Ideenwettbewerb "Letzte Wege"

Gemeinde und Ehrengäste beim Verlassen der Synagoge nach dem Einweihungsgottesdienst am 7. April 1914
Bild: Autor unbekannt - Landesarchiv Berlin

2020 jährt sich zum 75. Mal das Ende des Zweiten Weltkrieges, in dessen Schatten sich die Verfolgung der jüdischen Bürger*innen in besonderer Weise entfalten konnte. Zwischen 1941 und 1945 wurden mehr als 50.000 Jüd*innen, und damit der Großteil der damaligen jüdischen Bevölkerung Berlins, mit über 90 Zugtransporten überwiegend in die Ghettos und Vernichtungslager in Osteuropa und nach Auschwitz-Birkenau und Sobibór deportiert, wo sie fast alle ermordet wurden. Vor aller Augen wurden sie in Berlin zu Tausenden von den Sammellagern zu den drei Deportationsbahnhöfen durch die Straßen getrieben. Die systematische Verfolgung der jüdischen Bevölkerung konzentrierte sich nicht nur auf Berlin, sondern fand ebenfalls in anderen deutschen Städten statt.

Das Bezirksamt Mitte von Berlin möchte mit dem Vorhaben Letzte Wege einen besonderen Beitrag zur Gedenkkultur leisten und einen wichtigen Impuls für eine neue europäische Erinnerungskultur setzen.
Durch das Vorhaben Letzte Wege soll eine neue Form des Erinnerns und Gedenkens im Berliner Stadtraum entstehen, um das logistische Vernichtungsnetz der Nationalsozialisten im öffentlichen Raum erkennbar zu machen.
Im Mittelpunkt des Projekts steht, neue Aufmerksamkeit für die Parallelität komplett gegensätzlicher Situationen zu schaffen zwischen dem scheinbar normalen Alltag der einen Stadtbewohner*innen und dem existentiellen Ausnahmezustand der anderen jüdischen Mitbürger*innen, die sich in unmittelbarer räumlicher Nähe zueinander befunden haben.
Letzte Wege macht die konkrete historische Ausformung des Antisemitismus im 20. Jahrhundert sichtbar, es wirft zugleich universelle Fragen des zivilgesellschaftlichen Miteinanders auf. In der nach wie vor offenen Frage, warum es möglich war, dass eine Gesellschaft diese menschenverachtende Spaltung zuließ und zusah, liegt die grundsätzliche Aktualität des Vorhabens Letzte Wege.

Mit dem Vorhaben Letzte Wege soll ein zeitgenössisches Projekt des Gedenkens entstehen, das die Sammellager, den Deportationsbahnhof (heute Gedenkort Güterbahnhof Moabit) sowie die dazwischenliegenden Wege im Bezirk Mitte in einen erfahrbaren Zusammenhang setzt und damit das logistische Vernichtungsnetz der Nationalsozialisten im Stadtraum langfristig erkennbar macht.

Grundvoraussetzung ist eine intensive Auseinandersetzung mit Fragen des Erinnerns und Gedenkens im Sinne einer zeitgenössischen Erinnerungskultur. Bereits bestehende Erinnerungsorte wie der Gedenkort Güterbahnhof Moabit sind dabei zu beachten.

Darüber hinaus sind für die Entwicklung des Konzepts alle künstlerischen und wissenschaftlichen Disziplinen und interdisziplinären Ansätze möglich, insbesondere auch weniger traditionelle Kunstformen im Stadtraum wie beispielsweise Musik-, Klang-, Textinstallationen. Denkbar wäre auch eine Kombination mit ephemeren Kunstformen wie Tanz oder Performance oder auch ein vielschichtiges künstlerisch-kuratorisches Konzept, das Arbeiten verschiedener Künstler*innen konzeptuell aufeinander abstimmt und verknüpft.

Das Bezirksamt Mitte von Berlin lobt 2020 einen nichtoffenen, einphasigen, anonymen Kunstwettbewerb (Ideenwettbewerb) aus; diesem geht ein vorgeschaltetes Bewerbungsverfahren voraus.

Teilnahmeberechtigt sind ausschließlich professionell arbeitende Künstler*innen, Künstler*innengruppen sowie interdisziplinäre Gruppen (mit u.a. Künstler*innen, Architekt*innen, Historiker*innen). Die Federführung (bevollmächtigte Vertretung) hat bei einem/r Künstler*in zu liegen mit Wohn- und/ oder Arbeitssitz in Deutschland.
Die Professionalität ist durch eine Vita mit Ausstellungs- bzw. Projektverzeichnis nachzuweisen. Sofern keine Ausbildung an einer Kunstakademie oder in einer entsprechenden Einrichtung vorliegt, muss das Ausstellungs- bzw. Projektverzeichnis eine kontinuierliche künstlerische Tätigkeit belegen, die professionellen Ansprüchen genügt. Die Teilnahme am Bewerbungsverfahren erfolgt ausschließlich per Internet Formular bis zum 19.07.2020 um 23:59.

Weitere Informationen finden sie in den Bewerbungsunterlagen.

Bewerbungsunterlagen

Aufruf Bewerbungsverfahren Letzte Wege

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