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Neue Info-Tafeln auf dem Campus für Demokratie übergeben

Orientierung auf dem Ex-Stasi-Gelände jetzt einfacher

Besucher des Campus für Demokratie, der ehemaligen Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg, können sich auf dem weitläufigen Areal jetzt besser zurechtfinden. Dafür sorgt ein neues Informations- und Leitsystem mit Info-Stelen zur Geschichte des historischen Ortes.

Die Tafeln geben einen Überblick über die Geschichte des Areals und bieten Informationen zur heutigen Nutzung der Gebäude. Vier Tafeln sowie drei digitale Stelen stehen im Innenhof des Campus. 14 weitere Info-Tafeln befinden sich in den Straßen, die den Campus umgeben, und am benachbarten Roedeliusplatz.

Die Erarbeitung der Inhalte auf den Tafeln wurde durch zivilgesellschaftliche Vereine unterstützt. Das System wird ergänzt durch einen Online-Rundgang, der über QR-Codes vor Ort abrufbar ist.

Info-Stelen vor Haus 22 auf dem Campus für Demokratie
Info-Stelen vor Haus 22 auf dem Campus für Demokratie
Bild: BAB/Menke-Schersch

Die Umsetzung des Kooperationsprojekts zog sich über rund zwei Jahre hin. Die vorläufigen Gesamtkosten belaufen sich auf ca. 438.000 Euro.

Rund 50 Gäste kamen zur Übergabe der Infostelen am 11. Mai 2022. Neben Vertretern der Projektbeteiligten war auch Berlins Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel gekommen. „Ein so politisch besetzter Ort muss in seiner Besonderheit erhalten und für Menschen sichtbar gemacht werden“, sagte der Senator in seinem Grußwort. Orte wie der ‚Campus für Demokratie‘ hätten nationale Bedeutung. Ihn zu gestalten, sei eine städtebaulich und baukulturell anspruchsvolle Aufgabe. „Es geht um zentrale Fragen der Stadtplanung, der Kultur- und Erinnerungspolitik“, betonte Geisel. „Aus diesem Grund habe ich entschieden, den laufenden Bebauungsplan auf die Landesebene zu ziehen und von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen weiter bearbeiten zu lassen.“

Übergabe neuer Infotafeln in der Ex-Stasi-Zentrale
von links: Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel, die Vorsitzende des Kulturausschusses im Bundestag Katrin Budde, die Vizepräsidentin des Bundesarchivs Alexandra Titze, Berlins Aufarbeitungsbeauftragter Tom Sello, Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Michael Grunst
Bild: BAB/Menke-Schersch

Die Vorsitzende des Kulturausschusses im Bundestag, Katrin Budde, zeigte sich erfreut über das neue Informations- und Leitsystem. „Der Campus für Demokratie, dieser wichtige Ort der Erinnerungskultur bekommt die Aufmerksamkeit und die Achtung, die er verdient. Das neue Informations- und Leitsystem ist ein wichtiger Schritt, um noch mehr Besucherinnen und Besucher herzulocken.“ Die SPD-Politikerin setzt sich seit vielen Jahren für die Weiterentwicklung der ehemaligen Stasi-Zentrale ein.

Die 21 Tafeln sind ein Gemeinschaftsprojekt des Stasi-Unterlagen-Archivs im Bundesarchiv, des Bezirks Berlin-Lichtenberg und des Berliner Beauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Alexandra Titze, Vizepräsidentin des Bundesarchivs, nannte das Wegeleitsystem einen wichtigen nächsten Schritt zur Weiterentwicklung des Campus für Demokratie. „Es macht das Gelände für Besuchende erfahrbarer und es zeigt eine weitere Stärke des Campus: Die Zusammenarbeit vieler verschiedener Akteure aus Land, Bund und Zivilgesellschaft.“

Der Berliner Beauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Tom Sello, freut sich über den Abschluss des Projekts: „Die neuen Informationstafeln erleichtern den Zugang zur besonderen Geschichte des Ortes und den vielfältigen Angeboten vor Ort. Sie zeigen das große Potential des Areals als Erinnerungsort und lebendiges Zentrum in Lichtenberg.“ Jetzt gelte es, in einer gemeinsamen Anstrengung von Berlin und Bund die Entwicklung des Campus für Demokratie energisch voranzubringen.

Auch Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Michael Grunst setzt auf die Weitentwicklung der früheren Stasi-Zentrale: „Der ‚Campus für Demokratie‘ muss noch stärker ein Ort werden, der über Diktatur und Widerstand aufklärt, und für Demokratie und die europäische Idee wirbt. Mit dem Info-Tafeln wird ein weiterer Schritt getan, damit der Campus für Demokratie in der öffentlichen Wahrnehmung sichtbarer wird.“ Der Linke-Politiker dankte den Projektbeteiligten für ihren Einsatz und würdigte den breiten Beteiligungsprozess.

Berlins Aufarbeitungsbeauftragter Tom Sello bei der feierlichen Übergabe des neuen Informations- und Leitsystems auf dem Campus für Demokratie
Berlins Aufarbeitungsbeauftragter Tom Sello bei der feierlichen Übergabe des neuen Informations- und Leitsystems auf dem Campus für Demokratie
Bild: BAB/Menke-Schersch

Zum Hintergrund:

Ziel des Leitsystems ist es, allen, die das Gelände besuchen, eine gute Orientierung zu bieten, auf aktuelle Angebote hinzuweisen und die Bedeutung des historischen Ortes kompakt zu vermitteln. Bereits 1945 hatte die Sowjetische Militäradministration rund um den Roedeliusplatz einzelne Gebäude beschlagnahmt und sie für ihren Unterdrückungsapparat genutzt. Ab 1950 organisierte auf dem rund sieben Hektar großen Gelände eine stetig wachsende Zahl an Stasi – Mitarbeitern (zuletzt fast 7.000) vom Hauptsitz des Ministeriums für Staatssicherheit aus die Überwachung und Unterdrückung der DDR-Bevölkerung. Durch seine zweifache Repressionsgeschichte vermittelt das Gelände mit vielen Dutzend Gebäuden eindrucksvoll die Mechanismen von Diktaturen. Zudem ist das Gelände ein wichtiger Ort der Friedlichen Revolution und deutscher Demokratiegeschichte. Im Januar 1990 drangen ostdeutsche Demonstranten in die Zentrale der DDR-Geheimpolizei ein und entrissen der SED endgültig ihr wichtigstes Machtintstrument. Die Öffnung der Stasi-Akten wurde nach monatelangen Diskussionen durch eine Besetzung des Archivs der Staatssicherheit im September 1990 entscheidend befördert.

Zum Herunterladen:

Standorte der Info-Stelen im Straßenraum am Campus für Demokratie

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