Stolpersteine Droysenstr. 7

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Hauseingang Droysenstr. 7, Foto: Bukschat&Flegel
Bild: Initiative Stolpersteine Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf

Diese Stolpersteine wurden am 11.12.2007 verlegt.

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Stolperstein für Leja Sobel
Bild: Sara Götz, BA

HIER WOHNTE
LEJA SOBEL
GEB. FRIED
JG. 1882
DEPORTIERT 11.7.1942
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Leja und Leiser Sobel bewohnten in Berlin Charlottenburg eine 2-Zimmer-Wohnung in der Droysenstraße 7. Die Wohnung befand sich im vierten Stock des Gartenhauses. Leja Sobel wurde als Leja Fried am 24. Januar 1882 in Brzezany in der Ukraine geboren, ihr Ehemann Leiser stammte aus Przemysl in Galizien, wo er am 24. November 1879 geboren worden war. Ihre Tochter Mathilde, geboren am 18. April 1904, lebte inzwischen als Mathilde Gingold in Leipzig.
Über das Schicksal Leiser Sobels ist in den Akten des Brandenburgischen Landeshauptarchivs nichts vorhanden. Dem Online-Gedenkbuch des Bundesarchivs ist nur zu entnehmen, dass er am 13. September 1939 in das Konzentrationslager Sachsenhausen eingeliefert wurde, wo er am 29. Februar 1940 umgebracht wurde.
Die Wohnung gehörte zu einer Immobilie, die der Reichsvereinigung der Juden zur Vermietung an „nichtarische“ Mieter übergeben worden war. Nur aus diesem Grund konnte die Wohnung nach der Deportation von Leja Sobel wieder an eine jüdische Mieterin vermietet werden.
Zum Zeitpunkt der Volkszählung im März 1939 wohnte Else Jacobsohn als Untermieterin in der Wohnung Sobel. Sie wurde am 27. November 1941 nach Riga deportiert und dort am 30. November ermordet. Offenbar wurde das Zimmer sofort nach der Deportation von Else Jacobsohn sofort wieder vermietet, denn Leja Sobel erwähnt in ihrer „Vermögenserklärung“, dass Rosa Mondschein, ihre derzeitige Untermieterin, monatlich 30 RM zu der monatlichen Wohnungsmiete von 68,60 RM beitrug. Rosa Mondschein wurde am 1. März 1943 nach Auschwitz deportiert, wo sie ermordet wurde.
Die Möblierung der Wohnung wurde von der Jüdischen Kultusvereinigung unterstützt, die Leja Sobel am 2. Januar 1940 eine Bettstelle und am 10. Dezember 1941 eine Bettstelle mit Matratze überlassen hat. Am 23. Juni, vier Tage nach der Deportation, bittet die Jüdische Kultusvereinigung die „Vermögensverwertungsstelle“ um „Erstattung des evtl. Erlöses oder Rückgabe der Möbel“, was am 8. September 1942 positiv beschieden wurde.
Mathilde Gingold, geborene Sobel wurde am 13. Juli 1943 aus Leipzig wahrscheinlich nach Auschwitz transportiert und dort umgebracht (Gottwald/Schulle, S.223)
Leja Sobel wurde am 11. Juli 1942 aus dem Sammellager in der Levetzowstraße mit fast 700 anderen Menschen in einem Transport zusammengefasst, dessen Zielort sich nicht eindeutig bestimmen lässt, aber wahrscheinlich Auschwitz war (Gottwald/Schulle, S. 395). Sie wurde ermordet.

Text und Recherche: Initiative Stolpersteine Charlottenburg- Wilmersdorf

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Stolperstein für Leiser Sobel
Bild: Sara Götz, BA

HIER WOHNTE
LEISER SOBEL
JG. 1879
VERHAFTET 13.9.1939
SACHSENHAUSEN
ERMORDET 29.2.1940

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Stolperstein für Johanna Steuer
Bild: Sara Götz, BA

HIER WOHNTE
JOHANNA STEUER
GEB. HERZFELD
DEPORTIERT 3.10.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 22.10.1942

Johanna Herzfeld wurde am 19. April 1867 in Groß Strehlitz geboren.
Sie wohnte in Berlin in der Droysenstraße 7 zur Untermiete bei Alsburg im Parterre. Dort bewohnte sie ein Zimmer, für das sie 50 Mark monatlich zahlte. Zu einem nicht bekannten Zeitpunkt – vermutlich nach 1939 – musste sie in die Schaperstraße 3 ziehen. Von dieser Adresse aus wurde sie deportiert.

Johanna Steuer war damals schon Witwe. Über ihren Mann ist nichts bekannt. Wohl aber ist zu vermuten, dass sie zur Zeit ihrer Ehe komfortabler gewohnt hat. Sie hatte ihre Möbel aus Wohn- und Schlafzimmer bei der Spedition Roth in der Reichenbergstraße und Kleinmöbel und eine Kiste Porzellan bei Spediteur Pottkus in der Junaustraße untergestellt. So gab sie es am 1. September 1942 an.

Sie hatte Anspruch auf eine Provision in Form einer Rente von 200 Mark von der Firma Gebr. Müller AG Beverath (Düsseldorf). Außerdem war sie Gläubigerin einer Hypothek auf dem Grundstück Habsburgerstraße Ecke Winterfeldstraße in Höhe von 7500 Mark. Ihr Vermögen, wie das aller Juden, wurde beschlagnahmt. Die Zustellungsurkunde wurde ihr am 30. September 1942 übergeben. Da befand sie sich schon in der Sammelstelle Gerlingstraße 19/22. Die anfallenden Kosten für Zustellung, Fahrtkosten und Vordrucke in Höhe von 1,05 Mark wurden Johanna noch vor ihrem Transport in den Tod abverlangt.

Die Deportation erfolgte am 3. Oktober 1942 nach Theresienstadt. 995 Menschen wurden in einen Güterzug gepfercht. Die Fahrt dauerte Tage ohne jegliche Verpflegung. 73 Personen starben. Die 75jährige Johanna überlebt den Transport, stirbt aber am 22. Oktober 1942 an Darmkatarrh – eine Folge der unmenschlichen Strapazen und mangelnden medizinischen Versorgung.

Der Gerichtsvollzieher hat am 25. November 1942 eine Forderung von 6,50 Mark an Johanna. Da lebt sie bereits seit einem Monat nicht mehr. Ihr beschlagnahmter Hausstand, ehemals geschätzt auf 145,80 Mark, erwirbt der Händler A. Kuhlmann, Steglitz, Schloßstr. 78, abzüglich 20 %. Wiedergutmachung.

Recherche: Monika Herz Text: Monika Herz und Karin Sievert

Quellen : Bundesarchiv Gedenkbuch. Opfer der Verfolgung
DatenbankYadVashem
Statistik-des-Holocaust.de Berlin : 3.10.42 Großer Alterstransport 1000 Personen
Brandenb. Landeshauptarchiv
Historische Adressbücher
Entschädigungsbehörde
www.holocaust.cz Todesfallanzeige
Landesarchiv Berlin WGA

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Stolperstein für Selma Sternfeld
Bild: Sara Götz, BA

HIER WOHNTE
SELMA STERNFELD
GEB. JAFFE
JG. 1863
DEPORTIERT 13.8.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 29.9.1942

Selma Sternfeld wurde am 6. Januar 1863 in Hammerstein bei Posen/Grenzmark Westpreußen als Selma Cerline Jaffé geboren. Sie war die Tochter von David Scheye und Johanna geborene Zuckermann. Über ihr Leben weiß man leider wenig und es gibt auch keine Akten in den Archiven. Aber durch ihren Urenkel Konrad Anthony Stephen Portner ist bekannt, dass sie eine Zeit lang in München gewohnt hat. Auch, dass sie Alfred Sternfeld, einen „Doctor“, vermutlich einen Arzt geheiratet und zwei Kinder hatte. So steht es in dem Gedenkblatt bei Yad Yashem. Später lebte Selma in Berlin, sie war geschieden und lebte allein in der Droysenstr. 7. Das bestätigte ein anderer Urenkel, Jonathan Wilfred Oppenheimer aus London in einem anderen Gedenkblatt.

Am 13. August 1942 wurde Selma in einem Transport von 100 Personen nach Theresienstadt deportiert. Davon überlebten fünf. Selma lebte nur noch wenige Wochen. Am 29. September 1942 starb sie an Darmkatarrh im Alter von von 79 Jahren – eine Folge von Strapazen, Unterernährung, Mangel an Medikamenten und jeglicher Fürsorge.

Recherche und Text: Monika Herz

Quellen:
Gedenkbuch
db.YadVashem.org
Gedenkblatt eingereicht vom Anthony Konrad Stephen Partner, München
und Jonathan Wilfred Oppenheimer, Berlin
Häftlingsliste des Lager Theresienstadt, Todesfallanzeige

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Stolperstein für Henriette Markus
Bild: Sara Götz, BA

HIER WOHNTE
HENRIETTE MARKUS
JG. 1868
DEPORTIERT 19.1.1942
ERMORDET IN
RIGA

Henriette Markus wurde am 11. Juni 1868 in Filehne (Wielen), Grenzmark Posen/Westpreußen geboren. Sie wohnte zuletzt in der Droysenstr. 7 in Charlottenburg. Über sie und ihre Familie ist nichts bekannt außer ihrem traurigen Ende. Sie war ungefähr im selben Alter und stammte aus demselben Bezirk in Pommern wie ihre Nachbarin Selma Sternfeld. Vielleicht hat das den beiden alten Frauen noch ein wenig Trost gegeben. Henriette wurde am 19. Januar 1942 im bitterkalten Winter mit über 1000 Personen in einen Waggon gesperrt und vom Bahnhof Grunewald aus tagelang nach Riga deportiert. Dort wurde alle sofort nach Ankunft in einem Waldgebiet erschossen. Henriette wurde 74 Jahre alt.

Recherche und Text: Monika Herz

Quellen:
Gedenkbuch
db.YadVashem
Deportationslisten Gottwald/Schulle „Die Judendeportationen aus dem Deutschen Reich 1941 – 1945“

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Stolperstein für Clara Plessner
Bild: Sara Götz, BA

HIER WOHNTE
CLARA PLESSNER
JG. 1879
DEPORTIERT 28.3.1942
ERMORDET IN
PIASKI

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Stolperstein für Minna Plessner
Bild: Sara Götz, BA

HIER WOHNTE
MINNA PLESSNER
JG. 1878
DEPORTIERT 28.3.1942
ERMORDET IN
PIASKI

Clara und Minna Plessner waren Schwestern. Sie wurden in Beuthen, Oberschlesien, geboren, Clara am 19. Dezember 1879 und Minna am 13. Juni 1876. Sie waren unverheiratet und wohnten seit 1930 in der Droysenstraße 7. Sie hatten eine Zwei-Zimmer-Wohnung im Gartenhaus mit Küche, Bad und Speisekammer für 68,50 Mark Miete monatlich. Ihr Vermieter Salo Rockach aus der Güntzelstraße 59 hatte ihnen im Oktober 1934 noch die Wohnung renoviert. Durchgeführt wurde die Renovierung vom Maler Franz Vogel aus demselben Haus. Clara und Minna waren beide berufstätig. Sie waren angestellt bei Berta Bielke, Färberei- und Reinigungsannahme. Minna, die Ältere war Leiterin der Filiale in Weißensee, Straßburger Str. 9, Clara hatte es näher zur Arbeitsstätte in der Giesebrechtstraße 15. Clara erhielt ein Monatsgehalt von 80 Mark plus 2 % vom Umsatz, Minna erhielt monatlich 100 Mark. Sie besaßen nicht viel und lebten bescheiden. 1942 wechselte der Vermieter. Jetzt war Georg Blanke aus der Königstraße 40 Eigentümer des Hauses. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Schwestern eines der Zimmer an Selma Lipschütz untervermietet für 40 Mark inklusive Licht, Gasheizung und Warmwasser. Es ist möglich, dass Frau Lipschütz verwandt war mit Erna Gumpel, geborene Lipschütz, die auch in der Droysenstraße 7 wohnte.

Am 13. März 1942 musste Minna Plessner wie alle jüdischen Personen wenige Tage vor ihrer Deportation eine vorgedruckte Erklärung unterschreiben. Ihr gesamtes Vermögen und das ihrer Familienangehörigen sei beschlagnahmt. Sie habe sich jeder Verfügung über das Vermögen zu enthalten. Zuwiderhandlungen würden mit schärfsten staatspolitischen Maßnahmen geahndet. Die übergebene Vermögenserklärung sei genauestens auszufüllen. Eine Nachprüfung noch vor dem Abtransport würde erfolgen. Bei einem Verstoß gegen diese Anordnung sei mit keiner Nachsicht zu rechnen. Eine sinnlos brutale Androhung, denn was konnte schlimmer sein, als die bevorstehende Deportation und der Tod.

Vier Tage später füllten die Schwestern jede für sich, das Formular in ihrer fast identischen zierlichen Schrift aus, welche „Vermögensgegenstände“ sie besaßen: 3 kleine Schränke, 3 Bettstellen, 6 Stühle, 2 Sessel, Couch, Schreibtisch, Tisch, Bücherregale, Kücheneinrichtung. Nach ihrer Meinung waren die Möbel 325 Mark wert. Um das zu beurteilen, brauchte der Schätzer zweieinhalb Stunden. In der Rubrik „Familie“ schrieb Clara: „Bruder ausgewandert“ und strich diese Eintragung wieder durch, wohl in der Furcht, ihren Bruder zu gefährden. Die Möbel wurden zu einem reduzierten Preis an den Händler Paul Linke, Krumme Str. 43 verkauft. Ausgenommen war eine Nähmaschine Dürrkopp Spezial mit dem Schätzwert 50 Mark. Sie war auf Anordnung des Oberfinanzpräsidenten dem Oberbürgermeister von Lietzmannstadt, Moltkestr. 21 zum Kauf anzubieten. Der Hauseigentümer Blanke stellt die Forderung entgangener Miete für April bis Juni wegen der „abgewanderten Jüdinnen“ Plessner an den Oberfinanzpräsidenten.
Da waren die Schwestern bereits tot. Am 28. März 1942 wurden sie mit dem XI.
Transport zusammen mit 970 weiteren Menschen unter den Nummern 230 und 231
wie Vieh in einen Waggon gepfercht, nach Piaski transportiert und dort ermordet.

Recherche und Text: Monika Herz

Quellen:
Gedenkbuch
db.YadVashem.org
973 Deportierte aus Berlin im XI. Transport nach Piaski, Nr. 231/230
Brandenburgisches. Landeshauptarchiv
Adressbücher 1935, 1938

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Stolperstein für Hildegard Rund
Bild: Sara G�tz, BA

HIER WOHNTE
HILDEGARD RUND
JG. 1883
DEPORTIERT 5.9.1942
RIGA
ERMORDET 8.8.1942

Hildegard Margarethe Rund wurde am 18. Juli 1883 in Berlin geboren. Sie war die Tochter von Salomo Rund und Rosalie geb. Cassirer. Die Familie Cassirer ist eine deutsche, ursprünglich aus Schlesien stammende Verleger-, Kaufmanns- und Gelehrtenfamilie jüdischer Herkunft. Es ist anzunehmen, dass ihre Mutter dieser Familie entstammte. Hildegard lebte mit ihren Eltern und ihrem Bruder Victor in Berlin. Victor floh vor den Nazis und wanderte 1933 nach Südafrika aus. Seine Tochter Armgard, Hildegards Nichte, hat viele Jahre später als Dr. Armgard Holdsworth geb. Rund das Gedenkblatt ausgefüllt.

Zur Zeit der Volkszählung 1939, in der Juden in einer Sonderkartei erfasst wurden, hat Hildegard Rund in der Droysenstraße 7 zur Untermiete gewohnt,
seit Januar 1942 in der Dahlmannstr. 24 IV. Stock bei Croner. Sie hatte dort ein Zimmer mit Bad, Warmwasserheizung, Fahrstuhl und Küchenbenutzung. Die monatliche Miete von 35 Mark war bis August 1942 bezahlt. Von dieser Adresse aus wurde sie deportiert.

Hildegard war nicht berufstätig, Sie war ledig und lebte allein.
Es ist mit Sicherheit anzunehmen, dass sie früher ein komfortableres Leben geführt hatte. Sie bezog eine Vorzugsrente des Deutschen Reichs seit ihrem 43. Lebensjahr von jährlich 710 Mark und hatte eine Lebensversicherung bei der NATURAL AG Stettin. In der von ihr ausgefüllten Vermögensaufstellung vom 23. August 1942 gibt sie Auskunft über ihr Konto bei der Dresdner Bank sowie Schuldverschreibungen und Pfandbriefe in Höhe von 4.500 Mark. Diese Art der Einkünfte lässt auf eine fürsorgliche Familie schließen. Und der ihr zuletzt verbliebene Hausstand in Höhe von über 1000 Mark weist auf früheren Wohlstand hin. Der wurde bei den jüdischen Verwaltern Rudolf Weck & Wilhelm Meißen, Tauentzienstraße 7 verwahrt.

Im Dezember 1942 verfügte der Staat über die beschlagnahmten Möbel und verkaufte sie an Frau P. Schulz, Märkisches Ufer 40 für 845 Mark. Die Einziehung der Lebensversicherung und der Wertpapiere durch die Oberfinanzdirektion erfolgte im November 1943. Da war Margarete schon über ein Jahr tot.

1950 und 1955 wurde ein Wiedergutmachungsantrag gestellt, nicht durch Armgard geb. Rund, sondern durch die Jewish Trust Corporation. Es ging genau um die Wertpapiere und das Konto bei der Dresdner Bank. Der Senator für Finanzen lehnte die Forderung ab, da die Papiere seinerzeit verkauft wurden und der Erlös an die Oberfinanzkasse überwiesen wurde. Der Jewish Trust zog seinen Antrag zurück. Die Ungerechtigkeit hatte Bestand auch noch Jahre nach Hildegards Tod.

Margarete Rund wurde mit dem „19. Osttransport“ vom Güterbahnhof Moabit mit dem Sonderzug „Da 403“ nach Riga deportiert. Ihr Name ist auf der Transportliste
unter Nr. 56 aufgeführt. Nach Ankunft wurden alle Menschen, bis auf 80 Männer, die zur Zwangsarbeit selektiert wurden, ermordet.
Als Abfahrtsdatum des 19. Osttransports wird häufig der 5.September 1942 genannt, so wie es auf dem Stolperstein eingraviert wurde. Allerdings ist dies lediglich das Datum des Schreibens der Staatspolizeileitstelle Berlin an den OFP Berlin-Brandenburg, mit dem die Transportliste versandt wurde. Der Transport selbst erfolgte schon am 31. August 1942 mit 796 Personen.

Recherche und Text: Monika Herz mit Ergänzungen von Karin Sievert

Quellen:
db.YadVashem
Brandenburgisches. Landeshauptarchiv Rep. 36 A
Landesarchiv,Wiedergutmachungsakte
Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945 Deportationslisten Gottwald/Schulle „Die Judendeportationen aus dem Deutschen Reich 1941 – 1945“

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Stolperstein für Siegfried Feldblum
Bild: Sara G�tz, BA

HIER WOHNTE
SIEGFRIED FELDBLUM
JG. 1875
DEPORTIERT 29.7.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 1.1.1943

Siegfried Feldblum war Buchhändler und Antiquar. Er wurde am 31. März 1875 als Sohn von Isidor und Julie Feldblum in Berlin geboren, wo er auch sein Leben verbrachte. Er war verheiratet, lebte aber von seiner Frau getrennt. Diese Angaben machte er in Theresienstadt und als Adresse nannte er Sybelstr. 66. Mehr ist über sein Leben leider nicht bekannt. Von Juli 1942 bis Juli 1943 wurden aus Berlin unzählige sogenannte „Alterstransporte“ nach Theresienstadt durchgeführt mit jeweils 100 Personen in einem Zug, anfangs fünf Züge in der Woche. Siegfried erlitt einen solchen Transport am 29. Juli 1942. Er überlebte das Getto nur ein halbes Jahr. An den Folgen von Unterernährung, schlechten hygienischen Verhältnissen und mangelnder medizinischer Versorgung starb er am 1. Januar 1943 in Theresienstadt. Als Todesursache wurde von dem „betreuenden“ Arzt Dr. Albert Singer Altersschwäche genannt. Im Yad-Vashem-Gedenkblatt nennt Gerda Levisohn-Marcus aus Jerusalem ihre familiäre Beziehung zu Siegfried: Er war der Cousin ihrer Mutter.

Recherche und Text: Monika Herz

Quellen:
Gedenkbuch
db.YadVashem.org: Gedenkblatt von Gerda Levisohn-Marcus, Jerusalem, 4.10.1986
32. Alterstransport I/33, Nr. 53.
Häftlingsliste des Lager Theresienstadt
Todesfallanzeige, Altersschwäche

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Stolperstein für Else Jacobsohn
Bild: Sara G�tz, BA

HIER WOHNTE
ELSE JACOBSOHN
JG. 1882
DEPORTIERT 27.11.1941
RIGA
ERMORDET 30.11.1941

Else Jacobsohn wurde am 5. Juli in Posen geboren. Zur Zeit der Volkszählung im März 1939 wohnte sie als Untermieterin bei Leja Sobel in der Droysenstraße 7. Offenbar wurde das Zimmer sofort nach der Deportation von Else Jacobsohn sofort wieder vermietet.
Sie wurde am 27. November 1941 vom Bahnhof Grunewald aus mit Zug Da 31 nach Riga deportiert und am 30. November im Wald von Rumbula ermordet.

Text: Monika Herz mit Ergänzungen von Karin Sievert

Quellen:
Gedenkbuch
db.YadVashem.org
Gottwald/Schulle „Die Judendeportationen aus dem Deutschen Reich 1941 – 1945“

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Stolperstein für Erna Gumpel
Bild: Sara G�tz, BA

HIER WOHNTE
ERNA GUMPEL
GEB. LIPSCHÜTZ
JG. 1868
DEPORTIERT 13.8.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET IN
TREBLINKA

Erna Esther Gumpel wurde als Erna Esther Lipschütz am 31. Oktober 1868 in Brody in der Ukraine geboren. Die Lehrerin wohnte in der Droysenstraße 7 im zweiten Stock des Vorderhauses bei Grün zur Untermiete. Als ihre letzte Beschäftigung gab sie „Privatunterricht“ an.
Es ist nicht viel bekannt über das Leben von Erna Gumpel, außer den Daten im Online-Gedenkbuch des Bundesarchivs und der Akte des Oberfinanzpräsidenten Berlin.

In ihrer „Vermögenserklärung“, die in der Akte des Oberfinanzpräsidenten im Brandenburgischen Landeshauptarchiv eingesehen werden kann, gibt sie ein recht umfangreiches Paket an Stadtanleihen als Privatvermögen und eine jährliche Rente in Höhe von 120 RM resultierend aus einer Sparprämie bei der Reichsschuldenkasse an.

Interessant ist, dass bei der Bewertung des Inventars die Selbsteinschätzung und die „offizielle“ Schätzung durch den Obergerichtsvollzieher Kasischke sehr weit auseinander gingen. Während Erna Gumpel als Wert ihres Bücherschranks 400 RM angibt, taxierte der Obergerichtsvollzieher den Wert auf 200 RM.
Als außergewöhnlich vermerkt der Obergerichtsvollzieher die Anwesenheit von 150 Büchern in der Wohnung, für deren Schätzung er 90 Minuten brauchte und insgesamt 16 RM in Rechnung stellte. Für die Bücher wurde kein Wert ermittelt.
Das Vermögen von Erna Esther Gumpel wurde am 1. Juli 1942 zugunsten des Deutschen Reiches eingezogen. Die Verfügung, die diesen Unrechtsakt nachweist, ging bei dem Obergerichtsvollzieher Dumke am 12. August ein, am selben Tag stellte er das Schriftstück Frau Gumpel zu, die sich inzwischen im Sammellager in der Großen Hamburger Straße befand.

Erna Esther Gumpel wurde am 13. August 1942 mit 99 weiteren Menschen über den Anhalter Bahnhof nach Theresienstadt gebracht, von wo aus sie am 26. September mit mehr als zweitausend Mithäftlingen nach Treblinka transportiert wurde.

Hierzu zitieren Gottwald/Schulle die Aussage von Samuel Rajzman am 27. Juli 1946, dem 69. Verhandlungstag des Nürnberger Tribunals: „Ich stand damals auf dem Bahnsteig, als die Leute aus den Waggons geführt wurden. Eine ältere Frau trat auf Kurt Franz zu, zog einen Ausweis hervor und sagte, daß sie die Schwester von Sigmund Freud sei. Sie bat, man solle sie zu einer leichten Büroarbeit verwenden. Franz sah sich den Ausweis gründlich an und sagte, es sei wahrscheinlich ein Irrtum, führte sie zum Fahrplan und sagte, daß in zwei Stunden ein Zug nach Wien zurückgehe. Sie könne alle ihre Wertgegenstände und Dokumente hier lassen, ins Badehaus gehen, und nach dem Bad würden ihre Dokumente und ihr Fahrschein für sie nach Wien zur Verfügung stehen. Natürlich ist diese Frau ins Badehaus gegangen, von wo sie niemals mehr zurückkehrte.“(Gottwald/Schulle, S. 227)

Erna Esther Gumpel wurde unmittelbar nach der Ankunft in Treblinka ermordet.

Text und Recherche: Initiative Stolpersteine Charlottenburg-Wilmersdorf