Stolpersteine Sybelstraße 12

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Hauseingang Sybelstr. 12, 20.4.13
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Bukschat&Flegel

Der Stolperstein für Cäcilie Weissenstein wurde am 7.4.2010 verlegt.

Die Stolpersteine für Willi und Wanda Brauer sind am 28.4.2015 dank einer Spende von Florence Moehl (Berlin) verlegt worden.

Die Sybelstraße 12 war ein Haus, in dem jüdische Menschen Unterschlupf fanden, die anderswo ausziehen mussten. Am 17. Mai 1939 lebten dort 27 Juden. Es gehörte dem Stadtrat a.D. Bernhard Guttmann, der im Nachbarhaus Nummer 13 wohnte. Er und seine Frau Olga geb. Suhr, beide stammten aus Schlesien, sind am 31. August 1942 nach Theresienstadt deportiert worden. Vorher wurde er enteignet, von 1941 an war der Fleischermeister Hans Niesar aus Niederschönhausen neuer Eigentümer.

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Stolperstein für Cäcilie Weissenstein
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, W. Knoll

HIER WOHNTE
CÄCILIE
WEISSENSTEIN
GEB. HELD
JG. 1881
DEPORTIERT 14.12.1942
AUSCHWITZ
ERMORDET

Cäcilie Weissenstein geb. Held ist am 28. Mai 1881 in Wertheim geboren. Über ihr Leben ist fast nichts bekannt.
Sie war in der Sybelstraße 12, wo am 17.5.1939 (Volkszählung) 27 jüdische Menschen wohnten, Untermieterin bei Dr. Fritz Scherbel. Ob er Jude war, ist ungewiss, jedenfalls taucht er auf keiner Deportationsliste auf. Im Adressbuch stand er bis 1940 als Verlagsbuchhändler, danach nicht mehr. Bei ihm wohnte auch Erich Guttmann, geboren am 10. Februar 1901 in Hirschberg im Riesengebirge, der am 12. März 1943 nach Auschwitz deportiert wurde. Außerdem kam zeitweise das Ehepaar Alfred und Paula Wachsner geb. Gumpert bei Fritz Scherbel unter, die 1940 ihre Wohnung in der Mommsenstraße 35 unter Zwang verlassen mussten.

Cäcilie Weissenstein wurde am 14. Dezember 1942 nach Auschwitz deportiert (die Angabe in der Yad Vashem-Opferdatei, sie sei nach Riga deportiert worden, stimmt nicht) und ist dort im Alter von 61 Jahren ermordet worden.

Text: Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf

Bildvergrößerung: Stolperstein Wanda Brauer
Stolperstein Wanda Brauer
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
WANDA BRAUER
GEB. JÜTTNER
JG. 1880
DEPORTIERT 3.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

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Stolperstein Wilhelm Brauer
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
WILHELM BRAUER
JG. 1880
DEPORTIERT 3.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Wilhelm „Willi“ Brauer wurde am 2. November 1880 in Kaminitz in Schlesien als Sohn der Kaufleute David und Dorothea Brauer geboren. Die mit ihm seit 1910 verheiratete Wanda Brauer, geb. Jüttner wurde am 16. März 1880 in Posen (Poznan) geboren. Ihre Eltern waren der Kaufmann Simon Jüttner und seine Ehefrau Ida Schirmer.

Wilhelm und Wanda Brauer
Wilhelm und Wanda Brauer
Bild: YadVashem Database

Wanda und Willi lebten bis 1920 in Danzig und übersiedelten danach nach Berlin. Sie hatten zwei Kinder: Irma und Alfred Brauer. Irma, Kontoristin und Stenotypistin, gelang die Flucht nach England. Alfred war Arzt. Er durfte wegen der nationalsozialistischen Rassegesetze nur als Krankenpfleger arbeiten. 1941 starb er entrechtet und gedemütigt in Berlin an Tuberkulose.

Seine junge Witwe Ingeborg, geb. Frey, und ihr gemeinsamer zweijähriger Sohn Denny Brauer wurden zusammen mit Ingeborgs zweitem Mann, Gert Schlesinger und der neugeborenen Zilla Schlesinger am 4. März 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Für sie sind Stolpersteine in der Giesebrechtstraße 18 in Charlottenburg verlegt.

Wanda und Willhelm Brauer wurden im Rahmen der so genannten „Fabrikaktion“ (der Verschleppung der noch in Berlin befindlichen jüdischen Zwangsarbeiter) am 3. März 1943 in einem mit 1726 Juden überfüllten Reichsbahn-Zug von Grunewald nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Bildvergrößerung: Jüdischer Friedhof Berlin-Weissensee, Gräberfeld J6, Reihe 18
Jüdischer Friedhof Berlin-Weissensee, Gräberfeld J6, Reihe 18
Bild: F. Moehl

Irma Brauer, verh. Sloane, hat nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Grab ihres Bruders Alfred auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee zum Gedenken an ihn und ihre Eltern Wanda und Willi Brauer den abgebildeten Grabstein errichten lassen.

Text: Florence Moehl.
Quelle: Erinnerungen der Familie