Nachruf auf Pfarrer Hans Simon

Förderer und Freund der Umwelt-Bibliothek in Berlin

Hans Simon bunt
Bild: Robert-Havemann-Gesellschaft/ Frank Ebert

Im Alter von 84 Jahren starb in Potsdam-Hermannswerder Pfarrer in Ruhe Hans Simon. Simon war von 1984 bis 1997 Pfarrer an der Berliner Zionskirche. In den Räumen seiner Gemeinde entstand und arbeitete mit seiner maßgeblichen Unterstützung ab 1986 die Ost-Berliner Umwelt-Bibliothek, eine der wichtigsten Oppositionsgruppen in der DDR.

Hans Simon war bereits in jungen Jahren mit der Diktatur in Konflikt geraten und 1953 aus politischen Gründen von der weiterführenden Schule verwiesen worden. Das Abitur konnte er deshalb nur am staatlich nicht anerkannten Kirchlichen Oberseminar Potsdam-Hermannswerder ablegen. Ein Studium war mit diesem Abschluss nur an einer kirchlichen Hochschule möglich. Simon studierte Evangelische Theologie in Berlin und wurde in der Folge Landpfarrer in Thüringen. Nach Station als Pfarrer im Brandenburgischen übernahm er in einer politisch aufregenden Zeit den Pfarrdienst an der Zionskirche.

Regelmäßig musste er sich für sein Engagement rechtfertigen

Nicht zuletzt auf Anregung von Simons Frau erhielt mit Zustimmung des Gemeindekirchenrats eine Gruppe der sich formierenden Oppositionsbewegung Kellerräume im Pfarrhaus der Zionskirche zur Nutzung. Hier wurden in der Folgezeit die Samisdat-Zeitschrift „Umweltblätter“ und weitere diverse Untergrundpublikationen gedruckt. Hans Simon hatte dabei mit vielfältigen Widerständen zu kämpfen. Regelmäßig musste er sich für sein Engagement für die zumeist jungen Leute vor staatlichen Stellen und der Kirchenleitung rechtfertigen. Doch auch die Gruppe, bestehend aus nicht nur kirchlich sozialisierten Schülern, Lehrlingen, Schichtarbeiterinnen, Punks, Langhaarigen, Künstlern unterschiedlichen Alters, war nicht immer einfach im Umgang und alles andere als leicht in das traditionelle Gemeindeleben zu integrieren. Sie ging über den kirchlichen Rahmen hinaus mit all ihren systemkritischen Aktivitäten an die Öffentlichkeit, was den Machtapparat der kommunistischen Staatspartei auf den Plan rief. Ein Höhepunkt der Auseinandersetzung mit dem SED-Staat war die Durchsuchung der Umwelt-Bibliothek durch den Generalstaatsanwalt und Staatssicherheit sowie die Verhaftung von Mitarbeitern im Jahr 1987. Es war der erste Zugriff des Staates auf kirchliche Räume seit den 1950er Jahren. In all diesen Auseinandersetzungen blieb Simon ein menschlich zugewandter Freund und unermüdlicher Ermutiger der oppositionellen Arbeit.

Ein kämpferischer und lebensfroher Förderer der DDR-Opposition

Hans Simon praktizierte, was Dietrich Bonhoeffer, der in den frühen 1930er Jahren ebenfalls an der Zionskirche tätig war, als „Kirche für andere“ beschrieben hatte: „Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist.[ …] Sie muss an den weltlichen Aufgaben des menschlichen Gemeinschaftslebens teilnehmen, nicht herrschend, sondern helfend und dienend.“ Die politischen Implikationen des Evangeliums haben Simon zeitlebens beschäftigt. Der Theologe, Pfarrer, Freund und Mensch Hans Simon wird als energischer, kämpferischer und lebensfroher Förderer und Begleiter der Opposition in der DDR in Erinnerung bleiben.