Bigger Than Life: Ken Adam´s Film Design

Ken Adam bei der Übergabe seiner Sammlung 2012 im Museum für Film und Fernsehen, Berlin

Ken Adam bei der Übergabe seiner Sammlung 2012 im Museum für Film und Fernsehen, Berlin

von Boris Hars-Tschachotin, Kristina Jaspers und Peter Mänz

Der Production Designer Ken Adam hat mit seinen spektakulären Sets Filmgeschichte geschrieben. Bei über 70 Filmen verantwortete er das Szenenbild. Für sein Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter zwei Academy Awards (Oscars) für das beste Production Design zu „Barry Lyndon“ (Stanley Kubrick, 1975) und „The Madness of King George“ (Nicholas Hytner, 1994). Königin Elizabeth II. verlieh ihm 1995 den britischen Verdienstorden „Order of the British Empire“, womit Sir Kenneth Adam in den Adelsstand erhoben wurde.

Entwurf Ken Adams zu Star Trek-The Motion Picture (USA 1979)

Im Jahr 2012 hat Ken Adam sein künstlerisches Werk der Deutschen Kinemathek in Berlin übergeben. Die Sammlung besteht aus rund 4.000 Entwürfen zu Filmen aus allen seinen Schaffensperioden. Darüber hinaus enthält das Archiv Fotoalben der Familie Adam und zu einzelnen Filmen, Storyboards seiner Mitarbeiter, Motivfotos, Briefe und andere persönliche Dokumente sowie sämtliche Auszeichnungen.

Mit der Deutschen Kinemathek hat somit erstmals ein Museum uneingeschränkten Zugang zu der einzigartigen Sammlung des Production Designers und kann einen neuen Blick auf das Werk des Ausnahmetalents Ken Adam, einem der innovativsten und einflussreichsten Production Designer des 20. Jahrhunderts, werfen.

Eine Zeichnung für den James-Bond-Film You Only Live Twice (USA 1969)

Die Ausstellung „Bigger Than Life. Ken Adam´s Film Design“ gibt Einblick in Ken Adams kreativen Gestaltungsvorgang, der das Production Design revolutionierte. Indem er Filmsets schuf, die seiner Designphilosophie Bigger Than Life entsprachen und Realität nicht einfach abbildeten, sondern diese transformierten, zuspitzten und überhöhten, hat er die Grenzen des Vorstellbaren herausgefordert – oft hochemotional, zuweilen spielerisch und doch immer glaubhaft. Jeder Set war anders und mindestens ebenso spektakulär wie die Handlung, die sich in ihm abspielte. Seine Arbeit für sieben James-Bond-Filme, angefangen mit „Dr. No“ (Terence Young, 1962) bis „Moonraker“ (Lewis Gilbert, 1979), war stilbildend für diese langlebige Serie und trug damals maßgeblich zu ihrem Erfolg bei.

Die Ausstellung zeigt mit Hilfe von über 250 dynamischen wie ausdrucksstarken Zeichnungen, die oft abgründige, exotische oder albtraumartige Orte von höchster Intensität beschreiben, die Entstehung dieser Bildwelten. Ausgehend von diesen expressiven Blättern, die einen Blick hinter die Filmkulissen gewähren, wird dem Besucher mithilfe medialer Inszenierungen erlaubt, in die Sets und damit in Ken Adams visionäre filmische Räume einzutreten.

1979 entstanden die Entwürfe zu James Bond 007 – Moonraker

In einem großen, spektakulär inszenierten Raum gelangt der Besucher in den immersiven „Denkraum“ Ken Adams. Der kreative Vorgang des Zeichnens, Entwerfens und Gestaltens wird mit Hilfe einer raumgreifenden Medieninstallation sinnlich erfahrbar gemacht.

Adams Zeichnungen, seit den sechziger Jahren mit dem Flo-Master, einer Art Filzstift, ausgeführt, vibrieren geradezu vor Energie und haben eine unverwechselbare Handschrift. Um Räume zu stilisieren inszeniert er dramatisch Licht und Schatten, ästhetisiert zugleich aber auch die moderne Technik und experimentiert mit neuen Materialien und metallischen Oberflächen aus Kupfer, Plastik und Messing. Mit seinen meist im Studio gebauten szenografischen Welten hat Adam einen neuen Stil geschaffen, der als „Adam Style“ in die Filmgeschichte einging und die Sehgewohnheiten des Zuschauers bis heute verändert und nachhaltig geprägt hat.

Risikobereitschaft und die ihm charakteristische Art, „groß“ zu denken und zu gestalten, sind bei Adam bereits sehr früh angelegt. Die prägenden Erfahrungen, als Berliner Jude Klaus Hugo Adam 1934 aus Deutschland ins Exil nach England emigrieren zu müssen und als Freiwilliger im 2. Weltkrieg für die Britische Luftwaffe zu fliegen, sind biografische Schlüssel momente, die Adams Leben und Arbeiten bestimmt haben. Er verliert seine Heimat und scheut bei der Kreation sämtlicher Filmwelten, die er sein Leben lang bauen wird, kein Risiko.

Deutsche Kinemathek – Museum
für Film und Fernsehen
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