177. Kiezspaziergang

Vom U-Bahnhof Konstanzer Straße zum Evangelischen Campus Daniel

Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann

Bildvergrößerung: Kartenskizze Kiezspaziergang 10.09.2016
Bild: BA-CW

Treffpunkt: Nordwestlicher Ausgang des U-Bahnhofs Konstanzer Straße / Ecke Ballenstedter Straße
Länge : ca. 1,7 km

Herzlich willkommen zu unserem 177. Kiezspaziergang. Wir gehen heute durch die Ballenstedter Straße, in der ein interessanter Komplex mit Einfamilienhäusern steht. Von dort laufen wir an der Katharina-Heinroth-Grundschule, der Otto-von-Guericke-Oberschule und der geplanten Sporthalle vorbei zur Theaterkunst, dem größten deutschen professionellen Kostümverleih, wo uns Frau Fölster und Herr Siedersleben empfangen werden. Danach geht es über die Freie Volksbühne in der Ruhrstraße 6 in die Westfälische Straße, wo neue Wohnungen und eine jüdische Traditionsschule geplant sind. In der Münsterschen Straße können wir den Abenteuerspielplatz besuchen, wo uns Herr Taddiken seine Arbeit mit Kindern und Jugendlichen vorstellen wird. In der Brandenburgischen Straße 17 gibt es die älteste Schokoladenmanufaktur Berlins „Erich Hamann – Bittere Schokoladen“. Unser Kiezspaziergang endet auf dem Evangelischen Campus Daniel, wo uns Pfarrer Zakrzewski-Fischer empfangen wird.

Bevor wir unseren Kiezspaziergang beginnen, möchte ich Ihnen den Treffpunkt unseres nächsten Spaziergangs mitteilen. Wir treffen uns am Samstag, den 8.10.2016, um 14 Uhr am S-Bahnhof Westend auf der nördlichen Seite des Spandauer Damms. Der Spaziergang beginnt an der Gipsformerei der Staatlichen Museen Berlin, geht die Sophie-Charlotten-Straße entlang zum Abwasserpumpwerk der Berliner Wasserbetriebe. Dann schauen wir uns die Entwicklung des Geländes des ehemaligen Charlottenburger Bürger-Hospitals an, das zu einer Wohnanlage umgebaut wurde. Von dort geht es zur privaten Wirtschaftshochschule ESCP. Den Abschluss bildet ein ausgedehnter Spaziergang durch den Schlosspark Charlottenburg, der teilweise von Peter Joseph Lenné angelegt wurde. Wir begehen dieses Jahr das 150. Todesjahr von Lenné.

Station 1: Ballenstedter Straße 16

Station 1.1: Ballenstedter Straße / Herkunft des Namens
Die Ballenstedter Straße führt von der Brandenburgischen Straße bis zur Eisenzahnstraße. Sie wurde am 19.2.1911 nach der Stadt Ballenstedt in Sachsen-Anhalt benannt. Ballenstedt ist eine Kleinstadt am nördlichen Rande des Ostharzes in Sachsen-Anhalt. Durch die Stadt führt die Straße der Romanik.

Station 1.2: Ballenstedter Straße 14-16
Die elf vor uns stehenden Einfamilienhäuser wurden 1923-1924 von dem Architekten Alexander Klein entworfen. Es sind vorwiegend Doppelhäuser im neoklassizistischen Stil. Klein war von 1913 bis 1920 Stadtbaurat in Sankt Petersburg und hat sich bei diesen Häusern durch den Petersburger Klassizismus inspirieren lassen. Klein wurde 1879 in Odessa geboren und starb 1961 in New York. 1920 floh er aufgrund der Judenpogrome in Russland nach Berlin. Sein architektonisches Ziel war, die Kleinwohnungsgrundrisse mit ihren vielen unproduktiven Flächen zweckmäßig und wirtschaftlich zu gestalten. Er entwickelte dabei die „flurlose Wohnung“, indem er den dunklen Flur durch einen hellen Wohnzimmervorraum ersetzte. Der Grundriss wurde in zwei Raumgruppen aufgeteilt: auf der einen Seite Wohnzimmer, Esszimmer und Küche, auf der anderen Bad, Schlafzimmer und Ankleideraum mit Schränken. Seiner Vorstellung nach sollte jeder Grundrisstyp [ich zitiere] „eine seiner Nutzfläche entsprechende, bestimmte Bautiefe und Frontlänge“ haben. Als Jude wurde er 1933 mit Berufsverbot belegt. Deshalb ging Klein als Planungsexperte nach Israel, wo er zu einem der wichtigsten Städte- und Siedlungsplaner wurde.

Wir gehen nun weiter, biegen links in die Eisenzahnstraße und treffen uns wieder an der Ecke Westfälische / Münstersche Straße.

Station 2: Eisenzahnstraße / Ecke Westfälische Straße / Ecke Münstersche Straße

Station 2.1: Eisenzahnstraße / Herkunft des Namens
Die Eisenzahnstraße verläuft vom Kurfürstendamm und der Waitzstraße bis zum Hohenzollerndamm. Sie wurde am 8.1.1892 nach dem brandenburgischen Markgrafen und Kurfürsten Friedrich II. benannt. Friedrich II. wurde 1413 in Tangermünde geboren. Den Beinamen Eisenzahn bzw. der Eiserne erhielt er auf Grund seiner harten Haltung gegenüber den Landständen, um seine autoritäre und unabhängige Fürstenpolitik durchzusetzen. 1451 wurde das kurfürstliche Schloss, der Vorgängerbau des Humboldtforums, vollendet. Er stiftete 1465 den Dom und gründete mit der Anstellung von fünf Singeknaben den Berliner Domchor, die älteste musikalische Einrichtung der Stadt. Friedrich übergab 1470 nach erfolglosen Kämpfen gegen die Pommerschen Herzöge, in denen er die besetzte Uckermark nur teilweise zurückerobern konnte, die Herrschaft seinem Bruder Albrecht Achilles und zog sich auf die Plassenburg der Hohenzollern in Kulmbach zurück. Dort starb er ein Jahr später. Er wurde im Münster des Klosters von Heilsbronn in Franken bestattet.

Station 2.2: Katharina-Heinroth-Grundschule
Die Katharina-Heinroth-Grundschule heißt nach der deutschen Zoologin und Direktorin des Zoologischen Gartens Katharina Heinroth. Sie wurde als Katharina Berger am 4. Februar 1897 in Breslau geboren und starb am 20. Oktober 1989 in Berlin. Nach einem vom Vater gewünschten Pädagogikstudium studierte sie Zoologie, Botanik, Geographie und Geologie an der Universität Breslau und promovierte 1923 mit summa cum laude über das Hörvermögen von Reptilien. Sie forschte in verschiedenen Gebieten. Dazu gehörte das Leben der Bienen, die mitteleuropäische Vogelwelt und etwas abstrakter das Verhalten von Tieren. 1945 wurde Katharina Heinroth zur ersten Direktorin des Zoologischen Gartens ernannt. Ihr großes Verdienst ist der Wiederaufbau des Zoos nach dem Zweiten Weltkrieg.

In der Katharina-Heinroth-Grundschule lernen 500 Kinder. Großer Wert wird auf das aktive Forschen und Erleben sowie das selbständige Arbeiten während der Schulzeit gelegt. Es gibt 20 Klassen, davon gehören zwölf zur deutsch-polnischen Europaschule. Interessant ist, wie die Sprachen auf die Fächer aufgeteilt sind. Die Alphabetisierung findet in der jeweiligen Muttersprache statt, im 2. Schuljahr wird dann in der jeweils anderen Sprache das Schreiben und Lesen gelernt. Auf Deutsch werden folgende Fächer unterrichtet: Mathematik, Kunst, Sport, Religion und Lebenskunde. Auf Polnisch lernt man in den Fächern Sachkunde, Geschichte, Geographie, Naturwissenschaften und Musik. Neben den üblichen Klassenzimmern und einer Aula gibt es auch zwei Musikräume, eine Schülerbibliothek, eine deutsch-polnische Bibliothek, einen Computerraum und eine Küche, in der die Schüler und Schülerinnen kochen lernen können. Es gibt auch zahlreiche Wettkämpfe und kulturelle Veranstaltungen, wie Theater und Konzerte der Schüler und Schülerinnen. Am 22.1.2014 wurde die Schule mit der Plakette „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ausgezeichnet.

Die Katharina-Heinroth-Grundschule befindet sich in dem von 1905 bis 1907 von Otto Herrnring für die damalige Goetheschule, ein Reformrealgymnasium, errichteten Schulgebäude. Von Otto Herrnrings Gebäuden haben wir auf unserem letzten Kiezspaziergang bereits drei gesehen: das Marie-Curie-Gymnasium, die Birger-Forell-Grundschule und das Gemeindehaus der Vaterunser-Kirche, hier also ein weiterer Schulbau von ihm. Auch das Gebäude der Otto-von Guericke-Oberschule, an der wir gleich vorbeigehen werden, wurde von ihm entworfen. Otto Herrnring wurde 1896 Gemeindebaurat in Wilmersdorf und 1907 nach der Verleihung des Stadtrechts an Wilmersdorf Stadtbaurat. Herrnring starb 1921.

Wir überqueren nun die Straße und treffen uns wieder vor der Otto-von-Guericke-Schule.

Station 3: Eisenzahnstraße 47-48 / Otto-von-Guericke-Oberschule

Die Otto-von-Guericke-Oberschule ist eine Ganztagsschule mit einem musischen Schwerpunkt. Es wird dort neben den allgemeinen Fächern u.a. Musik, Tanz, Musical und Bildende Kunst unterrichtet. Die Schule wurde nach Plänen von Otto Herrnring und Philipp Nitze erbaut. Zunächst war in dem Gebäude die Königin-Mathilde-Schule, eine höhere Mädchenschule, untergebracht. Später wurde aus der Schule das Hohenzollern-Lyzeum, an dem die Mädchen bis zur Hochschulreife lernen konnten. Diese bestand bis 1945. Von 1945 bis 1951 entstand aus der Einheitsschule die Volksschule und nach Einführung der drei Oberschulzweige die 2. Oberschule technischen Zweiges in Wilmersdorf. Passend zu diesem technischen Zweig erhielt die Schule am 13.11.1958 den Namen Otto-von-Guericke-Schule. Otto von Guericke ist uns schon auf zahlreichen Kiezspaziergängen begegnet. Er wurde 1602 in Magdeburg geboren und starb 1686 in Hamburg. Seine wissenschaftliche Hauptleistung ist die Begründung der Vakuumtechnik. Berühmt ist sein Experiment mit den sogenannten Magdeburger Halbkugeln: Auf dem Reichstag zu Regensburg 1656/57 legte Guericke zwei große Halbkugeln aus Kupfer mittels einer Dichtung zusammen und pumpte die Luft aus dem Inneren heraus. Anschließend wurden vor jede Halbkugel nacheinander achtzehn Pferde gespannt, die sie auseinanderreißen sollten, was aber nicht gelang. Als die Kugeln wieder mit Luft gefüllt wurden, fielen sie von selbst auseinander. Die Originalkugeln und die Luftpumpe wurden übrigens 1906 von Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Viktoria zur Verbesserung der Beziehungen zwischen dem Königreich Bayern und Preußen dem Deutschen Museum in München übereignet.

Wir treffen uns ein paar Schritte weiter vor dem Baugelände Eisenzahnstraße 45.

Station 4: Eisenzahnstraße 45 / Sporthalle Eisenzahnstraße

Neben dem Gelände der Otto-von-Guericke-Oberschule in der Eisenzahnstraße 45 wird in Kürze ein Leuchtturmprojekt des Bezirks gebaut: eine dreifeldige, doppelstöckige Sporthalle. Es ist ein Projekt, für das bereits 1998 ein städtebaulicher Wettbewerb ausgeschrieben worden war, bisher aber die Mittel zum Bau fehlten. Die Finanzierung erfolgt aus dem Sondervermögen Infrastruktur der Wachsenden Stadt (SIWA) in Höhe von 4,95 Mio. Es handelt sich hier um Mittel aus Haushaltsüberschüssen der letzten Jahre. Das Geld reicht erst einmal nur für das untere Stockwerk, die Halle wird später aber problemlos aufzustocken sein. Sie wird barrierefrei gebaut, und wir streben an, dass auch Rollstuhlsport darin möglich ist. Die Planungen sind jetzt abgeschlossen, und der feierliche erste Spatenstich erfolgte vor 2 Tagen. Nun werden die Fundamente ausgehoben. Baubeginn ist Ende September. Die Halle kann voraussichtlich in 18 Monaten der Öffentlichkeit übergeben werden.

Wir gehen nun ein Stückchen weiter und treffen uns wieder im Hof der Eisenzahnstraße 43-44.

Station 5: Eisenzahnstraße 43-44 / Theaterkunst

Ich begrüße ganz herzlich Frau Fölster und Herrn Siedersleben in unserer Runde. Herzlich willkommen! Mit ca. 10 Millionen Kostümen, Uniformen und Accessoires ist die Theaterkunst seit der Gründung 1907 das größte Kostümhaus Deutschlands. Die Theaterkunst beliefert Werbefirmen, Theater, Filmproduktionen, Musiker und Musikerinnen mit Kostümen aus allen wichtigen Epochen. Ich möchte aber nicht vorgreifen und überreiche Frau Fölster das Mikrofon.

Vielen Dank, Frau Fölster! Vielen Dank, Herr Siedersleben!

Wir nehmen nun den hinteren Ausgang, biegen links in die Bielefelder Straße, dann rechts in die Ruhrstraße, dort gehen wir bis zur Ecke Blüthgenstraße.

Station 6: Ruhrstraße / Ecke Blüthgenstraße

Station 6.1: Blüthgenstraße / Herkunft des Namens
Die Blüthgenstraße wurde am 2. Januar 1914 nach dem Dichter und Schriftsteller Victor Blüthgen benannt. Er wurde 1844 in Zörbig geboren und starb 1920 in Berlin. Der Sohn eines Postvorstehers studierte ab 1869 Theologie und besuchte das Predigerseminar in Wittenberg. Zunächst schlug er sich als Hauslehrer durch; ab 1876 arbeitete er als Journalist, ab 1880 bei der Deutschen Monatsschrift. Seine Gedichte und Erzählungen für Kinder erschienen in der Zeitschrift Die deutsche Jugend. Er publizierte Romane, Novellen, Operntexte und wurde vor allem durch seine Kinderlyrik bekannt.
Und hier zwei Beispiele, die Sie vielleicht sogar kennen:

Die fünf Hühnerchen
Ich war mal in dem Dorfe,
Da gab es einen Sturm,
Da zankten sich fünf Hühnerchen
Um einen Regenwurm.
Und als kein Wurm mehr war zu sehn,
Da sagten alle: Piep!
Da hatten die fünf Hühnerchen
Einander wieder lieb.

In der Ruhrstraße 10 sehen Sie das Gebäude der Christengemeinschaft.

Station 6.2: Ruhrstraße 10 / Christengemeinschaft
Die Christengemeinschaft, eine Bewegung für religiöse Erneuerung, wurde 1922 in der Schweiz gegründet. Sie steht den Gedanken des anthroposophischen Denkers Rudolf Steiner nahe. Geleitet wird die Christengemeinschaft von einem Lenkerkreis. Sie bildet ihre eigenen Priester und Priesterinnen aus. Die Berliner Gemeinde wurde von dem evangelischen Pfarrer Friedrich Rittelmeyer in der Neuen Kirche am Gendarmenmarkt gegründet. Unter den Nationalsozialisten war die Christengemeinschaft verboten. Die Kirche zwischen Ruhr- und Mansfelder Straße und das Gemeindehaus wurden von den Architekten Helmut Lauer und Rex Raab entworfen und am 10. Juni 1962 eingeweiht.

Station 6.3: Ruhrstr. 6 / Freie Volksbühne im Siegfried-Nestriepke-Haus
Wir waren ja letztes Jahr zum 125-jährigen Jubiläum der Freien Volksbühne bei ihrem Sommerfest, wo wir kräftig mitgefeiert haben. Für die, die damals nicht dabei waren: Der Verein Freie Volksbühne e.V. hat 6200 Mitglieder. Der Mitgliedsbeitrag beträgt € 36,00 im Jahr. Dafür bekommt man ermäßigte Eintrittskarten für Oper, Schauspiel, Musical, Kabarett, Varieté und auch Sportveranstaltungen. Das Programm und die bestellten Karten werden nach Hause geschickt.

Station 6.4: Blüthgenstraße 5 / Trümpy-Schule
In der Mitte der Blüthgenstraße auf der rechten Seite, Hausnummer 5, stand die Trümpy-Schule der Schweizer Tänzerin Berthe Trümpy, die 1895 geboren wurde. Das Haus wurde 1927 nach den Plänen von Alfred Gellhorn gebaut.

Der 1885 geborene Gellhorn baute hauptsächlich im Stil des Neuen Bauens. Auch die Trümpy-Schule war in diesem Stil gebaut. Er floh 1933 ins Ausland, erst nach Großbritannien, dann nach Kolumbien und Argentinien und kehrte 1954 nach Deutschland zurück. Er konnte aber an keinem dieser Orte an seine Erfolge aus der Zeit vor dem Nationalsozialismus anknüpfen und starb 1972 in London.

Die Trümpy-Schule wurde von Berthe Trümpy, einer Schülerin der Tänzerin Mary Wigman, gegründet. Dort arbeitete sie bis zu deren frühem Tod 1932 mit der ebenfalls aus der Schweiz stammenden Vera Skoronel zusammen. Diese Schule für modernen Tanz war hinsichtlich des Gebäudes und der Tanztechnik die modernste ihrer Art. Sie gehörte zu den besten Unterrichtsstätten Europas. In den zwanziger Jahren leiteten Trümpy und Skoronel den Sprech- und Bewegungschor an der Volksbühne in Berlin, insbesondere 1927 den Bewegungschor mit arbeitslosen jungen Menschen für die Aufführung “Der gespaltene Mensch” von Bruno Schönlank.

In den dreißiger Jahren choreografierte Berthe Trümpy Massenszenen und Tableaus für Festveranstaltungen. 1939 ging Trümpy nach Italien und 1941 in die Schweiz zurück. In den fünfziger Jahren eröffnete sie ein Feinschmeckerrestaurant. Nach einem schweren Unfall 1979 lebte sie bis zu ihrem Tod 1983 zurückgezogen in einer Klinik in der Schweiz.

Am Ende der Blüthgenstraße finden Sie rechts an der Ecke die Botschaft der Republik Malawi.

Station 6.5: Westfälische Straße 86 / Ecke Blüthgenstraße / Botschaft der Republik Malawi
Malawi zählt zu den ärmsten Volkswirtschaften der Welt, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf beträgt 142 Euro pro Jahr. 42% der Bevölkerung müssen mit weniger als 1 US-Dollar pro Tag auskommen. Im Human Development Index lag das Land 2013 auf Platz 174 von 187. In Malawi ist Korruption weit verbreitet. In diesem Fall ist das eine Art Verteilungskampf, die auf traditionellen Rechten, Vorrechten und Vormachtstellungen aufbaut. So gibt es neben dem öffentlichen Staatshaushalt einen informellen, der für die Stabilität des Landes wichtig, aber sehr konfliktträchtig ist. Die Wirtschaft ist überwiegend landwirtschaftlich ausgerichtet. Der Agrarsektor beschäftigt 90 % der Bevölkerung und erbringt fast 40 % des Bruttoinlandsprodukts und fast 90 % der Exporteinnahmen. Exportiert wird hauptsächlich Tabak, gefolgt von Tee und Zuckerrohr, während für den Eigenbedarf vor allem Mais angebaut wird.

Malawi war ab 1891 britisches Protektorat und ab 1907 Kolonie. 1915, als die britische Regierung die Wehrpflicht für die Koloniebewohner anordnete, revoltierte die einheimische Bevölkerung unter dem Baptistengeistlichen John Chilembwe gegen die Fremdherrschaft. Am 6. Juli 1964 erlangte das Land die Unabhängigkeit und wurde bis 1993 von dem Diktator Hastings Banda regiert. 1993 gab es ein friedlich ablaufenden Referendum, welches 1994 in freie Wahlen mündete. Initiiert worden war diese Entwicklung durch einen Hirtenbrief von sechs römisch-katholischen Bischöfen unter Führung von James Chiona im Jahr 1992, in dem erstmals seit Jahren öffentlich politische Reformen gefordert wurden.

Wir gehen nun weiter durch die Ruhrstraße und biegen links in die Westfälische Straße ein und treffen uns wieder vor der Einfahrt der Hausnummer 84.

Station 7: Westfälische Straße 84

Station 7.1: Westfälische Straße 85 / Stolpersteine
Wir sind eben an Getränke Hoffmann vorbeigekommen. In dem früher dort stehenden Haus wohnten vier Berliner Mitbürger und Mitbürgerinnen, die von den Nazis ermordet wurden. Die Stolpersteine zum Gedenken an Johanna Barschall und Jenny Loewenheim wurden am 21.9.2013 verlegt, die für Alfred und Alice Russak am 14.10.2014. Sie wurden, ebenso wie die an der Westfälischen Straße 82, von der Deutschen Rentenversicherung Bund am Fehrbelliner Platz gespendet. Auf den Stolpersteinen steht:

HIER WOHNTE
JOHANNA BARSCHALL
GEB. LOEWENHEIM
JG. 1889
DEPORTIERT 19.2.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Johanna Barschall, geb. Loewenheim, war wahrscheinlich die Tochter Jenny Loewenheims und wurde am 4. März 1889 geboren. Ihr Mann Willi war 1939 und 1940 mit der Bezeichnung Kaufmann/Papiergroßhandel im Berliner Adressbuch eingetragen. Danach ist er nirgendwo mehr aufzufinden, nach Angaben seiner Frau war er gestorben. Ihr Sohn Karl-Heinz, der 1912 geboren wurde, konnte rechtzeitig emigrieren. Johanna betrieb einen Bridgeclub in der Wielandstraße und lebte von den Einnahmen, weil faktisch alle Tätigkeiten für Juden verboten war. 1939 schrieb sie ihrem Sohn, dass sie gezwungen wurde, ihren Schmuck und sonstiges Silber abzuliefern und ihre Wertgegenstände versteigern zu lassen. Am 19.2.1943 wurde sie nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.
HIER WOHNTE

JENNY LOEWENHEIM
GEB. RUBEN
JG 1864
DEPORTIERT 17.3.1943
THERESIENSTADT
ERMORDET 10.4.1943

Jenny Loewenheim , geb. Ruben, wurde am 15. Juli 1864 in Hamburg geboren. Sie hatte nur eine kleine Wohnung in der Westfälischen Straße 85. Ein Zimmer vermietete sie, um die Wohnung bezahlen zu können, an Walter Grunwald, von dem nichts weiter bekannt ist. Vor ihrer Deportation musste sie Anfang März 1943 eine Vermögensaufstellung machen, der Wert ihrer Habe betrug 340 RM. Alles wurde konfisziert. Am 17. März wurde sie nach Theresienstadt deportiert und am 10. April 1943 ermordet.

HIER WOHNTE
ALICE RUSSACK
GEB. LEWIN
JG. 1889
GEDEMÜTIGT/ENTRECHTET
FLUCHT IN DEN TOD
24.9.1942

HIER WOHNTE
ALFRED RUSSACK
GEDEMÜTIGT/ENTRECHTET
FLUCHT IN DEN TOD
24.9.1942

Alice Russack, geb. Lewin, wurde 1889 in Stettin geboren und war in erster Ehe mit dem Hannoveraner Anwalt Georg Schoeps verheiratet. Nach ihrer Scheidung zog sie mit ihrer Tochter nach Berlin. Sie vermietete Zimmer mit Verpflegung und unterstützte ihren geschiedenen Mann, der dem Berufsverbot unterlag und eine Strafe wegen „Rassenschande“ in einem Konzentrationslager abbüßen musste.

Im Januar 1940 heiratete sie Alfred Russack, geboren am 18. August 1878 in Posen (Poznan). Er war seit 1940 als Kaufmann im Berliner Adressbuch verzeichnet. Von ihrem geschiedenen Mann Georg Schoeps hatten die beiden Berichte über die KZ-Bedingungen gehört. Deshalb entschlossen sie sich zum Freitod, als sie von der bevorstehenden Deportation erfuhren, und nahmen sich am 24. September 1942 das Leben. Im Bericht der Geheimen Staatspolizei (GeStaPo) zur “Einziehung jüdischen Vermögens hieß es: „Schlüssel der Wohnung sind nicht vorhanden. Abgenommene Türklinken befinden sich im Kriminalbüro des 152. Polizeireviers.“

Die Recherchen und Texte zu den Stolpersteinen machte die Stolperstein-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf.

Station 7.2: Westfälische Straße 15 hinterer Grundstückteil an die Brandenburgische Straße 53 angrenzend / potenzielle Wohnbebauung
Auf dem Grundstück Brandenburgische Straße 53 hinter denn unwirtlichen Mauern ist eine Wohnanlage geplant. Der Entwurf sieht ein E vor, dessen lange Seite sich über 2/3 der Länge des Parkhauses entlang zieht, die drei Querflügel würden sich im rechten Winkel auf das Grundstück schieben. 6 Geschosse und ein Staffelgeschoss mit 115 Wohneinheiten sind geplant. Unter dem Gebäude und den beiden Höfen soll eine Tiefgarage gebaut werden, die im Bereich der Höfe begrünt wird. Inzwischen wurde das Grundstück vom Investor an einen neuen Investor verkauft, und wir wissen noch nicht, ob dieser den Planungsentwurf übernimmt oder einen Neuen einreichen wird.

Station 7.3: Westfälische Straße 15 / Jüdische Traditionsschule
Auf dem Grundstück Westfälische Straße 15, von hier aus gesehen vor dem Wohngebäude Brandenburgische Straße 53, ist der Neubau einer Jüdischen Traditionsschule mit integrierter Krippe und Kita geplant. Neben zahlreichen Gruppen- und Unterrichtsräumen soll im Gebäude auch eine Sport- und Mehrzweckhalle untergebracht werden, die außerhalb des Schulbetriebs beispielsweise durch Sportvereine oder für religiöse Feierlichkeiten genutzt werden kann.

Für die Ermöglichung und Sicherung einer Schul- und Kitanutzung an diesem Standort gibt es bereits einen Bebauungsplanentwurf. Der Neubau ist bereits beantragt, jedoch müssen die Hinweise und Anforderungen verschiedener Fachbehörden noch in die Planung einbezogen werden.

Wir überqueren nun die Straße und gehen bis zur Nummer 17.

Station 8: Westfälische Straße 17

Station 8.1: Westfälische Straße 17 / Deutsch-polnische Kindertagesstätte
Links neben der Spirale ist die deutsch-polnische Kindertagesstätte Westfälische Straße. Sie hat im November 2012 ihren Betrieb aufgenommen. Träger ist das Nachbarschaftsheim Schöneberg e.V. Durch ihren deutsch-polnischen Schwerpunkt passt sie gut zur Katharina-Heinroth-Grundschule an der Ecke. Das Gebäude bietet Platz für 100 Kinder von 0 bis 6 Jahren. Sie arbeitet integrativ und ist offen für Kinder mit und ohne Behinderungen. Die Kita kooperiert auch mit dem rechts liegenden Jugend- und Kulturzentrum Spirale, das wir letztes Jahr schon besucht haben, und dem Abenteuerspielplatz, zu dem wir noch gehen werden.

Station 8.2: Westfälische Straße 82
In der Westfälischen Straße 82 hier gegenüber in dem Gründerzeitbau wohnten sechs Frauen zusammen in einer Wohnung. Wahrscheinlich waren fünf davon Untermieterinnen bei Herta Schwarz, die eine große Wohnung hatte. Lisa Adele Wolffenstein floh 1939 nach Holland, wurde dort aber verhaftet und im Lager Westerbork interniert, ehe sie im Juni 1943 nach Sobibor deportiert und dort ermordet wurde. 1941/42 wurde die Wohngemeinschaft gewaltsam auseinandergerissen. Zuerst wurden sie in verschiedenen anderen Wohnungen untergebracht, ehe sie 1942 deportiert und zwischen 1942 und 1943 in Vernichtungslagern ermordet wurden. Auf den Stolpersteinen steht:

HIER WOHNTE
LISA ADELE
WOLFFENSTEIN
JG. 1889
FLUCHT 1939 HOLLAND
INTERNIERT WESTERBORK
DEPORTIERT 1.6.1943
SOBIBOR
ERMORDET 4.6.1943

HIER WOHNTE
HERTA MARTHA
SCHWARZ
JG. 1887
DEPORTIERT 13.1.1942
RIGA
ERMORDET

HIER WOHNTE
CLARA GALLAND
GEB. COHN
JG.1871
DEPORTIERT 14.9.1942
THERESIENSTADT
TREBLINKA
1942 ERMORDET

HIER WOHNTE
GERTRUD CUSSEL
GEB. BRASCH
JG. 1884
DEPORTIERT 13.6.1942
ERMORDET IN
SOBIBOR

HIER WOHNTE
CÄCILIE SELMA
COHN
GEB. SCHWARZ
JG. 1855
DEPORTIERT 25.8.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 10.3.1943

HIER WOHNTE
BABETTA WITTKOWSKY
GEB. LEWY
JG 1876
DEPORTIERT 25.8.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 5.4.1943

Nun gehen wir rechts in die Münstersche Straße hinein und dann rechts auf den Abenteuerspielplatz, wo uns Herr Taddiken erwartet.

Station 9: Münstersche Straße 4

Station 9.1: Abenteuerspielplatz
Ich begrüße ganz herzlich, Herrn Taddiken, der sich hier um den Abenteuerspielplatz kümmert und nur für uns heute hierher gekommen ist. Der Abenteuerspielplatz gehört zum Jugend- und Kulturzentrum Spirale.

In der Spirale waren wir letztes Jahr im Juni. Sie ist ein Begegnungsort für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Die Schwerpunkte der künstlerischen Angebote liegen in den Bereichen Theater, Tanz, Kreatives Schreiben, Jonglieren und Film. Im Bereich Musik wird in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Charlottenburg-Wilmersdorf und der Musikschule folgender Unterricht angeboten: Bass-, Gesangs-, Gitarren- und Schlagzeugunterricht, Workshops in Songwriting, Musiktheorie sowie Bandworkshops. Zur Entwicklung eigener Ideen und Projekte stehen Räume zur Verfügung. Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit sind internationale Jugendaustauschprojekte, in denen die Jugendlichen ihre interkulturellen Kompetenzen erweitern.

Auf dem Abenteuerspielplatz können Kinder im Alter von 6 -12 Jahren die Natur erforschen, Hütten bauen oder sich sportlich betätigen. Das Jugend- und Kulturzentrum wird in Kooperation mit dem Nachbarschaftsheim Schöneberg e.V. betrieben.

Aber nun möchte ich das Mikrofon Herrn Taddiken übergeben, der uns etwas von seiner Arbeit erzählen wird.
Vielen Dank, Herr Taddiken!

Station 9.2: Münstersche Straße 6 / Bildungs- und Familienzentrum Chabad Lubawitsch
Das alte Umspannwerk der Bewag an der Münsterschen Straße 6 wurde 2007 im Auftrag der jüdisch-orthodoxen Vereinigung Chabad Lubawitsch von dem russischen Architekten Sergei Tchoban zu einem Bildungs- und Familienzentrum umgebaut mit Synagoge, Kita, Medienzentrum, Mehrzweckräumen und einer Nachbildung der Jerusalemer Klagemauer auf rund 1.000 Quadratmetern. Finanziert wurde der Bau durch zahlreiche Spenden. Es ist das größte jüdische Bildungszentrum in Europa und eine Begegnungsstätte verschiedener Kulturen. Die Synagoge erstreckt sich über zwei Etagen und bietet 250 Plätze. Außerdem gibt es einen Festsaal, eine Bibliothek, Schulungsräume, ein Restaurant mit koscheren Speisen, eine Jugendlounge sowie eine Mikwe, ein traditionelles jüdisches Ritualbad. Der Rabbiner und Direktor des Zentrums, Yehuda Teichtal, kam 1996 als Vertreter der weltweit aktiven jüdischen Organisation Chabad Lubawitsch aus New York nach Berlin. Das Wort „Chabad“ ist ein hebräisches Akronym für die drei intellektuellen Fähigkeiten: Weisheit, Verstehen und Wissen. Das Wort „Lubawitsch“ ist der Name einer Stadt in Weißrussland. Dort hatte die Bewegung über ein Jahrhundert ihren Sitz. Zum Schuljahresbeginn 2008 wurde im Bildungs- und Familienzentrum ein Tora-Kolleg eröffnet. Das Internat bietet jungen jüdischen Männern die Möglichkeit, in Berlin die Schule zu besuchen und gleichzeitig intensive jüdische Studien zu betreiben.

Zusammen mit der geplanten Traditionsschule soll hier ein Jüdischer Campus entstehen, um das jüdische Leben in Berlin zu stärken und stärker ins Bewusstsein zu rufen. Die Angebote stehen allen offen.

Station 10: Münstersche Straße 7-9

Station 10.1: Evangelischer Campus Daniel
Ich begrüße ganz herzlich in unserer Runde, Pfarrer Zakrzewski-Fischer.

Seit dem 1. Januar 2014 bildet die evangelische Kirche in Charlottenburg und Wilmersdorf eine neue Einheit. Der neue Kirchenkreis ist weitgehend identisch mit dem Stadtbezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Er ist der zentrale Kirchenkreis der City West. Mit rund 70 000 evangelischen Christen in 18 Gemeinden gehört er zu den größten Berlins. Der Evangelische Campus Daniel ist das Bildungsprojekt des Kirchenkreises und vereint an einem Ort diakonisch-soziales Engagement, Bildung und Gemeindeleben. Zum Campus Daniel gehören die Daniel-Kirchengemeinde, eine Kindertagesstätte, die Grundschule und eine Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz.

Die Evangelische Daniel-Kirchengemeinde wurde im Jahr 1960 gegründet und hat im Moment ungefähr 2 600 Mitglieder.

Die Kindertagesstätte Daniel betreut Kinder vom Krippenbereich bis zum Schuleintritt. Besonderer Schwerpunkt ist die gemeinsame Arbeit mit Kindern mit besonderen Bedürfnissen.

Die Evangelische Grundschule Wilmersdorf entwickelte sich aus einer Elterninitiative der Kindertagesstätte der Wilmersdorfer Lindenkirchengemeinde. Heute befindet sie sich in Trägerschaft der Evangelischen Schulstiftung. Die Grundschule ist eine Ganztagsschule mit 300 Schülern und Schülerinnen und hat einen reformpädagogischen Ansatz. Religionsunterricht ist Pflichtfach für alle Schüler und Schülerinnen. Eine Anzahl von Plätzen ist schulgeldfrei und für Kinder aus finanziell schlechter gestellten Familien reserviert. Es werden auch Kinder aus andersgläubigen Familien in der Schule aufgenommen.

Bevor ich nun Pfarrer Zakrzewski-Fischer das Mikrofon gebe, möchte ich Sie noch auf die Vernissage hier im Kirchsaal heute Abend um 19:30 Uhr aufmerksam machen. Maria Rosaria Marchi (sprich: Marki) stellt ihre Bilder aus. Wenn Sie Lust haben, schauen Sie doch heute oder an einem anderen Tag hier vorbei. Von wann bis wann geht die Ausstellung, Herr Zakrzewski-Fischer? Und wie sind die Öffnungszeiten?

Vielen Dank, Pfarrer Zakrzewski-Fischer!

Station 10.2: Chocolatier Hamann
Bevor ich den Kiezspaziergang beende, möchte ich Sie noch auf eine Besonderheit in der Brandenburgischen Straße 17 hinweisen, die Sie auf dem Weg zur U-Bahn auf der anderen Straßenseite finden: die Schokoladenmanufaktur Erich Hamann, die sicher viele von Ihnen kennen. Die Manufaktur ist ein Familienbetrieb, der nun in der dritten Generation geführt wird.

Erich Hamann wurde 1880 als Sohn eines Reeders und Kapitäns in Memel in Ostpreußen (heute Litauen) geboren. Er wurde Konditor und gründete 1912 seine Schokoladenmanufaktur in der Kurfürstenstraße, wo auch sein erstes Geschäft war. Ringsum gab es damals Privatschulen. Viele der Schülerinnen waren seine ersten Kunden. Sie blieben ihm auch treu als er 1928 in die Brandenburgische Straße 17 zog, eine moderne Fabrik mit hellen Arbeitsräumen. Das Geschäft im Erdgeschoss der Manufaktur wurde von Johannes Itten entworfen und ist noch mit der Originaleinrichtung erhalten. Auch das Verpackungsdesign ist noch aus den Gründertagen. Johannes Itten war von 1919 bis 1923 Professor am Bauhaus in Dessau und hatte später eine eigene Kunstschule in Berlin.

Hamann spezialisierte sich auf Bitterschokolade, womit er seinen Ruhm begründete. Auch heute noch wird die Schokolade nach Originalrezepturen von Erich Hamann hergestellt. 40 Tonnen Schokolade werden in der Brandenburgischen Straße pro Jahr verarbeitet, und zwar zu 70% dunkle Schokolade und zu 30 % Vollmilchschokolade. Die Nachfrage nach Pralinen hat nachgelassen. Viel begehrter sind inzwischen andere Spezialitäten, wie Plattenschokolade, das sind die hauchfeinen Täfelchen, oder die Borkenschokolade.

Heute wird das Unternehmen von Gerhard Hamann, seiner Frau Ingrid Hamann und ihrem Sohn Andreas Hamann geführt. Zu bekommen ist die Schokolade in der Brandenburgischen Straße 17 montags bis freitags von 9 bis18 Uhr und samstags von 9 bis 13 Uhr, also jetzt ist leider nicht mehr geöffnet. Außerdem kann man Hamann-Schokolade auch noch im KadeWe, in der Galeria Kaufhof, im Süßwareneinzelhandel und in Feinkostgeschäften kaufen.

Erich Hamann starb übrigens 1949 und ist mit seiner 15 Jahre später verstorbenen Frau Anna auf dem Friedhof Stahnsdorf beerdigt.

Unser Kiezspaziergang ist nun zu Ende, und ich wünsche Ihnen einen gesunden und frohen Nachhauseweg. Der U-Bahnhof Konstanzer Straße ist sowohl nach links als auch nach rechts zu erreichen. Treffpunkt für den nächsten Kiezspaziergang ist der S-Bahnhof Westend, nördliche Seite des Spandauer Dammes, am Samstag, den 8.10.2016, um 14 Uhr.