Berlin-Istanbul 2009

Die Städtepartnerschaft feiert ihr 20-jähriges Bestehen

von Fabian Langer, Kulturprojekte Berlin GmbH

Berlin Istanbul

Beyond Belonging Almancı: Klaus Wowereit und Shermin Langhoff (Kuratorin)

Seit 20 Jahren existiert sie nun schon, die Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Istanbul. Und dass dies ein Grund zu feiern ist, zeigten die vielen Veranstaltungen des Jubiläumsjahres in beiden Städten: Kunstausstellungen, Theater- und Filmaufführungen, Konferenzen zu wirtschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Themen, Konzerte und vieles mehr machten deutlich, wie vielfältig und lebendig die Beziehungen zwischen den beiden Städten sind.

Berliner Künstler am Bosporus
Zum Auftakt stellten ab März die Künstler der letzten zehn Jahre des Istanbul-Stipendiatenprogramms des Berliner Senats in der Istanbuler Galerie BM Suma aus. Seit 1988 gibt es für Berliner Künstler die Möglichkeit, sechs Monate in der Metropole am Bosporus zu arbeiten und sich nicht nur mit der Millionenstadt künstlerisch zu beschäftigen, sondern auch langfristige Kontakte zu einer sich rasant entwickelnden Kunstszene zu knüpfen. Und dies an einem Ort, der nicht zuletzt auch aufgrund der diesjährigen Istanbul Biennale international immer größeres Interesse hervorruft. Wie auch weitere Jubiläumsveranstaltungen, konnte diese Ausstellung nach dem Istanbuler dem Berliner Publikum in einer neu kuratierten Fassung im Kunstraum Kreuzberg/Bethanien gezeigt werden und wurde dort mit einer Darstellung Istanbuler nichtkommerzieller Kunsträume ergänzt.

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20 Jahre Mauerfall: Istanbuler gestalten Steine für die Dominoaktion

Almancı – Deutschländer!
Dass neben der Bildenden auch die Darstellende Kunst von den spannungsreichen Geschichten zwischen beiden Orten profitiert, war ab Mitte Juni beim Theater- und Filmfestival „Beyond Belonging Almancı – Deutschländer!“ in Istanbul eindrücklich zu beobachten. In den Gastspielen der neuen Berliner Spielstätte für postmigrantische Kulturproduktion, dem Ballhaus Naunynstraße, sowie des Theaters Hebbel am Ufer eroberte eine neue Generation von RegisseurInnen und SchaupielerInnen selbstbewusst die Bühne und erzählte Geschichten jenseits von Identitätszuschreibungen und Integrationsdiskursen. Was diese Berliner Nachfahren der in der Türkei so genannten „Almancı – Deutschländer“ hier präsentierten, begeisterte nicht nur die Zuschauer, sondern erfreute sich auch eines so großen Medienechos, dass hier ein ganz neues Bild des deutsch-türkischen Berlin entstehen konnte.

Berlin Days in Istanbul
Wie auch die begleitende Filmreihe – als Abschlusspremiere war die deutsch-türkische Hochzeitskomödie „Evet, ich will!” von Sinan Akku zu sehen -, war dieses Festival Teil des Besuchsprogramms des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit und einer Berliner Kultur- und Wirtschaftsdelegation vom 18. bis 21. Juni. Im Rahmen dieser „Berlin Days in Istanbul“ wurden weitere Verbindungen geknüpft: Berliner und Istanbuler Unternehmen diskutierten über erneuerbare Energien, zivilgesellschaftliche Akteure aus den Bereichen Stadtentwicklung, Umwelt, Arbeit bereiteten ihre gemeinsame Oktober-Konferenz in Berlin vor und im Rahmen der Bezirkspartnerschaft Friedrichshain-Kreuzberg – Istanbul-Kadıköy waren historische 3D-Aufnahmen der Stadt am Bosporus zu sehen. Die „Berlin Days“ werben für Berlin als „the place to be“. So konnte der Bogen zu einem weiteren Jubiläum geschlagen werden: Vor 20 Jahren fiel die Mauer in Berlin und aus diesem Anlass konnten Istanbuler symbolische Mauersteine gestalten, die in Berlin zum Fest der Freiheit am 9. November als Teil einer großen „Dominosteinaktion“ symbolisch den Mauerfall darstellten.

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Istanbul Next Wave Gül Ilgaz: Mücadele/The Struggle (Athena), 2008

Istanbul Next Wave
Direkt im Anschluss an das Mauerfalljubiläum wurde dann in Berlin die Eröffnung des großen gemeinsamen Ausstellungsprojekts beider Städte gefeiert: Mit „Istanbul Next Wave” ist bis zum 17. Januar 2010 (am Pariser Platz nur bis 3. Januar) zum ersten Mal moderne und zeitgenössische Kunst aus Istanbul gleichzeitig an drei prominenten Orten der Stadt zu sehen: Im Martin-Gropius-Bau wird die Entwicklung der türkischen Kunst seit Beginn des 20. Jahrhunderts nachgezeichnet, im Haus der Akademie der Künste am Pariser Platz steht das bedeutende Werk von Künstlerinnen im Fokus und in den Akademieräumen am Hanseatenweg werden exemplarisch sechs Positionen kritischer Künstler aus der Türkei gezeigt. Dieser umfassende Einblick in die Bildende Kunst Istanbuls und der Türkei stellt nicht nur den Höhepunkt des Städtepartnerschaftsjubiläums dar, sondern läutet auch das Kulturhauptstadtjahr Istanbul 2010 ein, welches diese bedeutende Metropole erneut in den Fokus des Interesses bringen wird.

Persönliche Begegnungen
Eine Städtepartnerschaft lebt von persönlichen Begegnungen und den vielen Initiativen und engagierten Einzelpersonen, die sich auch in diesem Jahr auf unterschiedlichsten Ebenen für die Beziehungen beider Städte engagiert und viele weitere Veranstaltungen in den Kontext dieser Partnerschaft gestellt haben. Dieses Engagement ist ein sicherer Garant für viele weitere Kooperationen zwischen beiden Städten, auch über 2009 hinaus.


Kulturprojekte Berlin GmbH
Klosterstraße 68
10179 Berlin
www.kulturprojekte-berlin.de

Gesamtprogramm:
www.berlinistanbul2009.org