Thema des Monats Juni 2013

Der Preußenpark: Oase oder Mülldeponie?

Die Bezirksverordnetenversammlung diskutiert

Link zu: Preußenpark, 9.6.2007, Foto: KHMM
Preußenpark, 9.6.2007, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Der 1905 von Richard Thieme angelegte, 55.000 qm große Preußenpark liegt an der Nordseite des Fehrbelliner Platzes und zieht sich zwischen Brandenburgischer und Württembergischer Straße entlang. Zum Platz hin dicht mit Bäumen bestanden, führen die Wege auf eine große Liegewiese. Sie ist bekannt als Treffpunkt thailändisch-phillipinisch-deutscher Familien. 2007 wurde ein Senioren-Aktivplatz mit acht fest installierten Fitness-Geräten eröffnet – insbesondere für ältere Bürgerinnen und Bürger.

CDU-Fraktion

Seit Jahren schaut das Ordnungsamt dem Treiben im Preußenpark zu. Der Stadtrat Marc Schulte (SPD) scheint resigniert zu haben, denn jetzt, wo er für den gesamten Zustand des Parks verantwortlich ist, passiert nichts mehr. Die Wege, die Bänke, der Spielplatz, ja die gesamte Grünanlage verkommt zusehends. Leider haben wieder die Drogenabhängigen die Parkanlage für sich entdeckt, so dass sich rund um das Toilettenhäuschen Reste von Spritzbestecken bis in den Spielplatz hinein finden lassen. Die Drogenabhängigen setzen sich im Park wieder in aller Öffentlichkeit Ihren Schuss. Von einer Oase sind wir daher weit entfernt. Es scheint eher zu einer Mülldeponie zu verkommen. Hier muss das Bezirksamt dringend handeln!
Karsten Sell

SPD-Fraktion

Wir wissen, dass die Wiese im Park ein wichtiger Treffpunkt zur Kommunikation für die thailändische Bevölkerung ist. Dies schätzen wir sehr. Die Vielfalt zeichnet Stadt und Bezirk aus.
Durch das unerlaubte Zubereiten und Verkaufen von Speisen und den dadurch anfallenden Müll leidet allerdings der Erholungswert der Parkanlage. Zwar wird der Müll inzwischen durch die Verursacher selbst täglich eingesammelt, das Grünflächenamt muss aber weiterhin die Mülltüten entsorgen. Dies kostet den Bezirk Geld. Hier hoffen wir, dass die Verursacher künftig ihren Müll selbst entsorgen.
Wenn allerdings keine Menschen da wären, die die Speisen kaufen würden, wovon auch aus hygienischen Gründen dringend abzuraten wäre, dann würde kein Müll anfallen. Von daher begrüßen wir die Initiative des Bezirksamtes, Flyer zu verteilen, die vor dem Verzehr der Lebensmittel wegen mangelnder Hygiene warnen.
Leider lässt es die personelle Ausstattung des Ordnungsamts nicht zu, die unerlaubte Speisenzubereitung dauerhaft zu unterbinden. Deshalb würden wir uns wünschen, dass die Polizei den Bezirk hier unterstützt.
Heike Schmitt-Schmelz

Fraktion Bündnis 90/Die Grünen

Ein Park, mitten in Wilmersdorf, klassisch wie viele Parks in Berlin: Ein kleiner Spielplatz, Wege zum Flanieren, Bänke zum Ausruhen und eine große Liegewiese. Doch abgesehen von den Hunden, die hier wie in allen Parks ohne Leine laufen und ihre Haufen hinterlassen und den vielen Kaninchen, die es hier gibt, ist der Preußenpark etwas ganz Besonderes. Ein Blogger hat das so ausgedrückt: „Was is` denn jetzt los? Da steig ich aus der U-Bahn, geh zum Preußenpark und hä? Hallo? Seit wann hält die BVG in Thailand?“ Bei schönem Wetter verwandelt sich die Wiese in eine asiatische Oase mit kleinen Garküchen. BesucherInnen können Köstlichkeiten aus verschiedenen Ländern probieren. Gegen Abend wird dann alles wieder aufgeräumt und in Müllsäcke gepackt, sogar die Toiletten werden geputzt. Aber auch in einer Oase gibt es ab und zu Müll, der liegen bleibt. C´est la vie.
Susan Drews

Piraten-Fraktion

Schon in der Vergangenheit gab es aus Sicht des Bezirksamtes immer wieder ein Müllproblem im Preußenpark. Auf Grund immer mehr steigender Kosten für die Müllbeseitigung bittet das Bezirksamt sogar, dass jeder seinen Müll wieder mitnehmen solle – was ja eigentlich eine Selbstverständlichkeit ist. Kosten von 20.000 EUR im Jahr kann der Bezirk nicht mehr selber tragen, so lautet der Hinweis an den Eingangskästen. Ist dies wirklich ein Müllproblem durch die Griller?
Der “Asia-Markt” im Preußenpark ist Ausdruck der multikulturellen Vielfalt Berlins und sollte nicht durch Sparmaßnahmen “zerstört” werden. Auf die Menschen zugehen, für Verständnis werben, bei Verstößen gegen die Parkordnung auch mal durchgreifen – das sehen wir PIRATEN als richtigen Weg an.
Siegfried Schlosser

Die Linke

Wo Müll liegt, wird bekanntlich gerne anderer dazugeworfen. Wo es sauber und gepflegt ist und genügend Abfalleimer bereitstehen, bemühen sich Menschen um Ordentlichkeit. Das bestätigen wissenschaftliche Studien. In Zeiten knapper Kassen und noch knapperen Personals wird es mit Sauberkeit und Pflege schwierig. Für unsere Grünanlagen, ob Preußenpark oder andere, bedeutet das auf Dauer nichts Gutes.
Gewiss geben sich Grünflächen- und Ordnungsamt viel Mühe, die Parks im Bezirk in ansehnlichem Zustand zu halten und würden, im Interesse von uns allen, gerne noch mehr tun. Legt nicht aber auch der Senat immer wieder großen Wert darauf, Berlin als attraktive Stadt, gerade für den Tourismus, darzustellen? Dann ist er jedoch gefordert, die notwendigen Mittel bereitzustellen und den Bezirken nicht weiterhin das Personal wegzusparen. Schöne und saubere Parks gibt es nicht ohne die Menschen, die sich darum kümmern und Müllhalden gefallen vielleicht den Ratten, nicht aber Einheimischen und Gästen.
Marlene Cieschinger