140 Jahre Standesamt Charlottenburg

Villa Kogge
Bild: Landesarchiv
140 Jahre Standesamt Charlottenburg, Aufgaben und Standorte im Wandel – so lautet der Titel des Buches, das vom Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin in Zusammenarbeit mit „Nicolai – dem Hauptstadtverlag“ und freundlicher Unterstützung des „Verlags für Standesamtswesen“ im September 2014 erschien.

Anlass ist ein besonderes Jubiläum: Am 1. Oktober 1874 trat das Preußische Gesetz über die Beurkundung des Personenstandes in Kraft. Das Gesetz regelte fortan die Registerführung über personenstandsrechtliche Ereignisse zunächst in Preußen und ab 1876 in ganz Deutschland, und ersetzte in neuer Qualität die bis dahin geführten Kirchenregister. Was sich hier kurz in zwei Sätzen abbilden lässt, war seinerzeit eine einschneidende Veränderung und mit besonderer Sorgfaltspflicht behaftet. Dabei gab es viele organisatorische Dinge zu regeln, sei es die Aufgabenwahrnehmung – und damit verbunden die Auswahl des Personals als Standesbeamte, die Erreichbarkeit der zu errichtenden Standorte oder auch die Aufbewahrung der entstehenden Register. Hierzu hat der Autor Thomas Wolfes inhaltlich historisch recherchiert und die Ergebnisse niedergeschrieben. Dabei beschränkt er sich nicht nur auf das Standesamt, sondern sieht vielmehr auch den direkten Bezug zur Entwicklung Charlottenburgs von damals bis heute.

Charlottenburg, zu diesem Zeitpunkt eigenständige Stadt im unmittelbaren Einzugsbereich zu Berlin gelegen, war aufgrund seiner Lage und der sich daraus ergebenden Möglichkeiten in einem enormen Wachstumsprozess und entwickelte sich rasant von einer Ackerbürgerstadt zu einer modernen Großstadt vor den Toren Berlins. Dies forderte die Verwaltung stets heraus und beeinflusste auch die Entwicklung des Standesamtes. Heute lässt sich das insbesondere an den vielen Ortswechseln des Standesamtes nachvollziehen. Aber auch die damit verbundenen Probleme und die besonderen Anforderung an die Standesbeamten werden in dem Buch dargestellt. Besonderheiten, wie die schwierige Zeit des Ersten und des Zweiten Weltkriegs finden ebenso Platz wie die Gründung Berlins und die Nachkriegszeit in einer geteilten Stadt. Auch die Wiedervereinigung und die Entwicklung über die Bezirksfusion bis zur aktuellen Situation des Standesamtes sind nachlesbar. Dabei lesen sich manche Passagen aus älteren Zeiten wie aktuelle Verwaltungsberichte, insbesondere wenn es um die Raum- und Finanzlage der Verwaltung geht.

Ergänzt und aufgelockert wird das Buch durch verschiedene Exkurse der Autorin Sylvia Brenke, die aus dem täglichen leben des Standesamtes erzählt, die Gesetzesänderungen an Hand von Beispielen veranschaulicht und auch die Veränderungen in der Gesellschaft, die Auswirkungen auf das Standesamt und sein Handeln haben, Nahe bringt. So gibt es neben Betrachtungen zu Vor- und Familiennamen auch die eine oder andere Kuriosität nachzulesen.

Auch „Charlottenburger-Urgesteine“ kommen zu Wort. Hierzu gab es im vergangenen Jahr einen Aufruf in der Presse und aus den eingereichten Materialien sind wunderschöne Zeitzeugenberichte geworden.

Dem jetzigen Standort des Standesamts Charlottenburg – der Villa Kogge – ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Seit 1959, also seit nunmehr 55 Jahren, hat das Standesamt in dieser Villa seinen schönsten Standort inne. Die spätklassizistische Villa von 1866 des Holzhändlers Albert Kogge ist seit 1910 im Eigentum der Stadt Charlottenburg und damit heute des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin. Als Eheschließungsstandesamt ist sie weit über die Grenzen Berlins hinaus bekannt und zählt zu den 100 schönsten Standesämtern Deutschlands.

140 Jahre Personenstandswesen ist darüber hinaus ein kleiner Grund zum Feiern. Am 1. Oktober 2014 fand daher in der Villa Kogge, ein kleiner Festakt statt, zu dem die zuständige Bezirksstadträtin Frau Dagmar König herzlichst einlud. Für die Musikalische Umrahmung sorgte die Musikschule des Bezirks. Die Buchpräsentation erfolgte in Form einer Autorenlesung und auch eine kleine begleitende Ausstellung wurde an diesem Abend in der Villa Kogge eröffnet.

Dagmar König: „Neben all den vielen Aufgaben und Entscheidungen, die in Zeiten knapper Kassen nicht immer nur positiv behaftet sind, ist es auch für mich etwas besonderes, erleben zu können, dass aus einer ursprünglich kleinen Idee – der Standortrecherche – nun ein so umfangreiches Gesamtwerk geworden ist. Ich möchte mich insbesondere bei dem „Nicolai-Verlag“ bedanken, ohne den diese Veröffentlichung nicht in einer so hervorragenden Art und Weise hätte erfolgen können.“

Selbstverständlich kann das Buch auch käuflich zum Preis von € 24,95 erworben werden.