg. 1938 wurde das Ehepaar verhaftet.

Beide waren in dem von den nationalsozistischen Bürokraten sogenannten 19. Alterstransport am 10. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert worden.

Eberhard Margulies ist dort am 10. September 1942 umgekommen. Als Todesursachen hielten die Mediziner des Ghettos auf dem erhaltenen Totenschein fest: eine eitrige Kehlkopfentzündung und eine Lungenentzündung. Auch ein Sektionsprotokoll ist im Theresienstadt-Archiv vorhanden.
Seine Frau Martha, die mit ihm zusammen in der gleichen Unterkunft eingesperrt wurde, war zu dieser Zeit noch am Leben.

Die Tochter Eva Margulies entkam der Deportation durch Flucht nach England. Sie legte am 14.10.1975 ein Gedenkblatt an, das im Holocaust-Memorial Yad Vashem in Jerusalem aufbewahrt und in der Datenbank einsehbar ist.

Link zu: Stolperstein Martha Margulies
Stolperstein Martha Margulies
Bild: H.-J. Hupka

HIER WOHNTE
MARTHA MARGULIES
GEB. BEHREND
JG. 1879
DEPORTIERT 10.7.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 21.1.1944

Martha Margulies geb. Behrend wurde am 18. Mai 1879 in Kolberg in Pommern geboren. Die Eltern hießen Felix und Rosa Behrend. Martha wurde auch „Gretchen“ genannt. Die Mutter starb früh, der Witwer heiratete bald eine Frau, die darauf bestand, dass sich Felix und seine beiden Kinder taufen ließen. Martha hatte also einen Bruder, Ernst Adolph Behrend, der wie sie 1886 getauft wurde.

Martha heiratete den jüdischen Arzt Eberhard Margulies, der zunächst in Kolberg Chefarzt des Heilbads Siloah war, später ein eigenes Heilbad (Luisenbad) eröffnete und ab 1920 in Berlin eine Arztpraxis führte. Aus dieser Ehe ging die Tochter Eva hervor, der es als junges Mädchen gelang, nach England zu flüchten.

Aus dem Sammellager an der Großen Hamburger Straße 26, einem von der Gestapo hierfür missbrauchten jüdischen Altersheim, wurde das Ehepaar Margulies zum Anhalter Bahnhof gebracht und von dort einem verschlossenen Waggon nach Theresienstadt gefahren. Nur zwei der 100 Deportierten überlebten das Grauen von Theresienstadt.

Martha Margulies wurde in Theresienstadt am 21. Januar 1944 umgebracht. Eine Todesurkunde existiert nicht

Die Tochter Eva Margulies legte ein Gedenkblatt an, das im Holocaust-Memorial Yad Vashem in Jerusalem aufbewahrt ist (im Internet erscheint allerdings ein anderer Name).
Sie strengte Anfang der 1950er Jahre ein Entschädigungsverfahren an und beantragte aus dem St. Mary’s Hospital in Kettering in England Wiedergutmachung für das geplünderte Bankkonto sowie Wertpapiere, für Hausrat, Kleidung und Schmuck ihrer Eltern.

Zum Gedenken an Martha Margulies’ Bruder Ernst Adolph Behrend, der der Entrechtung und Verfolgung nicht entging und sich 1938 das Leben nahm, wurde vor seinem letzten Wohnort in der Seesener Straße 28 ein Stolperstein verlegt.

Texte: Jens-Peter Behrend, Christiane von Alten, Helmut Lölhöffel