Nofretete

Die Büste der Nofretete ist seit dem 04. Oktober 2009 im Neuen Museum zu sehen.
Büste der Nofretete
Die Nofretete wird auch weiterhin zu sehen sein. Foto: Michael Sohn/Archiv © dpa

Die Büste der Nofretete ist am 04. Oktober 2009 vom Alten Museum in das Neue Museum umgezogen. Für die Besucher und Besucherinnen wird Nofretete nach der Wiedereröffnung des Neuen Museums am 17. Oktober 2009 im Nordkuppelsaal zu besichtigen sein. Mit ihrem neuen Aufenthaltsort kehrt sie an ihren ursprünglichen Ausstellungsort auf der Museumsinsel Berlin – das Neue Museum – zurück.

Von 1911-1914 hatte die Deutsche Orientgesellschaft (DOG) eine Grabungskonzession für den südlichen Bereich des antiken Stadtareals von Achet-Aton bei der heutigen Stadt Amarna. Achet-Aton war die Hauptstadt Ägyptens während der Regierungszeit von Echnaton und Nofretete. In diesem Bereich befanden sich mehrere Künstlerwerkstätten, eine davon – die des Bildhauers Thutmosis – barg in einem Raum zahlreiche Modellbüsten, die als Vorbilder für Statuen dienen sollten. In diesem Haus, P 47,2 – Raum 19, wurde am 6. Dezember 1912 auch die Büste der Nofretete gefunden. Unter Aufsicht des Grabungsleiters Ludwig Borchardt und seines Assistenten Hermann Ranke wurde die nur leicht beschädigte Büste geborgen.

Bei der Teilung der Funde aus dem Grabungswinter 1912/1913 am 20. Januar 1913 wurde die Nofretete-Büste zusammen mit den weiteren Modellen der Werkstatt des Thutmosis von Gustave Levebre, dem damaligen zuständigen Inspektor des Antikendienstes für Mittelägypten dem deutschen Grabungsteam zugesprochen.

Der Berliner Kaufmann James Simon hatte die Grabung damals finanziert, deshalb gingen auch alle Objekte aus der Fundteilung in seinen Besitz über. Er ließ Kopien der wichtigsten Stücke anfertigen, um diese in seinem Haus aufzustellen; die Originale gab er zunächst als Dauerleihgaben an das Ägyptische Museum Berlin.

1913/1914 wurde im Neuen Museum eine Sonderausstellung mit allen Funden dieser Grabungskampagne gezeigt – auch die Objekte, die bei der Teilung Ägyptens zugesprochen worden waren; diese kehrten danach wieder nach Kairo zurück.

1920 wandelte Simon seine Dauerleihgabe in eine Schenkung um; während alle Objekte der Amarna-Grabung im Neuen Museum seit 1920 in einer neuen Präsentation als Dauerausstellung aufgestellt waren, wurde die Nofretete-Büste erst 1923 dem Publikum gezeigt.

Die Anziehungskraft der Büste auf die Besucher war unglaublich. Ägypten wollte die Nofretete-Büste von Deutschland zurücktauschen, man bot eine kunsthistorisch ebenso bedeutsame Skulptur eines Prinzen des Alten Reiches zum Tausch an. Die Verhandlungen zogen sich über mehrere Jahre hin bis sie 1933 endgültig abgebrochen wurden.

1943 wurden die Objekte des Ägyptischen Museums ausgelagert, die Nofretete-Büste kam in die Saline Kaiseroda im Harz. Dort wurde sie 1945 – wie viele andere Objekte der Staatlichen Museen zu Berlin – von amerikanischen Truppen beschlagnahmt. Alle Kunstgüter kamen zunächst nach Frankfurt am Main, dann in ein Zentrallager im Wiesbadener Landesmuseum. Dort wurden die Objekte in einer Sonderausstellung 1952 präsentiert.

1956 kehrte die Nofretete-Büste mit anderen Amarna-Fundstücken nach Berlin zurück und wurde zunächst im Museum in Dahlem präsentiert. Seit dem 17. Oktober 1967 residierte Nofretete mehrere Jahrzehnte im Ägyptischen Museum im Östlichen Stülerbau gegenüber dem Charlottenburger Schloss.

Von Februar bis August 2005 wurde die Büste in der Sonderausstellung „Hieroglyphen um Nofretete“ am Berliner Kulturforum Potsdamer Platz präsentiert.

Im August 2005 kehrte sie zurück auf die Museumsinsel Berlin und fand bis Oktober 2009 ihre Heimat im Obergeschoss des Alten Museums.

Mit der Eröffnung des Neuen Museums am 16. Oktober 2009 wird die Ikone der Berliner Museumslandschaft – die Büste der Nofretete - wieder im Neuen Museum zu sehen sein. Das Kunstwerk aus der Werkstatt des Bildhauers Thutmosis ist im Nordkuppelsaal ausgestellt und entfaltet seine Aura der Erhabenheit und stolzer weiblicher Schönheit an wiedergewonnenem Ort.

Zur Büste
An der Büste der Nofretete wurden nur wenige Restaurierungsmaßnahmen im Laufe der vergangenen 90 Jahre vorgenommen, sodass sie sich in einem vergleichsweise guten Erhaltungszustand befindet und sie noch ihre originale wunderbar leuchtkräftige farbliche Fassung trägt. Verschiedene Untersuchungen (Materialanalysen, Röntgen- und Ct-Aufnahmen) gaben Aufschluss über das verwendete Material und die Herstellungstechnik. Die Büste wurde aus einem Kalksteinblock gearbeitet, der an einigen Stellen mit einer dicken Stuckschicht ergänzt wurde. Diese Kombinationstechnik erfreute sich in der Amarnazeit nicht nur bei der Skulptur, sondern auch im Flachbild großer Beliebtheit.

Zur historischen Person der Nofretete
Nofretete war die Hauptgemahlin des Königs Amenophis IV./Echnaton, der von 1353 bis 1336 v. Chr. Ägypten regierte. Amenophis IV. wendet sich in seinen ersten Regierungsjahren einem neuen Glauben zu, der Verehrung des einzigen Gottes Aton (ägypt. jtn = „die Sonnenscheibe“). Er nimmt den Namen Echnaton an („dem Aton wohlgefällig“) und läßt eine neue Residenzstadt in Mittelägypten errichten, Achet-Aton („Horizont des Aton“).

Dorthin zieht er mit Nofretete, beide haben sechs Töchter, von denen die älteste, Merit-Aton, mit dem direkten Nachfolger Echnatons, Semenchkare, verheiratet ist, die drittälteste, Anch-es-en-pa-Aton mit Tutanchamun.

Nofretete erscheint in zahlreichen Reliefdarstellungen zusammen mit ihrem Mann, auch einige rundplastische Bildwerke von ihr sind erhalten. Die Büste von ihr zeigt sie als reife Frau im Stil der Spätamarna-Phase, die das Karikaturhafte der frühen Phase aufgegeben hat und zu einem gemäßigten, sehr realistisch-porträthaften Stil zurückgekehrt ist.

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Quelle: Staatliche Museen zu Berlin, Bearbeitung: berlin.de
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(Bilder: dpa; Klicker/pixelio.de; facebook)