Stolpersteine Wielandstraße 17

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Hausansicht Wielandstr. 17
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

Diese Stolpersteine wurden am 01.07.2010 verlegt.

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Stolperstein für Josef Ewenstein
Bild: Stolpersteine-Initiative CW

HIER WOHNTE
JOSEF EWENSTEIN
JG.1865
DEPORTIERT 17.8.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET SEPT.1942 IN
TREBLINKA

Josef Ewenstein wurde am 7. Mai 1865 in Wystiten geboren, heute Vištytis, ein litauischer Grenzort zu Kaliningrad (damals Königsberg). Das Städtchen mit über 3000 Einwohnern florierte Mitte des 19. Jahrhunderts durch den Grenzhandel und das Handwerk, etliche Handwerker waren auf die Bürstenherstellung spezialisiert, vielleicht auch Josephs Eltern. Sehr wahrscheinlich wuchs er in dem Ort auf, denn seine Braut Anna Starsky, die er 1887 heiratete, stammte auch aus Wystiten, sie war dort am 1. Februar 1864 geboren worden. Das junge Paar zog bald nach Ihlauszen, Kreis Ragnit (ebenfalls bei Königsberg), dort wurden ihre 3 älteren Töchter geboren, Jenny 1892, Grete 1894 und Ida 1897. Als 1900 die vierte Tochter, Gertrud, zur Welt kam, waren Ewensteins in Krebschen, heute Pokrowskoje im russischen Kaliningrad, einige Jahre später lebten sie in Berschkallen, auch das bei Königsberg (heute russisch Gremjatschje).

Josef widmete sich dem Handel mit Pferden und mit landwirtschaftlichen Produkten. Vielleicht betrieb er auch selber zeitweise Landwirtschaft. In Berschkallen, wo er offenbar länger lebte, hatte er auch eine Gastwirtschaft und einen Gemischtwarenladen. Laut späterer Zeugen soll er recht gut verdient haben. 1929 – die Töchter waren längst alle verheiratet – zogen Josef und Anna in das Städtchen Wehlau, auch im Bezirk Königsberg gelegen. Wehlau (heute nur noch eine Siedlung namens Snamensk) war damals durch die immer im Juli stattfindenden großen Pferdemärkte bekannt. Dies war vielleicht der Grund für den Umzug, Josef Ewenstein lebte dort auch vom Pferde- und „Rohproduktenhandel“. Aber seine Einkünfte sollen bescheidener gewesen sein, den Pferdehandel habe er nur noch als Zwischenhändler betrieben. 1937/38 spitzte sich der Rückgang des Geschäftes mit dem Judenboykott zu und Josef sah sich gezwungen, sein Grundstück – wohl unter Wert – zu verkaufen und nach Berlin zu seiner Tochter Gertrud in die Wielandstraße 17 umzuziehen.

In Berlin mussten Josef und Anna Ewenstein auf ihre alten Tage noch die verschiedenen diskriminierenden und das Alltagsleben einschränkende antisemitischen Maßnahmen der nationalsozialistischen Regierung erleben, bis sie schließlich im August 1942 von der Gestapo „abgeholt“ und zunächst in das Sammellager in der Großen Hamburger Straße 26 gebracht wurden. Dort wurde die von ihnen verlangte „Vermögenserklärung“ wohl für sie am 11. August ausgefüllt, nur mühsam gelang ihnen die Unterschrift. Sie zeigt, dass sie völlig verarmt waren, für Josef, der sich als „früher Landwirt“ bezeichnet, ist lediglich „defekte Leibwäsche, ein Straßenanzug, sonst nichts“ eingetragen, für Anna: „Damenkleidung: keine“.
Der Gerichtsvollzieher kann nur „Schätzungswert: ./.“ melden und 2 RM in Rechnung stellen, 1 für Gebühren, 1 für Fahrtkosten.

Am 17. August 1942 wurden Josef und Anna Ewenstein mit weiteren knapp eintausend Opfern nach Theresienstadt deportiert. Während die Deportationen nach Theresienstadt in der Regel 50-100 Menschen umfassten, die in geschlossene, an Regelzüge angehängte Einzelwaggons gesteckt wurden, waren Josef und Anna Ewenstein in dem ersten von vier Berliner „Massentransporten“, bei denen um die 1000 Menschen in einen „geschlossenen Sonderzug“ gepfercht wurden. In Theresienstadt angekommen mussten sie erkennen, dass es sich mitnichten um, wie vorgegeben, eine altersgemäße Unterbringung handelte, sondern um ein völlig überfülltes, unterversorgtes, hygienisch katastrophales, menschenunwürdiges Lager. Es kam für sie aber noch schlimmer: nach nur vier Wochen, am 19. September 1942, wurden sie weiter deportiert, diesmal mit doppelt soviel Menschen, in das Vernichtungslager Treblinka und dort kurz nach Ankunft durch Gas ermordet.

Von Josef und Annas Töchtern überlebte nur eine. Ida war bereits 1929 an Grippe verstorben, Gertrud wurde im Januar 1943 nach Auschwitz deportiert, Jenny floh mit Gabriel Schwartz, ihrem Mann, nach Belgien, sie wurden dort aber festgenommen und vom Lager Mechelen aus am 15. Januar 1943 ebenfalls nach Auschwitz deportiert, nur Grete gelang mit ihrem Mann Siegfried Bernhard und ihren zwei Kindern die Flucht über Portugal in die USA.

Quellen:
Gedenkbuch. Bundesarchiv Koblenz, 2006; Akten des Landesentschädigungsamtes Berlin; Gedenkbuch Berlin der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus 1995; Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Akten der Oberfinanzdirektion; ; Gottwaldt/Schulle, Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich 1941-1945, Wiesbaden 2005

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Stolperstein für Anna Ewenstein
Bild: Stolpersteine-Initiative CW

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ANNA EWENSTEIN
GEB. STARKSY
JG. 1864
DEPORTIERT 17.8.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET SEP.1942 IN
TREBLINKA

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Stolperstein für Margarete Wunderlich
Bild: Stolpersteine-Initiative CW

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MARGARETE
WUNDERLICH
JG. 1876
DEPORTIERT 15.8.1942
RIGA
ERMORDET 18.8.1942

Margarete, Elsbeth und Gertrud Wunderlich waren Schwestern. Die Älteste war Margarete Wunderlich, geboren am 9. Mai 1876; fast zwei Jahre später, am 4. Mai 1878, kam Elsbeth Wunderlich zur Welt; Gertrud Wunderlich, die Jüngste, am 9. Juli 1885. Sie hatten noch zwei Brüder, einen älteren, Georg, Jahrgang 1875, und einen jüngeren, Albert, 1887 geboren. Die ganze Familie lebte in Krotoschin (Krotoszyn) in der Region Posen (Poznan), wo Vater Ludwig Wunderlich Arzt und später Geheimer Medizinalrat war, die Mutter Hulda stammte aus Bojanowo in Posen und war eine geborene Landsberg. Die Geschwister wuchsen in Krotoschin auf, wo die Eltern bis zum Tod Ludwigs lebten. Es ist nicht bekannt, wann er starb, auch nicht, wann genau seine Witwe nach Berlin zog, vermutlich mit jenen Kindern, die noch nicht das Elternhaus verlassen hatten. Hulda Wunderlich wurde in den Berliner Adressbüchern erstmalig 1906 aufgeführt mit Wohnsitz in der Pestalozzistraße 9, Hochparterre. Vielleicht war schon ihr Sohn Georg in Berlin, vielleicht andere Verwandte Huldas – sie hatte selbst sechs Geschwister. Es ist jedenfalls nicht unwahrscheinlich, dass die drei ledigen Töchter mit ihrer Mutter zusammen wohnten.

Hulda behielt die Wohnung in der Pestalozzistraße – laut Adressbuch – 30 Jahre lang. 1935 war sie zum letzten Mal angegeben. Ab 1936 stand Gertrud Wunderlich erstmalig als Hauptmieterin in der Wielandstrasse 17. Spätestens 1939 wohnten auch ihre Schwestern dort. Auch Hulda, inzwischen 87 Jahre alt, wird zunächst in der Wielandstrasse gewohnt haben. Sie starb am 26. April 1938 und ist in Weißensee bestattet.

Die drei Schwestern waren ledig geblieben. Da Gertrud im Adressbuch eingetragen war, kennen wir ihren Beruf: sie war Lehrerin; welcher Tätigkeit Margarete oder Elsbeth nachgingen, ist nicht bekannt. Von den Brüdern war zumindest Albert verheiratet und hatte zwei Kinder, er übersiedelte noch vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten nach Palästina und starb bereits 1931 in Haifa. Auch Georg emigrierte dorthin, wann ist ungewiss. Er starb 1949, ebenfalls in Haifa.

Bis zum Tod der Mutter 1938 war das Alltagsleben der drei Schwestern noch vergleichsweise wenig durch die judenfeindlichen Verordnungen des Regimes beeinträchtigt. In den folgenden Jahren, vor allem nach den Pogromen im November 1938, sollten sie eine Einschränkung nach der anderen ihrer Lebensgrundlage, ihres Vermögens, ihrer Bewegungsfreiheit und weiterer Rechte erleben, bis hin zur Zwangsarbeit nach 1939. Im August 1942 kam für sie das Ende: sie wurden in die Sammelstelle Levetzowstraße 7-8 gebracht und am 15. des Monats vom Güterbahnhof Moabit aus mit rund 1000 weiteren Leidensgenossen nach Riga deportiert.

Die meisten der bereits Ende 1941/Anfang 1942 nach Riga Deportierten waren in das Ghetto eingeliefert worden, wo unsäglich schlechte Bedingungen herrschten. Bei dem „Transport“ vom 15. August sowie bei den folgenden war gar nicht mehr vorgesehen, die Menschen in das Ghetto zu bringen. Sämtliche Insassen des Zuges – bis auf eine Frau, die Krankenschwester war – wurden kurz nach der Ankunft am 18. August am Bahnhof Riga-Skirotava in den umliegenden Wäldern von Rumbula und Bikernieki ermordet. So dürfte der 18. August 1942 auch der Todestag von Margarete, Elsbeth und Gertrud Wunderlich gewesen sein.

Text: Micaela Haas
Quellen: Gedenkbuch. Bundesarchiv Koblenz, 2006; Berliner Adressbücher; Gedenkbuch Berlin der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus 1995; www.geni.com/people/Gertrud-Wunderlich; Gottwaldt/Schulle, Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich 1941-1945, Wiesbaden 2005.

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Stolperstein für Elsebeth Wunderlich
Bild: Stolpersteine-Initiative CW

HIER WOHNTE
ELSBETH
WUNDERLICH
JG. 1878
DEPORTIERT 15.8.1942
RIGA
ERMORDET 18.8.1942

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Stolperstein für Gertrud Wunderlich
Bild: Stolpersteine-Initiative CW

HIER WOHNTE
GERTRUD
WUNDERLICH
JG. 1885
DEPORTIERT 15.8.1942
RIGA
ERMORDET 18.8.1942

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Stolperstein für Gertrud Grodszinsky
Bild: Stolpersteine-Initiative CW

HIER WOHNTE
GERTRUD
GRODSZINSKY
GEB. EISENSTEIN
JG. 1900
DEPORTIERT 29.1.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Gertrud Grodszinsky wurde als Gertrud Ewenstein am 10. Mai 1900 in Krebschen geboren, ein kleines Dorf im Kreis Insterburg in Ostpreußen. Heute liegt es im russischen Oblast Kaliningrad (früher: Königsberg) und heißt Pokrowskoje. Gertruds Eltern, Josef Ewenstein und Anna, geb. Starsky, stammten aus Wystiten, heute ein litauischer Grenzort. Josef war Landwirt, Gastwirt und Pferdehändler. Gertrud hatte drei Schwestern, Jenny, Grete und Ida.

1922 heiratete Gertrud Leo Grodszinsky in Berschkallen (gegenwärtig auch zu Kaliningrad gehörig), wo Ewensteins inzwischen lebten. Leo betrieb ein Textilwarengeschäft in Insterburg und dort wurde am 28. April 1925 Gertruds und Leos Tochter Margot Astrid Grodszinsky geboren. 1928 siedelte die Familie nach Königsberg um, wo Leo Grodszinskys Geschäft – trotz Wirtschaftskrise – sehr gut gelaufen sein soll. Nicht ganz klar ist, warum sie dennoch 1932 nach Berlin zogen. Gertruds Schwester Ida war schon früher nach Berlin gegangen und 1929 an einer Grippe gestorben. Grodszinskys bezogen in der Hauptstadt eine komfortable 4½-Zimmer-Wohnung in der Nachodstraße 1.

Leo wurde Hauptinhaber der Firma A. Wolff & Co, Textil-Gelegenheitskäufe, mit der Adolf Wolff 1932 Konkurs gegangen war, die aber nun, mit Leos Kapital und auf ihn und Adolfs Frau Anna Wolff eingetragen, wieder florierte. Gertrud, die die Handelsschule in Insterburg besucht hatte, arbeitete als Buchhalterin in der Firma mit. Auch Gertruds Schwager Siegfried Bernhard, der Mann ihrer Schwester Grete, beteiligte sich eine Zeitlang an dem Unternehmen, bis er 1935 sein eigenes Geschäft aufmachte. 1935 zog die Firma A. Wolff von der Kaiser-Wilhelm-Straße in Mitte (heute Karl-Liebknecht-Straße) in ein größeres Geschäftslokal in der Heiligegeiststraße um die Ecke. Die Geschäfte liefen weiterhin gut – bis 1937. Denn inzwischen machten sich auch für Leo Grodszinsky die Folgen der antisemitischen Diskriminierungen wirtschaftlich bemerkbar. Leo und Gertrud sahen sich gezwungen, in eine bescheidenere Wohnung in der Wielandstraße 17 umzuziehen.

Am 11. November 1938, im Zuge der Novemberpogrome, wurde Leo Grodszinsky festgenommen und in Sachsenhausen inhaftiert. Als Frontkämpfer im Ersten Weltkrieg wurde er bereits am 23. November wieder entlassen, aber mit der Auflage, das Land sofort zu verlassen. Leo, der sich in Sachsenhausen einen Leistenbruch geholt hatte, musste operiert werden, und die Ausreise fand erst im Juni 1939 statt. Durch Vermittlung der jüdischen Gemeinde kam er in ein Lager für jüdische Flüchtlinge in England. Das Geschäft hatte er in aller Eile an einen Herrn Hugo Scheidgen verkauft, die Wechselscheine sollen aber nie eingelöst worden sein. Die Firma wurde 1940 auf Antrag von Anna Wolff gelöscht.

Leo hatte nach eigenen Angaben seiner Frau 25000 RM hinterlassen, um ihre und ihrer Tochter Flucht zu organisieren. Die Vorbereitungen gingen auch voran, unter anderem waren zwei große Schrankkoffer schon gekauft worden, aber mit Beginn des Krieges verwehrte man Juden die Auswanderung. In England wurde Leo als Kriegsgefangener behandelt und im Juni 1940 nach Australien in ein Gefangenenlager deportiert.

Gertrud, bei der seit 1938 ihre alten Eltern wohnten, wurden zu Zwangsarbeit herangezogen und auch die 14/15-jährige Margot – die davon geträumt hatte, Kinderärztin zu werden. Noch zur Jahreswende 1942/43 sprachen beide in Briefen an Leo von der Hoffnung, irgendwann mit ihm wieder zusammenzukommen, waren aber „dankbar für jeden Tag, wo wir unsere alte Adresse haben“, es seien schon viele aus der Wielandstraße „abgeholt“ worden. Auch Gertruds Eltern, von denen sie keine Nachricht habe, wie sie an Leo schrieb. Margot schrieb ebenfalls an ihren Vater, bemühte sich um optimistische Stimmung. Vermutlich waren das ihre letzten Briefe, denn Ende Januar wurden auch Gertrud und Margot „abgeholt“, in das Sammellager in der Großen Hamburger Straße 26 gebracht und am 29. Januar 1943 nach Auschwitz deportiert.

Wir wissen nicht, ob sie dort sofort ermordet wurden oder ob sie zu den 140 Frauen von 1004 mit dem gleichen Zug Deportierten gehörten, die zunächst – nebst 140 Männern – zur Arbeit „selektiert“ wurden. Auschwitz überlebten beide nicht.

Leo Grodszinsky blieb in Australien, heiratete 1950 erneut und starb 1965. Josef und Anna Ewenstein, Gertruds Eltern, wurden im August 1942 nach Theresienstadt und kurz darauf nach Treblinka deportiert und dort umgebracht. Gertruds Schwester Grete konnte noch 1941 mit Mann und zwei Kindern über Portugal in die USA flüchten, Jenny floh mit ihrem Mann Gabriel Schwartz nach Antwerpen, beide wurden dort aber aufgegriffen und Mitte Januar 1943 nach Auschwitz deportiert. Ihr weiteres Schicksal ist nicht bekannt – möglich, aber eher unwahrscheinlich, dass Gertrud sie in Auschwitz noch mal gesehen hat. Anna Wolff geb. Kopelmann (auch Chana genannt), die Firmenmitinhaberin, wurde im Dezember 1942 deportiert und in Riga ermordet.

Text: Dr. Micaela Haas
Quellen: Gedenkbuch. Bundesarchiv Koblenz, 2006; Akten des Landesentschädigungsamtes Berlin; Gedenkbuch Berlin der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus 1995; Berliner Adressbücher; Gottwaldt/Schulle, Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich 1941-1945, Wiesbaden 2005

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Stolperstein für Margot Grodszinsky
Bild: Stolpersteine-Initiative CW

HIER WOHNTE
MARGOT
GRODSZINSKY
JG. 1925
DEPORTIERT 29.1.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

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Stolperstein für Sophie Maas
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
SOPHIE MAAS
GEB. LESSER
JG. 1867
DEPORTIERT 1.9.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 3.10.1942

Sophie Maas wurde als Sophie Lesser am 25. Februar 1867 in Königsberg geboren. Ihr Vater Louis Heinrich Lesser hatte dort zwei Jahre zuvor Anna Fanny Rosenthal geheiratet. Er war Kaufmann, möglicherweise hatte er dort eine Kalkbrennerei, denn 1872 taucht er erstmalig im Berliner Adressbuch als „Kalkbrennereibesitzer“ auf. Er muss kurz davor nach Berlin übergesiedelt haben, im gleichen Jahr 1872 ist er zwar auch noch im Königsberger Adressbuch verzeichnet, aber seine Tochter Paula, Sophies Schwester, kam am 30. November des Jahres bereits in Berlin zur Welt. Ein Jahr darauf hatte Louis Lesser gewechselt zum „Glacéhandschuhfabrikant“, zwei Jahre später handelte er in Baumaterialien. Da war Sophie 8 Jahre alt. Diesen Teil ihrer Kindheit verbrachte sie in der Nähe des Landwehrkanals, Schellingstraße 16, hinter der (heutigen) Staatsbibliothek. Um 1880 starb der Vater, die Mutter zog mit den Kindern – wir wissen nicht, ob Sophie und Paula noch mehr Geschwister hatten – in die Schöneberger Blumenthalstraße. Dort wohnte Sophie bis zu ihrer Heirat im April 1893 mit dem 9 Jahre älteren Sigmund Maas. Das junge Paar zog nach Moskau, wo ihre zwei Kinder geboren wurden: Helene am 16.10. 1895 und Ernst Boris am 17.8.1902.

1915, im Ersten Weltkrieg, wurde die Familie „als Reichsdeutsche“ ausgewiesen, und zog wieder nach Berlin. Sigmund Maas betätigte sich vermutlich weiterhin kaufmännisch.
Wo sich die Familie in Berlin niederließ, ist schwer zu ermitteln, da in den Adressbüchern der Nachname mal als Maas, aber auch Maaß oder Maß geschrieben wird, die Vornamen häufig nur abgekürzt wiedergegeben sind. Möglich das Sigmund identisch ist mit einem Siegmund Maaß, Rentier, der in der Uhlandstraße, später in der Kaiserallee wohnte. Belegbar ist, dass seine Tochter Helene 1921 Otto Bernstein heiratete, mit ihm zunächst nach Zagreb zog und vier Jahre später zurück nach Berlin kam, sich 1931 scheiden ließ und anschließend mit ihrem 1922 geborenen Sohn Gerd eine Wohnung in der Wielandstraße 17 nahm. Auch Sophie und Sigmund Maas wohnten ab April 1931 in der Wielandstraße 17, und, da im Adressbuch nur Helene Bernstein, Buchhalterin, verzeichnet ist, kann als sicher gelten, dass sie gemeinsam in einer Wohnung lebten. Dort starb an Weihnachten 1935 Sigmund. Eine Witwe Maß, Sophie bzw. Maas, Sophie kennt das Adressbuch in der Wielandstraße 17 erst ab 1940. Vermutlich übernahm sie die Wohnung der Tochter, nachdem diese 1939 nach England emigrierte.

Inzwischen wohnten bei Sophie noch ihre Schwester Paula, verwitwete Alschwang, und deren Schwägerin, Marie Bernstein geb. Alschwang, 1866 in Moskau zur Welt gekommen und auch verwitwet. Zeitweise lebte auch Otto Bernstein in der Wohnung, vermutlich Helenes geschiedener Mann. Die Alschwangs und die Maas’ kannten sich wohl aus Moskau, möglicherweise auch die Bernsteins.

Durch seinen Tod blieb Sigmund Maas das erspart, was Sophie und ihre Mitbewohnerinnen in den folgenden Jahren erleben mussten. Immer mehr antijüdische Maßnahmen schränkten das Leben deutscher Juden ein, ihre Rechte wurden zunehmend beschnitten, sie wurden isoliert und zur Auswanderung ermuntert, was aber wiederum mit hohen Kosten wie Sondersteuern und Verlust des Vermögens verbunden war. Besonders Nach den Novemberpogromen 1938 wurden Juden nahezu komplett aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen, sie durften nicht mehr in Konzerte, Theater oder Kinos, zu bestimmten Zeiten überhaupt nicht auf die Straße; Rundfunkgeräte und auch Wertgegenständen waren abzugeben und viele diskriminierende Verordnungen mehr. Die Auswanderung wurde weiter erschwert, ab Kriegsbeginn nahezu unmöglich gemacht. Helene gelang es noch im August 1939 nach England auszuwandern, Sophies Sohn Ernst Boris schaffte es noch im April 1940 in die USA zu flüchten.

Ende August 1942 wurden Sophie Maas und Marie Bernstein zusammen mit anderen Bewohnern der Wielandstraße 17 abgeholt, in das zum Sammellager umfunktionierte jüdische Altersheim in der Großen Hamburger Straße 26 gebracht, und am 1. September nach Theresienstadt deportiert.

Theresienstadt war keineswegs ein „Altersghetto“, wo Juden in Ruhe ihren Lebensabend verbringen konnten, wie die Nationalsozialisten behaupteten. Vielmehr war es ein weiteres Lager, in dem Menschen unter katastrophalen und menschenverachtenden Bedingungen zusammengepfercht wurden. Dort wurde Sophie Maas im Gebäude L207 untergebracht, wo sie vier Wochen später, am 3. Oktober 1942 starb, angeblich an Altersschwäche, in Wirklichkeit an den unmenschlichen Lebensumständen.

Ihre Schwester Paula mochte nicht die eigene Deportation abwarten, sie nahm sich am 19. November 1942 das Leben. Deren Schwägerin Marie hielt das menschenunwürdige Dasein in Theresienstadt bis zum 18. April 1944 aus, dann erlag auch sie den dortigen Lebensumständen. Otto Bernstein wurde in einem anderen „Transport“ ebenfalls nach Theresienstadt verbracht, überlebte und legte nach dem Krieg Zeugnis ab, u.a. über Sophie Maas’ Wohnung in der Wielandstraße 17.

Quellen:
Gedenkbuch. Bundesarchiv Koblenz, 2006; Akten des Landesentschädigungsamtes Berlin; Gedenkbuch Berlin der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus 1995; Berliner Adressbücher; Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Akten der Oberfinanzdirektion; “Todesfallanzeige“:http://www.holocaust.cz/en/database-of-digitised-documents/document/85474

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Stolperstein für Paula Alschwang
Bild: Stolpersteine-Initiative CW

HIER WOHNTE
PAULA ALSCHWANG
GEB. LESSER
JG. 1872
VOR DEPORTATION
FLUCHT IN DEN TOD
10.11.1942

Paula Alschwang war eine Schwester von Sophie Maas, die 1939 auch in der Wielandstraße 17 wohnte. Paula wurde am 30. Oktober 1872 in Berlin geboren. Die Eltern Louis Heinrich Lesser und Anna geb. Rosenthal stammten aus Königsberg und waren wohl kurz vor Paulas Geburt nach Berlin gekommen. Louis Lesser war Kaufmann und handelte mit sehr unterschiedlichen Waren, mal mit Glacéhandschuhe, mal mit Baumaterialen. Die Familie wohnte in der Nähe des Landwehrkanals, erst in der Schelling- dann in der Potsdamer Straße.
1880 – vermutlich das Todesjahr des Vaters – zog die Witwe Anna Lesser in die Blumenthalstraße in Schöneberg.

Über Paulas Jugend wissen wir so gut wie nichts. Selbst wen und wann sie heiratete, können wir nur vermuten. Wahrscheinlich war es der Kaufmann Nikolai Alschwang, denn das Berliner Adressbuch verzeichnet ab den 20er Jahren nur zwei Alschwangs, Nikolai und Theodor – Theodor war zu jung. Die Familie Alschwang stammte aus Russland, möglich, dass Paula ihren Ehemann über ihre Schwester Sophie kennen lernte, die nach ihrer Heirat 1893 nach Moskau zog. Möglich auch, dass Paula ebenfalls ihre ersten Ehejahre in Moskau verbrachte, bis auch sie und ihr Mann zu Beginn des Ersten Weltkrieges ausgewiesen wurden.

Ihr Werdegang in Berlin ist schwer nachzuzeichnen. Nikolai Alschwang wohnte bis Anfang der 30er Jahre in der Duisburger Straße 13, dann verliert sich die Spur. Vielleicht verließ er Berlin, vielleicht starb er auch. Eine Witwe Paula Alschwang kennt das Adressbuch allerdings nicht. Vielleicht wohnte sie mit ihrer Schwägerin Marie Bernstein, geb. Alschwang zusammen, die, inzwischen selbst verwitwet, seit den 20er Jahren in dem gleichen Haus Duisburger Straße 13 wohnte. Paula finden wir erst 1939 wieder, in den sog. „Ergänzungskarten“ zu der Volkszählung in diesem Jahr. In diese Karten musste eingetragen werden, wer wie viele jüdische Großeltern hatte. Obwohl das Statistikgeheimnis zugesichert wurde, kann man sich denken, dass diese Kartei für die Judenverfolgung missbraucht wurde. Paula wohnte zu diesem Zeitpunkt in der Wielandstraße 17 bei ihrer Schwester Sophie. Ein Jahr später zog auch Marie Bernstein zu Sophie, 1939 hatte sie noch in der Wielandstraße 16 gelebt. Marie (Mascha) war 1866 in Moskau geboren und Anfang der 20er Jahren mit ihrem Mann Alexander in die Duisburger Straße 13 eingezogen.

Das Alltagsleben der drei Frauen war stark belastet durch die antisemitischen Verordnungen der Regierung, die nach den Novemberpogromen 1938 noch erheblich erweitert wurden. Juden konnten kaum noch aus dem Haus gehen, einkaufen durften sie nur von 4 bis 5 nachmittags, der Besuch öffentlicher Veranstaltungen war ihnen ganz verwehrt. Telefonanschlüsse wurden gekündigt, Radios mussten sie abgeben, über ihr Geld konnten sie nicht mehr frei verfügen und zahlreiche Sonderabgaben mussten sie ohnehin bezahlen. Wohnraum wurde immer beengter, da noch weitere Einweisungen stattfanden. Im August 1942 hatte Paula sicherlich mitbekommen, dass mehrere Hausbewohner von der Gestapo „abgeholt“ wurden, ende des Monats musste sie erleben, wie auch ihre Schwester und ihre Schwägerin verschleppt wurden um am 1. September nach Theresienstadt deportiert zu werden. Vermutlich als ihr einige Monate später mitgeteilt wurde, dass auch sie für die „Umsiedlung“, wie es beschönigend hieß, vorgesehen war, zog sie es vor, über ihren Tod selber zu entscheiden und nahm sich am 19. November 1942 das Leben.

Quellen:
Gedenkbuch. Bundesarchiv Koblenz, 2006; Gedenkbuch Berlin der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus 1995; Berliner Adressbücher;

Link zu: Stolperstein für Kraindla Schnaimann
Stolperstein für Kraindla Schnaimann
Bild: Stolpersteine-Initiative CW

HIER WOHNTE
KRAINDLA
SCHNAIMANN
GEB. JANKELLEWICZ
JG. 1866
DEPORTIERT 1.9.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 29.9.1942

Kraindla Schnaimanns Mädchennahme war Jankellewicz, manchmal auch Jankellewitz geschrieben. Sie wurde am 15. Mai 1866 in Plock, Russisch Polen, geboren. Über ihr Elternhaus wissen wir nichts. Sie heiratete den ein Jahr älteren Mendel Schnaimann, aus Warschau gebürtig. Im September 1897 wurde ihr Sohn David geboren, da lebten sie bereits in Berlin. Mendel Schnaimann betrieb eine Zigarettenhandlung, im Adressbuch ist er –mit „ei“ geschrieben – ab 1898 verzeichnet. Noch zwei Töchter wurden geboren, Regina und Paula, zwei weitere Kinder, Bernard und Berta, starben im Kindesalter.

Der selbständige Handel mit Zigaretten in der Alten Schönhauser Straße lief für Mendel Schnaimann wohl nicht so gut, denn bald wurde er als „Cigarettenarbeiter“ im Adressbuch geführt. Schnaimanns mussten sehr häufig die Wohnung wechseln, oft lag sie im 2., 3. oder 4. Hinterhof, immer aber im gleichen Viertel um den Alexanderplatz herum. Ab 1917 scheint es wieder bergauf gegangen zu sein, Mendel Schnaimann (oder Schneimann) bezeichnete sich als Kaufmann, er zog in die Dresdener Straße 57, wo er bis 1932 eingetragen blieb – obwohl er bereits am 29. Dezember 1928 gestorben war. Danach hatte Kraindla, die Witwe, vielleicht mit ihren ledigen Töchtern, zur Untermiete gewohnt, im Adressbuch tauchte sie zunächst nicht mehr auf. In der Wielandstraße 17, wo sie ab 1937 wohnte, ist dann eine „Schreimann M., Frau“ verzeichnet, und es drängt sich der Verdacht auf, dass es sich hier um einen fehlerhaften Eintrag von „Schneimann K.“ handelt, vielleicht war die handschriftliche Meldung schlecht leserlich.

1935, Hitler war schon zwei Jahre an der Macht, wurden Kraindla und ihre zwei Töchter ausgebürgert, wahrscheinlich auch David, sicherlich wegen der polnischen Herkunft. Regina, damals Buchhalterin in Lichterfelde, löste das Problem, indem sie einen Deutschen, Gustav Lücke, heiratete. Paula, auch Buchhalterin, verlor als Staatenlose nun die Arbeitserlaubnis, arbeitete noch einige Zeit zu Hause für eine jüdischen Firma, bis diese auch schließen musste. Es gelang ihr im August 1939 die Auswanderung über Rotterdam nach England, wo sie als Kellnerin arbeitete. In die USA, für die sie seit September 1939 auf der Warteliste stand, gelangte sie erst 1947.

Bis zu ihrer Ausbürgerung wohnte Paula, die sich 1938 in Hannacha hatte umbenennen lassen, mit Kraindla in der Wielandstraße, Gartenhaus 3. Stock. Auch David wohnte zuletzt dort. Er wurde am 17. November 1941 nach Kowno (Kaunas) deportiert und ist eines der Opfer der grausamen Massenerschießungen im dortigen Fort IX am 25. November 1941, ausgeführt von dem Einsatzkommando 3 der Einsatzgruppe A unter Leitung des SS-Standartenführers Karl Jäger. Auch litauische Helfer und Mitglieder des deutschen Polizeibataillons 11 waren daran beteiligt.

Kraindla konnte das nicht wissen, da die Deportierten über ihr Ziel getäuscht worden waren: sie glaubten in ein Ghetto bei Riga oder in ein Arbeitslager gebracht zu werden. Da auch Regina mit ihrem Mann inzwischen geflüchtet war, blieb Kraindla allein zurück. In ihre 3-Zimmer-Wohnung nahm sie einen Untermieter, William Posner, auf. Ende August wurde dann auch sie – zusammen mit anderen Bewohnerinnen des Hauses – festgenommen, in das zum Sammellager umfunktionierte jüdische Altersheim in der Großen Hamburger Straße 26 gebracht, und am 1. September nach Theresienstadt deportiert. Den dort dramatisch schlechten Lebensumständen war Kraindla zunächst nur wenige Wochen ausgesetzt: am 29. September 1942 wurde sie nach Treblinka weiter deportiert – und dort ermordet.

Kraindlas 80-jähriger Untermieter William Posner, von dem es in der ihr abverlangten „Vermögenserklärung“ hieß „wandert nicht mit aus“, wurde wenige Wochen später, am 3. Oktober 1942, ebenfalls nach Theresienstadt deportiert. Die Wohnung wurde laut Portier von „dem Juden Niesmann“ bezogen, der seinerseits am 25. Januar 1943 „abgeholt“ wurde. Kraindlas Möbel und Hausrat, auf 143 RM geschätzt, wurden für 108,10 Mark von Frieda Bubath aus Spandau erstanden, der Erlös von der Oberfinanzdirektion einbehalten. Die Wohnung wurde endgültig am 15. Mai 1943 geräumt.

Recherche und Text: Dr. Micaela Haas
Quellen: Gedenkbuch. Bundesarchiv Koblenz, 2006; Akten des Landesentschädigungsamtes Berlin; Gedenkbuch Berlin der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus 1995; Berliner Adressbücher; Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Akten der Oberfinanzdirektion; Gottwaldt/Schulle, Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich 1941-1945, Wiesbaden 2005; Scheffler/Schulle, Buch der Erinnerung, München 2003

Link zu: Stolperstein für Max Singer
Stolperstein für Max Singer
Bild: Stolpersteine-Initiative CW

HIER WOHNTE
MAX SINGER
JG. 1882
DEPORTIERT 19.4.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Max Singer wurde am 11. Januar 1882 in Augsburg geboren. Wann er nach Berlin kam, ist nicht klar. Anlass war wohl die 1905 erfolgte Gründung der Firma seines Bruders Leopold Singer, Futtermittel und Getreide, in die Max 1917 als Gesellschafter eintrat. Zu dem Zeitpunkt war er 35 Jahre alt und wohnte in der Kantstraße 34, das Eckhaus zur Wielandstraße 45. In der Wielandstraße 45 wohnte Leopold bereits seit 1911, dort war auch die Getreidegroßhandlung und „Speicherei“ angesiedelt. Beide Adressen des Eckhauses werden bis 1924 mal als Geschäft, mal als Wohnung oder beides angegeben. Auch der Kaufmann Otto Singer wohnte hier, möglicherweise ebenfalls ein Verwandter, da auch er später die gleichen Adressen wie Leopold und Max hatte.

Kurz nach Maxens Eintritt in die Firma schied Leopold aus, Max führte sie einige Jahre als alleiniger Inhaber. 1920 trat Leopold wieder ein und beide Brüder führten sie künftig gemeinsam. Die Inflationszeit scheint das Geschäft gut überstanden zu haben – Getreide braucht man immer. 1924 gründete Max ein zweite Firma, Leopold Singer & Co GmbH, Getreidehandel, Inhaber Max Singer und Erhard Sinasohn, Sitz am Tauentzien 7. Das Büro der Mutterfirma befand sich ein Jahr darauf in der Grolmanstraße 42/43, dies war in den folgenden Jahren laut Adressbuch auch die Wohnadresse von Leopold, Otto und/oder Max. Kein Wunder, denn wenig später, 1926, nannte das Adressbuch als Eigentümer des Wohngebäudes Grolmanstraße 42/43 L. Singer & Co. Offenbar liefen die Geschäfte so gut, dass die Brüder in mehrere Immobilien investierten, nicht nur die Grolmanstraße, auch die Fasanenstrasse 56 und ein Haus im Grunewald wurden ihr Eigentum, immer auf den Namen der Firma eingetragen.

Wir wissen einiges über die Firma der beiden Brüder, wenig über ihr privates Leben. Max war mit der am 14. Juni 1892 geborenen Hamburgerin Elly Wiener verheiratet, ob sie Kinder hatten ist nicht bekannt. Vielleicht war Max Aktionär des Berliner Zoos wie sein Bruder Leopold. Dieser hatte sich 1905 bei der Eintragung seines Gewerbes mit der Aktionärskarte des Zoos ausgewiesen. Das Halten von Zoo-Aktien war im Berliner Bürgertum, und wie es scheint, besonders im jüdischen, sehr beliebt: eine Rendite gab es nicht, dafür freien Eintritt und Zugang zu gesellschaftlichen Ereignissen.

Im Februar 1932 starb Leopold und Max war als Erbe nun Alleininhaber des Betriebes. Dieser scheint nicht mehr so gut gelaufen zu sein, möglicherweise eine Folge der Weltwirtschaftskrise. Vom Haus in der Grolmanstraße wird berichtet, der Putz falle von der Fassade und mehrere Wohnungen hätten erhebliche Mängel. 1932 stand es unter Zwangsverwaltung, ein Zwangsversteigerungstermin war für Dezember angesetzt. Der wurde zwar wieder ausgesetzt, aber zwei Jahre später fand die Zwangsversteigerung doch statt, Käufer war ein Gläubiger, das Bankhaus Carl Cahn. Allerdings musste dieser im Zuge antijüdischer Verordnungen wenige Jahre später das Haus wieder verkaufen, sicherlich ein Fall von „Arisierung“.

Max Singer verlegte Wohnung und Geschäft erst in die Schlüter-, dann in die Wielandstraße 33. Bis Ende 1937 betrieb er seinen Getreidehandel, so ein Schreiben von 1938 der Industrie -und Handelskammer an das Finanzamt, aber dann habe er, „da er als Jude Bedenken hatte, das Geschäft fortzuführen, zunächst weitere An- und Verkäufe nicht abgeschlossen, ohne daß für die Ausübung dieses Gewerbes ein Verbot bestand oder bisher erlassen worden ist“. Er hoffe aber, „daß er den Betrieb in absehbarer Zeit wird wieder aufnehmen können“ und bitte, „zunächst von der Firmenlöschung abzusehen, da die Firma noch als Eigentümerin der Grundstücke Fasanenstraße 56 und Grunewald, Teplitzer Straße 9 eingetragen ist und er bereits Verhandlungen hinsichtlich des Verkaufs dieser Grundstücke führt“. Und die IHK fügte hinzu: „Singer, der nicht beabsichtigt Deutschland zu verlassen, glaubt daß innerhalb eines Jahres die Grundstücke verkauft sind und dann auch Klarheit bestehen wird, ob er als Jude sein Getreidegroßhandelsgeschäft wird weiterführen können oder aufgeben müssen.“

Diese Hoffnung erfüllte sich nicht, im Gegenteil: 1940 sah er sich nun doch gezwungen, die Firmenlöschung zu beantragen. Er war inzwischen noch einmal umgezogen, zur Untermiete in die Wielandstraße 17, bei Loewenthal. Auch der Verkauf der Immobilien wird sich für Max Singer bitter gestaltet haben. Unter Druck sahen sich jüdische Eigentümer in der Regel genötigt, weit unter Preis zu verkaufen, und konnten dann, auf Grund antijüdischer Verordnungen, über den Erlös – so sie ihn überhaupt erhielten – nicht frei verfügen. Die Fasanenstraße 56 war noch 1942 als Eigentum der L. Singer GmbH im Adressbuch angegeben, 1943 hieß es dann: „Eigentümer ungenannt“.

Es bleibt unklar, warum 1939, zum Zeitpunkt der Volkszählung, bei der alle jüdischen Mieter und Untermieter in einer getrennten „Ergänzungskartei“ erfasst wurden, nur Max, nicht aber Elly in der Wielandstraße 17 registriert wurde. Elly habe in der Xantener Straße 7 gewohnt. Jedenfalls mussten beide zwangsweise noch einmal – gemeinsam – in die Mommsenstraße 22 umziehen. Von dieser Wohnung wurden sie im April 1943 abgeholt, in ein Sammellager gebracht und bald darauf, am 19. April, nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Ihr Todestag ist nicht bekannt.

Quellen:
Gedenkbuch. Bundesarchiv Koblenz, 2006; Gedenkbuch Berlin der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus 1995, Landesarchiv Berlin; Berliner Adressbücher

Link zu: Stolperstein für Walter Blumenthal
Stolperstein für Walter Blumenthal
Bild: Stolpersteine-Initiative CW

HIER WOHNTE
WALTER
BLUMENTHAL
JG. 1867
DEPORTIERT 17.8.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET SEPT. 1942 IN
TREBLINKA

Walter Blumenthal wurde am 16. Mai 1867 in Seehausen/Altmark geboren. Über sein Elternhaus ist nichts bekannt. 1900, im Alter von 33 Jahren, heiratete er Elisabeth Rahel Pincus, die am 31. Juli 1875 in Leipzig zur Welt kam. Ihr Vater Alfred Herschel Pincus war Kaufmann, die Mutter, Fanny Weinberg, stammte aus Castrop und auch aus einer Händlerfamilie. Kurz vor Elisabeths 6. Geburtstag war die Familie nach Berlin in die Georgenkirchstraße in Mitte gezogen. Walter hatte eine kaufmännische Ausbildung gemacht, sehr wahrscheinlich in der Textilbranche. Im Adressbuch hat er erst ab 1904 einen eigenen Eintrag in Berlin-Mitte, Franzstraße 1, eine seit 1969 nicht mehr existierende Straße im heutigen Heine-Viertel. Vermutlich wohnte er aber schon vor seiner Heirat in Berlin. Am 2. Oktober 1901 wurde Walter und Elisabeths Sohn Hans geboren.

Es ist unbekannt, wo Walter Blumenthal vor und im ersten Jahrzehnt seiner Ehe arbeitete. Es ging ihm aber offenbar wirtschaftlich gut, denn er war Eigentümer eines Wohnhauses in Schöneberg. 1920 zog die Familie ins Hansa-Viertel an das Holsteiner Ufer 7 (damals Schleswiger Ufer 24). Kurz darauf meldete Walter sein eigenes Gewerbe als Agent für drei Gardinenhäuser an. Später erweiterte er seine Vertretung auf Trikotagen und andere Textilien acht bis zehn Hersteller. Er beschäftigte eine Schreibkraft, einen Untervertreter und einen Laufburschen.

Am Holsteiner Ufer wohnte die Familie bis 1933. Sohn Hans hatte inzwischen in Göttingen Jura studiert und hatte es in Berlin zum Landgerichtsrat gebracht, er war Richter auf Zeit am Landgericht. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten verlor er diese Stellung. Sein Name steht auf einer Gedenktafel in der Bundesgeschäftsstelle des Deutschen Richterbundes, die 2010 von der damaligen Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger enthüllt wurde. Hans wohnte mit seinen Eltern zusammen. Er zog mit ihnen 1933 in eine 5-Zimmer-Wohnung in der Saldernstraße 2 um und arbeitete fortan im Geschäft des Vaters mit, wurde auch als Mitinhaber eingetragen. Doch ab 1936 brach die Kundschaft zunehmend aufgrund von Judenboykott und anderer Diskriminierungen weg. Anfang 1938 entschloss sich Hans zur Emigration nach Italien. Nach den Judenpogromen in Deutschland erließ aber auch Mussolini den Nürnberger Rassengesetzen ähnliche Gesetze und Hans konnte auch dort nicht bleiben. Über Kuba gelangte er schließlich in die USA. Nach Hans’ Abreise sahen sich Walter und Elisabeth Blumenthal gezwungen, eine kleinere Wohnung zu suchen und im August 1938 zogen sie in der Wielandstraße 17 ein, im Hinterhof, 2. Stock. Auch sie hatten offenbar vor, zu emigrieren. Eine Anzahlung für die MS Orinoco am 29.7.1939 von Hamburg nach Habana hatten sie bereits geleistet. Daraus wurde aber nichts. Vielleicht erhielten sie nicht rechtzeitig ein Visum, wahrscheinlicher aber ist, dass sie keine Ausreisegenehmigung bekamen, weil sie die von den Nazis erhobene „Reichsfluchtsteuer“ sowie die „Judensonderabgabe“ nach den Novemberpogromen nicht zahlen konnten.

Am 14. November 1941 bestätigte ihnen die Hamburg-Amerika-Linie, dass sie die Anzahlung (abzüglich 15% Gebühren) zurückerstatten werde, und zwar 849,25 RM, die sie direkt an das Finanzamt Charlottenburg à conto 5. Rate der Judenvermögensabgabe überweisen würde.

Im August 1942 wurden Walter und Elisabeth wie auch andere Bewohner der Wielandstraße 17 von der Gestapo abgeholt und in das als Sammellager umfunktionierte jüdische Heim in der Großen Hamburger Straße 26 gebracht. Als der Lkw mit den verhafteten Juden in der Wielandstraße losfuhr, warf Walter Blumenthal seine Geldbörse auf den Bürgersteig. Sie enthielt zwei Fotos und eine Visitenkarte. Eine Nachbarin hob das Ledermäppchen auf – es befindet sich heute im Jüdischen Museum Berlin und wird dort in der Dauerausstellung gezeigt (Achse des Holocaust).

Wahrscheinlich erst im Sammellager füllten Blumenthals die von ihnen verlangte „Vermögenserklärung“ aus. Darin gaben sie an, in ihrer 3-Zimmer-Wohnung zwei Untermieterinnen zu haben, Lisbeth Altmann und Pauline Guttmann. Angaben zu Vermögen und Einrichtung machten sie keine. Möbel und Hausrat wurden, wie bei allen Deportierten, vom Staat „eingezogen“, vom Gerichtsvollzieher geschätzt –bei Blumenthals relativ hoch auf 1060,50 RM – und verkauft oder versteigert.

Von der Großen Hamburger Straße aus kamen Walter und Elisabeth am 17. August 1942 in einen geschlossenen und völlig überfüllten Sonderzug im Güterbahnhof Moabit, der erste von vier sogenannten „großen Transporten“ nach Theresienstadt, so bezeichnet, weil statt wie bis dahin 50 bis 100 nun knapp 1000 Menschen auf einmal in das „Altersghetto“ deportiert wurden.

In Theresienstadt, das vom NS-Regime zynischerweise als vorbildliche Altersunterbringung dargestellt wurde, waren die Lebensumstände erbärmlich. Überfüllung, Hunger, Kälte und Krankheiten rafften eine hohe Zahl der Insassen hin. Die dies überlebten, erwartete Schlimmeres, denn Theresienstadt war praktisch ein Durchgangslager, von dem die Menschen weiter in Vernichtungslager deportiert wurden. Walter und Elisabeth Blumenthal blieben nur vier Wochen dort. Am 19. September 1942 wurden sie weiter nach Treblinka deportiert und wahrscheinlich kurz nach der Ankunft dort ermordet. Von den 2003 Insassen dieses Zuges überlebte lediglich eine Person.

Liesbeth Altmann wurde vier Wochen nach Blumenthals auch nach Theresienstadt deportiert und wenig später in Treblinka ermordet. Pauline Guttmann verschleppte man am 17. März 1943 nach Theresienstadt, nachdem sie gezwungen worden war, noch einmal umzuziehen, in die Heilbronner Straße. Auch sie überlebte nicht.

Recherchen und Text: Micaela Haas.
Quellen: Gedenkbuch. Bundesarchiv Koblenz, 2006; Akten des Landesentschädigungsamtes Berlin; Gedenkbuch Berlin der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus 1995; Berliner Adressbücher; Landesarchiv Berlin; Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Akten der Oberfinanzdirektion; Jüdisches Museum Berlin

Link zu: Stolperstein für Elisabeth Blumenthal
Stolperstein für Elisabeth Blumenthal
Bild: Stolpersteine-Initiative CW

HIER WOHNTE
ELISABETH
BLUMENTHAL
GEB. PINCUS
JG. 1875
DEPORTIERT 17.8.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET SEPT.1942 IN
TREBLINKA

Link zu: Stolperstein für Lisbeth Altmann
Stolperstein für Lisbeth Altmann
Bild: Stolpersteine-Initiative CW

HIER WOHNTE
LISBETH ALTMANN
GEB. GRAUPE
JG. 1871
DEPORTIERT 14.9.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET SEPT.1942 IN
TREBLINKA

Über Lisbeth Altmann ist äußerst wenig bekannt. Sie wurde als Lisbeth oder Elisabeth Graupe am 20. März 1871 in Berlin geboren. Ihr Vater war wohl einer der sechs Kaufleute, die das Berliner Adressbuch für dieses Jahr unter dem Namen Graupe führt. Mehr über ihre Familie und die Umstände ihrer Jugendzeit können wir nicht vermuten. Auch nicht wann sie heiratete und wer genau Herr Altmann war. Das Jüdische Adressbuch von 1931 zählt über 90 „Altmann“ auf.

Dokumentiert ist lediglich, dass Lisbeth Altmann mindestens ab 1939, dem Zeitpunkt der Volkszählung, bei der in einer Sonderkartei alle Juden erfasst wurden, in der Wielandstraße 17 wohnte. Wahrscheinlich damals schon, spätestens aber 1942 wohnte sie zur Untermiete bei Walter Blumenthal in einem karg eingerichteten Zimmer. Vielleicht war sie ursprünglich komfortabler eingerichtet, aber die Nationalsozialisten drängten Juden dazu, enger zusammenzuziehen um Wohnraum für Nichtjuden frei zu machen. Sie sollten Platz machen für die „arische“ Bevölkerung, die Ersatzwohnraum brauchte aufgrund der Fliegerangriffe aber auch in Folge von Generalbauinspektor Albert Speers Plänen für die „Welthauptstadt Germania“, denen ganze Straßenzüge zum Opfer fielen.

Im August 1942 musste Frau Altmann mit ansehen, wie ihre Vermieter von der Gestapo abgeholt wurden. Keine vier Wochen später, am 2. September, wurde auch sie aufgefordert, eine „Vermögenserklärung“ auszufüllen, da sie zur „Umsiedlung“ nach Theresienstadt vorgesehen sei. Dass sie diese recht unvollständig ausfüllte, schien nicht mehr so wichtig zu sein. Sie machte keine Angaben über Verwandte, lediglich, dass sie Witwe sei, keine über ihr Vermögen, das vermutlich nicht mehr vorhanden war. Ihre habe war schnell aufgezählt: 1 kleiner Schrank, 2 Stühle, 1 Couch, 1 Bettvorleger, 1 Tisch klein, 1 Stehlampe, 1 Nähmaschine, keine Angaben zu Wäsche und Kleidung. Der Gerichtsvollzieher schätzte das Inventar auf 110.- RM (wobei die Nähmaschine zum Zeitpunkt der Schätzung schon „verschwunden“ war), ein Berliner Trödler kaufte alles für 77.- RM, die der Staatskasse „zuflossen“. Am 18. November wurde die Wohnung geräumt. Zu diesem Zeitpunkt lebte Lisbeth Altmann nicht mehr. Sie war am 7. September abgeholt und in die Gerlachstraße 18-21 in Mitte gebracht worden, ein zum Teil umfunktioniertes jüdisches Altersheim, dass vorübergehend als Sammellager dienen musste, weil beschlossen worden war, von August bis Oktober 1942 die Opfer nicht wie bis dahin in Gruppen von rund 50-100 Menschen nach Theresienstadt zu deportieren, sondern gleich in ganzen geschlossenen Sonderzügen mit etwa 1000 Deportierten, den sogenannten „großen Alterstransporten“. Für diese hohe Zahl reichte das bis dahin verwendete Sammellager in der Großen Hamburger Straße nicht aus.

Am 17. September 1942 wurde Lisbeth Altmann dann mit dem zweiten dieser Massentransporte nach Theresienstadt verschleppt. Es ist unwahrscheinlich, dass sie dort noch mal das Ehepaar Blumenthal traf, denn diese wurden am 19. September nach Treblinka weiter deportiert und ermordet. Ein Schicksal, das auch bald Lisbeth Altmann traf: am 29. September 1942 wurde auch sie nach Treblinka mit 2000 weiteren Menschen transportiert, von denen kein einziger überlebte, auch Lisbeth Altmann nicht.

Quellen:
Gedenkbuch. Bundesarchiv Koblenz, 2006; Gedenkbuch Berlin der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus 1995; Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Akten der Oberfinanzdirektion; Gottwaldt/Schulle, Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich 1941-1945, Wiesbaden 2005

Link zu: Stolperstein für lisa polatschek
Stolperstein für Lisa Polatschek
Bild: Stolpersteine-Initiative CW

HIER WOHNTE
LISA POLATSCHEK
GEB. EPSTEIN
JG. 1915
DEPORTIERT 26.9.1942
RAASIKU
ERMORDET

Lisa Polatschek wurde als Lisa Epstein am 24. Juni 1915 als Tochter des Kaufmanns Ludwig Epstein und seiner Frau Julia geb. Gailinger in Stuttgart geboren. Die Eltern führten eine Ledergroßhandlung. Lisa hatte einen älteren Bruder Kurt. Beide Kinder waren später in der Fotobranche tätig: Lisa machte eine Ausbildung als Fotolaborantin, Kurt wurde Inhaber eines Fotogeschäfts.

Im Dezember 1935 heiratete Lisa den Kaufmann Otto Polatschek aus Ulm und zog dorthin. Er hatte zusammen mit seiner älteren Schwester Else das 1905 in Ulm von seinem Vater gegründete Schuhhaus Alois Polatschek geerbt. Alois war 1929 gestorben, 1932 auch Ottos Mutter Paula geb. Brumlik. Der Laden wurde 1933 auf Ottos Namen eingetragen. Das Geschäft war recht erfolgreich gewesen und Polatscheks eine vermögende Familie. Aber Otto hatte nicht mehr lange Freude daran. Schon 1933 fingen Diskriminierungen und Boykott jüdischer Kaufleute an, am 11. März 1933 war der Eingang des Schuhgeschäfts von SA- und SS-Leuten abgeriegelt.

Im August 1935 wurde er in dem antisemitischen Hetzblatt „Der Stürmer“ persönlich angegriffen. Nach der Heirat im Dezember 1935 arbeitete Lisa noch mit, aber bereits zwei Jahre später sahen sich Otto und seine Schwester gezwungen, das Geschäft zu verkaufen. Es wurde 1938 liquidiert und von Johann Werdich erworben – ein Schuhhaus Werdich gibt es noch heute am gleichen Standort am Münsterplatz in Ulm.

Nach diesen Erfahrungen beschlossen Otto und Lisa sowie Ottos Schwester, inzwischen mit Fritz Silberstein verheiratet und Mutter eines Kindes, nach Berlin zu ziehen, um dort wirkungsvoller ihre Auswanderung zu betreiben. 1938 wurde Otto eine hohe Strafe wegen „Devisenvergehens“ auferlegt. Es war ein beliebtes Mittel des Regimes, vermögende Juden auszurauben, indem sie sie beschuldigten, illegal Geld ins Ausland geschleust zu haben. Während es Else mit Familie gelang, nach Uruguay zu flüchten, zogen sich Ottos Verhandlungen hin. Zwei „Lifts“ mit seinen und Lisas Sachen lagerten schon im Hamburger Hafen, bereit für die Auswanderung. Aber die üppige „Judenabgabe“ nach dem Pogrom im November 1938 und die „Reichsfluchtsteuer“ nebst weiteren finanziellen Belastungen für Juden belasteten ihn so stark, dass er die Emigration nicht mehr finanzieren könne, wie er seiner Schwester schrieb.

Im Mai 1939, zum Zeitpunkt der Volkszählung, bei der Juden – auch Untermieter – in einer „Ergänzungskartei“ erfasst wurden, lebten Lisa und Otto, wahrscheinlich schon beengt, zur Untermiete in der Wielandstraße 17. Sie sahen sich zu einem weiteren Umzug in die Küstriner Straße (heute: Damaschkestraße) 5 bei Ida Katz gezwungen, da die Nationalsozialisten bestrebt waren, durch das Zusammenpferchen von jüdischen Mietern Wohnraum für „Arier“ zu schaffen. Lisa und Otto, beide noch jung, wurden – wahrscheinlich 1941 – wie die meisten für arbeitsfähig befundenen Juden, zu Zwangsarbeit verpflichtet. Otto musste bei Ehrich&Graetz in Treptow, einer Elektrogerätefirma, arbeiten. Ein vom Werksausweis abgetrenntes Foto Otto Polatscheks befindet sich im Jüdischen Museum Berlin in der Sammlung von mehr als 500 Passbildern der ehemaligen jüdischen Zwangsarbeiter von Ehrich&Graetz. Seit 1940 waren mehrere hundert jüdische, russische, französische und holländische Zwangsarbeiter dorthin abgeordnet worden. Zusammen waren es etwa 1100. In welchen Betrieb Lisa geschickt wurde, ist nicht bekannt.

Bevor sie im September 1942 verhaftet wurde, fand sie bei Peter Altmann in der Giesebrechtstraße 5 Unterschlupf, hier war sie nicht angemeldet. Lisa Polatschek wurde aus der Küstriner Straße abgeholt, in die als Sammellager umfunktionierte Synagoge in der Levetzowstraße 7-8 eingewiesen und zunächst – nach der Erinnerung Altmanns – ins KZ Ravensbrück gebracht. Otto Polatschek lebte zu dieser Zeit mit falschem Pass in der Odenwaldstraße 18 und kam im August 1943 bei einem Luftangriff um.

Am 26. September 1942 wurde Lisa Poalschek mit weiteren 811 Berliner Juden vom Güterbahnhof Moabit aus deportiert. Dem Zug wurden Waggons mit 237 Juden aus Frankfurt am Main angekoppelt, die dort zwei Tage früher gestartet waren. Ziel der Deportation war Raasiku bei Reval (Tallinn) in Estland – der einzige „Transport“ von Berlin aus dorthin.

In Estland bestanden schon mehrere Zwangsarbeitslager, in denen jüdische und nichtjüdische Häftlinge zu Arbeiten vor allem in der Ölschiefergewinnung herangezogen wurden. Die Lager wurden von der Sicherheitspolizei mit kräftiger Hilfe der estnischen Polizei betrieben. In diesem Zusammenhang stand auch der Berliner Zug, allerdings wurden gleich nach Ankunft nur 60-80 Männer und 100-150 Frauen zur Arbeit „selektiert“, die anderen wurden mit Bussen abtransportiert und von estnischen Polizisten erschossen. Es ist gut möglich, dass die erst 27-jährige Lisa zu den zur Zwangsarbeit bestimmten Frauen gehörte. Sie wurden in das Waldlager Jägala gebracht und hatten dort Holzfällerarbeiten zur Vorbereitung der Ölschiefergewinnung zu verrichten. Mitte 1943 wurde das Lager aufgelöst, die jeweils überlebenden Frauen durch verschiedene Arbeitslager geschleppt, bis sie Anfang 1945 in Bergen-Belsen landeten. Wir wissen nicht, wie viele dieser Lager Lisa Polatschek überstanden haben mag, jedenfalls gehörte sie nicht zu den lediglich 19 Berliner Überlebenden des Zuges, der am 26. September 1942 in Berlin-Moabit abgefahren war.

Otto Polatscheks weiteres Schicksal ist von einigen Unklarheiten umweht. Am 24. August 1943 wurde nach einem Bombenangriff in einem Schöneberger Schutzraum eine unbekannte Leiche geborgen, die fast ein Jahr später, am 4. August 1944, von der Kriminalinspektion als Otto Polatschek aus der Küstriner Straße 5 identifiziert wurde. Seine Identität ist offensichtlich von einem jüdischen Flüchtling aus Polen verwendet worden: Nach dem Kriegsende stellte sich heraus, dass ein Otto Polatschek in Frankfurt/Main geheiratet habe, ein weiteres Dokument besagt, dass am 11. November 1954 ein Otto Polatschek mit diesem Geburtsdatum in New York die Einbürgerung erhielt. 1959 kam ein vom Amtsgericht Charlottenburg in Auftrag gegebenes Gutachten zu dem Schluss, dass beide nicht identisch seien, Lisas Ehemann sei im August 1943 „durch Bombenabwurf getötet“ worden.

Lisas Eltern, die 1938 auch ihr Geschäft in Stuttgart hatten verkaufen müssen, gelang 1940 die Flucht in die USA, wohin ihr Sohn Kurt, Lisas Bruder, bereits vor ihnen emigriert war.

Lisas und Ottos Wirtin in der Küstriner Straße, Ida Katz, geboren am 18. Januar 1886, wurde am 29. Januar 1943, kurz nach ihrem 57. Geburtstag, nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Text: Micaela Haas und Helmut Lölhöffel mit Recherchen und Informationen von Mark Tritsch (Stolpersteine-Initiative Ulm) sowie Brief von Peter Altmann (1955)
Weitere Quellen: Bundesarchiv Koblenz, 2006; Akten des Landesentschädigungsamts Berlin; Gedenkbuch Berlin der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus 1995; Berliner Adressbücher; Jüdisches Museum Berlin
siehe auch: http://www.swp.de/swp_import/nachrichten/ulmerleben/geschichte/art661738,209665
Pomerance: Jüdische Zwangsarbeiter bei Ehrich & Graetz Berlin-Treptow. Köln 2003; Gottwaldt/Schulle, Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich 1941-1945, Wiesbaden 2005.

Auszug aus Korrespondenzakte Otto Polatschek

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Link zu: Stolperstein für Walter weile
Stolperstein für Walter Weile
Bild: Stolpersteine-Initiative CW

HIER WOHNTE
WALTER WEILE
JG. 1990
DEPORTIERT 2.3.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Walter Weile wurde am 9. Mai 1900 als jüngstes Kind von Iwan Isaac Weile und Bertha geb. Benzion in Hamburg-Altona geboren. Er hatte vier Brüder und eine Schwester. Walters Vater war Kaufmann und handelte mit Rohtabak und Zigarren. Um 1914 zog er mit seiner Familie nach Berlin, wo er sich als Handelsvertreter für Zigarren in Neukölln niederließ. 1916 starb Walters 18-jähriger Bruder. 1918 zog Iwan Weile nach Schöneberg um. Walter wohnte zu dem Zeitpunkt wohl noch bei seinen Eltern. Er machte eine kaufmännische Ausbildung in der Textilbranche. Vielleicht lernte er darüber den Vertreter für Tuchfabriken Eugen Herzberg und dessen Tochter Ilse kennen. Ilse war fünf Jahre älter als Walter, sie war am 13. März 1895 geboren. Sie heirateten und bezogen eine 4-Zimmer-Wohnung in Friedenau, Rheinstraße 30. Auch mindestens zwei von Walters Brüdern, Julius und Leonhard, ließen sich zeitweise in Berlin nieder.

Ilses Vater, Eugen Herzberg, stammte aus Mehlsack in Ostpreußen (heute Pieniężno in Polen). Er muss schon in jungen Jahren nach Berlin gekommen sein; als hier seine Tochter Ilse auf die Welt kam, war er erst 25 Jahre alt. Ilses Mutter, Irma geb. Jaffé, war nur zwei Jahre nach Ilses Geburt gestorben, der Vater hatte erneut geheiratet und Ilse bekam 1901 einen Halbbruder, Gerhard, der später, 1924, in das Geschäft des Vaters mit einstieg. Die Textilvertretung betrieb Eugen Herzberg seit mindestens 1895, 1904 ließ er sie in das Handelsregister eintragen. Laut seinem Sohn Gerhard arbeiteten sie nur für „allerbeste deutsche und ausländische Tuchfabriken“. Der Sitz der Firma war zunächst am Hausvogteiplatz, später in der Mohrenstraße 40, die Wohnadresse der Familie wechselte mehrmals, sie lag erst im Hansaviertel, nach der Jahrhundertwende in der Kaiser-Wilhelm-Straße (heute Karl-Liebknecht-Straße). Hier dürfte Ilse den größten Teil ihrer Kindheit verbracht haben.

Wann Walter und Ilse heirateten ist nicht dokumentiert, im Berliner Adressbuch ist Walter erstmals 1930 in der Rheinstraße 30 vermerkt. Die Ehe blieb kinderlos. Ilse hatte wahrscheinlich Musik studiert und gab Klavierunterricht.

In den Jahren nach Hitlers Machtübernahme verschlechterten sich die Arbeitsbedingungen für jüdische Kaufleute zusehends. Boykott und immer mehr Diskriminierungsmaßnahmen, bis hin zum gänzlichen Verbot selbstständiger Arbeit mit der „Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben“ vom 12. November 1938 – unmittelbar nach den Pogromen vom 9./10. November – führten zur völligen Verdrängung Walter Weiles aus dem Berufsleben.

Hinzu kamen noch die vielen antisemitischen Maßnahmen, die den Alltag einschränkten und erschwerten. Sie häuften sich noch nachdrücklich nach den November-Pogromen. Juden durften nicht mehr am öffentlichen Leben teilnehmen, nicht in Theater, Konzerte, Kinos usw., zu bestimmten Zeiten durften sie gar nicht mehr auf die Straße, durften nur von 4 bis 5 Uhr nachmittags einkaufen. Alle Wertgegenstände mussten sie abliefern, Rundfunkgeräte wurden beschlagnahmt, Telefonanschlüsse gekündigt, ihre Konten wurde zu „Sicherheitskonten“ erklärt, von denen sie nur durch „Sicherungsanordnung“ festgelegte Beträge für ein Existenzminimum abheben durften. Walter und Ilse mussten bald ihre Wohnung in Friedenau aufgeben. Zwar wohnten sie noch dort, als sich Ilses Halbbruder Gerhard Herzberg im November 1938 von ihnen verabschiedete. Er emigrierte nach London, nachdem auch seine und seines Vaters Firma seit längerem keine Geschäfte mehr tätigen konnte. Aber bei der Volkszählung im Mai 1939 wohnten Ilse und Walter bereits zur Untermiete in der Wielandstraße 17. Sie wurden in den sog. „Ergänzungskarten“ für Juden erfasst. In diesen Ergänzungskarten wurde registriert, wer wie viele jüdische Großeltern hatte. Obwohl diese Daten offiziell dem Statistikgeheimnis unterlagen, kann man sich denken, dass diese Kartei für die Judenverfolgung missbraucht wurde, z.B. bei der Zwangsverpflichtung zur Arbeit.

Waren zunächst (ab 1936) „nur“ arbeitslose unterstützungsbedürftige Juden zur Arbeit zwangsverpflichtet worden, so setzte man ab Kriegsbeginn immer mehr für arbeitsfähig befundene Juden in der Rüstungsindustrie zwangsweise ein. 1941 wurden mit der Einführung des „Beschäftigungsverhältnisses besonderer Art“ die bereits praktizierten Verhältnisse zementiert: niedrige Löhne, kein Arbeitsschutz, keine Sozialversicherung. Auch Walter und Ilse wurden zwangsverpflichtet, Walter bei dem Kabelwerk Gartenfeld von Siemens, Ilse bei Osram in der Warschauer Straße. 1941 waren sie auch gezwungen worden, nochmal umzuziehen, in die Nürnberger Straße 66, bei David Coper. Dort bewohnten sie zusammen ein Zimmer.

In der Rüstungsindustrie arbeitende Juden wurden zunächst von Deportation zurückgestellt. Im Februar 1943 jedoch beschloss das Reichsicherheitshauptamt, diese Zwangsarbeiter nach Auschwitz zu deportieren um sie dort angeblich in den Buna-Werken einzusetzen. In einer Blitzaktion wurden Ende Februar/Anfang März 1943 Tausende von Arbeitern nicht nur in Berlin direkt am Arbeitsplatz festgenommen und in z.T. improvisierte Sammellager gebracht. Auch Walter und Ilse wurden Opfer dieser sogenannten Fabrik-Aktion. Sie wurden wahrscheinlich an kurz aufeinander folgenden Tagen von der Arbeit weg verhaftet, aber in das gleiche für diese Aktion eigens eingerichtete Lager in der Reithalle der Rathenower Kaserne in Moabit gebracht, so dass sie sich vielleicht noch einmal sehen konnten. Ilse unterschrieb ihre „Vermögenserklärung“ am 27. Februar, Walter seine am 1. März. An diesem Tag wurde Ilse nach Auschwitz deportiert, Walter mit dem nächsten Reichsbahn-Zug am 2. März 1943. Ilses und Walters spärliche Habe war in der Nürnberger Straße geblieben, wo sie zuletzt allein gelebt hatten: David Coper war mit seiner Frau Lotte, geb. Ebenstein und der Tochter Margot bereits am 16. Oktober 1942 nach Riga deportiert worden. Copers „Sachen“ wurden mit denen von Weiles – inklusive 150 kg Kohlen und 15 kg Kartoffeln, die Ilse auf dem Balkon gelagert hatte – an den Händler Fenske, Schreinerstraße 12, für 216 RM verkauft. Auch den letzten Lohn von Siemens und Osram kassierte die Oberfinanzdirektion.

Von den rund 7000 bei der „Fabrik-Aktion“ verhafteten und deportierten Berliner Zwangsarbeitern wurden in Auschwitz lediglich 3000 nach Ausschwitz-Monowitz zur Arbeit in dem Zweigwerk Buna weitergeleitet, die anderen auf der Stelle in die Gaskammern geschickt. Vielleicht gehörten Walter und Ilse zu denen, die nicht sofort, sondern erst durch Schwerstarbeit unter unmenschlichen Bedingungen ermordet wurden – wir wissen es nicht, da wir ihr Todesdatum nicht kennen.

Ilses Vater Eugen Herzberg, seit 1938 zum zweiten Mal verwitwet, wurde am 24. August 1942 nach Theresienstadt deportiert und erlag den dort herrschenden elenden Lebensbedingungen am 1. März 1943 – dem gleichen Tag, an dem seine Tochter von Berlin aus nach Auschwitz verschleppt wurde. Für ihn liegt ein Stolperstein vor der Nassauischen Straße 54. Walters Eltern Bertha und Iwan Isaac Weile wurden am 11. September 1942 ebenfalls nach Theresienstadt deportiert. Iwan Weile starb dort 77-jährig wenige Tage nach Ankunft, am 17. September, offiziell an „Herzlähmung“, tatsächlich wohl infolge der katastrophalen Zustände bei der Deportation und im Lager. Die ein Jahr jüngere Bertha Weile musste diese Umstände noch viele Monate ertragen, bis auch sie an Hunger, Kälte und fehlender Hygiene am 10. April 1944 starb. Walters Bruder Leonhard und seine Frau Mimi geb. Hedeman nahmen sich am 18. Dezember 1941 gemeinsam das Leben, Julius Weile und Therese, geb. Fröhlich flohen nach Amsterdam, wurde aber dort von den Nationalsozialisten aufgegriffen, möglicherweise getrennt, denn Julius wurde am 18. Januar 1944 vom KZ Westerbork aus zunächst nach Theresienstadt – vielleicht konnte er dort noch einmal seine Mutter sehen -, am 28. September dann nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Von Therese weiß man nur, dass sie am 7. November 1943 im Niederländischen KZ Vught-Hertogenbosch ermordet wurde. Der älteste Bruder, Max Weile, und die Schwester Cäcile konnten rechtzeitig Deutschland verlassen und überlebten.

Recherchen und Text: Dr. Micaela Haas.
Quellen: Gedenkbuch. Bundesarchiv Koblenz, 2006; Akten des Landesentschädigungsamtes Berlin; Gedenkbuch Berlin der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus 1995; Berliner Adressbücher; Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Akten der Oberfinanzdirektion; Yad Vashem, Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer; Gottwaldt/Schulle, Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich 1941-1945, Wiesbaden 2005

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Stolperstein für Ilse Weile
Bild: Stolpersteine-Initiative CW

HIER WOHNTE
ILSE WEILE
GEB. HERZBERG
JG. 1895
DEPORTIERT 1.3.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET