178. Kiezspaziergang

Vom S-Bahnhof Westend zur Roten Brücke über dem Karpfenteich im Schlosspark

Bezirksstadtrat Marc Schulte

Bildvergrößerung: Kartenskizze Kiezspaziergang 08.10.2016
Bild: BA-CW

Treffpunkt: S-Bahnhof Westend, nördliche Seite des Spandauer Damms
Länge : ca. 2,3 km

Herzlich willkommen zu unserem 178. Kiezspaziergang. Vor 150 Jahren ist der Gartenarchitekt Peter Joseph Lenné gestorben, zu seinen Ehren wird die zweite Hälfte unseres Spaziergangs durch einen Teil des Schlossparks gehen, den Lenné zu einem englischen Landschaftsgarten umgestaltet hat.

Aber fangen wir von vorne an: Wir beginnen unseren Spaziergang an der Gipsformerei der Staatlichen Museen Berlin, gehen dann die Sophie-Charlotten-Straße entlang zum Abwasserpumpwerk der Berliner Wasserbetriebe, wo uns der Vorstandsvorsitzende der Berliner Wasserwerke, Herr Jörg Simon, / die Leiterin der Abwasserentsorgung der Berliner Wasserwerke, Frau Ulrike Franzke, empfangen wird. Dann schauen wir uns die Entwicklung des Geländes des ehemaligen Charlottenburger Bürger-Hospitals an, das eine lange spannende Geschichte hat und gerade zu einer Wohnanlage umgebaut wird. Von dort geht es zur privaten Wirtschaftshochschule ESCP. Der Heubnerweg ist von besonderem Interesse, weil er im Dritten Reich umbenannt wurde und früher Frankweg hieß. Adolph Frank, ein bedeutender in Charlottenburg wirkender Chemiker und Unternehmer, ist vor hundert Jahren gestorben. Bevor wir uns in den Park begeben, kommen wir noch an der Seniorenwohnanlage, der ehemaligen Puls-Stiftung in der Pulsstraße vorbei. Der Kiezspaziergang endet auf der roten Brücke am Karpfenteich im Schlosspark.

Bevor wir beginnen, möchte ich Ihnen die Daten des Novemberspaziergangs mitteilen. Treffpunkt ist der Karmielplatz am südöstlichen Eingang zum S-Bahnhof Grunewald, Zeitpunkt, wie immer, 14 Uhr am zweiten Samstag im Monat, das ist im November der 12. Vom Karmielplatz aus geht es zum Mahnmal Gleis 17, um unseren jüdischen Mitbürger und Mitbürgerinnen zu gedenken. Auf dem Weg zum Haus Eichkamp führt der Spaziergang zur am Studentenwohnheim Eichkamp im Dauerwaldweg vorbei. Im Haus Eichkamp im Zikadenweg 42 a werden die Kiezspaziergänger und -gängerinnen von Herrn Brunke und Herrn Wohlfeld empfangen. Die beiden stellen die Arbeit des Hauses vor. Im Zikadenweg befinden sich auch Reihenhäuser von Bruno Taut, der mit seinem Bruder Max die Siedlung Eichkamp geplant hat. Max Taut wohnte auch in Eichkamp: im Lärchenweg 15. Der Kiezspaziergang endet am S-Bahnhof Messe Süd.

Station 1: Spandauer Damm / S-Bahnhof Westend

Wir stehen hier am Bahnhof Westend. Er war bei seiner Einrichtung ab 1877 ein stattlicher Bahnhof, der zur Anbindung der Villenkolonie Westend angelegt worden war. Er hatte vier Bahnsteige und mehrere Kehrgleise. [Kehrgleise ermöglichen es den Zügen, die Richtung zu wechseln. M.L.] Das Empfangsgebäude auf der anderen Seite wurde 1883-1884 von den Architekten Heinrich Joseph Kayser und Karl von Großheim im Stil der Neorenaissance entworfen und steht heute unter Denkmalschutz.

1993 wurde der Bahnsteig C bei der Inbetriebnahme des Südringes wieder eröffnet. Dazu wurden zwei neue Zugangsgebäude in Stahl-Glas-Konstruktion von der Spandauer-Damm-Brücke aus errichtet. Sowohl nördlich als auch südlich der Bahnsteige befindet sich heute jeweils eine Abstell- und Wendeanlage.

Wir gehen nun um die Ecke in die Sophie Charlotten-Straße und treffen uns vor dem Eingang der Gipsformerei wieder.

Station 2: Sophie-Charlotten-Straße 17/18

Station 2.1: Sophie-Charlotten-Straße / Herkunft des Namens
Sophie Charlotte war die erste preußische Königin. Die gebürtige hannoveranische Prinzessin wurde 1668 im Schloss Iburg bei Osnabrück geboren. Am 8.10.1684 heiratete sie den brandenburgischen Kurprinzen Friedrich III. 1701 krönte sich Friedrich III. zum König Friedrich I. von Preußen und auch Sophie Charlotte wurde Königin. 1696 erhielt sie das Gut Lietzow, auf dem sie das Schloss Charlottenburg bauen ließ. 1699 wurde es zum Geburtstag des Kurfürsten eingeweiht. Sophie Charlotte starb 1705 an einer verschleppten Erkältung. Ihr Schloss wurde Sommerresidenz der preußischen Könige, die sie umgebenden Gebäude im selben Jahr zur Stadt Charlottenburg. Ihr Schlossgarten war einer der ersten Gärten in den deutschen Ländern, die nach den französischen Barockgärten angelegt wurden. Wir werden nachher den Schlosspark besichtigen, legen aber den Akzent auf den Teil, der im englischen Landschaftsstil angelegt ist.

Station 2.2: Sophie-Charlotten-Straße 17/18 / Gipsformerei der Staatlichen Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Die Gipsformerei ist die älteste Einrichtung der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz und wurde 1819 durch den preußischen König Friedrich Wilhelm III., dem Gatten von Königin Luise, gegründet. In der Zeit des Klassizismus war die Nachfrage nach antiken Werken stark gestiegen und Gipsabgüsse wurden teuer aus Italien importiert. Mit der Herstellung von Abgüssen erhoffte sich der Staat eine neue Einnahmequelle. Als Leiter des Unternehmens wurde jemand gesucht, der sowohl über bildhauerischen und gusstechnischen Sachverstand als auch über Kunstsinn verfügte. Die Wahl fiel auf Christian Daniel Rauch, den bedeutendsten klassizistischen Bildhauer in Preußen. Zunächst befand sich die Gipsformerei in Kellerräumen des Alten Museums auf der Museumsinsel. 1842 zog sie in ein Gebäude an der Münzstraße in der Nähe des Alexanderplatzes. 1889 bis 1891 wurde dann dieses Haus nach Plänen des Königlichen Landbauinspektors Johannes Merzenich gebaut. Eine wichtige Rolle für den Umzug spielte die Nähe der Eisenbahn. In den oberen Geschossen befinden sich die Werkstätten und das Lager. In der Gipsformerei werden Repliken gefertigt, überwiegend nach Originalen aus Berliner, aber auch aus anderen europäischen Museen. Jeder Interessierte kann hier einen Abguss bestellen. Mit über 7000 Formen von Kunst- und Museumsobjekten ist die Gipsformerei neben dem Atelier de Moulages des Louvre die weltgrößte derartige Institution. Das älteste Stück ist die 25.000 Jahre alte Venus von Willendorf, der größte Abguss die 42 Meter hohe Mark-Aurel-Säule aus Rom und der kleinste ein ägyptischer Skarabäus in Fingernagelgröße. Die Sammlung umfasst Stücke aus allen Epochen und aus unterschiedlichen Kulturkreisen. Vieles hat nicht nur kunsthistorische Bedeutung, sondern manchmal sind es auch die einzigen verbliebenen Stücke, da die Originale in Kriegen oder durch Schadstoffe aus der Umwelt zerstört oder beschädigt wurden.

Es wird nach überlieferten und neuen Herstellungsverfahren gearbeitet. Mit 3D-Scanverfahren kann man heute berührungslose Abformungen erstellen. Einzelteile aus Einzelformen werden aus einer speziellen Mischung aus Alabaster-Gips gegossen, zusammengefügt, nachbearbeitet und bemalt. So entsteht das Replikat eines Kunstwerks. Es werden auch Bronzeabgüsse angefertigt. Im werktäglich geöffneten Verkaufsraum sind Skulpturen ausgestellt, die auch gekauft werden können. Die Gipsformerei bietet laufend Führungen an. Wer sich dafür interessiert: Die nächste ist am Mittwoch, den19.10.16, um 16 Uhr. Eine Anmeldung unter der Telefonnummer: 266 42 4242 ist erforderlich.

Wir gehen nun weiter bis zur Sophie-Charlotten-Straße 113 auf der anderen Straßenseite.

Station 3: Sophie-Charlotten-Straße 113

Das gesamte Ensemble der Häuser auf diesem Gelände stehen unter Denkmalschutz, die Häuser 1, 2 und 4 auch als Einzeldenkmal. 1907/1908 ließ der Magistrat von Charlottenburg in der Sophie-Charlotten-Straße 113 ein Asyl für Obdachlose bauen. Architekt war Hans Winterstein. Hans Winterstein lebte von 1864 bis 1946. Er war freier Architekt und Magistratsbaurat von Charlottenburg. Die Wintersteinstraße ist nach ihm benannt. Das heutige Haus 1 war die Aufnahme und das heutige Haus 4 die Unterkunft. Beide sind im Stil des Historismus gebaut. 1927/1928 wurde das Ensemble durch ein Gebäude von Rudolf Walter ergänzt. Rudolf Walter ist uns als Architekt ebenfalls schon mehrfach auf Kiezspaziergängen begegnet. Er hat beispielsweise das Parkwächterhäuschen im Lietzenseepark oder das Ledigenheim in der Danckelmannstraße gebaut. Auch Rudolf Walter war Magistratbaurat in Charlottenburg und war Zeitgenosse von Hans Winterstein. Er lebte von 1864 bis 1941. Das Asyl für Obdachlose, heute Haus 2, passt sich durch seine Klinkerbauweise an die beiden anderen Gebäude an, ist aber im Stil der 20er Jahre gebaut.

Heute befinden sich auf dem Grundstück der deutsch-spanische Kindergarten Girasoles, die Vereinsräume der armenischen Gemeinde, Seniorenwohnungen, die vom Wilhelmstift im Ernst-Bumm-Weg bewirtschaftet werden, und Wohnungen verschiedener Art und Größe. Es können auch Hausgemeinschaften gegründet werden. Zudem gibt es generationenübergreifendes Wohnen. Das Grundstück bietet viele weitere Möglichkeiten: Mietergärten, Kleintierhaltung, Spielflächen, Treffpunkte und PKW-Stellflächen im hinteren Bereich. Hinten gibt es auch einen direkten Zugang zum Schlosspark Charlottenburg. Kinderbetreuung steht durch den bilingualen Kindergarten zur Verfügung.

Der Kindergarten Girasoles – girasoles sind Sonnenblumen – liegt rechts in dem vorderen Gebäude, was als Haus 1 bezeichnet wird. Wie bereits gesagt, ist es ein deutsch-spanischer Kindergarten. Spanisch wird von ungefähr 350 Millionen Menschen gesprochen und ist damit nach Englisch die meistgesprochene Sprache der Welt. Die Fähigkeit kleiner Kinder mehrere Sprachen gleichzeitig zu lernen, wird hier genutzt. In jeder Gruppe gibt es einen muttersprachlich spanischen und deutschen Erzieher bzw. Erzieherin. Es wird Yoga, Schwimmen und Judo angeboten. Auch auf Musik wird Wert gelegt. Ausflüge in Bibliotheken, Museen und in die Natur gehören regelmäßig dazu. Mit den Kindern werden naturwissenschaftliche Experimente durchgeführt. Der Kindergarten kooperiert mit der spanisch-deutschen Joan-Miró-Grundschule in der Bleibtreustraße 43, so dass die Kinder auch nach dem Kindergarten weiterhin beide Sprachen regelmäßig gebrauchen können.

Die Armenische Gemeinde zu Berlin wurde 1923 als erste armenische Gemeindeorganisation in Deutschland gegründet. Zunächst waren es Überlebende des Genozids an den Armeniern von 1915/16, die nach Berlin kamen. Dann wanderten sie mit den anderen „Gastarbeitern“ aus der Türkei ein. Sie kamen aber auch aus dem Libanon während des Bürgerkriegs dort, aus dem Iran nach der Islamischen Revolution 1979 und aus der Sowjetunion. Die Armenier in Deutschland kommen also aus ganz unterschiedlichen Kulturkreisen. Seit April 2013 residiert die armenische Gemeinde in dem sogenannten Saal bei Haus 4. Das Gemeindehaus wird Hay Dun genannt. In der Samstagsschule werden armenische Sprache und Geschichte unterrichtet. Es werden von der armenischen Gemeinde traditionelle religiöse Feierlichkeiten, Vorträge, literarische und musikalische Abende, Kolloquien und Ausstellungen organisiert.

Wir gehen nun auf den Hof des Abwasserpumpwerkes der Berliner Wasserbetriebe. Hier begrüße ich ganz herzlich den Vorstandsvorsitzenden der Berliner Wasserbetriebe Herrn Simon / die Leiterin der Abwasserentsorgung Frau Franzke.

Station 4: Mollwitzstraße 1

Station 4.1: Abwasserpumpwerk der Berliner Wasserbetriebe
Bevor ich das Mikrofon weiterreiche, möchte ich Ihnen gerne etwas zur Geschichte der Abwasserentsorgung in Charlottenburg erzählen. Mit der massiven Bevölkerungszunahme Ende des 19. Jahrhunderts wuchs das Problem der Abwasserentsorgung. Deshalb dachte der Magistrat der Stadt Charlottenburg bereits in 70-er Jahren des 19. Jahrhunderts über Lösungsmöglichkeiten nach. Der Antrag des Magistrats, die Abwässer in die bereits bestehenden Anlagen der Stadt Berlin einzuleiten, wurde vom Magistrat der Stadt Berlin abgelehnt. Nur Randgebiete der Stadt, wie zum Beispiel die Gegend um den Nollendorfplatz und die Kurfürstenstraße oder Martinikenfelde, heute Moabit, wurden entwässerungstechnisch an das Berliner Radialsystem VII und VIII angeschlossen. Radialsysteme sind Pumpwerke, die an verschiedenen tiefen Punkten in der Stadt gebaut wurden und zu denen das Abwasser fließen konnte. In den Radialsystemen wurde das Abwasser dann gesammelt und auf die Rieselfelder außerhalb Berlins gepumpt. Die Stadtverordnetenversammlung Charlottenburg beschloss daraufhin 1885 eine eigene Kanalisation zu bauen, orientierte sich aber am System der Berliner.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Pumpwerk zerstört und nach dem Krieg wieder aufgebaut. Das Hauptpumpwerk Charlottenburg ist im Moment das einzige noch mit Personal besetzte Pumpwerk in Berlin.

Heute stehen wir vor ähnlichen Herausforderungen wie Ende des 19. Jahrhunderts. Berlin wächst, und auch die Wasserbetriebe investieren, damit die Infrastruktur auf dem neuesten Stand bleibt. Insgesamt werden in den kommenden Jahren zwei Milliarden Euro in die Werke und Netze fließen. Auch hier am Standort ist viel geplant. Dies wird uns jetzt Herr Simon / Frau Franzke erläutern. Herr Simon ist Vorstandsvorsitzender der Berliner Wasserbetriebe / Frau Franzke ist die Abwasserchefin in Berlin und damit Chefin über sechs Klärwerke, 10.000 Kilometer Abwasserleitung, 160 Pumpwerke und über 1000 Beschäftige.

Wie bereits Herr Schulte ausführte, beschloss die Stadtverordnetenversammlung Charlottenburg nach dem Nein aus Berlin den Bau einer eigenen Abwasserentsorgung, und zwar eine Schwemmkanalisation nach dem Mischsystem. Dabei wurde Abwasser und Regenwasser in gemeinsamen Kanälen abgeleitet und von einem Pumpwerk auf Rieselfeder zur Reinigung gepumpt. In die Straßen wurden unter den Gehwegen auf jeder Straßenseite Tonrohre aus glasiertem und gebranntem Ton von 24 cm bis 60 cm Durchmesser verlegt. Zur Ableitung des Regenwassers wurden im Abstand von ca. 60 m Regeneinläufe eingebaut. Die Straßenleitungen münden in eiförmige, meist begehbare Kanäle mit Höhen zwischen 1,0 m und 2,1 m. Diese Kanäle enden hier am Pumpwerk, dem topographisch tiefsten Punkt des Entwässerungssystems. Notauslasskanäle dienen dazu, bei Starkregen die Wassermassen den öffentlichen Wasserläufen zuzuführen. Bis zum Jahr 1905 wurden 112 km Tonrohrleitungen, 25 km Kanäle und 5 km Notauslässe gebaut. Diese Anlagen wurden mit dem stetigen Wachstum der Stadt erweitert.
Das Pumpwerk selbst bestand aus dem Kessel- und Maschinenhaus, dem Beamtenwohnhaus und einem Wirtschaftsgebäude. Das Beamtenwohnhaus ist noch in seiner ursprünglichen Form erhalten.
Für das Maschinenhaus waren 6 Dampfkolbenpumpen vorgesehen, eine Erweiterung auf
8 Maschinen ist später realisiert worden. Als Antriebsenergie wurde im angrenzenden Kesselhaus Dampf durch die Verfeuerung von Kohle erzeugt.
Das Abwasser wurde durch zwei Druckleitungen mit 0,55 m und 0,75 m Durchmesser auf die Rieselfelder in Karolinenhöhe gefördert. Zur Reinigung der Abwässer wurden durch die Stadt Charlottenburg die Rieselfeldflächen mit einer Größe von 838 ha angelegt, hiervon wurden 272 ha berieselt. Auf diesen Flächen wurden Gras, Rüben und Gartenfrüchte angebaut. Die Anlagen gingen am 6. Oktober 1890 in Betrieb. Bis zum Jahr 1906 wurden auch die Abwässer der Gemeinden Schöneberg, Wilmersdorf, Friedenau, Schmargendorf und Grunewald aufgenommen. Das Pumpwerk wurde im 2. Weltkrieg stark zerstört und in der Nachkriegszeit wieder aufgebaut.
Das Dampfzeitalter ging in den 60-er Jahren zu Ende. Das Pumpwerk wurde von Dampf auf Elektro- und Dieselbetrieb umgebaut, die alten Maschinenanlagen verschwanden. Zusätzlich wurden drei Regenüberlaufbecken mit je 1000 m³ Inhalt gebaut. Sie befinden sich unter der Straße und dem Hof des Pumpwerkes. Die Maschinenausstattung ist bis heute in Betrieb.
Mit der Inbetriebnahme des Klärwerks Ruhleben in den 60-er Jahren wurde die Beschickung des Rieselfeldes sukzessive reduziert und später ganz aufgegeben.
Das Hauptpumpwerk Charlottenburg ist das einzige noch mit Personal besetzte Pumpwerk der Berliner Wasserbetriebe, alle anderen Anlagen werden heute von einer Leitzentrale überwacht und ferngesteuert. Durch die installierte alte Technik mit Ansaugbetrieb ist eine Automatisierung nicht möglich, außerdem ist die Bausubstanz nach mittlerweile 126 Jahren Betrieb verschlissen.
Das Pumpwerk wird in den kommenden Jahren durch einen Neubau auf der gegenüberliegenden Straßenseite an der Sophie- Charlottenstraße auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofes ersetzt. Hier entstehen ein neues Regenüberlaufbecken mit 7000 m³ Inhalt sowie ein neues Pumpwerk. Diese Anlage wird dann ohne Bedienpersonal vor Ort betrieben. Die Förderleistung beträgt bei Trockenwetter ca. 24.000 m³/d, bei Regen werden bis zu 900 l/s zum Klärwerk Ruhleben gefördert.

Vielen Dank, Herr Simon / Frau Franzke!

Station 4.2: Charlottenburger Güterbahnhof
Wir haben ja soeben gehört, was die Berliner Wasserbetriebe auf dem Gelände des ehemaligen Charlottenburger Güterbahnhofs planen. Der Güterbahnhof Charlottenburg wurde 1879 unter der Bezeichnung Güterbahnhof Westend angelegt. Noch erhalten sind das eingeschossige Pförtnerhaus von 1894 im neogotischen Stil und ein Güterschuppen von 1892/93.

Wir befinden uns an der Ecke zur Mollwitzstraße, deshalb noch ein Hinweis zur Bezeichnung der Straße.

Station 4.3: Mollwitzstraße / Herkunft des Namens
Die Mollwitzstraße heißt seit dem 30.7.1897 nach dem Ort Mollwitz (heute: Malujowice) in Schlesien. Während des ersten schlesischen Kriegs siegte Preußen 1741 in Mollwitz in einer Schlacht gegen Österreich.

Wir gehen nun in den Vorgarten des ehemaligen Charlottenburger Bürger-Hauses.

Station 5: Mollwitzstraße 12 / Ehemaliges Städtisches Bürgerhaus / Später Max-Bürger-Krankenhaus / Heute Wohnanlage Joli Cœur

Neben dem Schlosspark wurden um 1900 städtische Wohlfahrtseinrichtungen und Kliniken angesiedelt. Das Kaiserin-Auguste-Viktoria-Säuglingsheim, die Puls-Stiftung, das Asyl für Obdachlose, vor dem wir ja gerade standen, und hier das Bürgerhaus.

Als “Bürgerhäuser” oder “Bürgerhospitäler” wurden im 19. Jahrhundert Häuser bezeichnet, die zur Aufnahme von mittellosen alten oder chronisch Kranken, den sogenannten “Siechen” dienten. 1898 bekam der Charlottenburger Architekt Paul Bratring vom Magistrat, den Auftrag ein solches zu bauen. Bratring wurde 1840 in Charlottenburg geboren und starb dort 1913. Er war von 1881 bis 1905 Magistratsmitglied und Stadtbaurat. Bratrings Entwurf sah eine hufeisenförmige Anlage um eine Gartenanlage vor, die sich zur Mollwitzstraße hin öffnete. Zwischen 1899 und 1901 wurden der vier- bis fünfgeschossige Haupttrakt und der Westflügel in Ziegelsichtbauweise errichtet. Aus Geldmangel musste jedoch der Bau des Ostflügels am heutigen Heubnerweg fallen gelassen werden. Die Gartenanlagen wurden von der Traditionsgärtnerei Ludwig Späth angelegt. Im Jahr 1911 waren 110 Zimmer für 360 Personen vorhanden. Nach Bratrings Tod wurde von 1913 bis 1915 der Westflügel entlang der Sophie-Charlotten-Straße vom Architekten Heinrich Seeling erweitert. Heinrich Seeling wurde 1852 geboren und war von 1907 bis zur Eingemeindung Charlottenburgs Stadtbaurat. Er starb 1932. Von den Kiezspaziergängen ist er uns als Theaterarchitekt bekannt. Unter anderem baute er den Vorgängerbau der Deutschen Oper. Der Westflügel diente zunächst als Waisenhaus, in dem 114 Waisenkinder betreut werden konnten. Ab 1933 wurde der Komplex zum Hospital. 1935 betrug die Kapazität 642 Betten, 1941 738 Betten. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage schwer beschädigt. 1944 wurden die bettlägerigen Patienten auf Dauer in den Kellern untergebracht, da man sie nicht bei jedem Bombenalarm dorthin bringen konnte. Für drei Wochen diente sie nach Kriegsende der russischen Besatzungsmacht als Kaserne und Lazarett. 1945 bis 1955 wurde die Anlage wieder aufgebaut, ein Hörsaal für die Frauenklinik der Freien Universität errichtet und eine neue Operationsabteilung. Weitere Modernisierungen folgten. Bis 1958 war die Frauenklinik der FU hier untergebracht.

1960 verfügte das Städtische Bürgerhaus über 550 Betten und wurde danach schrittweise zu einer Klinik für Geriatrie umgebaut. Das Städtische Krankenhaus zur Therapie älterer Menschen schloss sich 1975 mit den Städtischen Krankenhäusern Wilmersdorfs zusammen und wurde 1984 mit seinen fünf Standorten in “Max-Bürger-Krankenhaus” umbenannt. Hier gab es den ersten Streichelzoo zur Unterstützung der Therapie älterer Menschen. 2001 übernahm Vivantes den Komplex als Klinik für Geriatrie und verlagerte die Klinik 2002 in das Wenckebach-Krankenhaus. Daraufhin wurde das Haus geschlossen.

2007 verkaufte Vivantes das gesamte Grundstück zwischen Mollwitz- und Pulsstraße bzw. Sophie-Charlotten-Straße und Heubnerweg, also einschließlich des Geländes der ehemaligen Pulsklinik, zu der ich später noch etwas sagen werde. Käufer des rund viereinhalb Hektar großen Areals war die britische Comer Group, die dort Wohnungen errichten wollten. Doch 2012 wurde das Grundstück weiterverkauft, und zwar an den Immobilienfonds Activum SG Capital Management mit Sitz in Jersey. Dieser Fonds ist darauf spezialisiert, Immobilien in Deutschland günstig einzukaufen und gewinnbringend weiterzuentwickeln.

In den denkmalgeschützten Gemäuern des Bürgerhospitals und einigen ergänzenden Neubauten, die man teilweise hier schon sehen kann, hat das Unternehmen begonnen, rund 500 neue Wohnungen zu schaffen. Das Projekt ist in fünf Bauabschnitte aufgeteilt. Im Westflügel des einstigen Bürgerhauses sind inzwischen kleinere Wohnungen entstanden. Auch der zweite Bauabschnitt im Haupttrakt mit größeren Wohnungen für Eigennutzer ist fast fertiggestellt. Der einst vom Architekten Bratring vorgesehene Ostflügel, nun als Neubau, ist bereits bezogen und die Hufeisenform der Anlage damit vollständig. Insgesamt sind in dem ehemaligen Bürgerhospital 195 Wohnungen fertig.

Im letzten Bauabschnitt soll der hintere Teil des Areals, die ehemalige Pulsklinik, ebenfalls zur Wohnnutzung entwickelt werden. Es sind 6 Stadthäuser mit je 39 Eigentumswohnungen und 6 Gartenhäuser mit je 20 Eigentumswohnungen geplant. Die Häuser werden vier bis fünf Geschosse haben. Zur Pulsstraße hin wird es Blockrandbebauung mit insgesamt 124 Eigentumswohnungen geben. Die Quadratmeterpreise liegen zwischen € 3500,00 und € 5000,00 pro m². Die Wohnungen sind zwischen 52 m²und knapp 300 m² groß. Unter den Neubauten werden drei Tiefgaragen mit ca. 500 Stellplätzen angelegt – also mindestens ein Parkplatz pro Wohnung. Die Tiefgaragen werden direkt von den umliegenden Straßen erreichbar sein, so dass die gesamte Wohnanlage autofrei bleibt. Auf 500 m² ist Gewerbe vorgesehen.

Wir gehen nun weiter bis zur nächsten Ecke.

Station 6: Heubnerweg / Ecke Mollwitzstraße

Station 6.1: Heubnerweg / Herkunft des Namens
Otto Heubner wurde 1843 in Obersachsen geboren. Heubner war Internist und Kinderarzt. Er gilt als einer der Väter der Kinderheilkunde in Deutschland. Als ausgebildeter Internist erkannte Heubner früh die Notwendigkeit einer eigenen pädiatrischen Disziplin. Da sich die Leipziger Universität weigerte, ihm einen ordentlichen Lehrstuhl für Kinderheilkunde einzurichten, ging Heubner 1894 an die Charité. Bis zu seiner Emeritierung 1913 machte er sich um die Durchsetzung hygienischer Standards verdient, was zu einer signifikanten Reduzierung der Säuglingssterblichkeit an seiner Klinik führte. Er erkannte auch die politische und soziale Dimension vieler Krankheiten und wurde ein engagierter Vorkämpfer für Kinderfürsorge und Kinderschutz. Sein 1903 herausgegebenes Lehrbuch der Kinderheilkunde blieb jahrzehntelang das Standardwerk in deutscher Sprache. Er starb 83-jährig an den Folgen eines Schlaganfalls.

Der Heubnerweg hieß allerdings einmal anders, denn von 1918 bis 1938 war er nach dem Chemiker, Unternehmer und Charlottenburger Stadtrat Adolph Frank benannt. Die Nationalsozialisten lehnten Adolph Frank wegen seiner jüdischen Herkunft als Namensgeber der Straße ab und benannten sie am 17.9.1938 um. Anlässlich des 100. Todestages von Adolph Frank am 30. Mai diesen Jahres wurde auf die Initiative seiner Geburtsstadt Klötze hin ein Straßenergänzungsschild angebracht, das jetzt wieder an ihn erinnert.

Adolph Frank wurde am 20. Januar 1834 in Klötze in der Altmark geboren. 1860 entdeckte er die Kalisalzlager bei Staßfurt und Leopoldshall. Er erkannte die Bedeutung von Kalisalz als Dünger und errichtete 1861 in Staßfurt die erste Kalifabrik. Auch nach der Übernahme einer Charlottenburger Glashütte 1867 trug er viel zur Weiterentwicklung der Kaliindustrie in Deutschland bei. In seiner Glashütte, wahrscheinlich am heutigen Charlottenburger Ufer, wurden Flaschen hergestellt. Auf ihn geht zum Beispiel auch die Braunfärbung der Bierflasche zurück. Damit wird das Bier vor der Einwirkung von Licht geschützt. Nachdem Frank 1885 seine Tätigkeit in der Glasindustrie aufgegeben hatte, war er vorwiegend in der Acetylenindustrie tätig. In den 90er Jahren entwickelte er Kalkstickstoff. Dieser wurde zur Grundlage für den landwirtschaftlich genutzten Stickstoffdünger. In der Folge kam es zu einer sprunghaften Vergrößerung der verfügbaren Anbauflächen und des Ertrags pro Fläche. Auch forschte er zusammen mit Carl Linde an der Gewinnung von Wasserstoff für die Luftschifffahrt. Laut einer Notiz bei Kauperts Straßenführer verdankt ihm Charlottenburg „den Aufschwung der Gaswerke sowie die moderne Gasbeleuchtung. Charlottenburg war die erste deutsche Stadt, die das Gasglühlicht für die Straßenbeleuchtung einsetzte.“ Adolph Frank war 38 Jahre lang Mitglied der Stadtverordnetenversammlung Charlottenburg. Er starb am 30. Mai 1916 in Charlottenburg und ist auf dem Luisenfriedhof II begraben.

Station : 6.2: Mollwitzstraße 3-5 / Wohnheim für Studierende
In den Hochhäusern hier an der Ecke betreibt das Studentenwerk ein Wohnheim für Studierende. Es wurde 1969 erbaut und stellt Einzelapartments zur Verfügung, die mit einer Kleinküche sowie Dusche und WC ausgestattet sind. Die Zimmer verfügen über eine Grundmöblierung. Es gibt einen Fitnessraum, ein Billardzimmer, einen Tischtennisraum, Waschmaschinen und eine große Gemeinschaftsküche mit Backherd sowie Partyräume und einen Kinoraum. Am Wohnheim gibt es ein Basket- und Volleyballfeld und einen Grillplatz. Fahrräder können sicher im Fahrradkeller untergestellt werden. Die Apartments kosten zwischen € 184,00 und € 233,00.

Station 6.3: Heubnerweg 2 / Schlossparkklinik
Die Schlossparkklinik wurde 1970 als erstes privates Krankenhaus in Berlin eröffnet. Die Klinik war zunächst als Hotel geplant worden. Eine Gruppe privater Investoren wollte 1968 ein Hotel an der Budapester / Ecke Nürnberger Straße erbauen. Der Bauantrag wurde aber nicht genehmigt, die Berliner Gesundheitsverwaltung schlug stattdessen vor, ein Krankenhaus zu eröffnen. Daraus ergab sich, für damalige Verhältnisse sehr ungewöhnlich, dass der 24 Millionen DM teure Bau des Krankenhauses komplett privat finanziert wurde.

Die Schlossparkklinik ist ein Krankenhaus für die Akut- und Regelversorgung sowohl für gesetzlich als auch für privat Versicherte. Es gibt 9 Fachabteilungen und zusätzlich ambulante Einrichtungen. Die Klinik hat knapp 340 Betten.

Im Laufe der Zeit erfolgten mehrfach Um- und Neubauten. Acht Jahre nach Eröffnung kam 1978 das Schlosspark-Hotel hinzu. Nachdem bereits 2003/04 einige neue OP-Säle gebaut wurden, entstand 2009 ein neuer Bettentrakt. 2010 wurde eine Notaufnahme eröffnet. Seit 2013 gibt es eine zertifizierte Abteilung für die Schlaganfallbehandlung. Das Krankenhaus betreut auch Angehörige des Diplomatischen Dienstes. Koordiniert wird dies durch den International Medical Service.

Station 6.4: Heubnerweg 2 a / Park-Klinik Sophie Charlotte
Ein paar Schritte weiter im Heubnerweg 2a befindet sich seit 2009 eine hundertprozentige Tochter der Schlosspark-Klinik die Park-Klinik Sophie Charlotte. Sie ist eine Privatklinik für Psychiatrie und Psychosomatik in Berlin. Hier werden nur privatversicherte Patienten und Selbstzahler behandelt. Sie bietet eine stationäre Behandlung für maximal 35 Personen und hält 20 Tagesklinikplätze bereit. Behandelt werden depressive Erkrankungen und Erschöpfungszustände sowie Psychosen, Neurosen, psychosomatische, posttraumatische und Sucht-Erkrankungen.

Station 7: Heubnerweg 8-10 / Ehemaliges Kaiserin-Auguste-Viktoria-Haus / Heute: Europäische Wirtschaftshochschule ESCP Europe

Das Kaiserin-Auguste-Viktoria- Haus wurde von 1907 bis 1909 zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit im Deutschen Reich gebaut. Architekten waren Ludwig Hoffmann, Alfred Messel und Edmund May. Als Vorbild für das Hauptgebäude diente vor allem das Barockgebäude des Kammergerichts in der Berliner Lindenstraße, in dem sich heute das Jüdische Museum befindet.

Der Komplex besteht aus vier Einzelgebäuden und ist im neobarocken Stil gebaut. Die beiden querstehenden zentralen Gebäude werden durch eine große Halle verbunden. Die beidseitigen langgestreckten Gebäude sind durch überdachte Gänge mit den Zentralgebäuden verbunden. Alle vier Gebäude sind 2 1/2-geschossig gebaut und mit Mansardwalmdächern bedeckt.

Um die Jahrhundertwende war die Säuglingssterblichkeit in Preußen sehr hoch. Dies lag daran, dass in den Krankenhäusern die Hygiene noch nicht in erforderlichem Maß eingeführt war. Zudem lebten die Frauen oft in ärmlichen Verhältnissen in Mietskasernen, mussten nach der Geburt relativ schnell wieder arbeiten gehen und konnten sich um ihre Babys nicht richtig kümmern. Die Stadt Charlottenburg baute zur Reduzierung der Säuglingssterblichkeit aber nicht nur das Kaiserin-Auguste-Viktoria-Krankenhaus, sondern richtete auch Milchhäuschen ein, bei denen die Frauen kostenlos Milch für ihre Kinder holen konnten.

Heute beherbergt das ehemalige Krankenhaus die ESCP Europe Campus Berlin sowie das Ressourcenzentrum für Genomforschung (RZPD) und die Proteinstrukturfabrik (PSF).

Die ESCP Europe ist eine private, staatlich anerkannte wissenschaftliche Wirtschaftshochschule. Sie verfügt neben ihrem Hauptcampus in Paris und dem Standort in Berlin über vier weitere Standorte in London, Madrid, Turin und Warschau. Die Hochschule führt transnationale Bachelor-, Master-, Promotions- und MBA-Programme sowie Seminare zur Weiterbildung von Managern durch. Das Kürzel ESCP steht für École Supérieure de Commerce de Paris, die 1819 von Unternehmern in Frankreich als erste Wirtschaftshochschule weltweit, gegründet wurde.

1973 wurde in Deutschland die EAP Europäische Wirtschaftshochschule als deutscher Ableger der transnationalen EAP (Auflösung der Abkürzung: École d’Administration de Paris) European School of Management in Düsseldorf gegründet. Sie entstand auf Initiative der Pariser Industrie- und Handelskammer, da französische Unternehmer Anfang der 1970er Jahre die Notwendigkeit sahen, Nachwuchsmanager auf das entstehende Europa vorzubereiten. 1985 zog die EAP von Düsseldorf nach Berlin und wurde 1988 vom Land Berlin als wissenschaftliche Hochschule anerkannt. 1997 zog die EAP in die ehemaligen Gebäude des Kaiserin-Auguste-Viktoria-Säuglingsheim ein. Beide Hochschulen fusionierten 1999 und heißen seit 2009 ESCP Europe.

Station 8: Einfahrt zur Pulsstraße 7

Station 8.1: Pulsstraße / Herkunft des Namens
Die Pulsstraße wurde 1915 nach dem Stifterpaar Johann und Karoline Puls benannt. Johann Puls starb 1895, Karoline Puls 1908, beide in Charlottenburg. Das Ehepaar hinterließ sein gesamtes Vermögen, das waren mindestens 4,8 Millionen Goldmark, der Stadt Charlottenburg für eine [ich zitiere] „Altersversorgungsanstalt für arbeitsunfähige Personen des Arbeiter- und Kleinbürgerstandes, Ehepaare oder einzelne, männliche auch weibliche Personen“.

Station 8.2: Pulsstraße 5-7 / Ehemaliges Puls-Stift / Heute: Seniorenwohnhaus am Schlossgarten
Die Stadt Charlottenburg richtete hier mit der Puls-Stiftung ein Altersheim für 150 Personen ein und zahlte den Bewohnern aus der Stiftung jährlich einen Zuschuss von 200 Mark. Architekt war Heinrich Seeling, Baubeginn 1914. 1916 konnten 227 Personen in Ein- und Zweibettzimmern aufgenommen werden, zunächst mit einer Gemeinschaftsküche. Später bekamen Ehepaare eigene Kochnischen und Alleinstehende Kochstellen in größeren Küchen.

Im März 1945 wurden der Mittelbau und ein Teil des Ostflügels bei einem Fliegerangriff zerstört, das Dach des Westflügels schwer beschädigt. 1955 bis 1956 wurden die Gebäude wieder instand gesetzt und alle Fassaden neu gestaltet. Die Häuser wurden schlicht verputzt und haben keine Balkone mehr. In der Eingangshalle befindet sich gegenüber der Tür an der Wand eine gußeiserne Tafel mit den Reliefporträts der Eheleute Puls.

Auf der Gedenktafel steht:

Die Eheleute
Johann Friedrich Moritz Puls
geb. 21 Juni 1895
und seine Ehefrau
Karoline Elfriede Dorothea
geborene Hartmann
geb. 1 Juli 1908
Bürger unserer Stadt Charlottenburg
stifteten in hochherzigem Bürgersinn
durch Testament ihr ganzes Vermögen
zur Errichtung dieses Altersheims
das erbaut wurde in den Jahren
des Weltkrieges
1914 und 1915

August Vogel fecit MDCCCCXVIII

„Da steht das Haus, Wir ziehen mit Gottvertrauen ein,
Was gut soweit gediehen, Soll Gott befohlen sein,
Daß Feuer es verschone, Nicht breche Sturm das Dach,
Daß Fried im Innern wohne, Und Freud & Wohlgemach.”
(Johannes Trojan)

Heute ist hier das Seniorenwohnhaus am Schlossgarten. Das Haus hat 80 Ein- bis Vierzimmerwohnungen. Die Wohnungen haben alle Einbauküchen, Flur und Bad. Es gibt auch Gemeinschaftsräume. Das Haus ist barrierefrei zugänglich. Es gibt sogar Gästezimmer. Träger der Einrichtung ist das Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH.

Gegenüber befand sich die Pulsklinik oder das

Station 8.3 : Städtisches Krankenhaus für Geburtshilfe
Städtische Krankenhaus für Geburtshilfe, in dem bis 1996 viele Berliner Kinder das Licht der Welt erblickten. 1907 beschloss die Stadt Charlottenburg neben dem Städtischen Bürgerhaus-Hospital ein Krankenhaus für Geburtshilfe zu bauen. Es passte damit gut zum Kaiserin-Auguste-Viktoria-Säuglingsheim. Von 1911 bis 1913 wurde das Gebäude von Heinrich Seeling errichtet, der bereits die Erweiterungsbauten für das Bürgerhaus auf der anderen Seite des Grundstücks geplant hatte. Das Krankenhaus verfügte über 222 Erwachsenen- und 196 Säuglingsbetten. Kurz vor Kriegsende, 1945 erlitt vor allem das Verwaltungsgebäude schwere Kriegsschäden. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm 1948 die Frauenklinik der Freien Universität das Krankenhaus, seit 1950 mit Poliklinik. 1945 bis 1955 wurde die gesamte Anlage wieder instandgesetzt. 1955 errichtete das Charlottenburger Hochbauamt unter der Leitung von Carl Mohr ein neues Operationshaus mit Keller, Erd- und zwei Obergeschossen mit Flachdach. 1996 zog die Klinik ins Krankenhaus Westend.

Nun werden hier neue Wohnungen entstehen. Das Investitionsvolumen beträgt rund 200 Millionen Euro.

Wir gehen nun um die Ecke durch das Tor in den Schlosspark und treffen uns wieder an der kleinen Brücke geradeaus.

Station 9: Brücke im Schlosspark

Wir begehen dieses Jahr den 150. Todestag von Peter Joseph Lenné, der im Jahr seines 50. Dienstjubiläums mit 77 Jahren an einem Hirnschlag starb. Wir können aber auch noch ein weiteres Jubiläum Lennés benennen, denn vor genau 200 Jahren fing er an, in den preußischen königlichen Dienst zu treten. Er machte dort schnell Karriere und prägte die Gartenkunst und Stadtentwicklung in Preußen, aber auch darüber hinaus. Wichtigste Gartenkunstwerke von Lenné sind neben dem Schlosspark Charlottenburg der Park von Schloss Klein-Glienicke, Neuhardenberg in Brandenburg, Ruinenberg, Pfingstberg und die Pfaueninsel, um nur einige zu nennen. Wenn wir an Lenné denken, ist uns meist nicht bewusst, dass er auch in der Stadtplanung Großartiges geleistet hat. Er versuchte eine Stadtentwicklung für die Bevölkerung zu machen, großzügig, weiträumig mit Grünanlagen zur Regeneration der Menschen. So ist er auch verantwortlich für den Landwehrkanal und die Berlin-Spandauer Wasserstraße, die nicht nur für den wachsenden Transport wichtig waren, sondern von Lenné auch als Erholungsort für die Bevölkerung gedacht wurden. Wegen seiner regen Bautätigkeit nannten ihn die Berliner daraufhin Buddelpeter. In seinem Erläuterungsbericht zu den Schmuck- und Grenzzügen schrieb Lenné:

Überall war es bei vorliegendem Projekt mein Bemühen, die Verteilung des gegebenen Raumes so zu leiten, daß neben dem Nutzen, welcher der Gemein[d]e aus den neuen Anlagen geschaffen werden soll, auch dem Vergnügen der Einwohner sein Recht widerfahre. Denn je weiter ein Volk in seiner Kultur und in seinem Wohlstande fortschreitet, desto mannigfaltiger werden auch seine sinnlichen und geistigen Bedürfnisse. Dahin gehören dann auch die öffentlichen Spazierwege, deren Anlage und Vervielfältigung in einer großen Stadt nicht allein des Vergnügens wegen, sondern auch aus Rücksicht auf die Gesundheit dringend empfohlen werden muß.

Aber zurück zum Schlosspark: der englische Landschaftsgarten löste den Barockgarten ab. Hier in Charlottenburg waren Ende des 18. Jahrhunderts dafür federführend Johann August Eyserbeck aus Wörlitz und Georg Steiner, der uns bereits als Gestalter des Luisenkirchhofs I begegnet ist. Eyserbeck grub neue Kanäle aus und so entstanden die frühere Belvedere-Insel und die Luiseninsel. Lenné vollendete bis 1833 das Werk der beiden Gartenkünstler. Vom Barockgarten blieb nicht viel übrig. Charakteristisch für den englischen Landschaftsgarten ist der Versuch, natürliche Landschaften nachzuahmen und zu vervollkommnen. Geschwungene Wege, Baumgruppen, Wasserläufe, Teiche und Insel sind wichtige Gestaltungselemente, die wir hier schon beim ersten Blick wahrnehmen können. Aus dieser Zeit stammen das naturnahe Ufer des Karpfenteichs mit Büschen und Baumgruppen, zu dem wir gleich noch kommen, sowie die Luiseninsel westlich des Teichs. Wesentlich für Lennés Gartenkunst sind die Sichtachsen, die alles auf einander beziehen und visuell miteinander verbinden. An der nördlichen Grenze schüttete er einen Aussichtsberg auf, von dem aus man in die weite Landschaft im Norden, da stand ja damals noch nichts, und durch ein neu geschaffenes Sichtfenster auf die Schlosskuppel schauen konnte.

Auf dem Weg zum Belvedere können Sie die Stilelemente gut beobachten.

Station 10: Belvedere

1788 wurde nördlich der Gewässer das Belvedere errichtet, das damals noch auf einer Insel stand und nur mit einer Fähre erreichbar war. Belvedere kommt aus dem Italienischen, es steckt sowohl das Wort schön=bel und sehen=vedere darin. Carl Gotthard Langhans entwarf das ursprünglich als Aussichtsturm und Teehaus geplante und genutzte Gebäude für König Friedrich Wilhelm II. Man kann hier gut den Übergang vom Barock zum Klassizismus erkennen. Der Grundriss ist ein Oval mit vier Rechtecken. Eine kupferbeschlagene Kuppel schließt das Gebäude nach oben hin ab. Auf dieser stehen drei vergoldete Knaben, die einen Blumenkorb auf ihren Köpfen halten. Sie stammen von Karl Bobek, der im 20. Jahrhundert die ursprüngliche Gruppe von Johann Eckstein frei interpretierte. König Friedrich Wilhelm II. nutzte den Pavillon zu persönlichen Aufführungen kammermusikalischer Werke. Das Belvedere wurde durch einen Bombenangriff 1943 erheblich zerstört und zwischen 1956 und 1960 vereinfacht wieder aufgebaut. Heute befindet sich dort eine Sammlung von Meisterwerken der Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin.

Wir folgen jetzt dem Weg und gehen dann zweimal rechts bis zur roten Brücke.

Station 11: Rote Brücke über dem Karpfenteich

Nun kommen wir zu unserer letzten Station der roten Brücke über dem Karpfenteich, der wie bereits gesagt, von Johann Eyserbeck angelegt wurde. An dieser Stelle hat man einen schönen Blick auf das Schloss. Ich hatte ja schon erwähnt, dass Eyserbeck, Steiner und Lenné vom alten Barockgarten, den Königin Sophie-Charlotte 1697 anlegen ließ, bei ihrer Umgestaltung nicht viel übrig ließen. Gartenexperten und Denkmalpflegern der Gegenwart ist es zu verdanken, dass 1952 bis 1968 das barocke Meisterwerk preußischer Gartenkultur wieder rekonstruiert wurde. Der Barockgarten Sophie-Charlottes war eine der ersten Barockanlagen in den deutschen Ländern.

Wie in Versailles folgt die geometrische Gliederung einer zentralen Längsachse, die durch den Mittelpunkt des Schlosses hindurchführt. Die Sichtachse führt im Schlosspark zu einem weißen Marmorobelisken, den Sie da hinten erkennen können. Es ist ein Kunstwerk von Braco Dimitrijević aus dem Jahr 1979. Dimitrijević ist Konzeptkünstler aus Sarajewo und hat viele Interventionen in Landschaften realisiert. Er wurde mehrfach zur Documenta in Kassel und zur Biennale in Venedig eingeladen. Der Obelisk ist 10 m hoch. Auf einer Inschrift steht 11. März, ohne Jahresangabe. Er wollte damit ein Zeichen setzen für all die „anonymen“ Tage, an denen viel passiert ist, passiert und passieren wird, die aber nicht im kollektiven Gedächtnis sind. Inzwischen ist der 11. März mit den Attentaten auf die S-Bahn in Madrid 2004 verbunden, bei denen fast 200 Menschen ums Leben kamen.

Die Längsachse setzt sich südlich des Schlosses in der Schloßstraße fort. Der Barockgarten endet heute am Karpfenteich, der im barocken Original ein rechteckiges Wasserbassin war und im Norden einen Halbkreis bildete. In der Zeit von Königin Sophie Charlottes diente das mit der Spree verbundene Bassin als Hafen für die Gondeln und Boote, mit denen man zu Feierlichkeiten vom Berliner Stadtschloss nach Charlottenburg reiste. Ich könnte hier noch viel erzählen, aber ich denke, ich entlasse Sie jetzt zu einem Spaziergang auf eigene Faust durch diesen wundervollen Park und verabschiede mich von Ihnen.

Ich erinnere nochmal an den nächsten Kiezspaziergang. Er ist am Samstag, den 12.11.2016, wie immer um 14 Uhr. Treffpunkt ist der Karmielplatz am südöstlichen Eingang zum S-Bahnhof Grunewald.

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/
https://de.wikipedia.org/wiki/Adolph_Frank
http://geschichte.evonik.de/sites/geschichte/de/gesellschaften/skw-trostberg/frank_adolph/Pages/default.aspx
Straßennamen von A-Z : Lexikon der aktuellen Berliner Straßen und Plätze / hrsg. von Ernst Goder, Hans-Jürgen Mende [u.a.]. – Berlin : Ed. Luisenstadt, 1996