Volksbühne

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Sex, Video und Schmuddellust in der Volksbühne: Frank Castorfs berühmtes Brachialtheater agierte zwischen Pop, Politik und Voodoo. Dann übernahm Chris Dercon für kurze Zeit das Ruder.

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    Der Schriftzug «OST» auf dem Dach der Volksbühne in Berlin wird am 24.06.2017 während der letzen Vorstellung von «Die Brüder Karamasow» entfernt.
  • Volksbühne Berlin© dpa
    Der Schriftzug «OST» auf dem Dach der Volksbühne in Berlin wird am 24.06.2017 während der letzen Vorstellung von «Die Brüder Karamasow» entfernt.
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    Der Schriftzug «OST» auf dem Dach der Volksbühne in Berlin wird am 24.06.2017 während der letzen Vorstellung von «Die Brüder Karamasow» entfernt.
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    Der Schriftzug «OST» auf dem Dach der Volksbühne in Berlin wird am 24.06.2017 während der letzen Vorstellung von «Die Brüder Karamasow» entfernt.
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    Die Skulptur «Räuberrad» von Bert Neumann hängt am 30.06.2017 vor der Volksbühnein Berlin an einem Kran und wird von seiner angestammten Stelle entfernt.
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    An Seilen eines Krans hängt am 28.06.2017 in Berlin vor der Volksbühne das Kunstwerk "Räuberrad" von Bert Neumann. Am Abend scheiterten verschiedene Versuche, das riesige Rad abzubauen.
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    Die Skulptur «Räuberrad» von Bert Neumann hängt am 30.06.2017 vor der Volksbühnein Berlin an einem Kran und wird von seiner angestammten Stelle entfernt.
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    Chris Dercon, neuer Intendant der Berliner Volksbühne, lässt sich nach einer Pressekonferenz am 16.05.2017 auf dem Flughafen Tempelhof in Berlin fotografieren. Er blickt kritisch auf seine Zeit als Künstler zurück: «Ich war einer der schlimmsten Künstler der Welt», sagte er der «Berliner Morgenpost» (25.06.2017).
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Frank Castorfs Kunsttempel war alles andere als ein Ort der Heiligkeit. Er zog mit seinem Brachialtheater überwiegend junge Leute zwischen 18 und 35 an. „Das Schlimmste am Theater ist für mich die totale Verwechselbarkeit“, sagte Castorf. Nun, austauschbar war seine Volksbühne vom Spielplan bis zur Ästhetik kaum. Im Gegenteil, ist war für viele doch der beste Beweis, wie sich das gute alte Medium Darstellungskunst mit dem Theater in die Gegenwart retten lässt. Die Volksbühne unter dem Meister des Stückezertrümmerns und Neureflektierens war eben ein sehr offenes, experimentierfreudiges Theater. Und das Schmählichste, was man dem damaligen Chef vorwerfen konnte, ist, dass sein Theater „richtig“ sei: „Wenn im Theater etwas richtig ist, ist es schon überflüssig, weil es nur noch langweilt.“ Dabei langweilte er bisweilen selbst mit seinen tendenziell immer längeren Inszenierungen. Aber er versuchte, bewusst zu langweilen, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen, um wieder aufzuschrecken. Darin war Castorf ein großer Meister.

Es ging um die Authentizität der Person

Mit Sophie Rois, Kathrin Angerer, Fabian Hinrichs und Alexander Scheer verfügte Castorf über ein beträchtliches Arsenal an Ausnahme-Schauspielern, das jedes normale Stadttheater sprengen würde. Aber Castorfs Brachialtheater brauchte auch hervorragende Protagonisten. Es interessierte nicht die Authentizität psychologischer Figuren, es ging um die Authentizität der Person. Das Volksbühnenkonzept verlangte, dass ein Schauspieler „all das Darstellungsmaterial von der griechischen Tragödie über die Commedia dell’Arte bis zum Stuntman abrufen können“ musste.

Volksbühne- Inszenierungen beim Theatertreffen

Jedoch machte Castorf bereits seit 1992 Sturm am Rosa-Luxemburg-Platz. So trat zuletzt ein wenig Leerlauf ein, etliche Kritiker schienen Castorfs Volksbühne bereits auf ihrer Abschussliste zu führen. Doch Castorf blieb souverän: „Man muss dem ersten Sturm auch mal eine Pause gönnen“, sagt er. „Dann kommt die Kraft wieder. Sonst kommt dieses ängstliche, kleine Theater raus.“ Und er sollte Recht behalten: In der Spielzeit 2011/12 waren gleich drei Volksbühne- Inszenierungen zum Theatertreffen eingeladen.

Nicht unwesentlich am neuen Erfolg der Volksbühne beteiligt war ein alter Star des Ensembles, der als Regisseur ans Haus zurückgekehrt ist: Herbert Fritsch. Der sorgte mit seinen aus Slapstick, Grimasse und Körperkomik geborenen Inszenierungen wie „Die (s)panische Fliege“ und „Murmel Murmel“ für von Kritik und Publikum zugleich gefeierten Repertoirerennern.

Chris Dercon als Leiter von Berliner Volksbühne

Der Londoner Museumsdirektor Chris Dercon (Tate Modern) wurde 2017 Nachfolger von Intendant Frank Castorf an der Berliner Volksbühne. Im April 2018 gab Dercon seinen Posten jedoch wieder auf. Kultursenator Klaus Lederer und Dercon hätten sich einvernehmlich darauf verständigt, die Intendanz zu beenden, teilte die Kulturverwaltung am 13. April 2018 mit. Wer neuer Intendant der Volksbühne wird ist noch nicht bekannt. Interimsleiter ist Klaus Dörr.

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Aktualisierung: 7. Juni 2019