Union gefällt sich weiter als Underdog

Union gefällt sich weiter als Underdog

Seit 16 Heimspielen ungeschlagen, das Europacup-Ticket sensationell gebucht und erstmals wieder mehr als zehntausend Fans im Rücken: Der 1. FC Union Berlin könnte mit dem ausreichend fitten Olympia-Rückkehrer Max Kruse selbstbewusst den Bundesliga-Auftakt angehen. Trainer Urs Fischer kultiviert aber auch vor dem dritten Jahr der Eisernen im Fußball-Oberhaus den Status als ewiger Underdog.

Union-Trainer Urs Fischer

© dpa

Trainer Urs Fischer von Union Berlin vor Spielbeginn gegen Türkgücü München beim DFB-Pokal.

«Ich glaube schon, dass du nur erfolgreich sein kannst, mit einer gewissen Zuversicht und mit Mut. Das heißt aber nicht, dass wir den Boden unter den Füßen verlieren. So weit sind wir noch nicht, dass wir die Favoritenrolle ausrufen, wenn wir gegen Leverkusen spielen», sagte der Schweizer vor dem Duell gegen die Werkself am Samstag (15.30 Uhr/Sky) im Stadion an der Alten Försterei.
Das Understatement bleibt bei Union also Programm. Fischer ist damit in den vergangenen beiden Spielzeiten gut gefahren - bis auf Platz sieben und in die Playoffs der Conference League führte dieser Weg. Kein Grund also für den Schweizer, die Prinzipien zu ändern, in einem Umfeld, das ohnehin so gerne auf Tradition baut.
Keines der sechs Testspiele ging verloren und vor dem Start ist bis auf Grischa Prömel kein potenzieller Stammspieler verletzt. Doch wieder ist der Saisonstart für die Köpenicker auch mit Ungewissheiten belastet. Geschäftsführer Oliver Ruhnert wurde mit einem Dutzend Transfers zum Sommer-Akkordarbeiter. Fischers Aufgabe bleibt die Bastelei am Team.
«Zwölf neue Spieler zu integrieren, da ist noch Luft nach oben, das ist das Hauptthema», beschrieb Fischer die Problematik. «Bis Automatismen greifen, Dinge verinnerlicht sind, braucht es eine gewisse Zeit», sagte der 55-Jährige. An seiner Startelf für das Bayer-Duell will er noch am Freitag einmal intensiv basteln. Mehrere Positionen seien noch nicht fix, betonte er.
Eine gute Nachricht gab es schon vor dem Liga-Start. Im Playoff-Hinspiel zur Conference League geht es in der kommenden Woche nach Helsinki gegen Kuopio PS und nicht auf Fernreise nach Kasachstan zum FK Astana. Zwischen zwei Bundesliga-Spielen einen Tripp über vier Zeitzonen? Das wäre nicht nach Fischers Geschmack gewesen. Und auch nicht nach dem von Kruse, der sich Kuopio als Gegner ausdrücklich gewünscht hatte.
Klar ist aber für Fischer, dass der Schlüsselspieler nach seiner kurzen Olympia-Reise und dem Tor-Start beim 1:0 im Pokal gegen Türkgücü München bereit ist. Sich wiederholende Fragen zum Fitnesszustand des Offensivstars quittiert der Coach mit einem Lächeln. «Wenn Max Kruse nicht fit gewesen wäre, hätte er nicht begonnen.»
Am Donnerstag waren überraschenderweise noch nicht alle 11 006 Tickets für das Spiel vergriffen. Am Samstag rechnet Union aber fest mit der 50-Prozent-Vollauslastung unter Corona-Bedingungen. Wie alle Veranstalter haben auch die Eisernen Schwierigkeiten, ausreichend Personal für Ordnerdienste und Gastronomie-Angebote zu finden. Kommunikationschef Christian Arbeit bat daher um rechtzeitige Anreise der Fans und viel Geduld.
Für Fischer zählt der sportliche Wert für zumindest halbvolle Ränge - auch wenn die stimmungsstarken Ultras noch keine Aktionen geplant haben. «Die Fans werden uns helfen. Sie werden uns anfeuern. Wenn es nicht so einfach ist, können Fans eine wichtige Rolle einnehmen», sagte Fischer.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 12. August 2021 17:11 Uhr

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