Stolpersteine Gneiststraße 8

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Hausansicht Gneiststr. 8
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

Der Stolpersteine für Marie Wolff wurde am 05.06.2004 verlegt.
Diese Stolpersteine für Minna Baad, Jenny Michalski und Klara Beiser wurden am 21.8.2006 verlegt.

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Stolperstein für Minna Baad
Bild: Sara Götz, BA

HIER WOHNTE
MINNA BAAD
GEB. BACH
JG. 1862
DEPORTIERT 1942
THERESIENSTADT
ERMORDET IN
TREBLINKA

Minna Baad geb. Bach wurde am 16. Juni 1862 in Altenstadt (Bayern) geboren.
In Berlin wohnte die Witwe in Grunewald in der Gneiststraße 8. Wie ihr vor 1939 gestorbener Ehemann mit Vornamen hieß, ist nicht in Erfahrung zu bringen.
Deportiert wurde Minna Baad, die gerade 80 Jahre alt geworden war, am gleichen Tag wie ihre Haus-Mitbewohnerin Jenny Michalski vom Anhalter Bahnhof in Berlin am 10. Juli 1942 in das Ghetto Theresienstadt, das ihr und anderen als „Alterssitz“ angepriesen worden war. Am 19. September 1942 ist sie dann nach Treblinka ins Vernichtungslager gebracht worden.

Text: Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf. Quellen: Bundesarchiv; Häftlingsliste des Lagers Theresienstadt

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Stolperstein für Jenny Michalski
Bild: Sara Götz, BA

HIER WOHNTE
JENNY MICHALSKI
GEB. BRAUN
JG. 1860
DEPORTIERT 1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 4.10.1942

Jenny Michalski geb. Braun wurde am 15. Juli 1860 in Kulmsee (Chełmża) bei Thorn (Toruń) im damaligen Westpreußen als Tochter von Adolf und Charlotte Braun geboren.
In Wilmersdorf wohnte sie im Stadtteil Grunewald in der Gneiststraße 8, wo 1939 zwölf Menschen, die sich zur jüdischen Glaubensgemeinschaft bekannten, gemeldet waren. Sie war Untermieterin bei Selma Ebstein. Frau Ebstein, die ein „Familienheim“ betrieb und weitere Zimmer an Franz Weigert und Elisabeth Westphal vermietet hatte, ist am 19. April 1942 nach Auschwitz deportiert worden.

Kurz danach, am 10. Juli 1942, wurde auch Jenny Michalski deportiert: nach Theresienstadt in das dortige Ghetto, eine ehemalige Militärfestung, die von den Nationalsozialisten als angeblicher Altersruhesitz ausgegeben wurde. Ein paar Tage vorher hatte die fast 83-jährige sich in der Sammelstelle Große Hamburger Straße 26 einfinden müssen, von wo aus sie zum Anhalter Bahnhof verschleppt wurde. Dort ist sie wie 100 überwiegend ältere und sehr alte Menschen in einen von zwei verplombten Waggons, die an den fahrplanmäßigen Zug in Richtung Prag angekoppelt wurden, nach Theresienstadt gefahren worden.

In der qualvollen Enge dieses Lagers, wo sie in einem der alten Kasernengebäude untergebracht war, hielt Jenny Michalski nur noch elf Wochen durch. Am 4. Oktober 1942 starb sie. Der Totenschein gab einen „Darmkatarrh“ als angebliche Todesursache an.

1939 wohnten laut Melderegister in dem Haus Gneiststraße 8, das dem Eigentümer E. Jones gehörte, der sich zu dieser Zeit in London aufhielt: Franz Weigert, Elisabeth Westphal geb. Mendelsohn. Selma Ebstein geb. Katzenstein, Flora Beutler geb. Plaut, Margot Hedwig Dawidowitz geb. Boroschek, Margarete Eifert, Minna Baad geb. Bach, Klara Beiser geb. Wronker, Marie Wolff geb. Hofmann, Leo Joseph und Johannes Schneider. Fast alle wurden deportiert und ermordet, Elisabeth Westphal beging Selbstmord.

Text: Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf. Quellen: Bundesarchiv, Adressbuch Berlin, Archiv Theresienstadt.

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Stolperstein für Klara Beiser
Bild: Sara Götz, BA

HIER WOHNTE
KLARA BEISER
GEB. WRONKER
JG. 1874
DEPORTIERT 1942
ERMORDET IN
RIGA

Klara Beiser geb. Wronker wurde geboren am 7. Oktober 1874 in Wolgast vor der Insel Usedom in Vorpommern.
Sie wohnte in Wilmersdorf im Stadtteil Grunewald in der Gneiststraße 8 und wurde kurz wurde kurz vor der Deportation in den Stadtbezirk Prenzlauer Berg, die genaue Adresse ist nicht registriert, umgesiedelt. Von dort aus ist Klara Beiser in die Sammelstelle in der ehemaligen Synagoge Levetzowstraße 7-8 gewaltsam verfrachtet worden, die zu diesem Zeitpunkt vollkommen überfüllt war.

Ihre Deportation nach Riga (Lettland) fand am 13. Januar 1942 vom Güterbahnhof in Grunewald statt. Dort wurde sie nicht sofort nach der Ankunft des Zugs mit 972 Menschen aus Berlin erschossen, sondern trotz ihres hohen Alters von 68 zunächst in Ghetto eingeliefert. Am letzten Tag des Jahres 1944, dem 31. Dezember, mittlerweile war sie 70 geworden, wurde Klara Beiser ums Leben gebracht.

Text: Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf. Quelle: Bundesarchiv

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Stolperstein für Marie Wolff
Bild: Sara Götz, BA

HIER WOHNTE
MARIE WOLFF
GEB. HOFMANN
JG. 1863
DEPORTIERT 1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 26.2.1943

Marie Wolff geb. Hofmann, geboren am 9. November 1863 in Pilsen (Plzeň), war die Tochter von Simon und Therese Hofmann und hatte sieben Geschwister und Halbgeschwister: Berta (verheiratete Beck), Theresia und Wilhelmine (verheiratete Kohn), Henriette, Hedwig, Josefine und Rudolf.

Sie war verheiratet mit Josef Wolff. Ihre 1890 geborene Tochter war Johanna, die Dr. Paul Reiche heiratete.

Am 10. Juli 1942 ist sie abgeholt und vom Anhalter Bahnhof nach Theresienstadt deportiert worden. Sie sei an einer Zellgewebsentzündung mit folgender Blutvergiftung am 26. Februar 1943 gestorben, trugen die Ghetto-Ärzte in den Totenschein ein. Marie Wolff war fast 80 Jahre alt.

Julius Hofmann, der am 17. November 1873 wie seine Schwester Marie in Pilsen geboren war, ist am 18. Januar 1942 von Pilsen nach Theresienstadt deportiert worden und dort am 19. März 1943 ums Leben gebracht worden.

Zwei Stolpersteine zum Gedenken an ihre Tochter Johanna, geboren am 4. April 1990 in Chemnitz, und an deren Mann Dr. Paul Reiche, geboren am 9. September 1878 in Berlin, sind an der Neuen Kantstraße 1 verlegt worden, wo sie wohnten und er seine Arztpraxis hatte. Sie waren nach Theresienstadt deportiert worden, wurden aber mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs befreit und haben überlebt. Danach praktizierte er wieder in der Windscheidstraße 30. Sohn Peter Reiche, der in der Wohnung Neue Kantstraße 1 geboren wurde, war 1938 mit einem Kindertransport nach England gerettet worden, er starb 2008 und ist in Berlin beerdigt.

Text: Helmut Lölhöffel
Quellen: Bundesarchiv; Adressbuch; Opferdatei Theresienstadt.