Alles koscher im Café?

Kulinarische Spezialitäten Israels in Berlin

von Kevin Jahn

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Bild: Feinberg

Yorai Feinberg in seinem beliebten Restaurant Feinberg’s

Berlins Küche ist so international wie kaum eine andere. Immer mehr Juden wagen das Unternehmen, israelische Küche, zum Teil auch koscher, anzubieten oder gleich ein koscheres Lebensmittelgeschäft mit israelischen Lebensmitteln zu führen. Über eine kleine Auswahl wird im Folgenden berichtet. Passend zu jedem Anlass ist der Verzehr koscherer Speisen in Berlin möglich, gleich ob abends im Restaurant, nachmittags im Café oder für den täglichen Bedarf lediglich Lebensmittel benötigt werden. Zu fast jeder Zeit besteht theoretisch die Möglichkeit, sich in Berlin koscher zu ernähren. Vom Bäcker über einen klassischen Deli bis zum Catering ist alles in israelischer Ausführung vorhanden.

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Bild: Feinberg

Sehr appetitlich angerichtet: Hummus mit Hähnchen

Eine der wenigen selbst produzierenden Bäckereien in Berlin überhaupt bietet koschere Brote und Brötchen in Prenzlauer Berg an. Auch besondere Gebäcksorten, wie zum Beispiel Florentinergebäck oder Mürbegebäck finden sich in der Auslage der Bäckerei Kädtler wieder. Für die Garantie der koscheren Produktionsweise bürgt der Gemeinderabbiner der Jüdischen Gemeinde zu Berlin mit seiner Überprüfung und Abnahme. Das Konzept, koschere Backwaren herzustellen, setzt sich durch: Seit 2004 vertreiben auch andere Berliner Partner die Waren der Bäckerei Kädtler, wie zum Beispiel das Feinkostgeschäft Bleibergs.

Dieses bietet neben den Back-Spezialitäten der Bäckerei Kädtler auch Snacks, Salate und eine Auswahl an Weinen im Café-Geschäft an. Darüber hinaus ist das Bleibergs Caterer für sämtliche Anlässe im Rahmen einer Familien- oder auch Betriebsfeier. Dass dabei koscher gekocht wird, versteht sich von selbst für die Betreiberin Manuela Bleiberg. Als nahezu einziger koscherer Caterer in Berlin gehört zum Kundenkreis des Bleibergs eine Auswahl an renommierten Berliner Unternehmen.

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Bild: Kädtler

In der Bäckerei Kädtler ist die Schrippe noch ein echtes Handwerksprodukt – natürlich ohne Konservierungsstoffe.

In der Parallelstraße, der Passauer Straße, findet man bereits das nächste israelisch geprägte Lebensmittelgeschäft: Das Plazl. In diesem kleinen, aber feinen israelischen Feinkostgeschäft gibt es neben koscheren Lebensmitteln auch Waren wie zum Beispiel Hemden und Schmuck zu kaufen.

Das Plazl bietet mitten in Schöneberg, unweit vom KaDeWe, die Atmosphäre eines Tante-Emma-Ladens aus früheren Zeiten, was man auch an der Betreuung durch die Mitarbeiter spürt.

Ein sehr beschauliches Ambiente findet man auch ganz in der Nähe im Luigi Zuckermann Deli. Das Lokal lädt direkt beim Eintritt mit hebräischer Musik zum Platz nehmen ein.

Koscher

Man hat sogar die Möglichkeit, von der Galerie aus durch die verglaste Fensterfront auf die Straße zu blicken. Das Alter der Gäste ist sehr bunt gemischt, mit der Tendenz zu jüngerem Publikum.

Die Speisekarte umfasst israelische, wie auch italienische Gerichte. In der offenen Küche sieht man, wie die Speisen mit frischen Zutaten zubereitet werden. Ein Besuch im Deli ist zu nahezu jeder Tageszeit lohnenswert. Im Repertoire sind Hummusgerichte, Sandwiches, Burger und Frühstück. Nach Aussage des Inhabers, Udi Cohen, kann man bei ihm den ganzen Tag lang frühstücken. Zwar ist die Küche nicht koscher, dennoch spürt man den Hauch Israels bei israelisch-italienischen Gerichten. Es ist bereits Cohens zweites Deli neben dem Standort in der Rosenthaler Straße und dem Restaurant Ruben & Carla in der Linienstraße.

Da die Dichte an koscherer Küche im Schöneberger Kiez am größten ist, gehen wir nur einige Schritte weiter. Hier, in der Nähe des Wittenbergplatzes, befindet sich das Feinberg’s. Dieses bietet eine besonders heitere Stimmung im Restaurant, gleich einem Wohnzimmer.

Der Service ist sehr freundlich und man wird der Atmosphäre entsprechend empfangen. Unabhängig von der Fülle der Lokalität ist es in dem kleinen Innenraum des Lokals sehr gemütlich, im Sommer ist noch ein zusätzliches Platzangebot auf der Terrasse vorhanden. Das Publikum ist in der Fuggerstraße sehr facettenreich, von jung bis alt, Berliner (mitunter deutsch-jüdische Stammkundschaft) und Touristen. Wer in Schöneberg klassisch hebräische Küche genießen möchte, ist bei dem jungen Geschäftsführer gut beraten. Trotz der etwas kleineren Speisekarte sind die angebotenen Gerichte sehr überzeugend. Die Speise- und Getränkekarte ist koscher und die Speisen werden sehr liebevoll angerichtet. Hier bekommt man qualitativ hochwertige Zutaten in seiner Mahlzeit verarbeitet, auch die Vorspeisen überzeugen sehr. Eine empfehlenswerte Adresse für koschere Küche in Berlin.


Der Autor studiert Soziologie und Musikwissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und absolvierte ein Praktikum in der Redaktion von aktuell .