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Veranstaltungsreihe 2015: Erinnerungsort DDR

Alltag - Herrschaft - Gesellschaft

Im Jahr 2015 findet die erfolgreiche Veranstaltungsreihe “Erinnerungsort DDR” ihre Fortsetzung In Gesprächsrunden gehen Wissenschaftler, Experten und Zeitzeugen 25 Jahre nach der Wiedervereinigung erneut am Beispiel verschiedener Politik- und Gesellschaftsfelder dem Zusammenspiel von Alltag, Herrschaft und Gesellschaft in der DDR nach. Gefragt wird u.a., welche Spuren die SED-Diktatur im Alltag der Bürger hinterlassen hat, inwieweit Herrschaft und Alltagsleben miteinander verbunden waren und welchen Platz die DDR heute in der deutschen Erinnerungskultur einnimmt.

Eine gemeinsame Veranstaltungsreihe des Berliner Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Deutschen Gesellschaft e. V.

14. April 2015

“Gehen oder Bleiben?
Leben in der DDR zwischen Ausreise, Flucht und sozialistischem Alltag”

Westen oder DDR? Viele DDR-Bürger stellten sich diese schicksalhafte Frage. Millionen entzogen sich mit dem Verlassen ihrer Heimat dem Allmachtsanspruch der SED – ein permanenter Stein des Anstoßes für die Machthaber und die Gesellschaft. Vor dem Mauerbau flohen die Menschen relativ gefahrlos über die Berliner Sektorengrenze, danach blieb nur noch die lebensgefährliche Flucht über die Sperranlagen oder der Ausreiseantrag. In den 1980er-Jahren entwickelte sich die Anzahl der Ausreisewilligen schließlich zu einer republikweiten Massenbewegung, die nachhaltig zur Erosion des SED-Staates beitrug. Die Mehrheit der Menschen aber hatte sich mit ihrem Leben mehr oder weniger arrangiert und blieb im Land. Andere wiederum entschlossen sich ganz bewusst zum Ausharren in der DDR, um sich in ihrer Heimat für demokratische Veränderungen einzusetzen.

Die Auftaktveranstaltung der Reihe “Erinnerungsort DDR” im Jahr 2015 thematisiert diese Ambivalenz zwischen Gehen und Bleiben. Über welche unterschiedlichen Motivationen verfügten diejenigen, die sich dazu entschlossen, das Land zu verlassen? Wie sah ihr Weg in den Westen aus und wie verlief ihr Leben dort weiter? In welcher Lage sahen sich die Dagebliebenen?

Begrüßung:
Wolfgang Wieland (Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft e. V., Senator a. D.)

Impuls:
Prof. Dr. Rainer Eckert (Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig)

Podium:
  • Prof. Dr. Rainer Eckert
  • Dr. h. c. Werner Krätschell (Superintendent i. R., Kirchenkreis Berlin-Pankow)
  • Achim Mentzel (Musiker und Entertainer, 1973 “Republikflucht”; nach Rückkehr in die DDR Verurteilung zu zehn Monaten Gefängnis)
  • Susanne Schädlich (Schriftstellerin, 1977 Ausreise in die Bundesrepublik)

Moderation:
Peter Wensierski (DER SPIEGEL)

12. Mai 2015

Seid bereit!
Jungsein in der DDR

Wer in der DDR aufwuchs, konnte in der Freizeit Einiges erleben: Zeiten an der Ostsee, Touren mit dem Simson-Moped, Radio DT64 mitschneiden, tanzen im Jugendclub. Erwachsenwerden hieß aber auch, sich innerhalb eines staatlich eng vorgegebenen Korsetts zu bewegen. Die SED sah die Jugendlichen als “Kampfreserve” an, wollte sie zu “sozialistischen Persönlichkeiten” formen. Zwischen Pionierorganisation, FDJ und Wehrkundeunterricht, zwischen gemeinsamen Klassenaktivitäten, Gruppennachmittagen und Jugendweihe war es schwer, dem allumfassenden Erziehungsanspruch der Partei zu entkommen. Teenager, die sich unangepasst verhielten, alternative Lebensstile ausprobierten und ihren eigenen Weg suchten, mussten mit Repressalien des Staatsapparates rechnen.

Die zweite Veranstaltung der Reihe “Erinnerungsort DDR” im Jahr 2015 thematisiert unterschiedliche Facetten des Heranwachsens im SED-Staat und fragt danach, welche Antworten die Jugendlichen auf die Herausforderungen in der Diktatur fanden.

Begrüßung:
Dr. Robert Grünbaum (Stv. Geschäftsführer der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur)

Impuls:
Dr. Peter Wurschi (Historiker, Stiftung Ettersberg)

Podium:
  • Eberhard Aurich (letzter FDJ-Vorsitzender in der DDR)
  • Anke Domscheit-Berg (Unternehmerin und Publizistin)
  • Lothar Rochau (ehem. Jugenddiakon der Ev. Kirche in Halle-Neustadt)
  • Dr. Peter Wurschi

Moderation:
Ulrike Timm (Deutschlandradio Kultur)

9. Juni 2015

Bewaffneter Friede.
Die Militarisierung der DDR-Gesellschaft

Die DDR bezeichnete sich selbst als “Friedensstaat” – der Alltag der Menschen war jedoch stark militarisiert. Nationale Volksarmee, Grenztruppen, Staatssicherheitsdienst, Bereitschaftspolizei und die paramilitärischen Betriebskampfgruppen zählten in den 1980er-Jahren fast zwei Millionen Aktive und Reservisten in ihren Reihen, die den vermeintlich imperialistischen Bestrebungen des Westens Einhalt gebieten sollten. Das gesamte Bildungssystem vom Kindergarten bis zur Universität war darauf ausgerichtet, die jungen Menschen auf den Dienst an der Waffe oder im Zivilschutz vorzubereiten. “Der Frieden muss bewaffnet sein”, lautete die Losung. Neben den offiziellen Friedensaktivitäten duldete die SED kein unabhängiges Engagement. Das bekamen all jene zu spüren, die sich der Militarisierung der Gesellschaft verweigerten und sich in kirchlichen Friedensgruppen engagierten.

Die dritte Veranstaltung der Reihe “Erinnerungsort DDR” im Jahr 2015 thematisiert diesen Widerspruch zwischen der staatlichen Friedenspropaganda und der starken Militarisierung der DDR-Gesellschaft im Alltag und fragt, wie stark das Leben der Menschen davon beeinflusst wurde.

Begrüßung:
Dr. Jens Schöne (Stellv. Berliner Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen)

Impuls:
Oberst Prof. Dr. Matthias Rogg (Direktor des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr Dresden)

Podium:
  • Dirk Bachmann (Ministerium des Innern der DDR, letzter Polizeipräsident Ost-Berlins)
  • Oberst Prof. Dr. Matthias Rogg
  • Jutta Seidel (Mitbegründerin der “Frauen für den Frieden”)
  • Ralf Treptow (Schulleiter des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums in Berlin-Pankow, Vorsitzender der Vereinigung der Oberstudiendirektoren des Landes Berlin e. V.)

Moderation:
Dr. Marc-Dietrich Ohse (Historiker, Journalist)

14. Juli 2015

Medizin nach Plan.
Das Gesundheitswesen der DDR

Das Gesundheitssystem der DDR galt als eine Vorzeige-Errungenschaft des Sozialismus. Von Anfang an stand es unter dem parteipolitischen Anspruch, moderne und kostenlose Behandlung für jedermann zu ermöglichen. Die Arbeitskraft der Bevölkerung sollte so erhalten und gestärkt werden. Deshalb investierte der SED-Staat stark in Polikliniken und Vorsorgeuntersuchungen, in die Ausbildung des Personals und die medizinische Forschung. Doch immer deutlicher waren in der Praxis Engpässe bei der Versorgung mit Verbrauchsgütern, medizintechnischer Ausrüstung und Medikamenten zu spüren. Auch der zunehmende Mangel an Ärzten und Pflegekräften war ein allgegenwärtiges Problem.

Die vierte Veranstaltung der Reihe “Erinnerungsort DDR” geht diesen Widersprüchen nach: Wie sah der Alltag in Krankenhäusern und Polikliniken für Ärzte und Patienten aus? War die medizinische Versorgung tatsächlich für alle gleich? Taugt das Gesundheitswesen der DDR als Vorbild für heute?

Begrüßung:
Dr. Anna Kaminsky (Geschäftsführerin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur)

Impuls:
Dr. med. Rainer Erices (Institut für Geschichte und Ethik der Medizin Erlangen)

Podium:
  • Dr. med. Sabine Bergmann-Pohl (Ärztin, Bundesministerin a. D., Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft e. V.)
  • Dr. med. Rainer Erices
  • Prof. Dr. med. Jürgen Kleditzsch (Arzt, 1990 Minister für Gesundheitswesen der DDR)
  • Dr. med. Winrich Mothes (Arzt, Ehrenpräsident der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern)

Moderation:
Lilo Berg (Wissenschaftsjournalistin, Berlin)

8. September 2015

Macht und Meisterschaft.
Fußball in der DDR

Der Fußball spielte für die “Sportnation” DDR eine herausragende Rolle. Die SED-Führung hatte sich schon früh die politische Kontrolle über den Volkssport Nummer Eins gesichert und ihn in ihr Leistungssportsystem integriert. In keine andere Sportart wurden bis 1989 so viele finanzielle und personelle Ressourcen investiert wie in den massenwirksamen Fußball. International blieben die kickenden “Staatsamateure” dennoch meist hinter den Erwartungen von Funktionären und Fans zurück. Prestigeträchtige Erfolge wie der Sieg gegen die Bundesrepublik bei der WM 1974 blieben Ausnahmen. Der Ligabetrieb erfreute sich dennoch anhaltender Beliebtheit in der Bevölkerung: Über wenig wurde in der DDR wohl so leidenschaftlich diskutiert wie über die Fußballergebnisse vom Wochenende.

Die fünfte Veranstaltung der Reihe “Erinnerungsort DDR” im Jahr 2015 beschäftigt sich mit der Geschichte und der Bedeutung des Fußballs in der DDR. Wie und unter welchen politischen Vorgaben waren das Liga-System und die Vereine der DDR strukturiert? Welche Konfliktlinien ergaben sich dabei? Wieviel Einfluss besaß die Stasi? Wie entwickelte sich die Fankultur unter den Bedingungen der sozialistischen Diktatur?

Begrüßung:
Dr. Robert Grünbaum (stv. Geschäftsführer der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur)

Impuls:
Hanns Leske (Sporthistoriker)

Podium:
  • Jürgen Croy (Rekordtorwart der DDR-Fußballnationalmannschaft)
  • Bernd Heynemann (1980-2001 Fußballschiedsrichter)
  • Hanns Leske
  • Frank Willmann (Journalist und Autor)

Moderation:
Oliver Fritsch (Sportredakteur Zeit Online)

13. Oktober 2015

Landleben.
Alltag im “sozialistischen” Dorf

Fast ein Drittel der DDR-Bevölkerung lebte auf dem Land. Die von der SED forcierte sozialistische Umgestaltung der Gesellschaft veränderte auch den Alltag der Menschen in den Dörfern des “Arbeiter- und Bauernstaates”. Bodenreform und Kollektivierung, die Proletarisierung des Bauernstandes und die Industrialisierung der Landwirtschaft brachen die traditionellen dörflichen Sozialmilieus auf. Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften traten an die Stelle von Einzelbauern und Familienbetrieben, gigantische Ackerflächen und Monokulturen ersetzten die herkömmliche Bewirtschaftung. Doch zwischen Viehzuchtkombinat und ländlicher Idylle, zwischen ideologisch aufgeladenen “Ernteschlachten” und rauschenden Dorffesten blieben bäuerliche Lebensweisen und Werte bestehen. Auch sie prägten den Alltag jenseits der großen Städte.

Die sechste Veranstaltung der Reihe “Erinnerungsort DDR” im Jahr 2015 thematisiert das Landleben im Sozialismus: Inwieweit unterschied sich der Alltag der Landbevölkerung in der DDR-Mangelwirtschaft von dem der Menschen in den Zentren? Wie stark war der Einfluss des SED-Staates in den Dörfern zu spüren? Gab es auf dem Land gar besondere Freiheiten und Rückzugsmöglichkeiten, von denen Stadtbewohner nur träumen konnten?

Begrüßung:
Dr. Andreas H. Apelt >(Bevollmächtigter des Vorstandes der Deutschen Gesellschaft e. V.)

Impuls:
Dr. Jens Schöne (Historiker, Stellv. Berliner Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen)

Podium:
  • Petra Nadolny (Schauspielerin und Autorin)
  • Dr. Barbara Schier (Kulturwissenschaftlerin)
  • Dr. Jens Schöne
  • Dr. Gerald Thalheim (Diplomlandwirt, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium a. D.)

Moderation:
Peter Lange (Chefredakteur Deutschlandradio Kultur)

10. November 2015

Drushba!?
Die deutsch-sowjetische Freundschaft

Die Beziehungen zwischen der UdSSR und dem SED-Staat waren bestimmt von der Ausgangslage des 1945 etablierten Besatzungsregimes und der Gründung der DDR nach sowjetischem Vorbild. Die SED proklamierte die deutsch-sowjetische Freundschaft als “Herzenssache aller Deutschen” und zeichnete ein stark idealisiertes Bild des “Großen Bruders”: “Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen” lautete das allgegenwärtige Motto. Den meisten Menschen in der DDR erschien der sozialistische Bruderbund mit der Sowjetunion jedoch als Zwangsgemeinschaft. Als 1985 Michail Gorbatschow an die Macht kam, verkehrte sich diese Situation ins Gegenteil. Glasnost und Perestroika weckten großes Interesse in der Bevölkerung, während die SED-Führung versuchte, sich vom Reformeifer des einstigen großen Vorbilds zu lösen.

Die siebente Veranstaltung der Reihe “Erinnerungsort DDR” im Jahr 2015 widmet sich den vielschichtigen und teilweise widersprüchlichen Beziehungen zwischen der DDR und der UdSSR. Welche Entwicklung nahmen sie im Laufe ihrer Geschichte? Welche offiziellen und inoffiziellen Möglichkeiten der Begegnung zwischen den Menschen gab es? Wie erlebten die DDR-Bürger im Alltag die “fremden Freunde”, die vornehmlich als Soldaten im Land stationiert waren?

Begrüßung:
Martin Gutzeit (Berliner Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen)

Impuls:
Dr. Stefan Wolle (Wissenschaftlicher Leiter des DDR Museums Berlin)

Podium:
  • Dr. Jan C. Behrends (Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam e. V.)
  • Dr. h. c. Friedrich Dieckmann (Schriftsteller)
  • Thomas Krüger (Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung)
  • Dr. Stefan Wolle

Moderation:
Dr. Volker Weichsel (Zeitschrift Osteuropa)

8. Dezember 2015

Datsche, Kneipe, FKK.
War die DDR eine “Nischengesellschaft”?

Der Rückzug ins Private galt vielen DDR-Bürgern als Möglichkeit, sich dem Zugriff von Partei und Staat zu entziehen und sich Freiräume in der Diktatur zu schaffen. Mit dem Begriff “Nischengesellschaft” charakterisierte Günter Gaus diese Beobachtung aus dem Alltagsleben der DDR. Ob in der Familie oder im Freundeskreis, im Kleingarten mit Datsche oder am FKK-Strand, beim Briefmarkensammeln oder in der Hausmusik – hier fänden die Menschen ihr “individuelles Glück im Winkel”. Nach dem Ende der DDR wurde diese These vielfach als Erklärungsversuch für die historisch-politische Einordnung des SED-Staates genutzt.

25 Jahre nach der deutschen Einheit geht die Abschlussveranstaltung der Reihe “Erinnerungsort DDR” der Frage nach, ob sich die SED-Diktatur im Rückblick tatsächlich als “Nischengesellschaft” charakterisieren lässt. Kann man Freizeit und Hobby wirklich aus dem staatlich reglementierten Alltag herauslösen? Nutzte, bekämpfte oder tolerierte die SED die als Nischen bezeichneten privaten Lebenswelten ihrer Bürger? Verfügten die Nischen über eine gesellschaftliche Ventilfunktion, die das diktatorische Regime stabilisierten, oder entwickelte sich in ihnen gar politischer Widerstand, der zum Sturz der SED-Herrschaft beitrug?

Begrüßung:
Dr. Anna Kaminsky (Geschäftsführerin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur)

Impuls:
Prof. Dr. Dr. h. c. Richard Schröder (Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft e. V.)

Podium:
  • Michael “Pankow” Boehlke (ehem. Punk-Sänger und Publizist)
  • Prof. Dr. Wolfgang Böhmer (Ministerpräsident a. D.)
  • Iris Gleicke, MdB (Parlamentarische Staatssekretärin und Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer)
  • Dr. Jakob Hein (Psychiater und Schriftsteller)
  • Prof. Dr. Dr. h. c. Richard Schröder

Moderation:
Dr. Jacqueline Boysen (Journalistin)