90 Jahre Bauhaus

von Dr. Annemarie Jaeggi, Direktorin, Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung

Bauahaus

Das Museumsgebäude ist ein Spätwerk des Bauhaus-Gründers Walter Gropius

2009 feierte man das 90. Gründungsjubiläum des Bauhauses und schon im nächsten Jahr steht ein weiteres Jubiläum an: 50 Jahre Bauhaus-Archiv Berlin. Das Bauhaus-Archiv/ Museum für Gestaltung wurde 1960 von Hans Maria Wingler in Darmstadt gegründet, um der in alle Welt verstreuten materiellen Erbschaft des Bauhauses ein Domizil zu geben. Nach dem Umzug von Darmstadt nach Berlin konnte 1979 das von Walter Gropius entworfene Gebäude für das Bauhaus-Archiv eröffnet werden. Heute beherbergt es die weltweit größte Sammlung zum Bauhaus.

Aus seinen reichen Beständen steuerte das Bauhaus-Archiv mehr als die Hälfte der Exponate für die Jubiläumsschau „Modell Bauhaus“ bei, die die drei deutschen Institute, die das Bauhaus-Erbe bewahren und erforschen – Bauhaus-Archiv Berlin, Stiftung Bauhaus Dessau und Klassik Stiftung Weimar – im Sommer 2009 gemeinsam veranstalteten. Mit rund 1.000 Werken war sie die umfassendste Ausstellung, die je zum Bauhaus gezeigt wurde. Insgesamt 166.000 Besucher haben die Ausstellung im Martin-Gropius-Bau besucht – ein wunderbarer Erfolg, der bestätigt, dass das Bauhaus der erfolgreichste Beitrag Deutschlands zur Kunst und Kultur der Moderne im frühen 20. Jahrhundert ist. Der Ruf dieser interdisziplinär arbeitenden Schule für Architektur, Design, bildende und darstellende Kunst ist international ungebrochen groß.

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Takehiko Mizutani. Materialstudie: Dreiteilige Skulptur, 1927

Geschichte des Bauhaus-Archivs
Angeregt durch die Euphorie, die Mies van der Rohe mit dem Bau der Neuen Nationalgalerie in Berlin 1962 auslöste, gewann Hans Maria Wingler nur ein Jahr später den Gründer des Bauhauses, Walter Gropius, für die Planung eines Gebäudes für das Bauhaus-Archiv. Gropius entwarf einen Komplex, dessen Baugruppen eine leicht verschobene H-Form aufwiesen. Für die Belichtung der Ausstellungsräume schlug er Shed-Dächer vor – eine markant gewölbte Dachform, die aus dem Industriebau stammt und indirektes Nordlicht gewährleistet. Doch Wingler konnte die Planung in Darmstadt politisch nicht durchsetzen. Für ein gerade erst gegründetes Institut schien den Stadtvätern das weithin sichtbare Gebäude auf der Darmstädter Rosenhöhe zu prominent. Schließlich gelang es Gropius jedoch, auf einem seiner zahlreichen Berlin-Besuche den Bausenator Rolf Schwedler für das Bauhaus-Archiv zu interessieren. 1971 konnte es nach Berlin umziehen. Von den drei zur Auswahl stehenden Grundstücken wählte Gropius eines am Landwehrkanal. Die notwendige Umplanung übernahm Gropius’ ehemaliger Mitarbeiter, der US-amerikanische Architekt Alexander Cvijanovic, in Zusammenarbeit mit dem Berliner Architekten Hans Bandel. Erst 1976 konnte der Grundstein gelegt werden, im Dezember 1979 wurde das Gebäude für das Bauhaus-Archiv – nun mit dem Untertitel „Museum für Gestaltung“ – eröffnet.

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Marianne Brandt. Aschenschale mit dreieckiger Deckelöffnung, 1924. Messing, Messing vernickelt

Zukunft des Bauhaus-Archivs
Das Bauhaus-Archiv/Museum für Gestaltung empfängt rund 90.000 Besucher im Jahr und außerdem 2.000 Benutzer, darunter Wissenschaftler aus aller Welt, die jährlich in das Archiv und die Bibliothek kommen, um über das Bauhaus zu forschen und zu arbeiten. Nach 30 Jahren ist das auf einer Raumbedarfsplanung von 1963 beruhende Gebäude viel zu klein für die enorm gewachsenen Anforderungen geworden. Auf der Ausstellungsfläche von lediglich 800 m2 kann nur ein Bruchteil der weltweit größten Sammlung zum Bauhaus gezeigt werden und das umfangreiche Archiv platzt nachgerade aus allen Nähten. Um einen modernen Museums- und Archivbetrieb für die Zukunft zu gewährleisten, ist eine Erweiterung dringendst notwendig.


Bauhaus-Archiv/Museum für Gestaltung
Klingelhöferstraße 14
10785 Berlin
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