Inhaltsspalte

2017 - "Zwischen Türen" mit Alf Ator

Unsere Freude kannte keine Grenzen, als Alf Ator zusagte, den 7. Storytausch mit uns zu wagen. Alle Absprachen verliefen ganz unkompliziert und so fand das Kennenlerntreffen auch schon kurz nach Abschluss des vergangenen Storytausches in der Bibliothek statt. Gemeinsam wurden Pläne geschmiedet, wie wohl dieses Mal der Ablauf gestaltet werden könnte und vor allen Dingen, welchen Inhalt die Geschichte erzählen soll. Schließlich einigte man sich auf ein völlig neues Konzept, das ein sehr entspanntes Schreiben ohne Termindruck versprach:
Alf würde den ersten Teil einer Rahmenhandlung schreiben, an den dann jeder, der mitmachen wollte, anknüpfen konnte, völlig unabhängig von den Texten der anderen. Es gab nur wenige Bedingungen, die eingehalten werden mussten:

Was zu beachten war:

  • Paul, die Hauptfigur, muss am Anfang und Ende immer durch eine Tür gehen, auf der das Symbol einer Hand zu sehen sein muss
  • die Episoden sind in der Ich-Form zu schreiben
  • Zeitform: Vergangenheit

Der Beginn der Geschichte:

Zeichnung eines jungen Mannes

Es war eine seltsame Stimme, die mich aus dem Schlaf gerissen hatte: „Hey, Paul! Aufwachen, es geht los!“ Mein erster Blick fiel auf einen Aschenbecher, der unbenutzt auf einem flachen Glastisch stand. Ich lag angezogen auf einem Sofa. ‚Wo bin ich? Wer hat da eben gesprochen?‘ Niemand war zu sehen. „Hallo?“ Keine Antwort. Ich schaute mich um – es war ein Hotelzimmer. ‚Was? Hotel? Warum? Wie komme ich hier her? Was war gestern?‘ In meinem Kopf drehte sich alles. Ich kniff die Augen wieder zusammen, um besser nachdenken zu können. ‚Okay, ich bin Paul. Und eigentlich müsste ich jetzt zu Hause sein, und zwar in … na komm schon … verdammt!‘ Unzählige verschwommene Bilder von irgendwelchen Räumen blitzten in meinem Kopf auf und verschwanden, bevor ich sie deuten konnte. ‚Was ist los mit mir? Warum erinnere ich mich nicht? Heiße ich überhaupt Paul? Ach komm, natürlich bin ich Paul! Und zwar … Paul … Wie war mein Nachname? Keine Chance. So sehr ich mich auch konzentrierte, alles war weg. Und Paul hieß ich offenbar nur, weil die Stimme mich so gerufen hatte. Vielleicht hatte ich geträumt? Vielleicht träumte ich immer noch? Nein, das hier wirkte real. Oder? Woher wollte ich wissen, was Realität ist, wenn ich mich an nichts erinnern konnte, außer dem, was gerade eben war?

Alf Ator über "Zwischen Türen"

Alf Ator

Na das war vielleicht eine Aktion! Als ich das Grundkonzept für dieses Buch aufgestellt hatte, schien es mir recht simpel, jeden denkbaren Beitrag irgendwie einzubinden. Dass dabei bis zum Schluss keiner wissen soll, was ich im Schilde führe, war mir wichtig, damit nicht schon in den einzelnen Beiträgen die Meta-Ebene allzu deutlich wird. Und ich erwartetete durchaus das Unerwartete, so dass ich beim „Zusammenkleben“ der Geschichten auch etwas gefordert sein würde. Das Einzige, womit ich wirklich nicht gerechnet hatte, war schlicht die Masse. Dadurch wurde allein schon der Versuch, einen dramaturgischen Ansatz zu finden, eine schier unlösbare Aufgabe. Bevor ich nämlich eine halbwegs sinnvolle Reihenfolge festlegen konnte, musste ich zunächst alle Geschichten wenigstens ansatzweise überblicken. Also las ich mir alles mehrere Male durch und gab anschließend jeder Datei einen Namen, der mit wenigen Worten grob die Handlung beschrieb. Beispiel: „Louise: Eiffelturm, Doppelgänger, Polizei, Gericht, Knast“. So konnte ich alles ein paar Mal hin und her schieben, bis es irgendwie zu passen schien. Anfangs hatte ich mich noch bemüht, gewisse Enden und Anfänge zusammen zu bringen. Aber irgendwann merkte ich, dass ich ohnehin fast alle Übergänge umformulieren muss. Denn nur, weil das Ende der zwölften Geschichte gut in den Anfang der fünften Geschichte fließen würde, hieß das noch lange nicht, dass auch deren restliche Handlungen in dieser Reihenfolge Sinn machen würden. Dazu kamen die Querulanten mit Gegenwart und Er-Perspektive. Grundsätzlich ist es natürlich gerade in diesem selbstbezüglichen Konzept wunderbar, den Autor dazu zu zwingen, solche Eskapaden zu berücksichtigen. Aber dadurch gab es noch eine weitere Betrachtungsebene, die wieder ganz andere Reihenfolgen ergeben würden. Unterm Strich war ich irgendwann froh, mich überhaupt zu irgendeiner Reihenfolge entschieden zu haben. Und obwohl es mir sehr wahrscheinlich schien, dass noch viele andere, bessere Reihenfolgen möglich wären, beließ ich es bei dieser ersten Variante. Schließlich hatte ich dafür ja auch schon eine Menge Zwischenteile verfasst, die dann alle hinfällig gewesen wären.
Am Ende hatte ich arge Zweifel, ob mein Konzept überhaupt so eine gute Idee gewesen ist und ob ich die Kids vielleicht sogar enttäuscht habe, die ja schon so einige gemeinsame Bücher verfasst hatten und deshalb verständlicherweise andere Erwartungen hegten als beim ersten Versuch. Und ich habe bis jetzt nicht den genügenden Abstand, um einschätzen zu können, was ein unvorbereiteter Leser bei diesem Buch empfinden mag. Aber ich denke, dass es beim Storytausch-Konzept grundsätzlich mehr um den Spaß der beteiligten Autoren geht als um den Erfolg bei einem großen Publikum. Und Spaß hatte ich allemal. Ich bedanke mich bei euch, dass ich die Gelegenheit hatte, bei sowas mitzumachen.

Zwischen Türen - Gesamtversion

Storytausch 7: Text

PDF-Dokument (7.0 MB)