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BABcast – Folge 2: „Das mache ich nicht mit!“ – Wahlen in der DDR

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In dieser Folge des BABcast beschäftigen wir uns mit den Wahlen in der DDR, oder genauer: dem Wahlbetrug, dem Nachweis des Wahlbetrugs und den darauffolgenden Protesten im ganzen Land.

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Bild: BAB/Bogun Dunkelau

Frei, geheim und gleich – das waren die Wahlen in der DDR nicht. Die SED nutzte die Wahlen als Instrument zur vermeintlichen Legitimierung ihrer Macht – nach innen und außen. Dafür war der SED fast kein Aufwand zu hoch. Bereits im Vorfeld der Wahlen lief die Propagandamaschine der SED heiß. Der Wahlkampf in der DDR bestand weniger daraus, die Menschen für die Interessen verschiedener Parteien zu gewinnen: es ging ausschließlich darum, die Menschen überhaupt zum Wählen zu bewegen. Was gewählt werden sollte war klar: die Kandidatinnen und Kandidaten der Einheitsliste der Nationalen Front, also dem Zusammenschluss der SED mit den Blockparteien und den Massenorganisationen. Die Wählerinnen und Wähler mussten den Wahlzettel nur falten und in die Urne stecken – das war eine Ja-Stimme für die Einheitsliste. Wer eine Nein-Stimme abgeben wollte, der musste mühevoll jeden einzelnen Namen auf der Liste durchstreichen. Etwas, was man für gewöhnlich in der Wahlkabine machte. Doch schon der Gang zur Kabine war ein Risiko, das die wenigstens Menschen in Kauf nahmen.
So bekam die Einheitsliste auch immer eine hohe Zustimmung, angeblich bis zu 99%. Dass dieses Ergebnis nicht stimmen konnte, war den meisten Menschen in der DDR klar. Nachweisen konnte man es allerdings erst bei den Kommunalwahlen im Jahr 1989. Dieser Nachweis des Wahlbetruges hatte Folgen. Ab da an versammelten sich an jedem siebten eines Monats Menschen, um gegen das Unrecht zu protestieren. Proteste, die schließlich zu den Massendemonstrationen und nicht zuletzt zum Zusammenbruch des Systems beitrugen.

In der Folge „Das mache ich nicht mit!“ – Wahlen in der DDR reden wir darüber, was Wählen in der DDR bedeutete, was es brauchte, um sich dem Wahlritual zu widersetzen und was dazu geführt hat, dass im Mai 1989 der Wahlbetrug nachgewiesen werden konnte. Wir reden über Risiko, Angst und den Mut, sich trotzdem gegen den Staat aufzulehnen.

Unser Gast: SED-Opferbeauftragte Evelyn Zupke

Evelyn Zupke am 8. November 2019 im Bode-Museum während einer Festveranstaltung zum 30-jährigen Jubiläum des Mauerfalls
Evelyn Zupke am 8. November 2019 im Bode-Museum während einer Festveranstaltung zum 30-jährigen Jubiläum des Mauerfalls.
Bild: RHG/Frank Ebert

Evelyn Zupke, Jahrgang 1962, ist die erste Bundesbeauftragte für die Opfer der SED-Diktatur. Schon in ihrer Schulzeit begehrte sie gegen die Regeln der SED auf. Die Folgen bekam sie schnell zu spüren: So durfte sie zwar noch Abitur machen, danach aber nicht studieren. Zu-nächst arbeitete sie als Kellnerin in Binz. Nachdem sie die Wahl verweigert hatte, bekam sie auch dort Schwierigkeiten und ging nach Ost-Berlin. Dort gehörte sie ab 1987 zum Weißenseer Friedenskreis, einer oppositionellen Gruppe. Bei der Kommunalwahl im Mai organisierte sie Wahlbeobachtungen im Bezirk Weißensee mit. Damit konnte der Wahlbetrug nachgewiesen werden.

Evelyn Zupke (2. v. l.) und weitere Mitglieder des Weißenseer Friedenskreises im Sommer 1989: Das Foto ist für die Presse im Westen gedacht, falls jemand verhaftet worden wäre. V. l. n. r.: Ralph Skörries, Evelyn Zupke, Beate, Gunter Seifert (IM des MfS), Klaus Kupler und Frank Pfeiffer.
Bild: Robert-Havemann-Gesellschaft/Siegbert Schefke/RHG_Fo_HAB_10146