"Begegnungen an der Mauer" im Museum Treptow

Begegnung an der Mauer im Museum Treptow, an der Harzer Straße Ecke Mengerzeile
Bild: Museen Treptow-Köpenick

Am 14.6.2019 begrüßte das Museum Treptow zwei ganz besondere Gäste: Rosemarie Badaczewski und Kriemhild Meyer sind auf einem sehr bekannten Foto an der Berliner Mauer aus dem Jahr 1961 abgebildet. Das Bild ist nicht nur eine bewegende Momentaufnahme aus der Treptower und Neuköllner Regionalgeschichte, sondern ist ein Zeugnis der Berliner Geschichte und der Deutschen Teilung. Es ist seit vielen Jahren in der Dauerausstellung des Museums Treptow zu sehen und warf schon immer Fragen zum Entstehungszusammenhang auf. Welche Geschichte steckte dahinter? Worüber sprechen die beiden jungen Frauen? Wie erging es ihnen nach der Begegnung im August 1961? Wo leben sie heute?

Ein Aufruf mit überraschendem Ergebnis

Interview mit zwei Zeitzeuginnen, Museum Treptow
Bild: Museen Treptow-Köpenick

Mit Hilfe eines Aufrufs, der auch in der Berliner Woche veröffentlicht wurde, gelang es dem Museum beide Zeitzeuginnen ausfindig zu machen und zu der Veranstaltung „Begegnungen an der Mauer“ am 14.6.2019 einzuladen. Vor Publikum sprachen die beiden ehemaligen Schulfreudinnen zum ersten Mal öffentlich über ihre Begegnung an der Mauer. Nach 58 Jahren lüfteten sie das Geheimnis um das mysteriöse Foto.

Kein Zufall: Die Geschichte hinter dem Foto von 1961

Gespräch an der Berliner Mauer, Treptow, Neukölln
Bild: Quelle: Landesarchiv Berlin/Horst Siegmann, F Rep. 290_0076482

Das Treffen der beiden damals 15-jährigen Mädchen steht in Verbindung mit der Fluchtgeschichte von Rosemarie Badaczewski. Rosemaries Vater war bereits am 14.Augsut aus Treptow in den Westen geflüchtet, einen Tag nach Baubeginn der Berliner Mauer. Um seine Familie nachzuholen, hatte er den Plan, ein gepanzertes Polizeiauto zu schicken, mit dem seine Frau und seine Tochter Rosemarie sicher über die Grenze gebracht werden konnten.

Das Foto muss am 17. Oder am 18. August aufgenommen worden sein. Rosemarie, die zu diesem Zeitpunkt in der Mengerzeile 12 auf der Ost-Seite wohnte, hatte ihre Freundin zufällig an der Mauer entdeckte und war zu ihr gelaufen. Die auf der West-Berliner Seite lebende Kriemhild allerdings war nicht durch Zufall an die Mauer gekommen. Sie war an diesem Tag ganz bewusst an der Mauer unterwegs gewesen, um ihre Freundin zu suchen und Details der Fluchtpläne ihres Vaters zu überbringen. Der Plan zur Flucht in den Westen ging auf. Am 19. August sprangen Rosemarie und ihre Mutter aus einem Fenster im Hochparterre in ein gepanzertes Polizeiauto. Der Schrecken war groß, denn in dem Gefängniswagen saß bereits ein Grenzsoldat. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass es sich nicht um eine Falle handelte. Der junge Volkspolizist versuchte selbst aus der DDR zu flüchten. Nach der Flucht zog Rosemarie mit ihrer Familie nach Hessen, einige Jahre später zog auch ihre Freundin Kriemhild in die Schweiz.

Anlässlich der Veranstaltung im Museum Treptow trafen sich die beiden Protagonistinnen des bekannten Fotos wieder. Eine Begegnung, die beide sichtlich berührt hat und auch von der Presse interessiert aufgenommen wurden. Frau Meyer und Frau Badaczewski haben beschlossen in Kontakt zu bleiben, aber auch der Kontakt zum Museum und seinen Mitarbeitern wird bestehen bleiben. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Museums trafen Rosemarie Badaczewski und Kriemhild Meyer schon einen Tag zuvor und konnte in der ruhigen Atmosphäre einer Bibliothek ein Interview mit den beiden Zeitzeuginnen führen. Anschließend war noch Zeit bei einem gemeinsamen Essen, das Gesagte und Erlebte zu besprechen und zu verarbeiten.

Veranstaltung im Museum Treptow am 14.6.2019
Bild: Marina Schipper

Das Museum Treptow plant nun, den Ausstellungsraum in der Dauerausstellung zur Berliner Mauer um die neu gewonnenen Informationen zu erweitern.

Die Veranstaltung „Begegnungen an der Mauer“ ist ein Kooperationsprojekt der Museen Treptow-Köpenick mit dem Stadtmuseum Berlin und Teil des Begleitprogramms „Erkundungen vor Ort“ der Ausstellung „Ost-Berlin. Die halbe Hauptstadt“ im Ephraim-Palais.