Stolpersteine Droysenstr. 7

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Hauseingang Droysenstr. 7, Foto: Bukschat&Flegel
Bild: Initiative Stolpersteine Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf

Diese Stolpersteine wurden am 11.12.2007 verlegt.

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Stolperstein für Leja Sobel
Bild: Sara Götz, BA

HIER WOHNTE
LEJA SOBEL
GEB. FRIED
JG. 1882
DEPORTIERT 11.7.1942
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Leja und Leiser Sobel bewohnten in Berlin Charlottenburg eine 2-Zimmer-Wohnung in der Droysenstraße 7. Die Wohnung befand sich im vierten Stock des Gartenhauses. Leja Sobel wurde als Leja Fried am 24. Januar 1882 in Brzezany in der Ukraine geboren, ihr Ehemann Leiser stammte aus Przemysl in Galizien, wo er am 24. November 1879 geboren worden war. Ihre Tochter Mathilde, geboren am 18. April 1904, lebte inzwischen als Mathilde Gingold in Leipzig.
Über das Schicksal Leiser Sobels ist in den Akten des Brandenburgischen Landeshauptarchivs nichts vorhanden. Dem Online-Gedenkbuch des Bundesarchivs ist nur zu entnehmen, dass er am 13. September 1939 in das Konzentrationslager Sachsenhausen eingeliefert wurde, wo er am 29. Februar 1940 umgebracht wurde.
Die Wohnung gehörte zu einer Immobilie, die der Reichsvereinigung der Juden zur Vermietung an „nichtarische“ Mieter übergeben worden war. Nur aus diesem Grund konnte die Wohnung nach der Deportation von Leja Sobel wieder an eine jüdische Mieterin vermietet werden.
Zum Zeitpunkt der Volkszählung im März 1939 wohnte Else Jacobsohn als Untermieterin in der Wohnung Sobel. Sie wurde am 27. November 1941 nach Riga deportiert und dort am 30. November ermordet. Offenbar wurde das Zimmer sofort nach der Deportation von Else Jacobsohn sofort wieder vermietet, denn Leja Sobel erwähnt in ihrer „Vermögenserklärung“, dass Rosa Mondschein, ihre derzeitige Untermieterin, monatlich 30 RM zu der monatlichen Wohnungsmiete von 68,60 RM beitrug. Rosa Mondschein wurde am 1. März 1943 nach Auschwitz deportiert, wo sie ermordet wurde.
Die Möblierung der Wohnung wurde von der Jüdischen Kultusvereinigung unterstützt, die Leja Sobel am 2. Januar 1940 eine Bettstelle und am 10. Dezember 1941 eine Bettstelle mit Matratze überlassen hat. Am 23. Juni, vier Tage nach der Deportation, bittet die Jüdische Kultusvereinigung die „Vermögensverwertungsstelle“ um „Erstattung des evtl. Erlöses oder Rückgabe der Möbel“, was am 8. September 1942 positiv beschieden wurde.
Mathilde Gingold, geborene Sobel wurde am 13. Juli 1943 aus Leipzig wahrscheinlich nach Auschwitz transportiert und dort umgebracht (Gottwald/Schulle, S.223)
Leja Sobel wurde am 11. Juli 1942 aus dem Sammellager in der Levetzowstraße mit fast 700 anderen Menschen in einem Transport zusammengefasst, dessen Zielort sich nicht eindeutig bestimmen lässt, aber wahrscheinlich Auschwitz war (Gottwald/Schulle, S. 395). Sie wurde ermordet.

Text und Recherche: Initiative Stolpersteine Charlottenburg- Wilmersdorf

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Stolperstein für Leiser Sobel
Bild: Sara Götz, BA

HIER WOHNTE
LEISER SOBEL
JG. 1879
VERHAFTET 13.9.1939
SACHSENHAUSEN
ERMORDET 29.2.1940

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Stolperstein für Johanna Steuer
Bild: Sara Götz, BA

HIER WOHNTE
JOHANNA STEUER
GEB. HERZFELD
DEPORTIERT 3.10.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 22.10.1942

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Stolperstein für Selma Sternfeld
Bild: Sara Götz, BA

HIER WOHNTE
SELMA STERNFELD
GEB. JAFFE
JG. 1863
DEPORTIERT 13.8.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 29.9.1942

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Stolperstein für Henriette Markus
Bild: Sara Götz, BA

HIER WOHNTE
HENRIETTE MARKUS
JG. 1868
DEPORTIERT 19.1.1942
ERMORDET IN
RIGA

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Stolperstein für Clara Plessner
Bild: Sara Götz, BA

HIER WOHNTE
CLARA PLESSNER
JG. 1879
DEPORTIERT 28.3.1942
ERMORDET IN
PIASKI

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Stolperstein für Minna Plessner
Bild: Sara Götz, BA

HIER WOHNTE
MINNA PLESSNER
JG. 1878
DEPORTIERT 28.3.1942
ERMORDET IN
PIASKI

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Stolperstein für Hildegard Rund
Bild: Sara G�tz, BA

HIER WOHNTE
HILDEGARD RUND
JG. 1883
DEPORTIERT 5.9.1942
RIGA
ERMORDET 8.8.1942

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Stolperstein für Siegfried Feldblum
Bild: Sara G�tz, BA

HIER WOHNTE
SIEGFRIED FELDBLUM
JG. 1875
DEPORTIERT 29.7.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 1.1.1943

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Stolperstein für Else Jacobsohn
Bild: Sara G�tz, BA

HIER WOHNTE
ELSE JACOBSOHN
JG. 1882
DEPORTIERT 27.11.1941
RIGA
ERMORDET 30.11.1941

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Stolperstein für Erna Gumpel
Bild: Sara G�tz, BA

HIER WOHNTE
ERNA GUMPEL
GEB. LIPSCHÜTZ
JG. 1868
DEPORTIERT 13.8.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET IN
TREBLINKA

Erna Esther Gumpel wurde als Erna Esther Lipschütz am 31. Oktober 1868 in Brody in der Ukraine geboren. Die Lehrerin wohnte in der Droysenstraße 7 im zweiten Stock des Vorderhauses bei Grün zur Untermiete. Als ihre letzte Beschäftigung gab sie „Privatunterricht“ an.
Es ist nicht viel bekannt über das Leben von Erna Gumpel, außer den Daten im Online-Gedenkbuch des Bundesarchivs und der Akte des Oberfinanzpräsidenten Berlin.

In ihrer „Vermögenserklärung“, die in der Akte des Oberfinanzpräsidenten im Brandenburgischen Landeshauptarchiv eingesehen werden kann, gibt sie ein recht umfangreiches Paket an Stadtanleihen als Privatvermögen und eine jährliche Rente in Höhe von 120 RM resultierend aus einer Sparprämie bei der Reichsschuldenkasse an.

Interessant ist, dass bei der Bewertung des Inventars die Selbsteinschätzung und die „offizielle“ Schätzung durch den Obergerichtsvollzieher Kasischke sehr weit auseinander gingen. Während Erna Gumpel als Wert ihres Bücherschranks 400 RM angibt, taxierte der Obergerichtsvollzieher den Wert auf 200 RM.
Als außergewöhnlich vermerkt der Obergerichtsvollzieher die Anwesenheit von 150 Büchern in der Wohnung, für deren Schätzung er 90 Minuten brauchte und insgesamt 16 RM in Rechnung stellte. Für die Bücher wurde kein Wert ermittelt.
Das Vermögen von Erna Esther Gumpel wurde am 1. Juli 1942 zugunsten des Deutschen Reiches eingezogen. Die Verfügung, die diesen Unrechtsakt nachweist, ging bei dem Obergerichtsvollzieher Dumke am 12. August ein, am selben Tag stellte er das Schriftstück Frau Gumpel zu, die sich inzwischen im Sammellager in der Großen Hamburger Straße befand.

Erna Esther Gumpel wurde am 13. August 1942 mit 99 weiteren Menschen über den Anhalter Bahnhof nach Theresienstadt gebracht, von wo aus sie am 26. September mit mehr als zweitausend Mithäftlingen nach Treblinka transportiert wurde.

Hierzu zitieren Gottwald/Schulle die Aussage von Samuel Rajzman am 27. Juli 1946, dem 69. Verhandlungstag des Nürnberger Tribunals: „Ich stand damals auf dem Bahnsteig, als die Leute aus den Waggons geführt wurden. Eine ältere Frau trat auf Kurt Franz zu, zog einen Ausweis hervor und sagte, daß sie die Schwester von Sigmund Freud sei. Sie bat, man solle sie zu einer leichten Büroarbeit verwenden. Franz sah sich den Ausweis gründlich an und sagte, es sei wahrscheinlich ein Irrtum, führte sie zum Fahrplan und sagte, daß in zwei Stunden ein Zug nach Wien zurückgehe. Sie könne alle ihre Wertgegenstände und Dokumente hier lassen, ins Badehaus gehen, und nach dem Bad würden ihre Dokumente und ihr Fahrschein für sie nach Wien zur Verfügung stehen. Natürlich ist diese Frau ins Badehaus gegangen, von wo sie niemals mehr zurückkehrte.“(Gottwald/Schulle, S. 227)

Erna Esther Gumpel wurde unmittelbar nach der Ankunft in Treblinka ermordet.

Text und Recherche: Initiative Stolpersteine Charlottenburg-Wilmersdorf